Benz statt Bus

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist meine Leidenszeit vorbei. Der
Weg zur Garage ist frei und nach einer Weile springt der überbrückte Benz an.
Obwohl er arg verstaubt ist, ist er noch immer Traumhaft und so gibt es eine
kleine Rundfahrt, um ihn daran zu gewöhnen, dass er demnächst häufiger bewegt
werden wird. Möglicherweise sitzt man im Hyundai Matrix bequemer, aber sonst
gibt es einfach nichts, was für ein praktisches Auto spricht. Ein Auto muss
schön sein und darf nicht mehr als zwei Türen haben. Alles andere ist nur eine
Notlösung.

Am nächsten Morgen startet der Benz so als wäre er in den
letzten sieben Monaten regelmäßig bewegt worden. Es kommt eben doch darauf an, dass
man das richtige Auto fährt. Völlig entspannt fahre ich an den Bushaltestellen
vorbei, folge dem Bus, von dem ich mich an neun Tagen transportieren ließ, und
habe Mitleid mit allen, die im Bus sitzen. Ich genieße die Fahrt und fühle mich
so viel freier als in den letzten Tagen. Dann aber werde ich traurig, weil ich finde,
dass der Benz kein Fahrzeug ist, um damit täglich zur Arbeit zu fahren. Der
Benz ist nur für besondere Fahrten da und kein Alltagsauto, weshalb ich hoffe,
dass ich schon bald ein angemessenes Alltagsauto finde, um den Benz nur noch zu
besonderen Anlässen nutzen zu müssen. Ein schöner Gedanke, bei dem mir direkt
warm ums Herz wird. Es ist fast so als wäre das Leben schön.

Busfahrer

Da nicht immer alles so läuft, wie ich es mir vorstelle, sitze
ich wieder im Bus und lasse mich transportieren. Zu meinem Glück habe ich einen
Einzelplatz schräg hinter dem Fahrer und bekomme von den anderen Fahrgästen
nicht viel mit. So habe ich die Möglichkeit dem Fahrer bei seiner Arbeit
zuzuschauen. Ich stelle mir das Leben als Busfahrer recht eintönig vor. Den
ganzen Tag hin- und herfahren, ständig Fahrausweise verkaufen oder betrachten,
Türen öffnen und schließen und die anderen Busfahrer, die einem entgegenkommen,
grüßen. Okay, mein Job ist auch nicht abwechslungsreicher, aber ich kann
zwischendurch abhauen oder unkoordiniert durchs Büro oder Treppenhaus laufen.
Der Busfahrer sitzt einfach nur auf seinem Platz und ist sehr eingeschränkt. Ein
Hinweis, welcher beim Fahrer hängt, erinnert mich an einen Zoobesuch. Während
der Fahrt soll man nicht mit dem Fahrer reden. Der soll schön konzentriert
bleiben und sich nicht ablenken lassen. Im Zoo steht, dass man die Tiere nicht
füttern soll. Vielleicht könnte man einen kombinierten Hinweis am Fahrerplatz
anbringen. Reden Sie während der Fahrt nicht mit dem Fahrer und versuchen Sie
bitte nicht unseren Fahrer zu füttern. Ich weiß echt nicht, was ich davon
halten soll.

Bus statt Benz 7

Ist das heute mein letzter Tag als Busreisender oder wird mein
Leid noch verlängert? Während ich so im Bus sitze und aus dem Fenster starre,
frage ich mich, welcher Sitzplatz wohl am sichersten ist. Die Fensterplätze auf
der Fahrerseite scheinen mir nicht vertrauenswürdig. Immer, wenn uns ein LKW
entgegen kommt, stelle ich mir vor, wie dieser in die Seite kracht, diese
völlig aufreißt und mich zermatscht. Das möchte ich nicht. Ein Sitzplatz auf
der anderen Seite am Fenster scheint da etwas sicherer zu sein, aber nur, wenn
der Fahrer nicht von der Straße abkommt. Denn sonst könnten Bäume, Häuser oder
Schilder in den Fahrgastraum eindringen und die Fahrgäste köpfen oder anders
verletzen. Am sichersten erscheinen mir Sitzplätze am Gang. Da fragt sich dann
nur, in welchem Teil des Busses man am sichersten sitzt. Sitzt man besser vorne
oder hinten? In Fahrtrichtung oder falsch herum? Ich müsste mir Videos und Fotos
von Unfällen mit Linienbussen ansehen, um mir einen Überblick zu verschaffen,
wo man am besten überleben kann. Noch besser wäre es allerdings, wenn ich gar
nicht mehr mit dem Bus fahren würde, dann müsste ich nicht über all diese Dinge
nachdenken.
Meine hoffentlich letzte Busfahrt für lange Zeit wird gewürzt
von Gerüchen, die irgendwer, den ich allerdings nicht ausfindig machen kann,
verströmt. So überrollen mich in regelmäßigen Abständen Duftwellen einer
exklusiven Geschmacksrichtung. Nasser Hund mit Alkohol getaucht in eine Pfütze
Pisse, verfeinert mit süßem Schweißgeruch eines verwesenden Wesens. Es fällt
mir durchaus schwer nicht zu würgen, wenn diese Wolke mich erreicht. Nach
dieser Fahrt sollten meine Busfahrabenteuer unbedingt enden, damit ich keine
bleibenden Schäden davontrage.

Bus statt Benz 6

Endlich darf ich wieder mit einem Tagesticket Reisen. Schöner
wird es dadurch natürlich nicht. Ich schaue mir die anderen Fahrgäste an und
frage mich, warum keine attraktiven Menschen mit dem Bus fahren? Fahren attraktive
Menschen grundsätzlich nicht Bus? Fahren sie zu anderen Uhrzeiten? Fahren sie
an anderen Orten? Warum denke ich überhaupt darüber nach? Wie lange muss ich
mir das noch antun? Warum sind Bussitze so unbequem? Wissen Pinguine, dass es
Busse gibt? Und warum trägt keiner Hut? Es ist unschwer zu erkennen, dass
Busfahren mich völlig verrückt zu machen scheint. So bleibt nur zu hoffen, dass
ich nicht noch eine Woche auf den Bus angewiesen bin. Lange halte ich das
nämlich nicht mehr durch. Ganz sicher nicht.

Bus statt Benz 5

An meiner Garageneinfahrt tut sich auch weiter nichts. Ein
großes Loch klafft genau dort, wo ich raus muss und ich fürchte, dass das Loch
auch nächste Woche noch meine Unabhängigkeit einschränkt. So besteige ich auch
heute den Bus, in dem erwartungsgemäß viele Schüler sitzen, um mich
transportieren zu lassen. Ich finde einen Sitzplatz an einem dieser
Viererplätze, wo man sich so toll eng gegenüber sitzen kann. Wieder sitze ich
falsch herum, was mir nicht gefällt. Mir gegenüber sitzt ein übergewichtiger
Mann, der mit einem Platz auch gar nicht auskommen könnte. Neben mir sitzt
meine Tasche, um den Platz für weitere Reisende zu blockieren.
An der nächsten Station steigt der korpulente Mann aus und ich
wechsel sofort auf seinen Fensterplatz. Der Platz ist ganz warm, was ich total
unangenehm finde. Meine Tasche sitzt natürlich neben mir. Ein paar junge
Schülerinnen, die erst mit mir eingestiegen sind, steigen schon wieder aus. Ich
verstehe nicht, wieso die nicht die paar hundert Meter laufen können und
stattdessen mit dem Bus fahren müssen. Überhaupt fällt mir sehr oft auf, dass
junge Menschen nur ein oder zwei Haltestellen weiter müssen und dafür den Bus
nehmen. Ich kann absolut nicht verstehen, warum die nicht laufen. So Leute sind
mir genauso suspekt, wie die Leute, die immer mit dem Fahrstuhl fahren, obwohl
es Treppen gibt. Busse und Fahrstühle sollte man nur benutzen, wenn es nicht
anders geht oder man irgendwie behindert ist.
Mir gegenüber nimmt eine Schülerin Platz. Auch für sie ist ein
Platz zu wenig, weil sie so Übergewichtig ist, dass sie einfach mehr Platz
braucht. Ich weiß nicht, ob das so gut ist. Aber weil nicht jeder, der dick
ist, daran selber schuld ist, will ich mal nichts sagen. Geht mich ja auch
nichts an.

Bus statt Benz 4

Es gibt Dinge an die man sich gewöhnt und die einen dann nicht
mehr so stören.  Beim Thema Busfahren
funktioniert das leider nicht. Mit jedem weiteren Tag wird meine Laune
schlechter und ich bin angewiderter. Umso erfreuter bin ich, dass heute keine
Schüler im Bus sitzen. Kein Gedränge, keine Schülerfratzen, die mich anglotzen.
Keine unerträgliche Enge, weil ich neben irgendwem sitzen muss. So ist
Busfahren erträglich. Dennoch überlege ich, ob ich heute um 14.00 Uhr
tatsächlich wieder zurück fahre oder mich von Petra direkt vom Büro nach Werne
bringen lasse. Zwar ist mein Augenarzttermin erst um 16.30 Uhr, aber ich könnte
mir so eine unsinnige Busfahrt und 2,60€ sparen. Ich glaube, das ist ein guter
Plan.

Bus statt Benz 3

Seit ich mit dem Bus fahren muss, ist meine Laune, die
bekanntermaßen eh nicht gerade berauschend ist, richtig mies. Schon der Gedanke
daran morgens mit irgendwelchen Schülern in einem unbequemen Bus transportiert
zu werden erfüllt mich mit Ekel.
Als der Bus ankommt erkenne ich, dass er recht voll ist. Ich
bestelle beim Fahrer ein Tagesticket und er teilt mir mit, dass Tagestickets
erst ab neun Uhr verkauft werden. Hatte ich schon erwähnt, dass ich Busfahren hasse?
So bin ich gezwungen mehr Geld als geplant auszugeben. Ganze 2,60€ für einen
Transport, der alles andere als angenehm ist. Und natürlich bekomme ich nur
einen Platz entgegen der Fahrrichtung. Nächste Runde rückwärts. Da zahle ich
gerne etwas mehr. Im Bus ist es etwas zu warm und es dauert nicht lange bis mir
der Rücken weh tut. Der Gedanke, dass ich vermutlich auch noch nächste Woche
mit dem Bus transportiert werde, kann meine Laune selbstverständlich nicht
verbessern. Wenn ich nicht zu Boden starre, dann glotze ich irgendeinen Schüler
oder eine Schülerin an, weil ich ja verkehrt herum im Bus sitze und auch überall
Menschen stehen. Das ist so unangenehm. Vor allem, wenn die mich dann auch noch
anglotzen. Der Schüler neben mir starrt unentwegt aus dem Fenster, was wir gut gefällt,
an der unbefriedigenden Gesamtsituation allerdings gar nichts ändert.
Wenn man sich mit dem Bus irgendwohin transportieren lässt, dann
muss man meist irgendwann zurück. Zumindest geht es mir so. Und so darf ich am
frühen Nachmittag erneut tun, was ich nicht tun will. Dieses Mal habe ich etwas
mehr  Glück, da ich direkt hinter dem
Fahrer sitzen kann und so nicht in irgendein mehr oder weniger blödes Gesicht
sehen muss. Die Temperatur ist angenehm und dennoch graut es mir vor dem
Gedanken, dass ich die ganze nächste Woche noch in einem Bus transportiert
werden muss. Was für eine beschissene Entwicklung.

Bus statt Benz 2

An meinem zweiten Busreisetag bin ich entschlossen mir ein
Viererticket zu kaufen, weil ich so etwas Geld sparen kann. Der Busfahrer hat
eine noch besserer Idee und schlägt vor, dass ich mir ein Tagesticket für 3,90€
kaufe. So kaufe ich das erste Busreisetagesticket meines Lebens. Damit enden
aber auch schon die positiven Erlebnisse. Es gibt heute zwar nur wenige
Schüler, weil die meisten schon am frühen Morgen transportiert wurden, dafür
aber andere Menschen, die mir auch nicht sympathischer sind. Um meine Ablehnung
auch öffentlich zur Schau zu tragen, habe ich mein T-Shirt mit der Aufschrift
„I see stupid people“ angezogen. Passender hätte ich mich definitiv nicht
kleiden können.
Die Rückfahrt verläuft zunächst recht angenehm. Der Bus ist
nicht zu voll, ich sitze in Fahrtrichtung und die Temperatur ist als angenehm
zu bezeichnen. So ist Busfahren gerade noch zu akzeptieren. Nach der Hälfte der
Strecke bekomme ich allerdings, wie üblich, Rückenschmerzen. Die Sitze sind
einfach unbequem und scheinen für Kinder oder kleine Menschen konstruiert
worden zu sein. Es ist mir unmöglich eine irgendwie akzeptable Sitzposition
einzunehmen.
Eine Station bevor ich aussteigen muss, steht der Busfahrer auf
und spricht zu einigen Fahrgästen, die vorne sitzen. Daraufhin steigen manche
aus und manche nicht. Ich denke nicht weiter darüber nach, weil vieles für mich
keinen Sinn gibt und ich es deshalb auch nicht hinterfrage. Kurze Zeit später
wird mir klar, dass der Busfahrer nicht nur zu den Leuten, die vorne saßen
gesprochen hat. Die Straße, die zu meiner Bushaltestellte führt ist gesperrt
und ich gehe davon aus, dass der Fahrer das vorhin mitgeteilt hat. Nur konnte
ihn keiner, der weiter hinten saß verstehen. Nun werden alle, ob sie wollen
oder nicht, zur Endstation transportiert, was mir überhaupt nicht gefällt. Der
Mann, der schräg neben mir sitzt, meckert rum, was ihm aber auch nicht weiter
hilft. Und so klettern wir alle wenig später an der Endstation aus dem Bus und
ich beginne meine Wanderung nach Hause. Ich bin 
mir sicher, dass ich niemals Gefallen an einer Busfahrt finden werde.
Niemals.

Bus statt Benz

Nachdem der Hyundai verkauft ist, wäre es eigentlich völlig
normal, wenn ich nun mit dem Benz zum Büro fahren würde. Doch stattdessen sitze
ich mit lauter fremden Menschen in einem Bus und habe schlechte Laune. Und
alles nur, weil die Zufahrt zu meiner Garage, in welcher der Benz seit Monaten
parkt, diese Woche nicht passierbar ist. Das wusste ich schon vor einer Woche,
doch da ich nicht davon ausgehen konnte, dass ich den Hyundai jemals verkaufen
werde, ließ ich den Benz in seiner Garage. Und nun darf ich mindestens in
dieser Woche Bus fahren. Das ist definitiv der Beweis dafür, dass ein Auto
alleine einfach nicht ausreicht. Hilft mir nur jetzt auch nicht weiter und so
sitze ich im durchaus überfüllten Bus und lasse mich transportieren. Immerhin
habe ich einen Sitzplatz. Allerdings gegen die Fahrrichtung, was ziemlich
bescheuert ist, weil es mir das Gefühl vermittelt, ständig rückwärts zu fahren.
Furchtbar. Dazu sitzt neben mir ein Schüler, vor mir ein ziemlich merkwürdiger
Typ und überhaupt sind hier zu viele Menschen. Die Luft ist schlecht und im
Gang neben mir steht ein pubertierendes Mädchen, dessen Bauch direkt vor meinem
Gesicht baumelt, weil das Mädchen gerne bauchfrei trägt. Dagegen ist im Prinzip
nichts einzuwenden, wenn der Bauch nicht so schwabbelig wäre. Schwabbelbäuche
sollte man nicht so zur Schau tragen. Auch dann nicht, wenn man sich mitten in
der Pubertät befindet. Überhaupt sind im Bus einige Pubertierende, die
Gewichtsprobleme haben. Da sollten die Erziehungsberechtigten echt ein Auge
drauf haben und aufpassen, dass so etwas nicht überhandnimmt. Aber
Erziehungsberechtigte sind ja auch nicht mehr, was sie mal waren. Und ab sofort
zahle ich  täglich 5,20€, um mir das Elend
anzusehen. Das ist echt bekloppt.
Die Rückfahrt ist leider ebenso wenig zu empfehlen. Ich sitze
mit lauter Schülern im Bus, es ist viel zu warm und auch zu eng. Ich versuche
möglichst aus dem Fenster oder auf mein Telefon zuschauen. Schaue ich mal in
den Bus, werde ich direkt von irgendwem angeglotzt. Das ist so unangenehm, dass
ich am liebsten alle aus dem Bus entfernen würde. Der Fensterplatz hilft zwar
beim aus dem Fenster gucken, doch die direkte Sonneneinstrahlung ist absolut
unangenehm. Wie auch schon auf dem Hinweg finde ich es so unbequem, dass ich
schon bald Rückenschmerzen habe. So sehr ich mich auch bemühe dieser Situation
irgendwas Positives abzugewinnen, es gelingt mir einfach nicht. Möglicherweise
will ich es auch gar nicht. Noch mindestens zwei Tage muss ich mich auf diese
Art transportieren lassen. Ein furchtbarer Gedanke.

Ich fahre mit der Straßenbahn

Da mein Hyundai im Innenraum alles andere als appetitlich
aussieht, bringe ich ihn zum Fahrzeugaufbereiter meines Vertrauens nach Dortmund-Eving.
Weil ich nun bis morgen kein Auto habe, stellt sich die Frage, ob ich die etwa
acht Kilometer zurück nach Hause mit der Straßenbahn fahre oder zu Fuß gehe. Bevor
ich mir die Frage beantworte esse ich eine Kleinigkeit bei McDonalds, weil ich
mit leerem Magen nicht gut wandern kann. Anschließend gehe ich wieder ein Stück
zurück, um mir Gebrauchtwagen anzusehen, da ich nicht weiß, ob der Hyundai und
ich wirklich zusammen passen und eine Zukunft haben. Leider kann keines der
Autos mich wirklich überzeugen und so beschließe ich, zu Fuß nach Hause zu
gehen. Doch schon nach einem Drittel der Strecke bin ich total durchgefroren
und weil  es obendrein angefangen hat zu
regnen, entscheide ich  mich dafür mich den
Rest der Strecke mit der Straßenbahn transportieren zu lassen. Nachdem mir der
Loerz erklärt hat, dass ich ein Ticket der Kategorie A kaufen muss, weil das
Ticket für die Kurzstrecke nur für drei Stationen oder dreißig Minuten gültig
ist, kaufe ich ein solches Ticket, obwohl mir das unsinnig erscheint, weil die
Fahrt sicher keine dreißig Minuten dauern wird. Aber mehr als drei Stationen.
So ein Kurzstreckenticket erscheint mir fragwürdig, denn ich kann mir nicht
vorstellen, dass drei Stationen hier in der Gegend mehr als dreißig Minuten
entfernt voneinander liegen. Diese dreißig Minuten oder drei Stationen Regel ist
meiner Meinung nach Unsinn. Vielleicht sollte ich mal nachlesen, was es damit tatsächlich
auf sich hat. Nachdem ich genug über die Fahrkarten nachgedacht habe, frage ich
mich, wie ich das alles anhand dieser Fahrkartenautomaten hätte herausfinden
sollen. Meiner Meinung nach ist das nicht möglich. Oder es ist doch möglich und
ich bin nur zu blöd. Zwei Minuten bevor die Straßenbahn mich abholt, sehe ich,
wie eine Frau, die in die andere Richtung fährt, den Türöffner betätigt, um
einsteigen zu können. Daran hatte ich gar nicht gedacht. Ich dachte die Türen
gehen einfach so auf. Ich möchte keinen Knopf anfassen, den vor mir schon
tausend andere Leute angefasst haben.  Als
die Straßenbahn vor mir hält, gehe ich zu einer Tür vor der viele Menschen
stehen, um auszusteigen, und warte bis einer von denen den Türöffner betätigt,
um gefahrlos und ohne Türöffnerberührung einsteigen zu können. In der
Straßenbahn bin ich umgeben von pubertierenden Menschen, die fröhlich vor sich
hinpubertieren. Sehr befremdlich. Der Geruch in der Straßenbahn ist
gewöhnungsbedürftig, was durchaus an den Menschen liegen kann, die sich in so
einer Straßenbahn tummeln. Da bleibt eine Geruchsbildung wohl nicht aus. Ich
weiß allerdings nicht, ob das so gesund ist und hoffe, dass ich mir nichts
einfange. So achte ich penibel darauf möglichst wenig zu atmen und nichts
anzufassen. Als wir fünf Stationen später das Ziel erreichen, warte ich bis
jemand den Türöffner betätigt und steige erleichtert aus. So ein Ausflug ist
schon ein echtes Abenteuer und ich bin wirklich froh, dass es vorbei ist und ich
nichts anfassen musste.