Verkalkungen

Weil mein Hausarzt vor einigen Monaten erkannt hat, dass die Verkalkungen meiner Bauchschlagader im Gegensatz zum letzten Jahr schlimmer geworden sind, sitze ich nun im Wartezimmer eines Kardiologen in Waltrop. Nachdem mein Hausarzt mir letztes Jahr bereits diese Verkalkungen bestätigt hat, besuchte ich einen Kardiologen in Lünen, der keine Verkalkungen entdecken konnte. Eine dritte Meinung erscheint mir daher mehr als angebracht.

Während der Untersuchung wird festgestellt, dass alles in einem meinem Alter entsprechenden Zustand ist. Verkalkungen kann auch dieser Kardiologe nicht erkennen, weshalb vermutlich davon ausgegangen werden muss, dass mein Hausarzt, der zum Glück nun im Ruhestand ist, entweder einen an der Waffel hat, oder eben mehr erkennen kann als ein Kardiologe es kann. Dieser Kardiologe möchte, dass ich im April ein Belastungs-EKG machen lasse und einmal im Jahr zur Untersuchung komme, da eine familiäre Vorbelastung gegeben ist. Da kann man nicht vorsichtig genug sein. Klingt durchaus logisch, weshalb ich davon ausgehe, mich regelmäßig untersuchen zu lassen. Bevorzugt in den Wintermonaten, weil da der Benz abgemeldet ist und nicht zur Werkstatt muss. Die Zeit kann ich also prima nutzen, um mich warten zu lassen. Ich bin wirklich prima durchstrukturiert.

Geld ausgeben fürs Alter

Kaum höre ich in den Wintermonaten für einen Moment auf, Rechnungen für irgendwelche Autoreparaturen zu bezahlen, zahle ich für die Widerherstellung eines erträglichen Gesamtzustandes meines Körpers. Und für Blutuntersuchungen und irgendwelche Mittelchen, die mich von innen heraus stärken und attraktiv machen sollen. Es ist wenig verwunderlich, dass ich niemals auch nur einen Cent spare. Ich tue wirklich alles, um die Altersarmut zu erreichen und in vollen Zügen auszukosten.

Wenn alles gut läuft und mit ganz viel Glück, kann ich ein vitaler Rentner mit einem gepflegten Fahrzeug, welches im Optimalfall sogar noch fahrbereit ist, werden, der sich zwar nichts mehr leisten kann, von innen aber voll attraktiv ist und gut vorgesorgt hat. Nur halt nicht finanziell.

Dorn und Breuss

Als ich Anfang Oktober zur Dorntherapie mit anschließender Breuss-Massage war, hatte ich nicht viel erwartet, sondern war nur neugierig, ob mir das mehr hilft als die üblichen Thai-Massagen. Es war spannend, ich kam in den Genuss einer pneumatischen Pulsationstherapie und bekam zum Abschied Kinesio-Tape auf den Rücken geklebt. Ich fand alles sehr entspannend und befand mich schon bald in einem dermaßen guten Zustand, wie schon lange nicht. Meine Nackenschmerzen waren deutlich reduziert, selbst meine Darmprobleme waren fast weg und obendrein fühlte sich mein Knie besser an. Da ich skeptisch bin, wollte ich die Behandlung nicht dafür verantwortlich machen. Weil ich nicht wusste, ob vielleicht das Kinesio-Tape Grund für die Verbesserungen war, ließ ich es elf Tage auf meinem Rücken. Während der ganzen Zeit ging es mir relativ gut. Der nächste Termin zur Thaimassage verlief auch anders als erwartet. Die Masseurin hatte kaum was zu tun, die Verspannungen waren gering und wir waren irritiert, weil das normalerweise nicht so ist. Zwei Wochen später folgte die nächste Thaimassage und wieder war ich relativ wenig verspannt. Lange war ich nicht mehr über einen so langen Zeitraum fast Beschwerdefrei. Waren Dorn und Breuss verantwortlich?
Eine Woche nach der Thaimassage und fast sieben Wochen nach der Dorn-Breuss-Behandlung wurden die Darmprobleme schlimmer, der Nacken verspannter und auch das Knie meldete sich zurück. Unverzüglich vereinbarte ich einen Termin in der Naturheilpraxis in Bochum. Ich wollte den guten Zustand zurück.

Ich bekam recht schnell einen Termin und nun bin ich in der Praxis, um mich erneut reparieren zu lassen. Die Heilpraktikerin fragt, welche Behandlung ich wünsche. Da ich nicht weiß, was genau damals geholfen hat, soll sie das entscheiden. Weil ich eh gerade da bin, erzähle ich auch gleich von meinen Knieproblemen. Dann darf ich mich ausziehen. Also nicht völlig, die Unterhose, ich habe extra eine frische angezogen, darf ich anbehalten. Mir ist das immer peinlich, wenn man mich so sieht. Untergewichtig mit Bauchansatz, mieser Köperhaltung und völlig Muskellos. Das ist nicht schön. Dazu bin ich so weiß, dass man eigentlich kein Licht machen müsste, um es hell genug zu haben. Mich so einer Frau zu zeigen, ist mir wirklich peinlich, aber es ist ja für einen guten Zweck und somit unvermeidlich.
Zunächst wird das Knie untersucht und eine Stelle am Muskel gefunden, die vermutlich mein Leid verursacht. So weit war noch kein Orthopäde bisher. Aber Orthopäden sind ja auch meist nur Routineäffchen. So beginnt die Behandlung des Knies mit der pneumatischen Pulsationstherapie, gefolgt von einer Art Massage, die durchaus wehtut. Gereizt und verklebt sind die Muskeln. Mehrere Behandlungen werden nötig sein, um das zu verbessern. Und die Krankenkassen zahlen nix. Zum Abschluss der Kniebehandlung lasse ich mir ein Akkupunkturpflaster aufkleben. Was es nicht alles gibt. Es folgt die Behandlung und Massage der Wirbelsäule. Alles sehr angenehm und sicher gut für mich. Abschließend wird mir ein wenig Procain in den Nacken injiziert und ein Kinesio-Tape angebracht. Erst jetzt stelle ich fest, dass ich neunzig Minuten behandelt wurde und mir wird bewusst, dass ich schon bald die Rechnung zahlen muss. Doch das ist erstmal egal, denn die Behandlung hat mir sichtlich gutgetan und ab und zu muss man sich auch mal was gönnen. Nun heißt es abwarten, ob und wie lange mein Zustand als verbessert angesehen werden kann.

Facharztroutinen

Mindestens sechs Jahre hindern mich Knieschmerzen schon am Joggen. Diverse Ärzte habe ich konsultiert und nicht einer konnte auch nur ansatzweise helfen. Und eigentlich hatte ich mit dem Thema auch abgeschlossen, doch da ich nun seit über einem Jahr gar keinen Sport mehr mache, wollte ich einen letzten Versuch wagen, bevor ich mich endgültig in die Altersbewegungslosigkeit verabschiede.

Bevor ich überhaupt vom Arzt untersucht oder befragt werde, schickt man mich erstmal zum Röntgen, was mir merkwürdig vorkommt. Aber letztlich ist es auch egal, denn egal ob vor oder nach dem Gespräch, röntgen ist sowieso Pflicht. Das kenne ich nicht anders und es führte bisher immer nur zu der Aussage, dass man auf den Röntgenbildern nicht wirklich was erkennen kann. So auch heute. Ich erzähle dem Arzt von meinen Beschwerden, er guckt sich das Knie an, biegt etwas, drückt etwas und kann, wer hätte das gedacht, nichts feststellen. Also ordnet er eine MRT-Untersuchung an. Gab es irgendwann auch schon mal, wenn ich mich recht erinnere. Doch da ich mir vorgenommen habe ein letztes Mal alles mitzumachen, soll es halt so sein. Dazu schreibt er mir fünf Ultraschallbehandlungen auf. Ich habe zwar derzeit keine Beschwerden, weil ich nicht jogge, aber Ultraschall hatte ich noch nicht, da kann man das ja einfach mal mitnehmen. Immerhin sagt er nichts von möglichen Zuzahlungen. Weil es gerade so gut läuft, möchte er mir noch ein Tens-Gerät aufschreiben. Ich weise darauf hin, dass ich schon eins habe und das Thema ist durch. Ob und wie ich das nutze, wird nicht gefragt. Warum auch? Sollte beim MRT nichts festzustellen sein, werde ich an einen Kniespezialisten überwiesen. Damit verabschiedet sich der Arzt und die junge Frau, die alles mitnotiert hat, macht die Überweisung fertig und wünscht mir gute Besserung. Perfekte Routine vom ersten bis zum letzten Moment.
In der Therapieabteilung lasse ich mir die Termine für die Ultraschallbehandlung geben. Das bedeutet, ich fahre bald für Behandlungen, die zehn Minuten dauern, fünfmal nach Waltrop. Die letzte Behandlung ist im Januar. Wieso bin ich nur so skeptisch, dass es irgendwas nützen wird?

Der MRT Termin findet am 05.12. in Castrop-Rauxel statt. Danach wissen wir vielleicht mehr, oder weiterhin nichts. Ich sollte mir echt ein anderes Hobby zulegen, anstatt mich irgendwelchen Arztroutinen hinzugeben. Oder bin ich nur zu skeptisch und dieses Mal wird alles anders, auch wenn es nicht so scheint?

Seuchenvögel und ihre Auswirkungen

Ich empfinde in der Regel wenig Sympathie für Leute mit Erkältungen, die sich in meiner Nähe aufhalten. Es ist mehr ein Gefühl der Abscheu, was sich mehr und mehr ausbreitet, wenn diese Personen mich mit ihrer Anwesenheit runterziehen und versuchen mich mit ihren Viren zu töten oder wenigstens zu schwächen.  Daher machen mich die Tage im Büro derzeit echt fertig. Überall werden Taschentücher geschwenkt, vollgerotzt und in Mülleimern versenkt. Viren schleudern um mich herum, geschleudert von menschlichen Virenschleudern, die in solchen Momenten nichts Menschliches für mich erkennen lassen. Meine Kollegin hat es fast überstanden und ist somit vielleicht die harmloseste Virenmutter. Der dritte Mann ist eine einzige Rotzbeule und einige Teilnehmer haben sich über Durchfall zur Erkältung vorgekämpft. Tapfere, kleine Idioten, die mich nun mit diesen ganzen Viren bombardieren. Da trifft es sich gut, dass wir alle uns ein Telefon teilen. Und dieses kleine Büro. Permanent sprühe ich mich mit Desinfektionsspray ein. Nach jedem Kontakt sprühe ich los. Ich desinfiziere obendrein Telefone und Kugelschreiber, sprühe gelegentlich einfach nur in die Luft und will doch nur weg. Alles um mich herum ist eine widerlich verseuchte Masse, Rotznasen werden hochgezogen, der Nasenschleim fließt in Strömen und ich drohe darin zu ertrinken. Wenn ich das unbeschadet überstehen sollte, bin ich ein echter Held mit großartigem Immunsystem. Dann lasse ich mich ausgiebig feiern und auch huldigen, weil ich es verdient habe. Und mittlerweile spüre ich erste Erkältungssymptome, die hoffentlich auf meine Hypochondrie zurückzuführen sind.

Besuch beim Urologen

Weil mein Hausarzt von Nierensteinen
sprach, und ich nach zwei Jahren sowieso den PSA-Test wiederholen will,
verbringe ich meinen freien Tag beim Urologen. Also nicht den ganzen Tag,
sondern nur einen Teil davon. Nach der üblichen Urinprobe, bei der es nichts zu
beanstanden gibt, beginnt die Ultraschalluntersuchung. Die Blase ist schön
entleert und die Prostata eher klein. Damit enden auch schon die guten
Nachrichten, denn die rechte Niere beherbergt gleich mehrere Steine. Einer davon
ist mit etwa 4mm Durchmesser in einem Bereich, der beobachtet werden sollte. Ab
5mm wird geröntgt. Ich bekomme den Rat, dass ich, sollte ich Koliken bekommen,
direkt in die Urologie gehen soll, weil die wissen, was zu tun ist. Klingt
wenig erbaulich. Der Arzt sagt allerdings auch, dass er nicht glaubt, dass
etwas Derartiges passiert, wir aber diesen Stein in etwa sechs Monaten erneut
per Ultraschall ansehen sollten. Die anderen Steine sind eher klein und sollten
so weggespült werden. Ich soll täglich drei bis vier Liter trinken, was mir
etwas viel erscheint, da ich mit meinen zwei Litern täglich schon genug zu tun
habe.
An der linken Niere sind maximal winzige
Steinchen zu entdecken, aber irgendwas wächst da. So wirklich scheint der Arzt
es nicht zuordnen zu können, weshalb er von einer Zyste ausgeht. Ich finde das
alles nicht wirklich prickelnd, muss aber damit leben. Und wo ich gerade schon
da bin, kann ich mich auch gleich nochmal richtig auf die Seite legen.
Irgendwie scheinen die Ärzte Gefallen daran gefunden zu haben, meine Prostata
abzutasten. Natürlich ist der Urologe etwas gründlicher als der Hausarzt und
ich muss erneut feststellen, dass Prostatauntersuchungen in Seitenlage viel
angenehmer sind.
Vor der Blutentnahme für den PSA-Test
wird mein Blutdruck gemessen. 110/70. Für meine Verhältnisse völlig normal.
Anschließend fließt das Blut und ich erfahre, dass ich mein Ergebnis nur dann
mitgeteilt bekomme, wenn der Wert nicht okay. Ich weiß nicht, ob ich das okay
finde. Zum Abschluss wird mir die Rechnung präsentiert. 30,54€. Darin sind
10,72€ Beratungskosten enthalten. Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, dass
ich beraten wurde, aber da ich weiß, dass Ärzte sich gerne etwas kaufen und oft
jammern, weil sie so wenig verdienen, unterschreibe ich freudig, dass ich den
Betrag unverzüglich überweise. Man muss sich und anderen schließlich auch mal
etwas gönnen.

Verschiedene Blickwinkel

Blickwinkel 1:
Die Woche steckt voller Überraschungen.
Noch immer sehe ich mich genötigt für ein besseres Arbeitsklima zu sorgen.
Überhaupt scheine ich hier für das Wohlfühlklima zuständig zu sein. Vor allem
einige Kollegen, die völlig unzufrieden hier rumeiern, versuche ich immer
wieder darauf hinzuweisen ihre Arbeit zu machen und endlich aufzuhören
irgendwelche Kriege zu führen. Ohne mich wäre die Stimmung hier sicher weniger
gut. Brandy scheint so zufrieden, dass sie sich vorstellen kann in Zukunft nur
noch oder zumindest hauptsächlich in dieser Maßnahme zu arbeiten. Vermutlich
hatte sie noch nie, seitdem sie in diesem Unternehmen arbeitet, ein so
entspanntes Arbeitsklima.
Ein Teilnehmer,  der in zwei Wochen die Maßnahme verlassen
muss, weil die Zeit um ist, fragt, ob er nicht länger bleiben kann, weil es ihm
so viel bringt hier zu sein und er die erfolgreiche und entspannte Zusammenarbeit
fortsetzen will. Ich rufe seine Betreuerin vom Jobcenter an. Sie ist total
erstaunt, weil sie mit dieser Entwicklung nicht gerechnet hat und willigt ein,
dass der Teilnehmer weitere drei Monate bei uns bleibt.
Eine weitere Teilnehmerin, die nächste
Woche zum Jobcenter muss, um über ihre Zukunft und diese Maßnahme zu reden,
fragt, ob sie, sollte sie bis zum Ablauf der Maßnahme keinen Job finden, nicht
bleiben darf, weil es ihr hier viel bringt und wir ihr so geholfen haben. Ich
sage ihr, dass ich das sicher hinbekomme, dass sie bleiben darf.
Einer anderen Teilnehmerin hat es hier so
gut gefallen, dass sie mittlerweile wieder hier ist und eine weitere sagte,
dass sie gern wiederkommt, wenn sie in einem halben Jahr noch keinen Job
gefunden hat,
Diese vier Teilnehmer werden bzw. wurden überwiegend
von mir betreut, was verdeutlicht, wie gut ich mit Menschen umgehen kann, dass
sie sogar eine Maßnahme vom Jobcenter freiwillig verlängern oder wiederkommen
wollen und es nicht als Strafe sondern als Chance sehen. Das kriegt auch nicht
jeder hin.
Blickwinkel 2:
Ich bin auch weiterhin der erfolgloseste
Coach des Unternehmens. Meine Teilnehmer nehmen äußerst selten Arbeit auf,
stattdessen kommen sie manchmal sogar wieder, um weitere drei Monate mit uns zu
verbringen. Um ihre Chancen zu erhöhen, haben wir festgelegt, dass sie bei
ihrem zweiten Anlauf nicht mehr von mir betreut werden.
Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist
teilweise schon arg angespannt. Unzufriedenheit gehört einfach dazu.
Brandy  kann sich gut vorstellen, dass
sie in Zukunft mehr in dieser Maßnahme  arbeitet
und ihre anderen Aufgaben aufgibt oder zumindest reduziert. Das kann ich gut
nachvollziehen, denn seit sie hier ist, muss sie so gut wie nichts für diese
Maßnahme tun.  In der Regel unterschreibt
sie nur, dass sie anwesend war und ich mache ihre Arbeit mit, weil ich nicht
weiß, ob sie nächsten Monat überhaupt noch für diese Maßnahme arbeitet. Ich will
das nach meinem Urlaub geklärt haben, bis dahin ist mir fast egal, was sie
macht. Oft macht sie sich während meiner Mittagspause aus dem Staub, so dass
meine Mittagspause ausfällt. Das ist natürlich mein Fehler, weil ich keine
klaren Ansagen mache und ihr auch nicht zutraue, dass sie mich gut vertritt.
Einer meiner Teilnehmer fragt, ob wir die
Maßnahme für ihn nicht verlängern können, weil er sich zu Hause langweilt und fürchtet,
dass seine Betreuerin ihn mal wieder einen sogenannten „Ein-Euro-Job“ machen
lässt, wozu er keine Lust hat. Da verbringt er lieber zwei Tage in der Woche
bei uns. Da wir das kleinere Übel für ihn sind, rufe ich seine Betreuerin an.
Sie sagt, dass er sich anfangs total gegen diese Maßnahme gewehrt hat, und erst
zu uns kam, weil sie ihm das Geld kürzen wollte und sie ständig mit ihm Ärger
hat. Sie verlängert natürlich gerne, weil sie sich dann nicht mit ihm
auseinander setzen muss.
Ähnlich verhält es sich mit einer anderen
Teilnehmerin. Auch sie will irgendwelchen Diskussionen mit ihrer Betreuerin aus
dem Weg gehen und lieber ihre Zeit hier bei uns verbringen. Das kann ich
verstehen, denn ich lasse meine Teilnehmer meist gewähren und komme nicht auf
die Idee, sie gegen ihren Willen irgendetwas machen zu lassen. Dazu fehlen mir
auch die Ideen und Kontakte. Doch hat es auch für mich Vorteile, wenn die
Teilnehmer bleiben. So wird meine Vermittlungsquote erst zu einem späteren
Zeitpunkt weiter nach unten gedrückt und ich erspare anderen Teilnehmern, die
dann die Plätze der ausgeschiedenen Teilnehmer einnehmen, meine
Kompetenzlosigkeit. Wie kann man mich nur eine Maßnahme leiten lassen?
Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo
dazwischen. Vielleicht gibt es auch gar keine Wahrheit, sondern nur verschiedene
Blickwinkel. Wie dem auch sei, jetzt ist Wochenende, dann muss ich noch vier
Tage arbeiten bis ich Urlaub habe. Wenn ich danach ins Büro zurückkehre, kann
schon wieder alles ganz anders sein. Das Wochenende werde ich jedenfalls
genießen, weil sich schon wieder eine Erkältung ankündigt. Vielleicht liegt es
an meinem Alter, dass ich so anfällig bin. Möglicherweise mache ich es ja nicht
mehr lange und die ständigen Infekte sind die Vorboten meines nahenden Endes.
Oder ich habe einfach nur einen an der Waffel. Vermutlich auch alles nur eine
Frage des Blickwinkels.

Der erste Krankenschein

Am vierten Tag
ist die Erkältung weiter merkwürdig. Normalerweise müsste der Schleim nur so
aus meiner Nase laufen, doch dem ist nicht so. Möglicherweise ist es doch nur
eine milde Erkältung.
Gegen Abend
überzeugt mich die Erkältung vom Gegenteil, was mir zunächst gar nicht bewusst
ist. Ich habe eine Art Ganzkörpermuskelkater und bin verwirrt, weil ich seit
Monaten keinen Sport gemacht habe. Dann dämmert es mir. Die Schmerzen kommen
von der Erkältung. Das könnte auch erklären warum ich friere, obwohl mein
Körper total heiß ist. Also sich heiß anfühlt, ein heißer Körper ist er ja
leider noch nie gewesen. Aber das ist eine andere Geschichte. Obwohl ich nicht gerne
Fieber messe, mache ich es und sehe, dass sich der Körper auf 38 Grad erhitzt
hat. Ich nehme das als Zeichen, dass meine Arbeitswoche damit beendet ist, weil
ich nicht davon ausgehe, dass sich das bis morgen wieder normalisiert.
Unverzüglich veranlasse ich eine Nasenspülung, die aber vollkommen misslingt,
weil die Nase zu verstopft ist. Ich entscheide mich ein wenig zu inhalieren und
dann ins Bett zu gehen. Wenn der Körper genug hat und Ruhe will, soll man ihm diese
auch gewähren.
Die Nacht
verbringe ich zusammen mit einer Wärmflasche. Gegen die Schmerzen gibt es
Ibuprofen. Ich schlafe recht gut und freue mich, dass ich meinen
Tablettenteiler benutzen konnte, um die Ibuprofen zu teilen, weil eine 400er
mir zu stark erscheint. Das war wirklich ein guter Kauf, dieser
Tablettenteiler.
„Ich habe mich
die ganze Nacht übergeben.“, sagt die junge Frau, die sich beim Arzt zeitgleich
mit mir anmeldet. Sofort fühle ich mich noch unbehaglicher und als man mich
bittet im Wartezimmer mit all den Verseuchten Platz zu nehmen, sage ich, dass
ich in meiner Wohnung warte und pünktlich zurückkomme. Das ist so widerlich.
Kaum in der Wohnung angekommen, wasche ich mich erstmal ausgiebig. Ich hasse
Arztbesuche.
Nach einer
halben Stunde bin ich zurück in der Praxis und die Wartezeit beginnt. Es ist
nur eine Patientin vor mir dran. Es ist diejenige, die sich die ganze Nacht
übergeben hat. Als die Ärztin anschließend zu mir kommt und mir die Hand geben
will, sage ich ihr, dass das keine gute Idee, weil ich verseucht bin und
Händeschütteln generell nicht zu empfehlen ist. Sie stimmt mir zu. Sicher, weil
sie nicht unhöflich sein will. Die kleine, runde Ärztin ist nett und versucht
auch gar nicht erst irgendwelchen Unsinn aufzuschreiben, den ich sowieso nicht
nehme. Bei Bedarf soll ich Ibuprofen gegen die Schmerzen nehmen und
Nasenspülungen machen. Zur Belohnung schreibt sie mich bis Sonntag krank. Falls
es nötig ist, darf ich am Montag wiederkommen. Dann sagt sie noch, dass ich
eigentlich noch Glück habe, da ich nicht vom magen-Darm Virus befallen bin, der
gerade vor sich hin wütet.  Hoffentlich
bleibe ich davon aus verschont, denn bei einem Magen-Darm Virus fühle und benehme
ich mich so als würde ich sterben. Und nicht nur das, ich wünsche es mir dann
sogar. Das brauche ich wirklich nicht. Letztlich habe ich tatsächlich eine
Stunde in der Praxis verbracht und hoffe, dass ich mir da nicht irgendwas
eingefangen habe.
Ordnungsgemäß
teile ich bei meinem Arbeitgeber mit, dass ich krankgeschrieben bin. Kaum bin
ich 14 Monate angestellt, schon melde ich mich zum ersten Mal krank. Damit
sinkt mein Ansehen sicherlich schlagartig um einige Prozentpunkte. Ich werde
damit leben können. Mit der Tatsache, dass ich an diesem Wochenende vermutlich
nicht zum traditionellen Parkfest kann, kann ich hingegen nur schwer leben.
Wenn man das ganze Jahr auf ein Ereignis wartet, dann sollte man echt nicht
ausfallen. Ich muss versuchen bis morgen Abend wieder fit zu werden.  Wie kann man nur im Sommer erkältet sein?

Zweite Erkältung 2017

Eigentlich
hatte ich mich darauf eingestellt, dass ich zwei Erkältungen pro Jahr habe.
Diese traditionell in den dunklen Monaten, weil Erkältungen im Sommer völlig
absurd sind. Dieser Sommer ist zwar auch irgendwie absurd, aber da muss man ja
nicht gleich mitmachen. Dennoch spüre ich während meines Spaziergangs die
ersten Anzeichen einer Erkältung in Form von Halsschmerzen. Kaum wieder zu
Hause starte ich das übliche Programm. Anfokali, Archangelica comp  und gurgeln mit Teebaumöl. Ob irgendetwas
davon hilft, weiß ich nicht, gehe aber davon aus, dass alles, was ich so
einnehme, die Beschwerden lindert. Und sei es nur durch den Placebo-Effekt.
Die Nacht ist
akzeptabel auch wenn die Halsschmerzen mich mehrfach wecken. Der Tag verläuft
auch ganz gut, abgesehen davon, dass ich in dem dunklen und stets kalten Büro
die Jacke anlassen muss, um nicht zu frieren. Am Abend mache ich die erste
Nasenspülung, da die Erkältung nun Stufe 2 erreicht hat. Wäre fein, wenn es so
sanft weiterginge.
In der zweiten
Nacht muss ich mehrfach Nasenspray nehmen, was dazu führt, dass ich am Morgen
Nasenbluten habe. Begeistern kann ich mich dafür nicht wirklich. Im Büro friere
ich, der Hals kratzt, der Hustenreiz steigert sich und ich trinke Tee, um nicht
zu erfrieren. Selbst draußen, bei fast 30 Grad, will mir nicht warm werden. Glücklicherweise
habe ich keine Teilnehmer, weil die einfach unentschuldigt fehlen.
Möglicherweise leiden sie ja unter irgendeinem Infekt. 

Die dritte
Nacht startet unbequem und wird nach einer Stunde von einem tropfenden
Wasserhahn unterbrochen. Ich bin verspannt und finde keine angenehme Liegeposition,
schlafe völlig verspannt wieder ein und wache noch verspannter nur zwei Stunden
später wieder auf. Dazu ist es viel zu warm, was verwirrend ist, weil ich sonst
nachts eher friere. Da meine Verspannungen zu üblen Schmerzen führen, nehme ich
eine Ibuprofen, lasse Nasenspray in meine Nase strömen und versuche wieder zu
schlafen. Bis es soweit ist, frage ich mich, wieso mein Bett seit Tagen so
unbequem ist.
Vier Stunden
später wache ich erneut auf, weil die Nase verstopft ist. Ich greife nach dem
Nasenspray und stelle fest, dass nichts mehr rauskommt. Da ich zu müde bin, um
eine neue Flasche zu holen, bleibe ich liegen und schlafe wieder ein. Dann
verrenke ich mir die linke Hüfte, was ich merkwürdig finde. Die Schmerzen sind
immens und ich leide, verstehe aber nicht, ob ich wach bin oder schlafe. Wenig
später bin ich tatsächlich wach, die Schmerzen sind weg und ich wundere mich,
dass mein Bett sich zum ersten Mal seit Tagen weich anfühlt und ich mich
wohlfühle. Das ist mir alles zu bizarr. Da ich schwitze, vermute ich, dass
meine merkwürdige Wahrnehmung vom Fieber komme könnte. Andererseits habe ich
gewöhnlich kein Fieber und fühle mich auch nicht fiebrig. Möglicherweise habe
ich einfach nur Wahrnehmungsstörungen oder einen an der Waffel.
Auf dem Weg zur
Arbeit fange ich spontan an zu schwitzen und es dauert nicht lange bis ich
durchgeschwitzt bin. Erotisch ist das beim besten Willen nicht. Im Büro
schwitze ich zunächst weiter bis mir nach etwa drei Stunden wieder kalt ist und
ich Kopfschmerzen habe, weil ich völlig verspannt bin. Ich glaube, ich bin eine
sehr merkwürdige Kreatur.

 

Ultraschall und Vorsorge

Die
Ultraschalluntersuchung der Nieren bringt folgenden Befund. Ein kleiner Stein
wohnt in der rechten Niere. In der linken vielleicht auch. Zumindest ist da
irgendein Schatten, der aber auch bedeutungslos sein kann. Dazu gesellt sich
eine kleine Zyste, die man nicht weiter beachten muss. Nierenzysten scheinen
eine Familientradition zu sein, denn auch mein Vater hatte welche. Weil ich eh
gerade da bin, werden weitere Organe per Ultraschall untersucht. Milz, Leber,
Blase und Bauchspeicheldrüse sehen ordentlich aus. Der ganze Bauchraum ist
voller Luft. Auch so eine Tradition, die keiner braucht. Dann kommen wir zur
Bauchschlagader. Wieder heißt es, dass diese verkalkt ist, was gar nicht gut
aussieht. Wir müssen, so der Hinweis, die Cholesterinwerte im Auge behalten. Würde
er meine Blutwerte kennen, wüsste er, dass die bisher immer gut waren. Das
gleiche hatten wir schon bei der letzten Untersuchung, was mich dazu
veranlasste einen Kardiologen aufzusuchen. Dieser konnte keine Verkalkungen
entdecken und ich frage mich ernsthaft, wer nun Recht hat. Vermutlich muss ich
eine dritte Person nachschauen lassen. Das ist doch alles Kacke. Und wo wir
gerade beim Thema Kacke sind, darf ich mich auch noch bücken, um zu erfahren,
dass meine Prostata sich in einem guten Zustand befindet. Immerhin etwas. Zum
Abschluss wird noch der Blutdruck gemessen, der wohl etwas niedrig ist. Der
Wert wird mir nicht mitgeteilt, interessiert mich aber auch nicht weiter, da
mein Blutdruck meist etwas niedrig ist. Der Arzt fragt noch, ob mir nicht etwas
schwindelig ist, was ich ordnungsgemäß verneine. Da es keine weiteren
Kommentare zur verkalkten Bauchschlagader gibt, verabschiede ich mich wenig
später. Auf eine Blutentnahme wird selbstverständlich verzichtet, weil dabei eh
nur rauskommt, dass man an mir kein Geld verdient und niedrige Leukozytenwerte
kein Grund zur Sorge sind. Die Cholesterinwerte, die ja wegen der verkalkten
Bauchschlagader gerade noch so wichtig erschienen, kann man scheinbar auch
anders beobachten. Ich muss nur noch rausfinden, wie er das alles so macht.