Das Cafe Bistro gewinnt immer

Die Frau, die über dem Cafe Bistro
wohnt, hat wirklich viel versucht. Ständige Anrufe bei der Polizei führten zwar
zu regelmäßigen Einsätzen, der Erfolg blieb jedoch aus. Denn laut der Polizei
war es, wann immer ein Streifenwagen auftauchte, vor dem Cafe Bistro ruhig. Es
folgte der Rat, sich an den Vermieter zu wenden, was ebenfalls keinen Erfolg
brachte.
Beim Ordnungsamt hieß es, dass von
anderen Bewohnern keine Beschwerden vorlägen und auch in der Vergangenheit
niemand was zu meckern hatte. Lügen können die scheinbar gut. Nachdem die Frau
sogar den Bürgermeister einschaltete kam irgendwann die Frage auf, ob sie
vielleicht etwas gegen Ausländer hat. Ein immer wieder gern benutztes Argument.
Abschießend riet man ihr umzuziehen, wenn sie sich von dem Lärm, den scheinbar
nur sie hört, belästigt fühlt. Von den Besuchern des Cafe Bistro wird sie, laut
ihrer Aussage, mittlerweile ausgelacht. Das Cafe Bistro soll obendrein dank
irgendeiner Sondergenehmigung nur zwischen 05.00 – 06.00 Uhr geschlossen sein
müssen. Den Eigentümer des Cafe Bistro interessieren nur die Mieteinnahmen. Er
lebt irgendwo in Bayern und hat mit all dem sowieso nichts zu tun. Nun hat Frau
die Wohnung gekündigt und wird schon bald Geschichte sein. Sie ist nicht die
erste und wird auch nicht die letzte sein, die vor dem Cafe Bistro kapituliert.
Dennoch beneide ich sie irgendwie, denn als Mieterin hat man diese Möglichkeit,
die ich als Eigentümer so nicht habe. Ich werde diesen Lärm bis zu meinem Tod
ertragen müssen. Alternativ dazu könnte ich höchstens die Wohnung zu einem
Spottpreis verkaufen oder verschenken. Ich bin echt nicht zu beneiden. Der
nächste Mieter, der irgendwann über dem Cafe einziehen wird, ist auch nicht zu
beneiden. Und so wird es in diesem Haus auch in Zukunft ein Kommen und Gehen
bleiben, weil die meisten früher oder später den Kampf gegen Windmühlen aufgeben.
Und ich frage mich auch weiterhin, wer seine Hand schützend über das Cafe
Bistro hält.

Ramadan

Eigentlich war mir Ramadan immer egal, weil es nichts mit mir zu
tun hat. Doch in diesem Jahr habe ich Gefallen daran gefunden und bin traurig, dass
nicht das ganze Jahr Ramadan ist. Denn während dieser Fastenzeit war der Lärm
vom Cafe Bistro soweit reduziert, dass ich prima bei geöffneten Fenstern ohne
Ohrenstöpsel schlafen konnte. Nun ist diese schöne Zeit leider vorbei und ich
habe die Wahl, nachts die Fenster zu schließen und in der Hitze verrückt zu werden
oder mir Ohrenstöpsel in die Ohren zu stecken, um es wenigstens halbwegs ruhig
zu bekommen. Aus nachvollziehbaren Gründen schlafe ich seit dem Ende der
Fastenzeit mit Ohrenstöpseln und kann nicht behaupten, dass mir das wirklich
gefällt.

Zu laut oder zu warm

Das Schöne an diesem Wetter ist, dass ich nun jeden Abend die
Wahl habe. Entweder schließe ich die Fenster und kann nicht einschlafen, weil
es zu warm ist. Oder ich öffne die Fenster und kann nicht einschlafen, weil der
Lärm vom Cafe Bistro es nicht zulässt. Das Leben ist so viel schöner, wenn man
sich solche Luxusprobleme leisten kann. Und Schlaf wird sowieso überbewertet.

Wenn das Cafe Bistro erwacht

Durch meinen beruflichen Wiedereinstieg und die sich daraus
ergebenden grandiosen, nicht nur, finanziellen Möglichkeiten, muss ich
bekanntlich früher ins Bett, was mir sehr missfällt. Was ich bei all dem jedoch
vergessen hatte ist die Tatsache, dass es das Cafe Bistro gibt. Doch jeden
Abend vor dem Schlafengehen, wenn ich zum Lüften die Fenster öffne, werde ich daran
erinnert. Egal, wie kalt es draußen ist, vor dem Cafe Bistro geht es laut her.
Da spielt es auch keine Rolle, ob es vor oder weit nach Mitternacht  ist. Ebenso unbedeutend ist der Wochentag. Nun
ist es derzeit zum Glück noch so kalt, dass ich nachts die Fenster geschlossen
lassen kann und so von dem Lärm, der bekanntermaßen mit den Temperaturen
ansteigt, noch nicht zu sehr belästigt werde. Doch in der Zeit, wo es nicht
mehr möglich sein wird, die Fenster nachts geschlossen zu halten, wird es
vermutlich schwierig mit dem Einschlafen werden. Für jemanden wie mich, der
seinen Schlaf braucht, ist das natürlich äußerst unangenehm. Andererseits fängt
der Lärm dort unten selten vor 22.00 Uhr an. Wenn ich es also schaffe, schon
viel früher in einen tiefen Schlaf zu gleiten, und mich der Lärm dann nicht
mehr erreicht, ist vielleicht doch ausreichend Schlaf zu bekommen.  Ich hatte tatsächlich vergessen, was ich
alles beachten muss, wenn ich einen ‚Job‘ annehme. Nun habe ich den Salat und
das Kind liegt längst tief im Brunnen.

Nachts, wenn der Hurensohn gefickt werden soll

Es ist fast Mitternacht als mich der Lärm von der
Straße erreicht. Ein Mann schreit sehr laut irgendwen an. „Wer bist  Du?“, schreit er dabei am häufigsten. Eine
Frauenstimme vernehme ich auch, kann aber nicht verstehen, was sie mitzuteilen
hat. Möglicherweise ist auch ein weiterer Mann involviert. Wirklich hören kann
man nur den einen Mann, der die Frage „Wer bist Du?“ noch weitere Male stellt. Es
folgen Geräusche, die eine kurze Prügelei oder die Zerstörung von Gegenständen bedeuten
können. Dann wird es still. Diese Stille währt einige Minuten. Vielleicht auch
ein paar Minuten mehr. Dann schreit der Schreihals wieder los. Dieses Mal
bleibt es nicht bei „Wer bist?“. Er nennt irgendwen einen Hurensohn, den er ficken
will. „Ich fick Dich. Ich fick Dich. Ich fick Dich, Du Hurensohn!“ Gefolgt von „Wer
bist Du?“ Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Mindestens ein
Polizist und eine Polizistin geben sich zu erkennen. „Du blonde Kuh“, folgt als
Antwort. Ob die blonde Kuh nun die Polizistin oder eine andere blonde Kuh ist,
lässt sich nicht sagen. Mehrfach fordert man den Mann, der offensichtlich
betrunken ist, auf, sich zu beruhigen. Warum man den Mann nicht mit einem
gezielten Schlag zur Ruhe bringt, bleibt mir ein Rätsel, denn er schreit schon
wieder „Du Hurensohn! Du Hurensohn! Ich fick Dich, Du Hurensohn!“ Ob er damit
einen Polizisten oder einen echten Hurensohn meint, lässt sich nicht erkennen.
Es ist hörbar, dass er wohl Streit mit einer anderen Person hatte. Vielleicht
ist diese Person der Hurensohn, der gefickt werden soll. Wieder ruft er „Wer
bist Du?“. Als Antwort sagt ihm der Polizist, dass er von der Polizei ist,
woraufhin er von dem Mann mit „Herr Polizei“ angesprochen wird. Die Frau ist
nun „Frau Polizei“, bevor der Mann nach einem Lutscher verlangt. Vielleicht
nennt er auch einen der Anwesenden Lutscher. Das ist schwer zu beurteilen. Er
weist als nächstes darauf hin, dass er in Deutschland geboren ist, was aber
keinem hilft und die Sache nicht besser macht. Dann soll wieder der Hurensohn
gefickt werden. Es folgt die Frage „Wer bist Du?“ gefolgt von „Du Wichser“.
Wenigstens Ohrfeigen sollte man ihn dafür. Doch nichts dergleichen passiert.
Ein Polizist brüllt, dass der Mann ruhig sein soll. Dieser fragt „Wer bist Du?“,
bevor er „Herr Polizei“ sagt. Dann will er erneut einen Hurensohn ficken, bevor
es irgendwem irgendwie gelingt, den Mann zu beruhigen. Vielleicht schläft der
betrunkene Mann auch spontan seinen Rausch aus. Schwer zu beurteilen. Betrunkene
Menschen sind ja sowieso ziemlich abstoßend. Wenn diese betrunkenen Menschen
auch noch dumm sind, dann wird es unerträglich. Ich hoffe nur, dass dieser Betrunkene
nicht öfter in der Nacht irgendwelche Hurensöhne ficken will, weil mich solche
Aktionen um meinen wohlverdienten Schlaf bringen und ich so etwas ganz und gar
nicht mag.

Spaß vor dem Cafe Bistro

Ausgelassen
unterhalten sich zwei Männer vor dem Cafe Bistro. Der eine bekommt dabei immer
wieder so heftige Lachanfälle, dass ich fürchte, dass er dabei sterben wird.
Ich liege im Bett, höre mir den Spaß an und wundere mich, dass es außer mich
niemanden stört, dass nach Mitternacht noch so ein Lärm da unten produziert
wird. Können die sich nicht woanders freuen? Und wieso hört der Spaß nicht auf?
Es
ist etwa 00.43 Uhr als der eine der beiden seinen nächsten Lachanfall bekommt.
Leider verstehe ich nicht, was er zwischendurch immer wieder sagt, erkenne
aber, dass es witzig sein muss, weil er immer wieder lauthals loslacht. Inmitten
dieser großartigen und ausgelassenen Stimmung, vernehme ich plötzlich eine
laute und sichtlich unzufriedene Stimme. Ein Mann brüllt, dass er endlich Ruhe
haben will, weil er sonst die Polizei ruft. 
Die beiden machen sich unverzüglich über den Mann lustig. Deren Laune
kann so ein Miesepeter nicht verderben. Alles andere hätte mich auch sehr
gewundert. Die beiden haben sich noch nicht beruhigt, da spricht die Frau, die
direkt über dem Cafe Bistro wohnt, zu ihnen und sagt, erstaunlich freundlich,
dass ihre Tochter nicht schlafen kann und bittet um Ruhe. Die beiden wirken
plötzlich sehr verständnisvoll und geben zu erkennen, dass sie bald Ruhe geben.
Sie brüllen sich dann noch etwas zu und knapp zwei Minuten später fahren sie
davon. Die Ordnung ist wieder hergestellt und die Anwohner dürfen schlafen.
Wenn doch alles so einfach wäre.

Eine ganz normale Nacht

Freitag.
00.30 Uhr. Der Tag hat gerade begonnen. Es ist noch immer sehr warm, alle
Fenster sind geöffnet und ich liege auf dem Bett. Im Cafe Bistro herrscht
Wochenendstimmung, dabei hat das Wochenende noch nicht wirklich begonnen. Das schöne
Wetter ist der Freund der Besucher des Cade Bistro und sie leben fröhlich in
den Tag hinein. Vermutlich haben die Gäste heute frei oder Spätschicht. Es gibt
nichts, was die gute Laune trüben könnte. Selbst als ein Tablett mit Flaschen
und Gläsern, zumindest hört es sich so an, zu Boden fällt, schadet es der
Stimmung nicht. Eher im Gegenteil. Es muss wundervoll sein, wenn man morgens
nicht raus muss und die Nacht zum Tag werden lassen kann. Ich will mich gerade
bedauern, da fällt mir auf, dass auch ich in dieser komfortablen Situation bin.
Dummerweise, und das ist mein Problem, stelle ich mir meinen Wecker derzeit
immer auf 08.01 Uhr und bin spätestens ab Mitternacht müde und im Schlafmodus. So
werde ich nie zu einem fröhlichen Nachtschwärmer. Ich sollte das ändern, wenn
ich auch mal Spaß haben will. Doch weil Spaß mir fremd ist, ich ein
übellauniger Deutscher und obendrein müde bin, fängt die Situation an mir zu
missfallen. Da es absolut unmöglich ist, die Fenster zu schließen, was nicht an
mir, sondern an den Temperatuten liegt, bleibt nur ein Ausweg. Ohrenstöpsel.
Kaum sind sie in meinen Ohren wird der Geräuschpegel um etwa 83% gesenkt. Nun
sollte ich schlafen können. Ein paar Geräusche später verliere ich das
Bewusstsein.
Gegen
05.30 Uhr wache ich auf, weil ich glaube, dass irgendwelche unangebrachten Geräusche
zu mir durchdringen. Ich nehme einen Ohrstöpsel raus, kann aber nichts
feststellen und schiebe ihn zurück ins Ohr. Kurz bevor ich einschlafe wird es
wieder laut. Ich vermute ein Gewitter, entferne beide Ohrstöpsel und lausche in
die Morgendämmerung hinein. Tatsächlich bestätigt sich wenig später mein
Verdacht. Im Halbschlaf stehe ich auf, um alle Fenster zu schließen. Vor dem
Cafe Bistro hat man sich irgendwas zu erzählen. Möglicherweise die Frühschicht
oder die ersten Gäste, falls das Cafe Bistro zwischenzeitlich überhaupt geschlossen
wurde. Womöglich sind es auch die letzten Gäste, die nun vom Gewitter
vertrieben werden. Nachdem alle Fenster geschlossen sind, scheint es fast so,
als wäre die Ordnung wieder hergestellt. Ich höre wie der Regen aufs Dach fällt.
Starker Regen. Noch etwas mehr als zwei Stunden bis mein Wecker klingelt und
die Nacht beendet. Ich schlafe ein.

In der Nachbarschaft

Im
Haus gegenüber ziehen die Leute gerne ein und aus. Kaum wohnt jemand etwas
länger dort, zieht er auch schon wieder aus. Ich vermute, dass es am Lärm vom
Cafe Bistro liegt. Den Lärm will kaum jemand mehr als einen Sommer ertragen
müssen. In der dritten Etage wohnt seit neuestem ein junges Pärchen. Anfangs
fand ich das noch interessant, weil die Frau durchaus leicht bekleidet in der
Wohnung aktiv war. Da deren Wohnung direkt gegenüber von meinem Balkon ist, habe
ich einen guten Blick auf das Geschehen dort. Leider hängen mittlerweile vor
dem Schlafzimmer Rollos, die absolut Blickdicht sind. So kann ich die Nachbarn
nur sehen, wenn sie in der Küche sind. Sie scheint recht attraktiv zu sein und
hat, soweit ich das beurteilen kann, eine ansprechende Figur. Er nicht. Jetzt
gerade habe ich das Vergnügen, dass sie duscht. Das Badezimmerfenster ist zwar
aus dem typischen Badezimmerglas, doch je näher sie am Fenster ist, desto mehr
lässt sich erkennen.  Nun bin ich mir
ganz sicher, dass sie eine gute Figur hat. Das was ich sehe, gefällt mir. Was
ich nicht sehe, bilde ich mir einfach ein, so dass ein sexy Gesamtbild
entsteht. Und ja, es ist durchaus möglich, dass ich einfach nur ein blöder Spanner
bin. Allerdings könnte sie beim Duschen auch das Rollo zuziehen oder am Tag
duschen, dann würde ich das nicht sehen müssen. Außerdem ist es nicht meine
Schuld, dass deren Badewanne/Dusche direkt vor dem Fenster ist und ich genau
gegenüber meinen Balkon habe. Leider ist sie irgendwann fertig mit duschen und
ich will mir gerade ansehen, was die anderen Nachbarn so machen, als der Mann
die Dusche betritt. Er scheint, soweit ich das beurteilen kann, weitaus weniger
attraktiv als sie zu sein. Und was mich wirklich stört ist die Tatsache, dass
er länger duscht als sie. Dazu beschäftigt er sich beim Duschen viel zu lange
mit seinem Intimbereich. Weil mich das nicht weiter bringt, freue ich mich
schon jetzt auf das nächste Mal, wenn sie duscht. Vielleicht ja schon morgen.
Kurz
vor dem Pärchen zog in der Wohnung daneben eine Frau mit ihrer Katze ein. Sie
mag wohl keine Gardinen, findet es aber scheinbar cool, Sachen auf die
Fensterbank und die Spüle zu stellen. So stellt sie auch mal eine große Flasche
Cola direkt in die Sonne. Ich konnte bisher nicht erkennen, wie die Frau
aussieht, vermute aber anhand der Cola auf der Fensterbank, der fehlenden
Gardinen und den vielen Bier- und Colaflaschen, die auf der Spüle stehen, dass
sie wenig attraktiv ist, zu viel trinkt und gehe obendrein davon aus, dass sie dumm
ist. So eine Meinung scheint vielleicht, aufgrund meiner wenigen Beobachtungen
und ohne je Kontakt zu der Frau gehabt zu haben, etwas verfrüht und
oberflächlich, doch ich irre bei solchen Sachen nur selten. Weil obendrein der
größte Teil der Menschen dumm und/oder unattraktiv ist, kann ich getrost davon
ausgehen, dass ich wieder einmal Recht habe. Früher oder später wird es sicher
weitere Indizien für meine These geben.
Über
der dummen Frau mit der Katze wohnte im letzten Jahr noch das Pärchen, welches
mir im letzten Sommer immer auf die Nerven ging, wenn es rauchend am Fenster
stand und mit flachen Gesprächen geglänzt hat. Mittlerweile muss da jemand
anders wohnen, denn bis auf eine Katze ist niemand mehr am Fenster aktiv.
Leider habe ich bis heute nicht sehen können, wer da nun wohnt. Aber da der
Sommer eben erst begonnen hat und ich vorhabe noch öfter auf dem Balkon zu
sitzen, kann sich das noch ändern.
In
der mittleren Wohnung der vierten Etage wohnt noch immer der dicke Mann. Er
gehört damit zu den wenigen, die einfach nicht wegziehen wollen. Egal, wie viel
Lärm die Jungs vom Cafe Bistro auch machen. Wer in den äußeren Wohnungen der
beiden Etagen wohnt, kann ich nicht sagen, weil die sich einfach nie blicken
lassen. Da ich von meinem Stuhl aufstehen müsste, um die Menschen der unteren
Etagen zu sehen, habe ich von denen, die dort wohnhaft sind, bisher keine
Ahnung.
Ein
weiterer Quell der Freude ist die dicke Frau, die in diesem Haus in der zweiten
Etage wohnt. Sie ist zwar mittlerweile nicht mehr ganz so dick, dafür ist ihre
Lache auch weiter eine einzige Katastrophe. Wenn sie lacht, hört man es
vermutliche mehrere hundert Meter weit. Manchmal, wenn sie lacht, denke ich,
dass ich in einem schlechten Film sitze. Doch rasch muss ich immer wieder und
wieder feststellen, dass ich mich in der Realität befinde. Die lacht wirklich
so. Das ist kein Klischee.

Die Saison ist eröffnet

Es ist durchaus erstaunlich, dass es erst Anfang Juni
erforderlich ist, nachts ein paar Fenster offen zu lassen. Und so komme ich
erst jetzt in den Genuss, meinen Freunden vom Cafe Bistro mal wieder in einer
Nacht zu lauschen. Dummerweise ist mein Interesse daran so gering wie eh und
je. Und so fällt es mir schwer, mich auf das Buch zu konzentrieren, welches ich
vor dem Einschlafen zu lesen pflege. Schon jetzt hasse ich den Sommer und
wünsche die Kälte zurück. Ich könnte mir natürlich auch wünschen, dass das Cafe
Bistro endlich geschlossen wird, doch das werde ich nicht mehr erleben. Das
wird vermutlich niemand mehr erleben.
Nach einer Weile höre ich eine Frau, die völlig erbost etwas zum
Cafe Bistro hinunter ruft. Sie will, dass da unten endlich Ruhe herrscht, weil
sie morgen, also in ein paar Stunden, arbeiten muss und vorher gerne noch
schlafen möchte. Irgendwer vom Cafe Bistro antwortet, dass sie auch morgen
arbeiten müssen. Dann wird die Frau ein bisschen ausgelacht. Für ein paar
Sekunden wird es anschließend ruhiger, bevor alles weiter geht, wie gehabt. Es
ist davon auszugehen, dass die Frau irgendwann während des Sommers resigniert
oder wegzieht. Alle, die nicht resigniert haben, sind weggezogen. Warum bin ich
noch nicht weggezogen? Ach ja, Eigentumswohnung.
Und so freue ich mich schon jetzt auf die nächsten Sommernächte,
den Lärm, der nie versiegen wird und auf die Leute, die früher oder später
resignieren und den Lärm ertragen oder sich entnervt nach einer neuen Bleibe
umschauen. Vielleicht ziehen auch noch neue Menschen hierher in diesem Sommer. Es
bleibt also auch weiter spannend und ich bin echt froh, dass ich morgens nicht
raus muss.