Mein Tinder-Quickie

Nachdem ich so viel davon gehört hatte, musste ich einfach einen Blick riskieren und die Tinder App installieren. Und was soll ich sagen? Ich habe selten so viele nachbearbeitete Fotos von Frauen kurz hintereinander gesehen. Entgegen meinen Erwartungen sind da allerdings auch viele Frauen in meinem Alter und sogar noch älter. Überraschend fand ich ebenfalls, dass es da nicht nur Bilder gibt, sondern auch Profiltexte. Der Inhalt war überwiegend ähnlich. ONS und Freundschaft Plus sind verpönt und viele suchen nach der großen Liebe. Bei Tinder. Ich hätte fast lachen müssen, fand es dann aber unangebracht und verzichtete darauf.

Wohlwollend wischte ich immer, wann es noch zu vertreten war, in die Richtung, die ein Interesse meinerseits an der betreffenden Frau signalisierte. Nach ein paar Tagen gab es tatsächlich vier Frauen, die das auch bei meinen Fotos getan hatten. Zwei davon schrieb ich an, weil alles andere keinen Sinn gemacht hätte. Die erste überzeugte mit einer dermaßen unerotischen Grammatik, dass sich mir die Nackenhaare aufstellten. Dazu kam, dass ich keine Ahnung hatte, was ich überhaupt mit der Frau kommunizieren sollte. So endete die Kommunikation schon bevor es irgendwie persönlich wurde. Bei der anderen Frau endete die Kommunikation direkt nachdem sie mich fragte, was ich eigentlich suche. Wahrheitsgemäß gab ich an, nichts zu suchen, sondern nur mal zu schauen, was bei Tinder so abgeht. Postwendend wurde ich gelöscht. Konsequenz ist eine gute Sache.

Bei Tinder gibt es so etwas wie den Superjoker. Wer den zieht, kann auch angeschrieben werden, wenn er dem anderen vorher nicht positiv aufgefallen ist. Oder so. Einmal zog eine Frau den Superjoker, den man wohl täglich vergeben darf, bei mir oder für mich. Ich bedankte mich artig bei der Frau, und schrieb ihr, dass ich das voll nett finde, aber gar nicht auf der Suche bin, sondern eine Mission zu erfüllen habe. Die Antwort kam prompt. Es handelte sich nur um ein Versehen, denn eigentlich hatte die Frau gar kein Interesse an mir. Unverzüglich machte sie die Aktion rückgängig. Auch hier imponierte mir die fragwürdige Konsequenz fast. Für mich war es danach auch schon genug an Tinder-Erfahrungen und ich löschte mein Profil rasch wieder. Tinder ist nicht meine Welt und ich bin sicher, dass ich dort nicht einmal dann Erfolg dort haben könnte, wenn ich es wirklich wollte. Aber immerhin kann ich jetzt mitreden. Und das war tatsächlich mein Ziel zu Beginn der Mission Tinder.

Erneuter Ausflug ins Kreuzviertel

Ohne Manni, der einen Motorradausflug einem Ausflug mit uns vorgezogen hat, erreichen Petra und ich das Kreuzviertel. Der zweite Ausflug ins Kreuzviertel innerhalb so kurzer Zeit könnte erneut vermuten lassen, dass wir am Ende doch halbwegs normale Menschen sind. So ein Quatsch.
Wie geplant gehen wir ins Zucchero, um dort etwas zu Essen. Wie üblich bestelle ich vorher ein Stilles Wasser.
Stilles Wasser

Anschließend wird mir ein riesiger Salat serviert. Ein Salat, der so groß ist, dass ich sofort weiß, dass ich ihn niemals schaffen werde.
Salat

Und im Gegensatz zu Petra, die den gleichen Salat bestellt hat, schaffe ich es natürlich nicht. Mein Teller sieht am Ende aus als hätte ich nicht wirklich etwas gegessen, was irgendwie peinlich ist und auch eine Lebensmittelverschwendung. Beim nächsten Mal bestelle ich etwas anderes. Vielleicht sogar etwas, was ich auch aufessen werde.

Nachdem wir bezahlt haben, schlendern wir eine Runde durchs Kreuzviertel. Das Gastronomieangebot ist vielfältig und am Ende bekommen wir einen Platz im Uncle Tom´s. Eine freundliche und attraktive Bedienung bringt mir eine Pepsi. Das ist insofern außergewöhnlich, weil ich es mir eigentlich abgewöhnt hatte, Cola zu trinken. Aber wer seinen Salat nicht aufisst, der kann auch Cola trinken.
Pepsi

Was mir immer wieder, wenn ich im Kreuzviertel lande, auffällt, ist die Tatsache, dass es hier ein reichhaltiges Angebot an attraktiven Frauen gibt. Ein wahres Fest für meine alten Augen.
Nach einer Weile stellen wir fest, dass Petra den Schauspieler Brett Halsey, nicht zu verwechseln mit dem Baseballspieler Brad Halsey, nicht kennt. Ich bin entsetzt und kläre Petra über die filmischen Meisterwerke, in denen Brett mitwirkte, auf. „Der Commander“ mit Lewis Collins, der Name sagt ihr übrigens auch nichts. „Heute ich… morgen Du!“ mit Bud Spender, den sie zum Glück kennt. Oder auch „Demonia“ von Lucio Fulci. Nichts hilft ihr weiter. Zeit das Thema Brett Halsey zu beenden.
Vor uns platzieren sich für eine Weile ein paar sehr junge Frauen. Abgesehen davon, dass sie sogar mir viel zu jung sind, riechen sie einfach köstlich. Ich erinnere mich an die Zeiten als ich noch jung war, ausging und ständig den Duft junger Frauen aufnehmen konnte. Und niemals lernte ich eine solch gut riechende Frau kennen. Das waren noch Zeiten.

Am Nebentisch steht Michael. Zumindest nennt er sich Michael, wenn er aus der Vergangenheit erzählt. Neben ihm steht eine recht attraktive Frau. Ich weiß nicht, ob die beiden zusammen sind, befreundet, ihr erstes Date haben. Ich weiß nur, dass Michael irgendwann eine Art Monolog führt. Das mache ich auch gelegentlich, aber Michas Monolog ist anders. Micha scheint zu lallen und will entweder seine Geschichten durch lange Pausen besonders spannend gestalten oder er leidet unter Wortfindungsstörungen. Mir kommt das alles jedenfalls wenig unterhaltsam oder spannend vor. Vielleicht hat er zu viel getrunken, oder er ist nervös, weil gleich gepoppt wird. Sollte wirklich noch gepoppt werden, wäre es jetzt allerdings ein guter Zeitpunkt mit dem Reden aufzuhören. Sind die beiden nur befreundet, sollte er trotzdem aufhören, um die Freundschaft nicht zu gefährden. Irgendwie finde ich sein Gestammel so befremdlich, dass ich mich fast für ihn schäme. Kurze Zeit später gehen die beiden endlich. Keine Ahnung, was ich von alldem halten soll.

Dann hat Petra noch eine Erkenntnis und behauptet, sie sei stehend größer als sitzend. Zum Beweis setzt sie sich, stellt sie sich, wackelt quasi hin und her. Ein Größenunterschied lässt sich nicht erkennen. So bleibt zu vermerken, dass es größentechnisch keine Rolle spielt, ob Petra auf einem Barhocker sitzt oder neben ihm steht. Auch als sie kurze Zeit später einen Wachstumsschub bekommt, bleibt letztlich doch alles, wie es schon vorher war.

Um 22.45 Uhr bekommt Petra eine Nachricht von ihrem Smartphone, dass sie um 23.00 Uhr schlafen muss. Unverzüglich bezahlen wir und machen uns auf den Weg. Schließlich gibt es solche Mitteilungen nicht ohne Grund.

Sozialpädagogische Fahrgemeinschaft

Wir haben wieder eine neue Sozialpädagogin im Kollegenkreis. Wie die meisten Sozialpädagoginnen lebt sie auf einem fernen Planet. Vermutlich auf dem Sozialpädagoginnenplanet. Mir ist das ziemlich egal, so lange wir nebenher existieren und es nur wenige Berührungspunkte gibt. Mir sind Sozialpädagoginnen suspekt. Ich frage mich seit Jahren, was diese Spezies so wertvoll macht. Wenn ich mit der Kollegin rede, schaue ich sie meist nicht wirklich an. Es kann gut sein, das ich sie nicht erkenne, wenn wir uns außerhalb der Arbeit an einem anderen Ort begegnen. Die gute Frau ist wohl in den Fünfzigern und redet mir zu viel. Selbstverständlich auch nichts, was mich besonders interessiert. Und wenn es mal beruflich interessant war, dann ist es ihr Vortrag bisher nicht gewesen. Kann aber alles noch kommen, sie ist ja noch nicht lange dabei. Ich glaube allerdings nicht, dass da noch was kommt. Vielleicht sind wir deshalb noch beim siezen, während sich sonst geduzt wird. Mir ist das egal. Wenn ich sie so beobachte ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich mich frage, was sie den Teilnehmern wohl geben kann. Was kann ich noch von ihr lernen? Ich weiß es nicht. Nein, wir haben wirklich nicht viel gemein. Lediglich den gleichen Arbeitgeber und den gleichen Wohnort. Und diese Kombination ist immer gefährlich. Bei so etwas denkt der Durchschnittsbürger immer schnell an Fahrgemeinschaften. Ich hingegen finde Fahrgemeinschaften gruselig. Schon der Gedanke, dass ich regelmäßig mein Auto mit jemandem teilen muss, nur weil wir denselben Weg haben, lässt es mir kalt den Rücken runter laufen. Aber zum Glück denken die Wenigsten so wie ich und so ist mir schnell klar, worauf der verbale Frontalangriff, den sie plötzlich startet, hinauslaufen wird. Und noch bevor die gute Frau zu Ende formuliert hat, hört sie schon mein „Nein. Schlagartig scheint sie in sich zusammen zu fallen. Dummerweise habe ich auch noch viel zu tun und kann sie nicht trösten. Vielleicht sollte ich sagen, dass es nicht an ihr liegt, aber ich eine eifersüchtige Frau habe, die das nie akzeptieren würde. Aber das wäre gelogen. Vielleicht müsste ich sie in den Arm nehmen und sagen, dass ich nur einen Sitz im Auto habe, aber auch das wäre gelogen. Vielleicht könnte ich sie trösten, wenn ich Sozialpädagoge wäre. So aber ist es mir nicht möglich. Es ist nämlich schlicht und ergreifend so, dass ich nur Leute in meinem Auto haben will, die ich kenne und die irgendwas mit meinem privaten Leben zu tun haben. Alle anderen müssen draußen bleiben. Ich sage der konsternierten Frau dann doch noch etwas erbauliches, nämlich dass ich fünfzehn Minuten vor ihr Feierabend habe und schnell weg muss. Sie murmelt daraufhin auch etwas, verabschiedet sich womöglich, und geht dann zurück an den Ort von dem sie kam. Wenn sie jetzt gesagt hätte, ihr Auto sei kaputt und ob ich sie vielleicht ein- bis zweimal mitnehmen kann, hätte ich mich durchaus erbarmt, aber eine klassische Fahrgemeinschaft ist nun wirklich nichts für mich und eine vollkommen unsinnige Erfindung. Wie kann man so etwas einem Fremden nur antun wollen? Klar, könnte man noch den Umweltaspekt anführen, aber bei aller Liebe zur Umwelt, ist mir dieser Preis um ein Vielfaches zu hoch.

Die scheinbar unendliche Erkältungswelle

Es hat den Anschein als würde diese Erkältungswelle nie abebben. Jeden Tag sitzt mindestens ein verschnupfter Teilnehmer bei mir. Ich halte Abstand, sprühe Desinfektionsmittel, nehme Krankenscheine entgegen. Oft meide ich den Kontakt zu den Teilnehmern und lasse sie einfach ihre Zeit absitzen. Ich weiß, das ist blöd, aber ich hasse Erkältungen und will einfach nichts damit zu tun haben. Manche Teilnehmer sind schon das zweite Mal innerhalb kurzer Zeiterkältet und ich muss gestehen, dass ich erkältete Teilnehmer unsympathisch finde. Manchmal sage ich denen das auch. Irgendwie finde ich, dass Erkältungen eine Zumutung sind. Um mich herum wird gehustet und geschnupft, Viren fliegen durch die Gegend und ich bin durchaus angewidert.

Am Freitag erreicht meine Abneigung gegen die Teilnehmer einen weiteren Höhepunkt. Drei von vier Teilnehmern tragen ihre Erkältung offen zur Schau. Die verpackte, türkische Frau kann kaum sprechen, ihre Nase läuft und irgendwann hustet sie alles voll. Ich frage sie, ob sie nicht besser nach Hause gehen will. Will sie nicht. Also sage ich ihr, dass sie sich auf alle Stellen, die ich ihr beim letzten Termin gegeben habe, bewerben soll. Ich weiß, dass sie das eigentlich nicht vorhatte. Doch ich kann nicht ständig Rücksicht auf die Befindlichkeiten meiner Teilnehmer nehmen. Erst recht nicht, wenn sie in einem solchen Zustand hier auftauchen. Die blonde Frau kann vor Halsschmerzen kaum schlucken. Frauen, die nicht schlucken können, sind mir irgendwie suspekt. Immerhin schreibt sie brav Bewerbungen. Da muss ich sie echt loben. Anfangs hatte ich echt befürchtet, dass wird nix mit ihr. Doch scheinbar haben meine ständigen Hinweise und Hilfsversuche doch etwas gebracht. Trotzdem will ich nicht, dass sie hier ist. Außerdem hustet und stöhnt sie ständig. Das finde ich irgendwie unangebracht, weil wir hier in einem Büro sind und nicht auf einer Krankenstation. Außerdem habe ich Angst, dass die mir hier verstirbt.
Auch der Teilnehmer, der kaum deutsch spricht, ist ständig mit einem Taschentuch bewaffnet. Und hat er mal kein Taschentuch in der Hand, liegt es vollgerotzt vor ihm auf dem Tisch. Großartig, so ist gewährleistet, dass alle etwas davon haben. Ich bin echt froh als die Teilnehmer endlich weg sind. Die verpackte Türkin, von der man lediglich das Gesicht sieht, hat natürlich keine Bewerbungen geschrieben. Alles andere hätte mich bei ihr auch gewundert. Somit hat sie drei Stunden einfach nur ihre Viren verteilt. Vielleicht ist das ihre Art mir mitzuteilen, dass ich nerve und sie nicht arbeiten will.

Verseuchte Mitarbeiterinnen

Die aktuelle Erkältungswelle scheint einfach nicht aufhören zu wollen. Es gibt hier Kolleginnen, die bereits zum dritten Mal erkältet sind. An einigen Standorten herrscht Mitarbeitermangel, weil viele nicht arbeiten können. Anke indes findet es witzig mit ihrer Erkältung alles anzufassen und noch witziger findet sie es, jedem, der nicht erkältet ist, ganz nah auf die Pelle zu rücken und anzuatmen. Ich finde das natürlich nicht witzig, was daran liegen könnte, dass ich ein ziemlich humorloser Mensch bin, der obendrein ein Hypochonder ist und all das daher auch nicht im Entferntesten witzig findet. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich diese Erkältungswelle unbeschadet überstehe, sinkt mit jedem Kontakt zu den verseuchten Mitmenschen weiter und weiter. Natürlich sprühe ich nachdem Anke wieder weg ist, alles, was mit ihr in Berührung kam, ordentlich mit Hygiene Spray ein. Doch da ich kein Superheld bin, schwindet meine Hoffnung, dem Erkältungswahn zu entkommen, immer mehr. Dummerweise habe ich keine vorbeugenden Mittel dabei, weil ich ernsthaft dachte, es sei vorbei mit den internen Erkältungen. Wie naiv von mir. Sobald ich zu Hause bin, werde ich mit der Einnahme von Angocin starten. Prävention als letzter Hoffnungsschimmer. Doch vermutlich ist es längst zu spät und ich bin verloren.

Ein viel zu langer Bericht über eine bescheidene Woche eines verwirrten Mannes. Teil 1

Wenn ich arbeite, dann bin ich beschäftigt. Und wenn ich beschäftigt bin, bleibt das kranke Hirn oft aus, was ich sehr angenehm finde. Auch scheint es mir gesundheitlich besser zu gehen. Mein Darm lässt mich meist bis kurz vor Feierabend in Ruhe und man könnte glauben, ich sei ein gesunder, junger Mann. Spätestens zu Hause ändern sich die Dinge. Es ist allerdings in der Woche eher der Körper als der Geist, der mir zeigt, dass ich körperlich nicht mehr viel zu erwarten habe. Meine Darmprobleme empfinde ich mittlerweile so intensiv, dass ich nun jeden Tag sicher bin, dass ich Krebs habe. Ich bin zwar kein Arzt, aber was soll denn das sonst sein? Alternativ könnte es maximal so sein, dass ich ein vollkommener Psycho bin und mir all das nur einbilde. Das würde es zwar nicht angenehmer machen, aber ich könnte es vielleicht eines Tages abstellen. Ärztliche Untersuchungen lehne ich dennoch weiter ab, da ich keine Zeit habe und es am Ende nur auf eine Darmspiegelung hinauslaufen würde. Das kann ich nicht machen, es würde auch nichts ändern. Wäre ich tatsächlich ernsthaft erkrankt und hätte Recht, könnte man mir eh nicht helfen. Bin ich nur ein Psycho hätte ich die ganze Abführerei völlig unnötig über mich ergehen lassen. Schon bei dem Gedanken an diese Darmentleerung wird mir schlecht. Vielleicht ist es auch die traditionelle Familienbauchspeicheldrüsenkrebstradition, die ich konsequent fortführe. Da wäre dann eine Darmspiegelung vollkommen unsinnig. Also werde ich irgendwann einfach umfallen, qualvoll sterben oder nur ein Spinner bleiben. Wir werden sehen. Okay, Hypochonder sterben selten an ihren eingebildeten Krankheiten, doch da ich schon immer besonders war und immer Recht haben muss, um mich nicht schlecht zu fühlen, gehöre ich zwangsläufig zu denen, die sich nicht irren. Sollte ich also in nächste Zeit qualvoll zu Grunde gehen, kann mir jeder bestätigen, dass ich Recht hatte. Das möchte ich dann bitte auch schriftlich irgendwo hinterlegt haben. Für die Nachwelt und die Zweifler.

Meine lieben Kolleginnen Anke und Jessi essen mittags gerne zusammen und möchten, dass ich mitesse. Ich esse nur selten gerne ich Gesellschaft, weshalb ich das immer ablehne. Irgendwelche Unverträglichkeiten habe ich immer, um nicht mitzuessen. Dummerweise will Anke nun extra für mich einen Salat zubereiten, der nur Zutaten enthält, die ich vertrage. Wenn die mich nicht leiden könnten, würden die nicht auf so verrückte Ideen kommen. Warum bin ich nur so nett zu meinen Kolleginnen? Jetzt stehe ich da und muss bald Salat mit denen essen. Ich habe dieses Jahr übrigens noch keinen Salat gegessen und im letzten Jahr auch fast nie. Dennoch werde ich demnächst, wenn das Wetter wieder besser ist, in den Pausen wieder spazieren gehen. Dann muss ich mit niemandem Salat essen. Das ist mir nämlich irgendwie zu privat.

Nur am Rande verfolge ich ein Gespräch zwischen Anke, Jessi und einer dritten Kollegin, die uns mittwochs hier unterstützt. Nennen wir sie die Mittwochsfrau. Es geht um Haustiere, Familie, Partnerschaft. Irgendwas in der Art. Irgendwann schweigen die drei und ich schaue kurz rüber als die Mittwochsfrau sagt: „So, und jetzt Du.“ Ich schaue irritiert und erkenne, dass tatsächlich eine Antwort von mir erwartet wird. „Ich habe keine Katze, weil meine Wohnung zu klein ist. Ich habe keinen Hund, weil meine Wohnung zu klein ist. Es wohnt auch sonst niemand bei mir, weil meine Wohnung zu klein ist.“ Es scheint die absolut richtige Antwort gewesen zu sein, da nicht weiter nachgefragt wird und die drei ohne mich weiterreden. Was haben die denn von mir erwartet?

Der erste Sextraum des Jahres ist sehr intensiv. Dennoch versuche ich alles, um aus dem Traum rauszukommen. Vielleicht sind die Sexträume auch deshalb so selten, weil ich immer versuche dem zu entfliehen. Und auch dieses Mal bin ich erfolgreich und schaffe es vor dem Höhepunkt den Traum zu beenden. Da soll mal jemand sagen, ich sei nicht konsequent. Wenn ich etwas nicht will, dann will ich nicht.

Am Donnerstag bin ich ohne Smartphone im Büro, was einer Behinderung sehr nah kommt. Es ist natürlich ungewohnt und ich weiß teilweise gar nicht, was ich tun soll. Als würde man einen Teil von mir amputiert haben. Interessanterweise habe ich mir gestern noch gewünscht, dass es keine Smartphones gebe, weil irgendwelche Nachrichten mich aus meinem spontanen Nickerchen rissen. Da ich im Büro allerdings nicht schlafe, bringt mich das auch nicht weiter. Sinnvoller wäre es vermutlich, ich würde das olle Smartphone ständig im Büro liegen lassen, um während meiner Nickerchen nicht gestört zu werden. Ich muss mal darüber nachdenken, ob das eine Option für mich ist.

Noch immer kann man nirgendwo lesen, dass ich Maßnahmleiter bin, sodass ich weiter davon ausgehen darf, dass der Zustand nur vorübergehend ist. Dadurch, dass der dritte Mann nur noch einen Tag hier im Büro ist und wir nicht wirklich zusammenarbeiten, habe ich hier zeitweilig sogar Sachen auf dem Tisch liegen, die ich am nächsten oder übernächsten Tag abarbeiten muss. Für mich ist das echt übel, weil ich am Ende des Tages immer alles abgeschlossen haben will. Doch dadurch, dass derzeit ziemlich viele Teilnehmer gehen und durch neue ersetzt werden, muss ich viele Berichte schreiben und Erstgespräche führen. Da ich von 15 Teilnehmern mindestens elf betreue, wird es gelegentlich dann etwas viel für mich. Meine Ansprüche, die immer eine gewisse Perfektion erwarten, sind manchmal echt nervig und zeitaufwändig. Aber, und damit sind wir wieder beim Anfang, sie halten mich davon ab zu viel über andere Dinge, die mich nur wahnsinnig machen, nachzudenken. Und so stellt sich nun tatsächlich und ernsthaft die Frage, ob eine 7-Tage-Arbeitswoche nicht etwas für mich sein könnte.

Die Kollegin, die bei der Weihnachtsfeier ihr Firmendebut feierte, erinnert mich irgendwie an den dritten Mann. Sie spricht auch nicht wirklich mit ihren Teilnehmern und sitzt meist alleine im Büro und guckt sich irgendwelche Seiten im Internet an. Mittlerweile scheint sie auch Filme zu gucken. Ich weiß nicht, ob diese irgendwas mit ihrem Job zu tun haben, aber ich glaube es nicht. Es scheint so als würde sie darum betteln, dass man sie von ihrem Job, dem sie nicht nachzukommen scheint, erlöst werden will. Sie kommt mir jedenfalls völlig deplatziert hier vor und unterstreicht meine Meinung, die man auch als Vorurteil abtun kann, gegenüber Sozialpädagogen stets aufs Neue. Ich hätte nie gedacht, dass es in der Arbeitswelt solch eine hohe Anzahl an nutzlosen Flachpfeifen gibt. Befürchtet hatte ich es allerdings. Tun kann ich leider nichts dagegen.

Die größte Herausforderung auch in dieser Woche ist der Kampf gegen fiese Viren. Einige Teilnehmer sind krank und bleiben zum Glück zu Hause. Allerdings ist Alpha kurz hier unten und bringt die Seuche mit. Zu allem Überfluss benutzt er auch noch eines der Telefone, einen Block und fasst den Tisch an. Ich halte den größtmöglichen Seuchenabstand und sprühe, nachdem er gegangen ist, alles großflächig mit Hygiene Spray ein. Das Telefon bade ich quasi in dem Desinfektionsspray. Selbst den Block, den Alpha benutzte, sprühe ich ausgiebig ein. Vielleicht sollte ich ihn besser wegwerfen. Anfassen möchte ich hier irgendwie nichts mehr. Verdammte Seuchenvögel. Gegen Mittag fallen die Heizungen in meinem Büro aus und ich friere irgendwann vor mich hin. Der Arbeitstag kann wirklich nicht überzeugen.

Physiotherapie

Meine erste Physiotherapie habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Ich hatte befürchtet, ich müsste irgendwelche blöden Übungen nachmachen und mich dabei blamieren. Stattdessen liege ich, ohne Jeans vor einer jungen Frau, die irgendwie ganz niedlich ist und mich mit ihren kleinen, warmen, weichen Händen abtastet. Also nicht komplett, sondern hauptsächlich das Knie und den näheren Umkreis. Ich bin echt froh, dass ich eine meiner neuen Unterhosen angezogen habe. Die junge Frau hat obendrein eine süße Stimme und als sie sich, um besser an meinem Knie hantieren zu können auch noch auf meinen Fuß setzt, wird es mir schon fast zu intim. Aber ich kann ja nicht weg und bin froh, dass die Behandlung mir gelegentlich Schmerzen bereitet, denn sonst würde mir das alles womöglich zu sehr gefallen. Warme, weiche Hände massieren an mir rum. Scheint ein echtes Hobby von mir zu sein. Dieses Mal halt nur auf Rezept mit einer Zuzahlung von knapp über zwanzig Euro, wenn ich mich richtig erinnere. Das ist schon irgendwie verrückt.
Die Zeit vergeht recht schnell, die Atmosphäre ist entspannt und schon nächste Woche geht es weiter. Dann wird sich allerdings ein Mann um mich kümmern und ich frage mich, ob der auch an mir rummassiert oder ob ich dann irgendwelche komischen Übungen machen muss.

Tröster, Telefonseelsorger, Beziehungsberater

Als Sonja im Büro anruft, um mit Anke zu sprechen, ahne ich noch nicht, dass wir ein längeres Telefonat führen werden. Da Anke nicht zu sprechen ist, gehe ich davon aus, dass damit das Gespräch beendet ist, doch stattdessen plaudern wir eine Weile und ich erfahre Dinge, von denen ich sicher nicht sagen darf, dass ich sie weiß. Ich tue mich immer schwer, das zu unterscheiden und würde es begrüßen, wenn man mir so Sachen nicht erzählt, oder immer wieder darauf hinweisen würde, dass ich das auf keinen Fall weitersagen darf und so tun soll als wüsste ich von nichts. Mir würde das wirklich helfen. Wie schon bei unserem letzten Telefonat Anfang des Jahres, landen wir wieder beim Thema Beziehungen. Beim letzten Mal war ich da wohl als Tröster tätig, was scheinbar gut ankam. Ich finde das witzig, weil ich von Beziehungen auch nicht mehr Ahnung habe als der Durchschnittsbürger, aber so daher rede als wäre ich ein weiser Mann. Doc, der Fachmann für Beziehungsprobleme und wie man sie löst. Großartig. Wie es sich gehört, erzähle ich dabei möglichst wenig bis gar nichts über mich. Auf Nachfragen weiche ich aus und scheine für einen Moment unkonzentriert, denn plötzlich höre ich, wie Sonja sagt, dass ich sie, wenn sie mal wieder Probleme hat, trösten soll. Vielleicht spricht sich das dann rum und alle Kollegen und Kolleginnen rufen mich eines Tages an, um mit mir ihre Beziehungsprobleme zu besprechen. Ich könnte der Beziehungsbeauftragte des Unternehmens werden und somit einen neuen Berufszweig gründen. Toll. Eine Antwort auf die Tröstergeschichte bleibe ich schuldig, denn Anke ist zurück im Büro und ich gebe den Hörer schnell weiter. Nachdem Anke und Sonja fertig sind mit ihrem Gespräch, möchte Sonja nochmal mit mir sprechen, doch Anke sagt, dass ich nach Hause will, ich rufe „Auf Wiedersehen“ und mein erster Tag als Beziehungströster endet so abrupt, wie er begann. Vielleicht wäre ein Job bei der Telefonseelsorge etwas für mich. Da könnte ich auch klug daherreden und müsste keine persönlichen Kontakte haben.

Später denke ich nochmal über das Gespräch nach und frage mich, wieso jemand auf die Idee kommt, mich als Tröster engagieren zu wollen. Dann fällt mir ein, dass ich mit Anfang zwanzig oft von Sam als Beziehungsberater eingesetzt wurde und er meine Vorschläge und Ansichten teilweise sehr gut und hilfreich fand. Er fragte dann oft, wie ich all das wissen kann, wenn ich doch noch nie eine Frau hatte. Vielleicht gerade deshalb. Und wer weiß, vielleicht wäre ich heute Deutschlands Beziehungsberater Nummer 1, wenn ich nie der Versuchung nachgegeben hätte selbst eine Beziehung zu führen. Denn seitdem weiß ich, dass ich gar nichts weiß.

Der Bachelor

Immer wieder, ohne dass ich es will, wird unsere Herrenrunde gewürzt mit TV-Formaten, die wehtun. Auf Wunsch von Markus schauen wir während unserer kleinen Runde den Bachelor. Das passiert uns jedes Jahr und ich glaube, es hat traditionelle Ausmaße angenommen. Größtes Problem bei der Sendung ist, dass Menschen präsentiert werden, deren Hirn irgendwann entnommen oder geschrumpft wurde, denen es aber nicht bewusst ist. So sieht der geneigte Zuschauer nette Frauenkörper, die nur solange schön anzuschauen sind, bis diese Wesen sprechen. Ein Sprachverbot wäre hierbei sehr hilfreich. Der diesjährige Bachelor macht den Fehler, den seine Vorgänger auch gemacht haben. Er redet viel und bumst zu wenig. Hätte er ein halbwegs funktionierendes Gehirn, würde er alle die jungen Dinger vernaschen und dann, wenn das Kamerateam eingeschlafen ist, abhauen. Tut er aber nicht. Stattdessen setzt er seinen Dackelblick auf und erklärt, dass er vom Gefühl her merkt, wenn eine Frau ihn anlügt. Außerdem hat er offene Augen. Er wirkt dann fast wie ein Poet. Ein Poet in einer Show für Menschen ohne Gehirn. Heiko, Markus und ich sind so fasziniert, dass wir so eine Sendung auch für ältere Menschen, so wie wir es sind wünschen. Midlife-Crisis-Bachelor. Schrumpeliges Dörrfleisch zum Anfassen. Eine gruselige Vorstellung. Währenddessen versichern einige der Damen, dass sie hoffen, durch die Sendung die Liebe ihres Lebens zu treffen. Herrgott, was soll denn das? Glauben die den Scheiß selbst? Und wenn ja, warum? Keine gönnt der anderen den Bachelor, doch ob die mit dem Typen tatsächlich mehr als nur flirten und poppen wollen, oder lediglich ihren Marktwert testen, kann abschließend nicht beurteilt werden. Vielleicht erhoffen sie sich die große Karriere im Anschluss. Ein paar Auftritte im TV. Schrottformate gibt es ja genug. Man könnte sie in den Dschungel sperren, diese aufgetakelten Hühner. Im Dschungelcamp könnten sie immerhin zurück zur Natürlichkeit gelangen.
Kurz bevor es die nächsten Rosen gibt, beindruckt der Bachelor noch mit einer Arschbombe. Geheuchelte oder echte Freude wühlt die jungen Damen dermaßen auf, dass sie wenige Augenblicke später ebenfalls in den Pool hüpfen. Eigentlich mag ich knackige Körper im Pool. In diesem Fall eher nicht. Frau des Abends wird für mich ein dunkelhaariges Suppenhuhn, welches laut eigner Aussage zu hundert Prozent ehrlich ist und zu tausend Prozent weiß, dass ein blondes Suppenhuhn lügt. Großartig. Leider verpassen wir die Vergabe der Rosen, weil wir alt sind und früh schlafen müssen. Nach so einem Abend weiß ich wieder, warum ich das TV-Programm meide. Menschen sind echt Fehlkonstruktionen und ich freue mich auf eine Welt voller Androiden und Roboter. Doof dabei ist nur, dass diese von Menschen konstruiert/erschaffen wurden.

Bürogespräch

Aus irgendeinem Gedächtnis nachgesprochen. Leicht gekürzt wegen Zeitproblemen und Gedächtnislücken.

Alpha: „Kennst Du Codename U.N.C.L.E.?“
Doc: „Ich weiß nicht.“
Alpha: Der ist gut.
Doc: Ich kann mich nicht erinnern. Bei über 200 Filmen pro Jahr vergesse ich sehr viel.
Alpha: So viel Zeit hätte ich gar nicht.
Jessi: Du brauchst eine Frau.
Doc: Nein.
Jessi: Doch. Dann würdest Du nicht so viele Filme gucken.
Doc: Alle Frauen sind mir abgehauen, weil ich immer nur Filme gucken will. (Die beiden nehmen echt fast alles ernst, was ich sage und gucken mich jetzt mitleidig besorgt an.)
Alpha: Ich stelle Dir mal meine Ostheopatin vor.
Doc: Willst Du die verkuppeln?
Alpha: Ist eine ordentliche Frau.
Doc: Ich stehe nicht zur Verfügung.
Alpha: Sie ist aber eine adrette Erscheinung. Hat keinen Buckel oder sowas.
Doc: Ich habe auch keinen Buckel. Ist die unter 40?
Alpha: Ja.
Doc: Immerhin.
Jessi: Wie alt bist denn Du?
Doc: Über 40.
Jessi: Wie alt denn?
Doc: Weit über 40.
Alpha: Wie weit denn über 40?
Doc: 7 Jahre.
Alpha: Das hätte ich jetzt nicht gedacht.
Doc: Ich benehme mich ja auch nicht wie über 40.
Jessi lacht.
Alpha: Du hast Dich aber gut gehalten. (Alpha schaut wirklich überrascht. Fast schon fasziniert.) Wann bist Du geboren? (Scheinbar zweifelt er noch immer.)
Doc: 1970.
Alpha: Ich hatte Dich höchstens auf Ende 30 geschätzt. Ganz ehrlich.
Doc: Ich muss jetzt gehen. Unten warten Teilnehmer auf mich.

Ich kann nicht sagen, dass mir das nicht geschmeichelt hätte. Ob meine Lebenserwartung dadurch von 76 auf 84 erhöht wird, wage ich aber zu bezweifeln.

PS: Ich habe den Film natürlich schon geseheh, es aber tatsächlich völlig vergessen.