6,6 Prozent, ein Schlüsselkind und andere drollige Teilnehmer

Nachdem uns ein paar Teilnehmer unvermittelt verlasen haben, stehen wir nur noch 6,6% über dem magischen Strich. In den vorhandenen Teilnehmern steckt, bis auf zwei Ausnahmen, recht fragwürdiges Potential. So ist die Freude über unsere neuen drolligen Teilnehmer fast schon riesig. Und unsere Erwartungen werden locker übertroffen.

Da haben wir eine 54-jährige Frau, die 1992 den Arbeitsmarkt verlassen hat und seitdem nur noch für drei kurze Gastspiele zurückkehrte. Sie war im letzten Jahr schon unser Gast, hat dann aber zum Glück einen Job angenommen und so wenigstens der Statistik nicht geschadet. Erwartungsgemäß hat sie nicht lange gearbeitet und ist nun wieder Teil unserer Gemeinschaft. Ich glaube nicht, dass wir sie ein zweites Mal so leicht vermitteln können, aber sie ist definitiv das Beste, was die Neulinge zu bieten haben.

Ein besonderes Bonbon, eine echte Herausforderung, ist ein 54-jähriger Mann aus Kasachstan, der zum ersten Termin eine Dolmetscherin mitgebracht hat und nach sechs Deutschkursen, trotz Zertifikat, so gut wie gar nichts versteht. Die 15 Jahre in Deutschland hat er also optimal genutzt. Er ist traurig, dass sonst kein Teilnehmer seine Sprache spricht und er somit keinen zum Reden hat, weil er die Dolmetscherin ja auch nicht mehrmitbringen darf. Er möchte als Helfer arbeiten, aber lässt ausrichten, dass unter 1.500€ netto eine Arbeitsaufnahme für ihn keinen Sinn macht. Armer Kerl, schweres Schicksal. Da er eigentlich nichts kann, aber dazu nicht günstig zu haben ist, werden wir ihn sicher drei Monate hier dumm rumsitzen haben und uns die Zähne an ihm ausbeißen.

Nächster Neuling ist ein erst 50-jähriger Mann, der nett sein soll, aber leider auch nicht so viel versteht. Da wir seine Sprache nicht verstehen, gestaltet sich schon die Kommunikation etwas schwierig. Welcher Arbeitgeber auf einen Mann seines Alters, der kaum deutsch spricht, wartet, kann nur vermutet werden. Den Vermutungen nach keiner.

Nächster im Bunde ist ein 26-jähriger Türke ohne Schulabschluss und ohne Ausbildung, der nicht für Personaldienstleister arbeiten will. Nachdem er Teilnehmer wurde, hat er sich direkt krankgemeldet. Vielleicht ist das ja nur ein Versehen und er wird, sobald er gesund ist, unsere Quote retten. Ich bin da allerdings fast gar nicht zuversichtlich.

Besonders viel Potential bringt ein 29-jähriger Mann mit, der sofort etwas klarstellt und mir mitteilt, dass er Araber ist und es keinen Sinn macht eine Arbeit anzunehmen, bei der er nur 300 Euro mehr verdient als er und seine Frau jetzt vom Amt bekommen. Das hat er nicht nötig. Außerdem arbeitet er nicht für Zeitarbeitsfirmen, weil er eine abgeschlossene Ausbildung hat. Dass er aber nicht in dem erlernten Beruf arbeiten will und wird, spielt keine Rolle. Als Quereinsteiger kann er schon eine angemessene Bezahlung erwarten. Außerdem, jetzt wird er nach eigener Aussage politisch, ist Deutschland ja selbst schuld, dass er und viele andere Ausländer vom Staat leben. Da er hier geboren ist, ergibt das für mich alles keinen Sinn, weshalb ich ihm sage, dass er machen soll, was er will. Damit beenden wir dieses hochinformative Gespräch und die Dinge nehmen ihren Lauf, ganz so wie sie es immer tun.

Ein weiteres hochentwickeltes Talent ist ein 35-jähriger Mann, der es sich kürzlich angewöhnt hat, seinen Schlüsselbund an der Gürtellasche seiner Hose baumeln zu lassen. Ich nenne ihn fortan Schlüsselkind und sage ihm, dass es Scheiße aussieht und er so keine Frau abkriegen wird. Er hat seine Zweifel und mag das nicht glauben. Glücklicherweise steht vor dem Gebäude gegenüber gerade eine Frau und raucht. Also sage ich dem Teilnehmer, dass er zu der Frau gehen soll, um zu fragen, was sie von seinem zur Schau getragenen Schlüsselbund hält. Das Schlüsselkind macht, was ich ihm aufgetragen habe und erfährt so von der Frau, dass das mit dem Schlüsselbund nicht so gut ankommt. Als er zurück ist, sage ich ihm, dass ich das wusste, weil ich mich gut mit Frauen auskenne. Sollte er diesbezüglich noch Fragen haben, stehe ich ihm jederzeit zur Verfügung. Natürlich war das gelogen, denn von Frauen weiß ich nur, dass ich fast nichts von ihnen weiß, aber das muss unser Schlüsselkind nicht wissen. So kann man mit dem Schlüsselkind zwar immer seinen Spaß haben, vermittlungstechnisch bringt uns das aber auch nicht weiter.

So gehen wir mit einem bunten Sammelsurium skurriler und weniger skurriler Teilnehmer durch den Frühling und freuen uns schon auf die zwei, die unseren erlesenen Kreis nächste Woche bereichern werden. Und sollten wir in den nächsten drei Monaten die magische Grenze noch nicht unterschritten haben, können wir uns darauf ehrlich etwas einbilden. Ansonsten gehen wir einfach unter. Kann ja auch mal passieren.

Die scheinbar unendliche Erkältungswelle

Es hat den Anschein als würde diese Erkältungswelle nie abebben. Jeden Tag sitzt mindestens ein verschnupfter Teilnehmer bei mir. Ich halte Abstand, sprühe Desinfektionsmittel, nehme Krankenscheine entgegen. Oft meide ich den Kontakt zu den Teilnehmern und lasse sie einfach ihre Zeit absitzen. Ich weiß, das ist blöd, aber ich hasse Erkältungen und will einfach nichts damit zu tun haben. Manche Teilnehmer sind schon das zweite Mal innerhalb kurzer Zeiterkältet und ich muss gestehen, dass ich erkältete Teilnehmer unsympathisch finde. Manchmal sage ich denen das auch. Irgendwie finde ich, dass Erkältungen eine Zumutung sind. Um mich herum wird gehustet und geschnupft, Viren fliegen durch die Gegend und ich bin durchaus angewidert.

Am Freitag erreicht meine Abneigung gegen die Teilnehmer einen weiteren Höhepunkt. Drei von vier Teilnehmern tragen ihre Erkältung offen zur Schau. Die verpackte, türkische Frau kann kaum sprechen, ihre Nase läuft und irgendwann hustet sie alles voll. Ich frage sie, ob sie nicht besser nach Hause gehen will. Will sie nicht. Also sage ich ihr, dass sie sich auf alle Stellen, die ich ihr beim letzten Termin gegeben habe, bewerben soll. Ich weiß, dass sie das eigentlich nicht vorhatte. Doch ich kann nicht ständig Rücksicht auf die Befindlichkeiten meiner Teilnehmer nehmen. Erst recht nicht, wenn sie in einem solchen Zustand hier auftauchen. Die blonde Frau kann vor Halsschmerzen kaum schlucken. Frauen, die nicht schlucken können, sind mir irgendwie suspekt. Immerhin schreibt sie brav Bewerbungen. Da muss ich sie echt loben. Anfangs hatte ich echt befürchtet, dass wird nix mit ihr. Doch scheinbar haben meine ständigen Hinweise und Hilfsversuche doch etwas gebracht. Trotzdem will ich nicht, dass sie hier ist. Außerdem hustet und stöhnt sie ständig. Das finde ich irgendwie unangebracht, weil wir hier in einem Büro sind und nicht auf einer Krankenstation. Außerdem habe ich Angst, dass die mir hier verstirbt.
Auch der Teilnehmer, der kaum deutsch spricht, ist ständig mit einem Taschentuch bewaffnet. Und hat er mal kein Taschentuch in der Hand, liegt es vollgerotzt vor ihm auf dem Tisch. Großartig, so ist gewährleistet, dass alle etwas davon haben. Ich bin echt froh als die Teilnehmer endlich weg sind. Die verpackte Türkin, von der man lediglich das Gesicht sieht, hat natürlich keine Bewerbungen geschrieben. Alles andere hätte mich bei ihr auch gewundert. Somit hat sie drei Stunden einfach nur ihre Viren verteilt. Vielleicht ist das ihre Art mir mitzuteilen, dass ich nerve und sie nicht arbeiten will.

Zukunftsvision

„Herr Dr. Schwein, wir haben einen neuen Teilnehmer für Sie. Er ist 30 Jahre, hat keine Ausbildung, aber gute Manieren. Er kann mit Messer und Gabel essen und fragt grundsätzlich nach, bevor er zur Toilette geht. Mitunter sagt er auch, ob er groß oder klein muss, damit man sich auf die Wartezeit einstellen kann bis er zurück ist. Das machen heute nur noch ganz wenige. Ein toller Typ. Ehrlich. Da geht was mit dem. Wir sind zuversichtlich, dass sie ihn schnell vermitteln. Er hat zwar keine Berufserfahrung, aber dafür ist er voll motiviert und hat auch konkrete Ziele. Alles bis ins Detail durchdacht. Er möchte Drohnenpilot werden. Wir denken, das ist eine gute Idee. Auch interessiert er sich für eine Tätigkeit als professioneller Origami-Falter, falls alle Drohnen besetzt sind. Möglicherweise hat der Teilnehmer einen kleinen emotionalen Knacks, weil er in seiner Kindheit mitansehen musste, wie sein Plastikhund unter einem Sandberg ums Leben kam. Sollte aber kein Problem sein. Drohnen fliegt man ja meist alleine, da sind so Sachen nicht von Belang. Sie machen das schon. Und denken Sie an die Quote.“ – „Kein Problem. Ich reparier den kurz, dann schreiben wir die ersten Bewerbungen. Ein geeigneter Arbeitsplatz sollte rasch zu finden sein. Verhaltensoriginelle Drohnenpiloten werden derzeit ja auf dem Schwarzmarkt wie verrückt gesucht. Und kreative Origami-Falter sind auch selten. Da lässt sich sicher rasch ein geeigneter Arbeitgeber finden für das Naturtalent. Ich mach das schon. Keine Sorgen. Alles für die Quote und eine bessere Zukunft. Vielen Dank für Ihr Vertrauen.“

Ohne Quote wäre doch alles viel zu einfach

Es gibt durchaus Dinge, die mir als Maßnahmeleiter gefallen. Oft weiß ich als Erster von irgendwelchen Veränderungen, die ich aber absprachegmäß nicht verrate. Wenn dann Alpha irgendwann mit diesen Neuigkeiten rausrückt, kann ich jedes Mal sagen, dass ich das schon weiß und mich desinteressiert wegdrehen. Auch mag ich es durchaus, wenn ich von manchen Kollegen gefragt werde, ob ich okay finde, was sie gemacht haben, oder ob ich nochmal drüber gucken kann. Das ist schon irgendwie cool, aber das reicht wohl nicht aus, um wirklich glücklich mit meiner Position zu werden. Und so habe ich keine einzige Signatur dahingehend geändert, dass ich Maßnahmeleiter bin. Ich habe auch nicht vor, dies zu tun und nutze auch weiter jede Gelegenheit zu betonen, dass ich die Maßnahme nicht leiten will und es nur vorübergehend mache. So trifft es sich doppelt gut, dass ab nächste Woche Carsten den dritten Mann ersetzen und von montags bis donnerstags anwesend sein wird. Freitags wird er gelegentlich auch vor Ort sein, so dass er am Ende mehr Stunden in der Maßnahme ist als ich es bin. Logisch, dass er somit der geeignetere Maßnahmeleiter ist.

Was mich am allermeisten an der Leitung stört, ist die Tatsache, dass es eine Quote zu erfüllen gibt, wir aber derzeit fast nur noch Teilnehmer bekommen mit denen man nichts erreichen kann. Im Moment sind wir zwar noch fast acht Prozent über der Quote, die vor uns verlangt wird, aber die Tendenz ist fallend. Firmenintern sind längst nur noch vier Maßnahmen schlechter. Als Carsten mich nach dem Potenzial seiner Teilnehmer fragt, schaue ich kurz auf die Liste und kann ihm bestätigen, dass nur einer seiner künftigen Teilnehmer vermittelbar ist, aber nicht vermittelt werden will, weil er darauf hofft, eine Umschulung finanziert zu bekommen.

Die fast vollverschleierte Islamtheologin, die nicht mehr als solche arbeiten will, scheint niemand zu sein, auf den die Arbeitswelt wirklich wartet. Bisher hatte jedenfalls niemand Interesse an ihr als Mitarbeiterin.

Ebenfalls noch recht neu ist ein Syrer, der ziemlich schlecht deutsch spricht, Mitte fünfzig ist, und sich obendrein überhaupt nicht traut was zu sagen. Alles muss man ihm geduldig aus der Nase ziehen. Wenn er mal nicht weiter weiß, sitzt er so lange einfach nur da, bis man nachfragt, was denn ist. Er würde fast jede Stelle annehmen, doch wer stellt jemanden ein, der kaum spricht und nur wenig versteht?

Der junge Mann ohne Zukunft mit Kapuze, der diese Woche das erste Vorstellungsgespräch seines Lebens hatte und bei uns noch nicht einmal pünktlich war, wird sicher nächste Woche kaum berichten, dass er einen Ausbildungsplatz hat. Ich fürchte vielmehr, dass er alle beim Vorstellungsgespräch beteiligten Personen in den Schlaf gelullt hat.

Dann gibt es noch zwei, die durchaus Potenzial haben, aber einer der beiden hofft auch auf eine Umschulung und der andere würde eine sehr lange Nase haben, wenn er Pinnocchio hieße. Ach ja, es gibt noch eine Alleinerziehende, aber die ist nun mal nicht sonderlich flexibel. Da haben Arbeitgeber komischerweise nicht so das Interesse.

Jetzt könnte ich auf die Idee kommen, auf die neuen Teilnehmer zu hoffen, die bald kommen. Doch nachdem ich erfahren habe, wen wir da bekommen, erscheint mir Freude unangebracht. Zunächst gibt es einen Teilnehmer, der letztes Jahr schon einmal die Quote gekillt hat. Damals unterschrieb er den Vertrag und kam nie wieder. Zählte am Ende als Vermittlungsmisserfolg. Vermutlich wiederholen wir das ganze einfach nochmal. Warum auch nicht? Beständigkeit ist eine wichtige Sache.

Dann gibt es eine Frau, die eine Betreuerin hat. Mit der Betreuerin durfte ich mehrfach sprechen und weiß seitdem, dass die Frau, die unsere Maßnahme nächste Woche bereichern soll, unzuverlässig ist, es kaum schafft Termine einzuhalten, aber unterschwellig angedeutet hat, arbeiten zu wollen. Ich weiß zwar nicht, was so eine unterschwellige Andeutung wohl bedeuten mag, gehe aber nicht davon aus, dass man da was machen kann. Schließlich schafft die Frau die meisten Dinge nur, wenn die Betreuerin dabei ist. Und wenn sie wirklich arbeiten sollte, müsste sie von dem Gehalt sicher auch etwas abgeben, um ihren immens hohen Schuldenberg schrumpfen zu lassen. Nein, ich glaube nicht, dass wir da eine Chance haben.

Zum wirklich krönenden Abschluss kommt der Mann ohne Zukunft wieder. Meinen Einwand, dass er doch nicht vermittelbar ist, wir aber eine Vermittlungsmaßnahme sind, hätte ich mir sparen können. Der Mann ohne Zukunft hat sich gewünscht erneut zu uns zu kommen und deshalb wird das so gemacht. Da hätten wir uns alle Hinweise und den ausführlichen Bericht sparen können. Klar, könnte ich mich freuen, dass wir dem Mann ein gutes Gefühl vermittelt haben, und er sich bei uns so wohlgefühlt hat, dass er unbedingt wiederkommen möchte, wäre da nur nicht die Sache mit der Quote. Diese können wir so einfach nicht schaffen und deshalb will ich auch nicht verantwortlich sein. Vielleicht hat Carsten ja Lust, dass bald zu übernehmen. Er ist eh der bessere Vermittler und ich könnte mich dann hauptsächlich um das Wohlergehen der Teilnehmer kümmern. Das ist eh mehr mein Ding. Alles andere setzt mich nur unnötig unter Druck. Das möchte ich einfach nicht.

Ein viel zu langer Bericht über eine bescheidene Woche eines verwirrten Mannes. Teil 1

Wenn ich arbeite, dann bin ich beschäftigt. Und wenn ich beschäftigt bin, bleibt das kranke Hirn oft aus, was ich sehr angenehm finde. Auch scheint es mir gesundheitlich besser zu gehen. Mein Darm lässt mich meist bis kurz vor Feierabend in Ruhe und man könnte glauben, ich sei ein gesunder, junger Mann. Spätestens zu Hause ändern sich die Dinge. Es ist allerdings in der Woche eher der Körper als der Geist, der mir zeigt, dass ich körperlich nicht mehr viel zu erwarten habe. Meine Darmprobleme empfinde ich mittlerweile so intensiv, dass ich nun jeden Tag sicher bin, dass ich Krebs habe. Ich bin zwar kein Arzt, aber was soll denn das sonst sein? Alternativ könnte es maximal so sein, dass ich ein vollkommener Psycho bin und mir all das nur einbilde. Das würde es zwar nicht angenehmer machen, aber ich könnte es vielleicht eines Tages abstellen. Ärztliche Untersuchungen lehne ich dennoch weiter ab, da ich keine Zeit habe und es am Ende nur auf eine Darmspiegelung hinauslaufen würde. Das kann ich nicht machen, es würde auch nichts ändern. Wäre ich tatsächlich ernsthaft erkrankt und hätte Recht, könnte man mir eh nicht helfen. Bin ich nur ein Psycho hätte ich die ganze Abführerei völlig unnötig über mich ergehen lassen. Schon bei dem Gedanken an diese Darmentleerung wird mir schlecht. Vielleicht ist es auch die traditionelle Familienbauchspeicheldrüsenkrebstradition, die ich konsequent fortführe. Da wäre dann eine Darmspiegelung vollkommen unsinnig. Also werde ich irgendwann einfach umfallen, qualvoll sterben oder nur ein Spinner bleiben. Wir werden sehen. Okay, Hypochonder sterben selten an ihren eingebildeten Krankheiten, doch da ich schon immer besonders war und immer Recht haben muss, um mich nicht schlecht zu fühlen, gehöre ich zwangsläufig zu denen, die sich nicht irren. Sollte ich also in nächste Zeit qualvoll zu Grunde gehen, kann mir jeder bestätigen, dass ich Recht hatte. Das möchte ich dann bitte auch schriftlich irgendwo hinterlegt haben. Für die Nachwelt und die Zweifler.

Meine lieben Kolleginnen Anke und Jessi essen mittags gerne zusammen und möchten, dass ich mitesse. Ich esse nur selten gerne ich Gesellschaft, weshalb ich das immer ablehne. Irgendwelche Unverträglichkeiten habe ich immer, um nicht mitzuessen. Dummerweise will Anke nun extra für mich einen Salat zubereiten, der nur Zutaten enthält, die ich vertrage. Wenn die mich nicht leiden könnten, würden die nicht auf so verrückte Ideen kommen. Warum bin ich nur so nett zu meinen Kolleginnen? Jetzt stehe ich da und muss bald Salat mit denen essen. Ich habe dieses Jahr übrigens noch keinen Salat gegessen und im letzten Jahr auch fast nie. Dennoch werde ich demnächst, wenn das Wetter wieder besser ist, in den Pausen wieder spazieren gehen. Dann muss ich mit niemandem Salat essen. Das ist mir nämlich irgendwie zu privat.

Nur am Rande verfolge ich ein Gespräch zwischen Anke, Jessi und einer dritten Kollegin, die uns mittwochs hier unterstützt. Nennen wir sie die Mittwochsfrau. Es geht um Haustiere, Familie, Partnerschaft. Irgendwas in der Art. Irgendwann schweigen die drei und ich schaue kurz rüber als die Mittwochsfrau sagt: „So, und jetzt Du.“ Ich schaue irritiert und erkenne, dass tatsächlich eine Antwort von mir erwartet wird. „Ich habe keine Katze, weil meine Wohnung zu klein ist. Ich habe keinen Hund, weil meine Wohnung zu klein ist. Es wohnt auch sonst niemand bei mir, weil meine Wohnung zu klein ist.“ Es scheint die absolut richtige Antwort gewesen zu sein, da nicht weiter nachgefragt wird und die drei ohne mich weiterreden. Was haben die denn von mir erwartet?

Der erste Sextraum des Jahres ist sehr intensiv. Dennoch versuche ich alles, um aus dem Traum rauszukommen. Vielleicht sind die Sexträume auch deshalb so selten, weil ich immer versuche dem zu entfliehen. Und auch dieses Mal bin ich erfolgreich und schaffe es vor dem Höhepunkt den Traum zu beenden. Da soll mal jemand sagen, ich sei nicht konsequent. Wenn ich etwas nicht will, dann will ich nicht.

Am Donnerstag bin ich ohne Smartphone im Büro, was einer Behinderung sehr nah kommt. Es ist natürlich ungewohnt und ich weiß teilweise gar nicht, was ich tun soll. Als würde man einen Teil von mir amputiert haben. Interessanterweise habe ich mir gestern noch gewünscht, dass es keine Smartphones gebe, weil irgendwelche Nachrichten mich aus meinem spontanen Nickerchen rissen. Da ich im Büro allerdings nicht schlafe, bringt mich das auch nicht weiter. Sinnvoller wäre es vermutlich, ich würde das olle Smartphone ständig im Büro liegen lassen, um während meiner Nickerchen nicht gestört zu werden. Ich muss mal darüber nachdenken, ob das eine Option für mich ist.

Noch immer kann man nirgendwo lesen, dass ich Maßnahmleiter bin, sodass ich weiter davon ausgehen darf, dass der Zustand nur vorübergehend ist. Dadurch, dass der dritte Mann nur noch einen Tag hier im Büro ist und wir nicht wirklich zusammenarbeiten, habe ich hier zeitweilig sogar Sachen auf dem Tisch liegen, die ich am nächsten oder übernächsten Tag abarbeiten muss. Für mich ist das echt übel, weil ich am Ende des Tages immer alles abgeschlossen haben will. Doch dadurch, dass derzeit ziemlich viele Teilnehmer gehen und durch neue ersetzt werden, muss ich viele Berichte schreiben und Erstgespräche führen. Da ich von 15 Teilnehmern mindestens elf betreue, wird es gelegentlich dann etwas viel für mich. Meine Ansprüche, die immer eine gewisse Perfektion erwarten, sind manchmal echt nervig und zeitaufwändig. Aber, und damit sind wir wieder beim Anfang, sie halten mich davon ab zu viel über andere Dinge, die mich nur wahnsinnig machen, nachzudenken. Und so stellt sich nun tatsächlich und ernsthaft die Frage, ob eine 7-Tage-Arbeitswoche nicht etwas für mich sein könnte.

Die Kollegin, die bei der Weihnachtsfeier ihr Firmendebut feierte, erinnert mich irgendwie an den dritten Mann. Sie spricht auch nicht wirklich mit ihren Teilnehmern und sitzt meist alleine im Büro und guckt sich irgendwelche Seiten im Internet an. Mittlerweile scheint sie auch Filme zu gucken. Ich weiß nicht, ob diese irgendwas mit ihrem Job zu tun haben, aber ich glaube es nicht. Es scheint so als würde sie darum betteln, dass man sie von ihrem Job, dem sie nicht nachzukommen scheint, erlöst werden will. Sie kommt mir jedenfalls völlig deplatziert hier vor und unterstreicht meine Meinung, die man auch als Vorurteil abtun kann, gegenüber Sozialpädagogen stets aufs Neue. Ich hätte nie gedacht, dass es in der Arbeitswelt solch eine hohe Anzahl an nutzlosen Flachpfeifen gibt. Befürchtet hatte ich es allerdings. Tun kann ich leider nichts dagegen.

Die größte Herausforderung auch in dieser Woche ist der Kampf gegen fiese Viren. Einige Teilnehmer sind krank und bleiben zum Glück zu Hause. Allerdings ist Alpha kurz hier unten und bringt die Seuche mit. Zu allem Überfluss benutzt er auch noch eines der Telefone, einen Block und fasst den Tisch an. Ich halte den größtmöglichen Seuchenabstand und sprühe, nachdem er gegangen ist, alles großflächig mit Hygiene Spray ein. Das Telefon bade ich quasi in dem Desinfektionsspray. Selbst den Block, den Alpha benutzte, sprühe ich ausgiebig ein. Vielleicht sollte ich ihn besser wegwerfen. Anfassen möchte ich hier irgendwie nichts mehr. Verdammte Seuchenvögel. Gegen Mittag fallen die Heizungen in meinem Büro aus und ich friere irgendwann vor mich hin. Der Arbeitstag kann wirklich nicht überzeugen.

Leitern und Leiter

Beim Wort Leiter denke ich zuerst an ein Gerät, dass man benutzt, um hinauf zu steigen. Unter einem Leitertreffen stelle ich mir eine Zusammenkunft verschiedener Leitern vor, die über ihre Erfahrungen im Alltag reden. Strickleitern, Klappleitern, Anlegeleitern, Schiebleitern und auch Allzweckleitern diskutieren darüber, wie es weitergehen soll und was für Zukunftsaussichten sie haben. Doch das heutige Treffen hat mit Leitern dieser Art nichts zu tun. Beim heutigen kleinen Leitertreffen treffen sich der Maßnahmeleiter des Jobcenters, seine Stellvertreterin und der Leiter dieser Maßnahme, der wohl ich bin, um ein paar Daten abzugleichen und zu besprechen. So sitzen wir zusammen in dem kleinen Büro, in dem es nicht eine einzige Leiter gibt, und die Stellvertreterin fragt mich, wieso es von mir kein Foto auf der Firmenwebseite gibt. Weil ich das nicht möchte. Diese Antwort scheint nicht zu helfen, denn als Maßnahmeleiter gehört ein Foto einfach auf die Seite, sagt die Stellvertreterin. Ich wusste gar nicht, dass mein Name überhaupt auf der Seite erwähnt wird. Das muss ich mir später unbedingt ansehen. Während wir so vor uns hin plaudern und Daten abgleichen, bin ich etwas irritiert, dass das alles wirklich passiert. Zu surreal erscheint es mir, dass ich hier als Maßnahmeleiter sitze, gelobt werde und dem Jobcenter scheinbar offiziell als Maßnahmeleiter gemeldet wurde. Bei den vielen positiven Kommentaren zu meiner Arbeit, weiß ich nie, was ich sagen soll. Es kommt mir vor als reden die über jemand anderen. Wie gut und übersichtlich ich die Listen führen würde, wird mehrfach gelobt. Das hat aber nichts mit mir zu tun, sondern ist eine QM-Vorgabe. Da kann ich wirklich nichts dafür. Das sage ich natürlich nicht, weil es keinem helfen würde und ich auch nicht weiter auffallen möchte. Am Ende merken die noch, dass ich irgendwie komisch bin. Auch sage ich nicht, dass ich keine Maßnahme leiten will und erwarte, dass ich spätestens im April abgelöst werde. Dann sind wir fast fertig und schon wieder beim Thema Foto. Die Stellvertreterin gibt nicht auf, versucht es nun auf die billige Tour und sagt, ich sei doch fotogen. Ich sage nichts und bin froh, dass der Maßnahmeleiter vom Jobcenter nun eingreift und sagt, dass das jeder für sich entscheiden muss und nicht wichtig ist. Guter Mann. Außerdem hat die Frau mich doch jetzt gesehen, da wird es durch ein Foto auch nicht besser. Dann geht unser Treffen langsam zu Ende und ich finde all das, was sich hier abspielt, abermals surreal. Wenn ich nicht selbst dabei wäre, würde ich es definitiv nicht glauben. Es ist schon immer wieder schwer zu glauben, dass ich nicht als Arbeitsloser Teil des Ganzen bin, aber Maßnahmeleiter zu sein, erscheint mir komplett abwegig. Als wäre ich im Universum falsch abgebogen und keiner hat es gemerkt.

Kaum sind die beiden weg, schaue ich auf der Firmenwebseite nach, ob irgendwo mein Name auftaucht. Zum Glück nicht. Auch in der Datenbank steht nirgends geschrieben, dass ich Maßnahmeleiter bin. Vielleicht besteht doch noch Hoffnung, dass es nur vorübergehend ist.

Was würden meine Eltern nur sagen, wenn sie das erleben müssten? Die würden es sicher auch nicht glauben, war ich doch zu ihren Lebzeiten fast durchgehend arbeitslos und jetzt sowas. Das ist doch völlig unglaubwürdig und kann eigentlich auch gar nicht sein. Reales fernab der Realität. Realer geht es wohl kaum.

Der Vertrag zur Unterschrift

Neugierig bin ich schon, was in meinem Arbeitsvertrag steht, und so ist es nicht verwunderlich, dass ich die erste Gelegenheit nutze, um zu überprüfen, ob meine spontane Unterschrift, ohne auch nur eine Zeile zu lesen, ein Fehler war. Abgesehen von ein paar kleinen Schreibfehlern kann ich nichts entdecken, was gegen diese Unterschrift spricht. Wäre auch nicht mehr zu ändern. Nachdem ich die meisten Zeilen überflogen habe, denke ich, dass alles seine Ordnung hat und die Dinge weiterhin ihren Lauf nehmen werden. Und weil ich ein durch und durch positiver Mensch bin, beschließe ich, dass die nächsten dreizehn Monate alles so bleibt, wie es ist. Sollte ich dann noch leben und man mir eine neue Aufgabe zuweisen, mache ich mir Gedanken darüber. Aber für dieses Jahr hatte ich genug Aufregung und wenn ich mir keine groben Fehler erlaube und die Quote nicht unter die magische Grenze fliegt, sollte alles gut sein. Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung.

Ganz besondere Teilnehmer

Für den Mann ohne Zukunft haben wir einen würdigen Nachfolger vom Jobcenter geliefert bekommen. 26 Jahre, keine Ausbildung, nicht dumm, aber vollkommen Verhaltensgestört. Ständig kommt er zu spät, liefert großartige Erklärungen und hat immer Angst Ärger mit dem Jobcenter zu bekommen. Er möchte Bühnenmaler werden. Oder Koch. Vielleicht auch Konditor, weil nur diese Jobs zu ihm passen. Eine Meinung, die ich einfach nicht teilen kann. Er bewegt sich langsam, trägt stets die Kapuze seiner Kapuzenjacke auf dem Kopf, wirkt abwesend und lebt vermutlich in Wahrheit auf einem anderen Planeten. Jede Bewerbung, die er schreibt, trägt er ordnungsgemäß ins Bewerbertagebuch ein. Doch damit nicht genug. Jeder Buchstabe muss mindestens einmal übermalt werden. Ob das der Künstler in ihm so will, oder er eine Störung hat, vermag ich nicht zu beurteilen, vermute aber eine Störung. Für seine privaten Unterlagen, so sagt er, braucht er all diese Adressen auch. Doch statt das Bewerbertagebuch zu kopieren, schreibt er es einfach ab. In einer fast unerträglichen Seelenruhe wird Buchstabe für Buchstabe erst geschrieben, dann übermalt. Die hohe Kunst des Schreibens präsentiert von einem zukünftigen Bühnenmaler. Wie schade, dass wir keine Buntstifte haben. Zum Toilettengang meldet er sich ordnungsgemäß ab, davon lässt er sich nicht abbringen. Befreit sieht er nach dem Stuhlgang leider nicht aus.
In einem Gespräch erfahre ich, dass in seiner Familie während seiner Jugend etwas passiert ist, was sicher für seinen Zustand verantwortlich ist. Wieso seine Betreuerin vom Jobcenter nicht erkannt hat, dass dieser junge Mann in seinem jetzigen Zustand so gar keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben wird, ist mir ein Rätsel. Mir reichten dafür wenige Minuten. Aber ich bin möglicherweise auch ein Pessimist, der alle immer zum Therapeuten schicken will anstatt selbst alle zu therapieren. Ich würde dem Mann wirklich helfen, wenn ich könnte, aber weder ist es mein Job, noch bin ich dazu ausgebildet. Fak ist lediglich, dass dieser Mann ernsthaft gestört ist und Hilfe braucht, die er hier nicht bekommt.

Und natürlich hat man uns nicht nur einen hoffnungslosen Fall spendiert. Wir haben gleich mehrere davon. Es gibt noch einen Türken, der am Nachmittag im Nebenraum beten geht, und sagt, dass im Koran steht, dass ein guter Mann sein Geld selbst verdient. Er hat in den letzten sechszehn Jahren genau zwei Monate gearbeitet. Ob er sich dennoch für einen guten Mann hält? Es scheint jedenfalls so. Er erwartet ein Einstiegsgehalt von etwa 2000 Euro. Sicher nicht zu viel verlangt für einen ungelernten, aber gläubigen Mann. Im Moment bekommt er leider nur etwa 1800 Euro mit Kindergeld und dem ganzen Kram. Dafür ist er einer der freundlichsten Teilnehmer, die man so haben kann. Hilft nur keinem weiter.

Ein anderer Mann aus der Türkei lebt seit 16 Jahren in Deutschland, versteht nur wenig und dann bevorzugt auch nur das, was er verstehen will. Für ihn kommt nur ein Job als Polsterer in Frage. Alles andere lehnt er rigoros ab. Beim Jobcenter ist bekannt, dass er sich allem entzieht. Am liebsten sitzt er in einem türkischen Café und lässt es sich gutgehen. Seine Frau wird gelegentlich als Übersetzerin eingesetzt. Er kann weder alleine nach Stellen suchen noch sonst irgendwas tun, was nötig wäre, um einen Job zu bekommen. Doch man muss auch ein wenig Verständnis für seine Lage aufbringen, denn warum soll er etwas ändern, wenn doch längst alles gut ist? Nur Idioten tun so etwas. Und vielleicht noch solche, die zu Idioten werden wollen.
Die Frage, ob er versteht, was man von ihm will, beantwortet er stets souverän mit einem verneinenden Kopfschütteln. Lediglich als ich ihm einmal mitteilte, dass ich ihn abmahnen muss, hatte ich seine volle Aufmerksamkeit. Ich wusste schon immer, wie ich Aufmerksamkeit bekomme, auch wenn es keinem hilft.
Was wir mit ihm hier sollen, weiß ich allerdings nicht. Bei den Deutschkursen, die man ihn öfter machen ließ, hat er nie mitgemacht, weil es ihn nun einmal nicht interessiert. Das ist nur konsequent, denn man macht eh zu oft bei Dingen mit, die einen nichtinteressieren. Und so können wir am Ende auch von diesem Teilnehmer etwas lernen. Das finde ich schön. Vielleicht sollte man den Mann einfach in Ruhe lassen. Bringt eh nichts und so spart man am Ende auch noch Geld. Damit gäbe es am Ende nur Gewinner. Eine schöne Vorstellung, wie ich finde.

Neu bei uns ist eine junge Türkin, die stets Kopftuch und einen langen Mantel trägt. Angeblich gelernte Islamtheologin. Aber Genaues weiß man nicht. Sie sagt, sie will eine Ausbildung machen. Das Jobcenter will, dass sie als Theologin arbeitet. Sie sagt, außer einer Ausbildung zur Arzthelferin kommt für sie nichts in Frage. Ihr Schulzeugnis ist mittelmäßig, aber in zwei immens wichtigen Fächern konnte sie eine gute Note ergattern. In den Fächern „Herkunftsprachlicher Unterricht – Türkisch“ und „Türkische Folklore“. Ich wusste nicht einmal, dass so etwas unterrichtet wird. Mir fehlt vollkommen die Fantasie, was wir hier mit ihr machen wollen. Ein Tänzchen könnte sicher nicht schaden, würde aber keinem von uns wirklich helfen.

Ich habe mit alldem keine Probleme, denn jeder soll machen und werden, was er kann und will. Was mich allerdings ärgert ist die Tatsache, dass wir hier eine Quote zu erfüllen haben, die mit solchen Menschen niemals zu erreichen ist. Und das ist dann am Ende ein Problem, welches ich zwar erklären kann, was aber kaum einer akzeptieren wird, weil nur Zahlen die Wahrheit sprechen und gute Gründe maximal als Ausreden taugen.

Vertragsunterschrift

Zur Vertragsunterschrift sind nur Maike und ich anwesend. Sie legt mir den Vertrag vor, den ich nicht lese. Stattdessen sage ich, dass ich den Vertrag nicht lesen muss, weil ich davon ausgehe, dass da das gleiche stehen wird, wie im ersten Arbeitsvertrag. Maike sagt, dass dort steht, dass der Vertrag unbefristet ist, das ausgehandelte Gehalt aufgeführt wird und ich eine Vier-Tage-Woche habe. Ich erwidere, dass das mit der Vier-Tage-Woche nicht im alten Vertrag stand, aber da ich eh eine Vier-Tage-Woche habe, schon okay ist. Ich schaue nicht, ob da vielleicht steht, an welchem Tag ich fei habe und erst recht nicht auf die Urlaubstage, die sich bei einer Vier-Tage-Woche dementsprechend ändern werden. Man kann mich also als naiv und dumm bezeichnen, aber ich glaube halt an mündliche Absprachen. Zumindest will ich es. Da aber alle Menschen lügen und betrügen und nur auf ihren Vorteil aus sind, kommen mir auf dem Rückweg Zweifel, ob es wirklich so klug war, ohne auch nur einen Blick auf den Vertrag zu werfen, meine Unterschrift darunter zu setzen. Sobald ich den von der Geschäftsführung unterschriebenen Vertrag demnächst ausgehändigt bekomme, was nach meiner Aussage nicht eilt, lese ich mir ihn durch. Dann wird sich zeigen, ob ich ein Vollidiot bin oder noch ein Hauch von Hoffnung besteht. Ich tendiere ja durchaus dazu ein Vollidiot zu sein. Es bleibt jedenfalls spannend.

Ein Grund zur Freude

Kaum soll mein Vertrag verlängert werden, da gibt es eine weitere Veränderung in der Maßnahme. Der frühere Maßnahmebetreuer des Jobcenters für diese Maßnahme kommt zurück und übernimmt die Maßnahmebetreuung ab sofort wieder. Lange hatte ich es gehofft, nun ist es so gekommen. Und interessanterweise verspüre ich jetzt Freude, fast schon Rührung. Hätte ich mich nicht über meinen neuen Vertrag ebenso freuen sollen? Oder mich sogar derart freuen müssen? Egal, jetzt freue ich mich und stelle keine weiteren Fragen. Nicht auszudenken, wenn sich jetzt noch einer findet, der mir hier die Maßnahmeleitung abnimmt. Und dann möchte ich wieder mit Carsten zusammenarbeiten. Kaum finde ich mal etwas wirklich gut, werde ich maßlos und will mehr, mehr, mehr.