Ein schöner Anblick

Eine Teilnehmerin aus einer anderen Maßnahme braucht kurzfristig eine Bewerbung, doch niemand der Angestellten hat Zeit für sie. Daher werde ich gefragt, ob ich mich darum kümmern kann. Da ich mich gerne um Frauen kümmere, lasse ich mir zunächst die Bewerbungsunterlagen der Teilnehmerin zeigen. Abgesehen davon, dass man da fast nichts ändern muss, ist auf dem Bewerbungsfoto eine hübsche, junge Frau mit braunen Locken und einem netten Gesicht zu sehen. So Aufträge nehme ich immer gerne an. Wenig später kommt die Frau zu mir. Maximal 1,65m groß, tolle Figur, nettes Lächeln und scheinbar makellose Haut bringt sie mit. Ich bin entzückt. Leider hat man ihr neben der tollen Optik eine echt heftige Stimme gegeben, die es in meinem Kopf kurz klingeln lässt, als sie zu reden beginnt. Das passt ja nun gar nicht. Was soll denn sowas? Wer produziert denn so etwas und warum? Nachdem ich mich von dem Schreck erholt habe, erkläre ich der guten Frau, was ich geändert habe und sehe in ihrem Lebenslauf, dass sie 35 ist. Ich hätte sie maximal auf 30 geschätzt, so niedlich wie die ausschaut. Weil sie ein so schöner Anblick ist, macht es fast nichts, dass sie eine so blöde Stimme hat. Man muss ja nicht immer reden. Wieso bekommen wir nicht mal so niedliche Teilnehmerinnen serviert? Interessanterweise sitzt während der ganzen Zeit, die ich mich um die Bewerbungsunterlagen kümmere, der Mitarbeiter, der keine Zeit hat, am Nebenschreibtisch und spielt mit seinem Smartphone. Muss ich nicht verstehen. Liegt vermutlich außerhalb meines Verständnisbereichs.

Am nächsten Tag, ich bin gerade verwirrt und starre vor mich hin, klopft es an der Bürotür. Anstatt etwas zu sagen, schaue ich nur zu Tür, die nach einer Weile geöffnet wird. Und da steht dieses schöne Lebewesen wieder vor mir. Da ist sie direkt an der Tür von Grete, der neuen zuständigen Kollegin, welche Steffi ersetzt, vorbei, nur um mir zu sagen, dass die Bewerbung nicht gut ankam. Ich frage mich, was ich da wohl wieder verzapft habe, als die junge Frau mir zeigt, was nicht so gut ankam. Lediglich eine Formulierung, die man dort, wo sie sich beworben hat, lieber so formuliert hätte, wie es vor vielen Jahren üblich war. Da wollte ein Wichtigtuer wohl einfach mal wieder zeigen, dass er es drauf hat. Wenn es nicht wirklich etwas zu bemängeln gibt, sollte man einfach schweigen. Andererseits hat mir dieser lächerliche Blödsinn jetzt diesen hübschen Besuch beschert. Heute redet sie zwar etwas mehr, was schon etwas wehtut, dafür lächelt das hübsche Geschöpf aber, was es sofort wieder ausgleicht. Sie hat ein paar Sätze der Bewerbung umformuliert und sagt, dass sie echt viel Zeit dafür gebraucht hat. Wäre vermutlich nicht nötig gewesen, aber ich lobe sie und sage ihr, dass es toll ist und jetzt auch viel mehr nach ihr klingt. Dabei kann ich das nicht beurteilen, ob das nach ihr klingt oder eben nicht. Sie allerdings freut sich und das ist schön anzuschauen. Ich weiß wirklich, wie man junge Frauen glücklich macht. So verlässt sie mein Büro, zeigt die Bewerbung stolz Grete und wird leider aus ihren Träumen gerissen, weil Grete irgendwas an dem Anschreiben zu bemängeln hat. Ich kann Frauen einfach nicht nachhaltig glücklich machen. Konnte ich noch nie. Schade.

Seminar mit Sonderling

Ob man es nun Fortbildung oder Seminar nennt, spielt keine Rolle, wichtig ist nur, dass ich dabei bin. Aber warum bin ich dabei? Zum einen, weil ich denke, dass man sich nicht immer verweigern kann und zum anderen, weil ich nicht möchte, dass mein Arbeitgeber mich für desinteressiert hält. Außerdem glaube ich, dass ich mehr und mehr verblöde, da kann etwas Input sicher nicht schaden.

Das Seminar hat den klangvollen Titel „Arbeitsmarktorientierte Potenzialanalyse“, was für mich direkt gruselig klingt. Aber ich habe eh viel zu viele Vorurteile, um das realistisch zu betrachten. Zumindest rede ich mir das ein und lasse es mir auch gern bestätigen. Insgesamt haben sich elf Interessierte eingefunden. Weibliche Interessenten sind mehr da, was ich durchaus zu schätzen weiß. Bevor es losgeht, stellt sich mir eine der Frauen vor. Erwartungsgemäß vergesse ich unverzüglich ihren Namen wieder. Als hätte ich Lochfraß im Gehirn. Maike, die von der Weihnachtsfeier, ist auch da und sieht wieder gut aus. Aber das tut nichts zur Sache, weil sie nicht am Seminar teilnimmt und auf meine albernen Witze, die ich zur Kontaktaufnahme präsentiere, nicht reagiert.

Zu Beginn des Seminars halte ich tapfer durch. Konzentriert lausche ich den Erklärungen zum Talentkompass NRW. Beim persönlichen Talentkompass mache ich anfangs noch mit, dann wird mir alles irgendwie zu abstrakt. Anstatt weiter konzentriert mitzumachen, fange ich an Striche zu malen und warte nur noch auf die Pause. Beim Lebensblatt bin ich komplett raus und klinke mich langsam völlig aus. Nur die Pause rettet mich vor dem völligen abdriften. Wir dürfen den Raum verlassen.
Weil ich vermutlich nicht zurechnungsfähig bin, lächle ich als erstes, und völlig ohne Grund, Maike an als ich sie sehe. Sie lächelt zurück. Konsequenterweise finde ich sie ab sofort sympathisch. Hoffentlich will ich sie nicht irgendwann auch umarmen. Dann mache ich etwas, was ich zuvor für unmöglich gehalten hätte. Anstatt nach meiner Kollegin und Carsten Ausschau zu halten, setze ich mich zum Dozenten, um eine kleine Mahlzeit zu mir zu nehmen. Zu uns gesellt sich die Frau, die sich mir anfangs vorgestellt hatte und unternimmt einen Versuch ein Gespräch mit mir zu führen. Ich gebe eine vermutlich abweisende Antwort und das Gespräch ist vorbei noch bevor es zu einem wurde. Dann setzt sich ein eine etwas schräge Sozialpädagogin an unseren Tisch. Das anschließende Gespräch findet ohne mich statt.

Später sitze ich mit Patzi in einer gemütlichen Sitzecke und wir unterhalten uns. Dann kommen der Dozent und die Frau ohne Namen zu uns. Ich erkenne mich kaum wieder.

In der zweiten Hälfte des Seminars habe ich mich in eine Art Standby-Modus geschaltet. Ich höre alles, was um mich herum gesprochen wird, schaue mich um, nehme alles zur Kenntnis, reagiere aber nicht mehr auf die Witze, die immer wieder gemacht werden. Selbst, wenn die Witze gut sind, bleibe ich irgendwie teilnahmslos. Als wäre mein Körper lediglich ein Kokon, der nicht viel mit mir zu tun hat. Ich wirke sicher gestört mit meiner eingeschränkten Mimik und meinem ganzen Dasein. Aber ich kann da jetzt nicht raus, kann nicht reden, kann nicht auf Witze reagieren, kann einfach nur anwesend sein und die Stimmen hören. Irgendeine Behinderung muss das sein, denn so ist das schon immer gewesen. Wenn mich etwas nicht interessiert, oder ich einen sonstigen Ausfall habe, klinke ich mich aus. Dann kann man mich auch nur schwer wieder einschalten. Daher bin ich innerlich sehr angespannt, als jeder von uns am Ende sagen muss, was für ihn gut und was für ihn weniger gut war. Ich weiß, dass ich nicht lügen kann. Ich kann nicht sagen, dass es mir gefallen hat, dass mich das weitergebracht hat. Ich will gar nichts sagen, so wie in den letzten neunzig Minuten schweigen. Ich spüre meinen Herzschlag, sehe mein Herz durch den Pullover schlagen. Ich bin sicher, dass alle es sehen, wenn ich an der Reihe bin. Ich schwitze. Dann bin ich an der Reihe, alle Augen sind auf mich gerichtet. „Positiv finde ich, dass wir recht pünktlich Feierabend machen.“ Ich schaue niemanden an. Gemurmel, leichtes Gelächter. Vielleicht halten es manche für einen Scherz. Ist es aber nicht. „Weniger positiv ist, dass ich mit all dem gar nichts anfangen kann.“ Ich komme mir vor wie ein Verräter. Gerne hätte ich etwas Positives gesagt, den Dozenten gelobt, aber es war nicht möglich. Ich kann das nicht. Wie ein irrer Zwang muss raus, was raus muss. Das Ende der Veranstaltung ist eine Erlösung. Außer mir hat sich jeder nur positiv geäußert. Keiner war froh, dass es endlich vorbei war. Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut und frage Carsten, ob mein Kommentar zu hart war. Er sagt, dass er genau das von mir erwartet hat, dass es klar war, dass ich es sage. Man kennt mich und manche scheinen es zu akzeptieren, was mich durchaus beruhigt. Dennoch frage ich mich, ob ich mir das nicht abgewöhnen sollte. Mein Bedürfnis gewisse Dinge auszusprechen hat mir schon das eine oder andere Mal Ärger gebracht und hier spricht sich alles immer schnell rum. Ich bin ein echter Sonderling.

Weihnachtsfeier 2017

Die wohl unvermeidbare Einladung zur Firmenweihnachtsfeier wird mir persönlich überreicht und zunächst mache ich mir auch keine weiteren Gedanken, ob ich wirklich hingehe. Ich sage sogar recht bald zu, nur um dann endgültig an meiner Entscheidung zu zweifeln. Denn erstens dauert so eine Feier ja länger und zweitens muss ich die Wohnung verlassen und etwas tun, was nicht meinen üblichen Routinen entspricht. Erschwerend kommt die bisweilen sehr miese Stimmung unter den Kollegen hinzu. Irgendwie ist das nichts für mich. Dass ich letztendlich dennoch zur Feier gehe, ist vermutlich typisch für mich und ich hätte mir all die Gedanken und Zweifel schenken können.

Wir werden am Eingang von den Chefs empfangen, müssen Hände schütteln und meine Chefin hat direkt Mitleid mit mir, weil sie ja weiß, wie furchtbar ich Händeschütteln finde. Erstaunlicherweise stehen meine Kollegin und ich eine ganze Weile neben den Chefs, kommunizieren und lassen uns die Namen von Kollegen, die wir nicht kennen, mitteilen. Mich interessieren konsequenterweise mehr die Frauennamen, aber das kann mir niemand verübeln. Dann kommt eine Frau herein, die sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie ist auf eine besondere Art und Weise attraktiv und ich muss ständig zu ihr rüber schauen, was, wie könnte es auch anders sein, bald bemerkt wird. Ich sage zu meiner Kollegin, dass diese Frau, die Maike heißt, echt attraktiv ist, aber irgendwas an ihr komisch ist. Irgendwas stimmt da nicht. Meine Kollegin sieht es genauso. Sehr merkwürdig. Aber kein Grund, sie nicht weiter im Auge zu behalten. Erst als Sonja und Anke die Feier betreten, gerät Maike kurz in Vergessenheit. Die beiden sehen wieder vorzüglich aus und besonders Sonja in ihrem Outfit ist nahezu umwerfend. Es muss toll sein attraktiv zu sein. Sollte ich irgendwann wieder erschaffen werden, dann bitte in attraktiv. Aber nicht innerlich hohl. Das wäre was.

Nach einer kurzen Ansprache der Chefs setzen wir uns an einen Tisch. Zeitgleich setzen sich drei Frauen an den Tisch, die unser Alphateddy direkt wegschickt indem er behauptet, der Tisch sei reserviert. Da eine der drei Frauen sehr attraktiv ist, sage ich ihm, dass er ein Blödmann ist. So sitzen wir in der üblichen Konstellation zusammen und es wird gegessen. Irgendwann setzt sich Miri, die ich seit Monaten nicht gesehen habe, an unseren Tisch. Ich sage ihr, dass ich mich freue und gehofft hatte, dass sie heute auch da ist, weil ich ein Zimmer für uns gebucht habe. Zimmer 371. Wir können uns da nachher treffen. Ich weiß, wie man eine Frau zum Schweigen bringt. Vermutlich hat sie einen Schock. Es war jedenfalls ein mehr als kurzes Wiedersehensgespräch, welches diejenigen, die es mithören durften, köstlich amüsierte. Es fließen sogar die ersten Tränen. Ich kann gut mit Frauen.

Später gibt es ein kleines Spiel. Ich setze mich an einen Platz von dem aus ich alles im Blick habe und beobachte die ganzen Menschen. Ich betrachte Maike, sie bemerkt es und schaut zu mir. Was sie wohl denkt? Ich beschließe, dass ich nicht mit ihr reden will, da sie mir immer noch komisch vorkommt. Beim Spiel macht sie aktiv mit und ich finde das alles irgendwie befremdlich. Dann gewinnt sie eine Runde, steht auf, lässt sich quasi feiern, hebt die Arme als hätte sie ein Tor geschossen und holt ihren Preis ab. Der Alkohol zeigt schon seine Wirkung. Mich schreckt es durchaus ab.

Dann sitze ich eine ganze Weile neben dem Chef, er lobt uns, ich weiß nicht, wie ich auf Lob reagieren soll, und anschließend erzähl er recht locker Geschichten aus seinem Leben, lacht über meine Witze und es wird wieder mehr als deutlich, dass ich eigentlich nur ein Clown bin. Dabei hatte ich mir vorgenommen, heute nicht rumzublödeln und auf keinen Fall viel zu reden. Ich bin echt ein Spinner.

In den nächsten Stunden rede ich mit so vielen Frauen, wie noch nie. Ich spreche manche sogar einfach an, frage nach ihren Namen und was mir sonst so einfällt. Eine Kollegin, mit der ich ab und zu mal zusammen gearbeitet habe, sagt, sie hat mich noch nie so entspannt gesehen. Ich erwidere, dass ich diese menschlichen Züge ausschließlich auf der Weihnachtsfeier habe. Sie hört mir nicht zu.

Meine Kollegin trifft Maike draußen beim Rauchen und sagt später, dass diese nur Mist redet und so besoffen ist, dass sie ziemlich lallt. Das passt irgendwie. Später tanzt Maike völlig ausgelassen und ich nehme ihr all diese betrunkene Fröhlichkeit nicht ab. Sie wirkt eher verloren als wirklich glücklich. Ich kenne diesen Blick bei Betrunkenen und finde es bei ihr extrem. Sonja, die selbstverständlich heute auch anwesend ist, hat auch so etwas in ihrem Blick. Ich sitze neben ihr, mache ihr ein Kompliment und wie so oft erwähnt sie ihre Attraktivität. Ich bestätige das natürlich, weil sie Recht hat, glaube aber, dass sie nicht wirklich glücklich ist. Aber das bedeutet nicht, dass es auch so ist.

Maike tanzt und lallt derweil weiter, mal mit dem einen, dann mit einem anderen, und dann mit Sonja, was mir optisch am besten gefällt.

Später sitze ich mit meiner Kollegin in einer Ecke, mache einen meiner gemeinen Witze und wir lachen laut, als sich Sonja, die in der Nähe steht, zu uns umdreht und ernst ansieht. „Lacht ihr über mich?“ – „Nein.“ – „Über wen lacht ihr dann?“ – „Ich hab nur einen meiner albernen Witze gemacht.“ – „Über wen?“ – „Das weiß ich nicht, ich kenne nicht alle Namen.“ Sie wirkt plötzlich unsicher und ernst. „Doc, sei ehrlich, lacht ihr über mich?“ – „Hör mal, habe ich je über Dich gelacht oder Witze gemacht?“ – „Nein.“ – „Siehst Du, und das werde ich auch nie tun.“ Sie scheint mir zu glauben, kommt zu mir und sagt, dass es ihr heute nicht so gut geht. Manchmal glaube ich unter ihrem ganzen Verhalten, ihrer Fröhlichkeit, eine gewisse Traurigkeit und Unsicherheit zu entdecken. Wir reden noch kurz, dann muss sie wieder tanzen.

Kaum ist eine attraktive Frau weg, steht die nächste schon bei uns. Wir unterhalten uns eine Weile mit Anke, dann geht meine Kollegin ihre Jacke holen, während Anke und ich versuchen das Alter des anderen zu schätzen. Nachdem sie mich fünf Jahre jünger geschätzt hat und ich ihr daraufhin versichert habe, sie nun noch mehr zu mögen, bin ich an der Reihe. Da ich mir sicher bin, ihr Alter schon mal irgendwann gehört zu haben, sage ich diese Zahl und liege falsch. Eine Frau sollte man nicht älter schätzen als sie ist, auch wenn es nur zwei Jahre sind. Wieso hatte ich nur diese blöde 38 im Kopf? Das ist voll peinlich und ich entschuldige mich sofort und frage, wie ich das wiedergutmachen kann. Mit einer Umarmung komme ich aus der Nummer raus. Wenn das immer die Strafe ist, kann ich gut damit leben.

Ich verabschiede mich von Carsten, der umgeben von vier Frauen glücklich und zufrieden an einem Tisch sitzt. Eine der Frauen hatte ich vorhin angesprochen, weshalb wir uns jetzt zuwinken. Das ergibt auch keinen Sinn. Ebenfalls am Tisch sitzt Maike, die ich mir aber nicht von Carsten vorstellen lasse und von der ich mich auch nicht verabschiede.

Zwischenzeitlich hat Anke meine Fehlschätzung bezüglich ihres Alters Sonja mitgeteilt und sagte bei der Gelegenheit auch gleich, dass ich Sonja auf 40 geschätzt hätte. Ich versichere Sonja, dass ich das nie tun würde, was auch irgendwie schwachsinnig ist. Daraufhin will Sonja umarmt werden. Obwohl das alles keinen Sinn ergibt, finde ich es sehr vernünftig, weil ich dann die beiden attraktiven Frauen an einem Abend umarmt habe. Das könnte ich Stunden so weiter machen, was aber sehr komisch wäre und völlig unangebracht. Interessanterweise war die Hoffnung, beide umarmen zu dürfen, meine einzige Hoffnung diese Weihnachtsfeier betreffend und ich wäre vermutlich echt enttäuscht gewesen, wenn sie mich nicht hätten umarmen wollen. Erschreckend, denn eigentlich finde ich dieses Umarmen zumeist befremdlich.

Hätte ich nicht die Banane vergessen, wäre es der perfekte Abend gewesen. Sechs Stunden bin ich geblieben und es gibt mir zu denken, dass eine Firmenweihnachtsfeier der Ausgehhöhepunkt meines Jahres ist. Dass dieser Abend zu den lustigsten und entspanntesten des Jahres gehörte und ich mich lange nicht so wohl gefühlt habe, war so nicht zu erwarten. Ich glaube, ich habe mich heute Abend tatsächlich zeitweise lebendig gefühlt. Ich frage mich echt, was nur aus mir und meinem Leben geworden ist. Wo ist mein Leben mir abhanden gekommen?

Die Puddingfrau

Zum ersten Mal hat sie uns im Sommer 2016 besucht, um sich über die Maßnahme von Alpha zu informieren. Sie wirkte jünger als sie war und es war ein lustiger Plausch. Sie nahm nie an der Maßnahme teil. Ein paar Monate später war sie wieder da. Dieses Mal wurde ihr unsere Maßnahme vorgestellt, und wieder war es sehr unterhaltsam und wir haben viel gelacht. Sie sollte dann bei uns teilnehmen, tauchte aber niemals auf. Nun, gut 16 Monate nach der ersten Begegnung, sitzt sie wieder vor mir. Sie sieht nicht mehr Jahre jünger aus, hat deutlich zugenommen und wirkt ziemlich reduziert. Die Agilität, die ein Teil von ihr war, ist nicht mehr vorhanden. Ihr früher fast schon spitzes Gesicht ist zu einer Art Puddinggesicht geworden und ich kann nicht einmal sicher sein, dass vor mir dieselbe Frau sitzt, die uns damals besuchte. Um Jahre gealtert sitzt sie da, hört was ich sage, reagiert langsam und völlig emotionslos. Sie wirkt wie ein Pudding, der auf äußere Anreize mit der gewohnten Trägheit eines Puddings reagiert. Weder meine Versuche mit albernen Witzchen die Stimmung aufzulockern, noch meine einfühlsame und verständnisvolle Art, bewirken wirkliche Reaktionen. Es scheint als reagiere sie auf alles durch eine für mich unsichtbare Nebelwand. Ich suche nach Leben in ihrem Gesicht, irgendwas von dem, was bei ihren ersten Besuchen noch da war, doch ich finde nichts. Ich sehe einen Pudding in Menschengestalt mit einem reduzierten Artikulationsumfang. Nie zuvor ist es passiert, dass ich mein Gegenüber so wenig erreichte. Es ist als hätte man sie unter Drogen gesetzt und jegliche Menschlichkeit ist unter all dem Pudding verschwunden. Für einen Moment bin ich wie gelähmt, weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Stelle dann Routinefragen, frage, ob sie irgendwelche Wünsche hat, ob sie einen bestimmten Coach haben will. Alles ist ihr recht, sie verspricht lediglich, dass sie dieses Mal auf jeden Fall teilnehmen wird. Ich weiß nicht, ob das gut für uns alle ist. Es erscheint mir absolut unmöglich auf irgendeine Art und Weise zu ihr durchzudringen. Die Frau hinter all dem Pudding wird von uns nicht zu finden sein. Wir sind keine Psychologen, nur Jobcoaches.

Ich bespreche den Fall mit ihrem Betreuer vom Jobcenter. Ihm geht es nicht unbedingt darum, dass sie einen Job bekommt, sondern, dass es ihr besser geht und unsere Maßnahme hält er dafür für geeignet. Ich bin dafür nicht ausgebildet, denke, dass sie andere Hilfe braucht, sage aber nichts, weil ich mich auch irren kann. Sollte sie zu uns kommen, wird es definitiv unsere größte Herausforderung. Wir können sie auf keinem Fall unserem dritten Mann anvertrauen. Das ist eigentlich alles, was ich entscheiden kann. Vielleicht haben wir alle Glück und sie muss nicht zu uns kommen. Alles hat seine Grenzen. Dies sind unsere.

Es waren einmal drei Sozialpädagogen

Fast unbemerkt ist der Rentner, der noch ein wenig als Sozialpädagoge in diesem Unternehmen tätig sein wollte, verschwunden. Vor ein paar Wochen verabschiedete er sich in den Urlaub und wurde seitdem nicht mehr gesehen. Er taucht auch nicht mehr in der Mitarbeiterdatenbank auf. Möglicherweise ist er an Altersschwäche gestorben. Armer Kerl

Letzte Woche hatte Cordula genug und kurzfristig gekündigt. Sie geht lieber zurück in die Arbeitslosigkeit statt hier weiter beschäftigt zu sein. Nicht, dass sie am Ende als Teilnehmerin zu uns zurückkehrt.

Und Steffi hat ebenfalls gekündigt. Eine durchaus mehr als logische Entscheidung, da ihr hier einfach die Wertschätzung fehlt und Leute wie ich, die es gar nicht beurteilen können, einfach behaupten, sie hätte genug Zeit ein paar Listen zu machen. Dass sie gar keine Zeit hat, beweist sie auch weiterhin bravourös. Bewerbungen, die ihre Teilnehmer geschrieben haben, sortierte sie ordentlich in zwei Stapeln auf dem Tisch. Die Briefe auf dem einen Stapel hat sie frankiert, die auf dem anderen nicht. Dazu hat sie Briefmarken gelegt. Nun ist es ja so, dass sie nach Feierabend bei der Post vorbeikommt und die Briefe hätte einwerfen können, doch weil das nicht zu ihren Aufgaben gehört, liegen halt manche dieser Briefe schon seit Freitag auf dem Tisch. Heute ist Mittwoch. Und weil Brandy in den letzten Tagen frei hatte, mussten die Briefe auf ihre Rückkehr warten, um endlich verschickt zu werden. So ein Portobuch führt man schließlich auch nicht nebenher, wenn man eine hochdekorierte Sozialpädagogin ist. Fragt sich nur, wer diese Koryphäe ersetzen soll.

Steffi – Sozialpädagogin.

Es gibt Menschen, die ich, direkt nachdem ich sie kennengelernt habe, in eine Schublade stecke, aus der sie auch nicht mehr rauskommen. Ich kann mit diesen Leuten meist nicht viel anfangen und das ist auch weiter nicht schlimm. Gibt ja genug Platz, dass man den Kontakt minimiert.  Aus unerklärlichen Gründen gehören viele Sozialpädagogen zu diesen Menschen. Ob es nun Zufall ist oder einen tieferen Sinn hat, weiß ich nicht. Seit einiger Zeit ist Steffi in unserem Team und mir war schnell klar, dass sie auch zu den Menschen gehört, zu denen ich einfach keinen wirklichen Draht bekomme. Daher ist es umso verwunderlicher, dass ich das Gespräch mit ihr suche. Möglicherweise eine Kurzschlussreaktion meinerseits, um mich persönlich weiterzuentwickeln.

Schon nach wenigen Sätzen wird klar, dass ich in meinem Sozialpädagogendilemma  stecke und nicht hätte erwähnen sollen, dass es wohl nicht so schwer ist die üblichen Listen zu führen, was in Zukunft Teil ihrer Aufgabe sein soll, wenn ich alles richtig verstanden habe. Und weil ich gerade im Flow bin, sage ich noch, dass sie die zehn Minuten täglich sicher dafür aufbringen kann. Warum rede ich nur so viel? Ist doch sonst nicht meine Art. Und nun muss ich Depp mir anhören, dass es anmaßend ist ihre Arbeit zu beurteilen und ich ja nicht wissen kann, was sie alles in ihren zwanzig Wochenarbeitsstunden zu leisten hat und eben keine Zeit für die vier Listen zur Verfügung steht. Neulich erst, so erklärt sie, saß sie abends bis 23.30 Uhr an irgendwelchen Präsentationen. Da kann ich doch nichts für, wenn sie so lange braucht, um so dämliche Präsentationen vorzubereiten. Ich weise sie erneut darauf hin, dass diese zehn Minuten täglich wohl kaum ein Problem sein können, zumal sie die Listen normalerweise eh täglich machen muss und jetzt wohl auch schon macht. Sie bestätigt, dass sie die Listen immer führt, aber das alles ja ganz anders dargelegt wurde bei ihrer Einstellung und sie diese mangelnde Wertschätzung im Unternehmen schrecklich findet. Nun würde ich so etwas sagen, wie „Heul doch“ oder  „Dann geh doch nach Hause und such Dir einen anderen Job“, aber ich habe mich ja weiterentwickelt und will mich erwachsen verhalten. Also versuche ich alles zu relativieren, schlage ihr vor sich zu entspannen und weise darauf hin, dass bald die Kollegin, welche schwer erkrankt ist, zurückkommen soll und diese dann alles, was sie, die nicht ausreichend wertgeschätzte Sozialpädagogin,  so überfordert, übernimmt. Doch wenn eine Sozialpädagogin, die sich und ihre Arbeit für einfach toll hält, einmal in Rage ist, gibt es kein halten. Erneut weist sie darauf hin, dass darunter ihre Arbeit leidet und sie keine Kompromisse mehr eingeht. Während manche mit dem Alter entspannter werden, wird sie scheinbar immer verkrampfter. Und während sie rauchend vor mir steht und blubbert, denke ich daran, wie sie heute den Tag mit ihren fünf Teilnehmern verbracht hat. Die Tagesaufgabe war es, dass alle herausfinden sollten, wie man von hier zum Hilton Hotel in Berlin kommt. Ich frage mich, wie das erwachsene Leute weiterbringen soll. Anfangs sollen die Teilnehmer voll skeptisch gewesen sein, weil keiner von denen vermutlich je ins Hilton nach Berlin reisen wird. Doch nachdem Steffi den Teilnehmern erzählt hat, dass die Reise von unserer Firma bezahlt wird, haben alle begeistert mitgemacht und hatten voll Spaß. So ist zumindest ihre Version der Geschichte. Solche Maßnahmen hielt ich schon immer für Geldverschwendung und kam ja früher selbst in den Genuss so einen Unsinn mitzumachen. Dass man sich aber für toll hält, wenn man so etwas als Unterricht anbietet, ist für mich nur schwer zu verstehen. Aber immerhin sicher wichtiger für die Teilnehmer als zu erfahren, welche Rechte ihnen das SGB II bietet. Ununterbrochen brabbelt Steffi weiter auf mich ein. Erneut irgendwas mit Wertschätzung und dass sie ihren Teilnehmern in allen Lebenslagen helfen kann. Sei es bei familiären Problemen oder einfach nur der Lebensbewältigung. Sie hat es einfach drauf. Jetzt würde ich mich gerne übergeben,  stattdessen sage ich ihr nochmal, dass sie alles entspannter sehen soll. Daher stellt sie mir die Frage, wie ich es wagen kann, ihr erneut zu raten, sie solle entspannter werden. Diese Phase in ihrem Leben ist vorbei. Scheinbar hat sie das in irgendeinem Ratgeber gelesen, dass man sich nichts mehr gefallen lassen soll und immer von sich überzeugt sein muss, egal wie blödsinnig es auch ist. Eigentlich müsste sie jetzt mal irgendwer Ohrfeigen.  Es ist mittlerweile über eine halbe Stunde vergangen und ich habe ihr noch immer nicht gesagt, dass ich davon ausgehe, dass sie einen an der Waffel hat. Sie bestätigt echt alle Vorurteile, die ich gegen Sozialpädagogen habe und ich beschließe, dass ich nach diesem Gespräch nie wieder ein solches Gespräch mit ihr führen werde. Die zieht mich mit ihrer Miesepetrigkeit und der unentspannten Einstellung nur runter. Am Ende leide ich auch noch unter mangelnder Wertschätzung. Das möchte ich nicht. Aber vielleicht liegt auch alles nur an meinen Vorurteilen und Steffi ist voll okay. Was weiß denn ich?

Brandy weint

Ich kann da einfach nichts mit anfangen, wenn eine Kollegin weint. Wenn mein Handeln dafür mitverantwortlich sein soll, fühle ich mich gleich noch unbehaglicher. Dabei habe ich es nur gut gemeint als ich Brandy quasi aus dieser Maßnahme geschrieben habe und der Chefin sagte, dass wir sie nicht benötigen. Ich hatte nämlich das Gefühl, dass sie genug andere Aufgaben hat und das hier nur belastend für sie ist. Stattdessen bekam sie einen vor den Latz, weil sie hier vor Ort nichts zu tun hat und es stellte sich die Frage, was sie die ganze Zeit überhaupt macht so ohne Aufgaben. All das wurde wohl nicht unbedingt liebevoll vorgetragen, so dass Brandy nun völlig aufgelöst im Büro ihren Tränen freien Lauf lässt, während ich erkläre, dass ich es nur gut gemeint habe. In dem Fall ist gut gemeint wohl leider nicht gut gemacht. Aber weil meine Kollegin halt nicht da ist, spiele ich mich hier wie der große Planer und Entscheider auf. Und dann kommt dabei so etwas raus. In Zukunft sollte ich besser schweigen, denn ich will ich doch nur Harmonie und Wohlbefinden für alle. Für heute bin ich damit kläglich gescheitert. Und weil durch meine bloße Anwesenheit und meine warmen Worte keine Tränen trocknen und niemandem geholfen ist, mache ich einfach  einen Mittagsspaziergang, um der von mir mitproduzierten Situation zu entfliehen.

Konsequent

Die 37jährige
ist zwar umgänglicher, aber weiterhin absolut konsequent, wenn es darum geht
nicht zu arbeiten. Daher mailt sie einem potentiellen Arbeitgeber, dem ich ihre
Bewerbung zukommen ließ und der die Frechheit besaß, sie daraufhin einzuladen,
folgendes:
Hallo!

Ich wollte nur Bescheid geben das ich am 14.08.2017 nicht kann!
Bei mir geht es frühestens Anfang September!
Und da auch nur Dinstags Vormittags so gegen 12 Uhr!

MFG

Auf Ausrufezeichen legte sie schon immer
viel wert. Rechtschreibfehler sollen vermutlich zusätzlich abschrecken und
künftige Einladungen verhindern. Dummerweise habe ich nun die undankbare Aufgabe
mit ihr ein Gespräch zu führen und ihr klarzumachen, dass das nicht geht.  Da das zu nichts führen wird, werde ich ihr
keine weiteren Jobangebote verabreichen.
In dem Gespräch teilt sie mir mit, dass
sie vorläufig keine Zeit für Vorstellungsgespräche hat, weil sie einfach zu
viel um die Ohren hat. Während ich ihr erkläre, dass sie trotzdem so nicht
schreiben kann, öffnet sie ihre Jacke, streckt sich, präsentiert ihr enganliegendes
Oberteil, welches ihre Brüste sehr gut zur Geltung bringt, und scheint mich nicht
wirklich ernst zu nehmen. Ich bin wahrlich eine echte Respektsperson. Doch ich
muss gestehen, dass der Anblick durchaus gefällt. Kleine Brüste können durchaus
entzücken. Nur bringt uns das nicht weiter und hilft ihr gar nicht. Meinen
überflüssigen Vortrag muss sie sich bis zum bitteren Ende anhören. Sie gelobt
Besserung und weil ich das nicht glaube, belassen wir es dabei.

Mal überfordert, mal angelächelt

Die zweite Urlaubswoche meiner
Kollegin führt tatsächlich zu Stress. Selbst in den Pausen werde ich von
ehemaligen Teilnehmern besucht, die unzufrieden mit ihren Arbeitgebern sind und
kündigen wollen. Da einer schon einen neuen Job in Aussicht hat, helfe ich ihm
bei der Kündigung. Meine Mittagspausen fallen dadurch allerdings aus und ich
bin durchaus gestresst, weil ich plötzlich für alles zuständig bin.
Einem Teilnehmer muss ich kündigen. Es
folgen Meldungen ans Jobcenter und an die Buchhaltung. Dazu muss alles irgendwo
protokolliert werden.  Erst jetzt erkenne
ich, wie wenig ich in den letzten Wochen hier getan habe und wie gut es mir
eigentlich ging. Jetzt bin ich immer wieder gezwungen konzentriert zu arbeiten,
was mir äußerst schwerfällt. Konsequenterweise lehne ich jede Hilfe von anderen
Mitarbeitern ab, weil die meiner Meinung nach alles nur noch komplizierter
machen würden, da ich deren Arbeitsweisen weder verstehe noch irgendwie erleben
möchte. Fremde machen meist nur Murks. Das möchte ich nicht.
Was ebenfalls etwas nervt ist die
Tatsache, dass ich mit niemandem Unsinn reden kann. Meine Kollegin konnte ich
den ganzen Tag mit meinen flachen Witzen zutexten, ohne sie ist es fast schon
öde. Daher verwickle ich die 37jährige in ein Gespräch, was gut klappt. Sie
erzählt viel von sich und aus ihrem Leben. So erfahre ich, dass eine tiefe
Männerstimme sie dahinschmelzen lässt und auch ältere Männer für sie
interessant sind. Ich liebe es, wenn Frauen von sich erzählen. Außer sie reden
nur Müll und es interessiert mich nicht. Die 37jährige ist im Gegensatz zu
ihrer ersten Teilnahme wie ausgewechselt, was ich sehr begrüße. Allerdings
glaube ich, dass ihre Bewerbungsbemühungen nur vorgetäuscht sind.
Später ist die hohle 25jährige zu
Gast. Anstatt sich zu konzentrieren, wenn ich ihr etwas erkläre, sehe ich, wie
sie mich immer irgendwie beobachtet. Später lächelt sie mich mehrfach grundlos
an. Da mir das durchaus schmeichelt und mich 25jährige sonst eher nicht
anlächeln, lächle ich stets brav zurück. Kann ja nicht schaden.

Hübsch, aber innen hohl

Sie ist 25, kommt
zur Tür herein mit ihrem schönen Körper, trägt Kleidung, die wie gemacht für sie
zu sein scheint. Eine gut sitzende Jeans, ein schwarzes, enganliegendes
Oberteil und eine Jacke, die zu all dem perfekt passt. Sie grüßt, lächelt fast
schüchtern, ihre makellosen Zähne sind für einen Moment zu sehen. Ich nicke zu
ihr rüber. Sie zieht ihre Jacke aus, ihr Oberteil betont ihre Figur so gut es
ein Oberteil eben tun kann. Selbst unbekleidet ist sie sicher ein schöner
Anblick. Ihre Brüste schauen in meine Richtung und ich bin für einen Moment
unkonzentriert. Sie nimmt Platz und ich wende mich ab, denn ich weiß unter
dieser Hülle ist sie hohl.
Wenig später
sitze ich neben ihr, erkläre ihr etwas, lasse sie etwas schreiben und betrachte
ihre Arme. Leicht gebräunt, zart und verlockend. Ihr Hals, zum Anbeißen zart.
Ihre Haare einfach wunderbar, sicher weich und duftend. Nah genug sitze ich, um
ihren Geruch einzuatmen. Ich mag es, wenn Frauen gut riechen. Ihre zarten Finge
fühlen sich auf fremden Körpern sicher ebenso gut an, wie sich ihr Körper unter
fremden Fingern anfühlt. Ich schaue direkt in ihre Augen. Grün. Nicht meine
Farbe, dennoch sehr verführerisch. Wenn sie nur nicht so hohl wäre, was wäre
sie für eine attraktive, junge Frau.
So betrachte
ich die hohle Nuss und frage mich, ob sie mir gefallen würde, wenn sie nicht
sprechen könnte. Vermutlich nicht, weil ich weiß, dass sie innen hohl ist. Nur
eine leere Hülle ohne Substanz.