Ein fast normales Wochenende

Es ist Samstag, Petra und ich waren zusammen essen, Manni war zusammen mit jemand anderem essen, Petra und ich waren einkaufen und jetzt sitzen wir mit Manni bei Kanne in Lünen und reden und reden und um uns herum sitzen fast nur Rentner oder solche, die aussehen als wären sie welche. Und dann bekomme ich echte Zweifel, ob wir nicht mittlerweile näher an der Rentnerklasse sind als es nötig ist. Manni erzählt von künstlichen Knien, die er irgendwann brauchen wird, Petra von ihrer Leidensgeschichte und mir wird plötzlich klar, dass wir in diesem Moment vermutlich älter sind als alle um uns herum. Wir führen Gespräche bei denen ich mich früher immer abwenden musste, weil man davon höchstens Depressionen kriegt und die einen auch niemals weiterbringen. Das ist also aus mir geworden. War es das wirklich, geht das jetzt immer so weiter? Ununterbrochene Gespräche über irgendwelche Leiden? Weil mehr nicht bleibt? Ich frage die beiden, wie es sein kann, dass wir reden als wären wir bald tot und müssten demnächst beerdigt werden, wo wir doch im besten Alter sind. Vermutlich muss ich mir einreden, im besten Alter zu sein, um nicht direkt darum bitten zu müssen, dass man mich einschläfert. Ich meine, es ist ja nicht nur worüber wir reden, es ist ja auch so, dass dieser Ausflug zu den Rentnern hier, einer der Aktivitätshöhepunkte meiner Woche ist. Da kommt nichts mehr. Der Sarg kann gezimmert werden, ich komme bald zum Probeliegen. Was mich noch mehr erschreckt ist allerdings, dass ich kein Aufbäumen mehr verspüre. Während Manni vor Ideen für den Sommer sprudelt, habe ich nicht wirklich was vor. Aufstehen, arbeiten, essen, fernsehen, schlafen. Und wieder von vorn. Alles also exakt so, wie ich es nie wollte, aber eben auch so, wie ich immer schon war. Nur jetzt halt in alt mit weißen Haaren, einem Bauch und gesundheitlichen Kleinigkeiten, die mich spüren lassen, dass ich nicht mehr bin, was ich nie war. Ist doch toll. Nach dem aufregenden und aufschlussreichen Ausflug wird direkt der samstägliche Routinevorgang gestartet. Sportschau, zwei Filme, etwas Musik hören, einschlafen. Alles, was ein Mann meines Formats braucht.

Es folgt der Sonntag. Die Sonne scheint und Sonne bedeutet, dass man eine Ausrede weniger hat inaktiv zu sein. Doch so langsam wird auch das egal, denn ich muss nichts tun, wenn ich nichts tun will. Sonne hin oder her. Die Stimme, die immer wieder sagt, ich muss etwas unternehmen und so kann es nicht weitergehen, wird immer leiser und irgendwann wird sie verstummen, dann endlich kann ich meine Passivität akzeptieren ohne schlechtes Gewissen. Lange kann es nicht mehr dauern. So sitze ich tatsächlich seit 11.00 Uhr vor dem Fernseher und schaffe es erst nach 13.00 Uhr eine Dose mit Suppe zu öffnen, um wenigstens zu essen. Dann gucke ich einen Film mit Günther Pfitzmann und es ist mir egal, dass der Film typisch deutsch ist. Würde ich jetzt ein Feinrippunterhemd tragen und Reste meiner Suppe darauf verteilt haben, wäre das Bild perfekt. Ich sollte echt über Feinrippunterwäsche nachdenken. Weil Manni und Petra plötzlich einen Spaziergang machen wollen, muss ich meine Feinrippfantasien unterbrechen und mich anziehen. Der aktive Höhepunkt des Tages steht an. Während des Spaziergangs meckert Manni ständig über die schlechten Bodenverhältnisse und ärgert sich, dass seine Schuhe dreckig werden. Petra bekommt einen Ast ins Gesicht, woran ich Schuld haben soll, was ich gemein finde. Wir versuchen Gespräche über Krankheiten im Keim zu ersticken und merken, dass man uns nicht ernst nehmen kann. Nicht einmal wir können uns noch ernst nehmen. Dann ist der Spaziergang vorbei und ich sitze bis etwa 22.30 Uhr vor dem Fernseher. An Feinrippunterwäsche denke ich nicht mehr.

Weil mein Wochenende länger ist als für viele andere, habe ich einen weiteren Tag Zeit mich der Passivität hinzugeben. Immerhin koche ich am Montag etwas zu essen und gehe zum Friseur. Auf dem Weg stelle ich fest, dass das Wetter eigentlich zu schön ist, um zu Hause zu sein. Da Manni arbeitet, Petra einen Arzttermin hat und ich nicht weiß, was ich machen soll, gehe ich brav nach Hause, wo ich nichts weiter tue als nichts zu tun. Ich kann wirklich stolz auf mich sein. Nachdem Petra beim Arzt war, geht es ihr nicht gut, weshalb wir später nur einen kurzen Spaziergang machen können. Dann frage ich mich, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn ich meine Arbeitszeit verlängere, weil ich eh nichts mit meiner Freizeit anfangen kann. Da ich mir aber vorgenommen habe, niemals freiwillig länger als 30 Stunden in der Woche zu arbeiten, kann ich mich schon kurze Zeit später von dem Gedanken verabschieden, den Fernseher einschalten und mein langes Wochenende standesgemäß ausklingen lassen.

Unterhosen

Bei meiner letzten Unterhosenzählung im Juni 2016 befanden sich 47 Unterhosen in meinem Besitz. 47 Unterhosen zu haben klingt sehr vernünftig. In der letzten Woche bestellte ich mit acht neue Unterhosen und als ich eben nachzählte kam ich nur auf eine Anzahl von insgesamt 38 Unterhosen. Selbst mehrmaliges zählen änderte an der Anzahl nichts. Das bedeutet, dass ich in nicht einmal zwei Jahren 17 Unterhosen entsorgt oder verloren haben muss, ohne mir dafür Ersatzunterhosen zu bestellen. Das klingt wenig glaubhaft und für einen Mann mit meinen Verhaltensmustern absolut untypisch und unlogisch. Ich entsorge doch nicht in zwanzig Monaten 17 Unterhosen und kaufe dann lediglich acht neue. Ich glaube, irgendwas stimmt nicht mit mir. Kurz nach meiner letzten Zählung habe ich meinen aktuellen Job angetreten und ich vermute, dass es etwas damit zu tun haben muss. Scheinbar sind Unterhosen für mich als berufstätiges Lebewesen nicht mehr so wichtig. Möglicherweise habe ich in den letzten Monaten einfach mehr Wert auf andere Kleidungsstücke, die für andere Personen sichtbar sind, gelegt. Die Anzahl an Schuhen, Pullovern und Shirts ist seitdem jedenfalls gestiegen. Das ist alles sehr merkwürdig und die Zahl 38 gehört jetzt auch nicht zu den Zahlen, die irgendwie schön sind oder mir gar gefallen. Daher werde ich mir schnellstmöglich neue Unterhosen bestellen müssen. Am besten gleich neun auf einmal, dann wäre die alte Ordnung wiederhergestellt und ich müsste mir keine Gedanken mehr machen.

Der Bachelor

Immer wieder, ohne dass ich es will, wird unsere Herrenrunde gewürzt mit TV-Formaten, die wehtun. Auf Wunsch von Markus schauen wir während unserer kleinen Runde den Bachelor. Das passiert uns jedes Jahr und ich glaube, es hat traditionelle Ausmaße angenommen. Größtes Problem bei der Sendung ist, dass Menschen präsentiert werden, deren Hirn irgendwann entnommen oder geschrumpft wurde, denen es aber nicht bewusst ist. So sieht der geneigte Zuschauer nette Frauenkörper, die nur solange schön anzuschauen sind, bis diese Wesen sprechen. Ein Sprachverbot wäre hierbei sehr hilfreich. Der diesjährige Bachelor macht den Fehler, den seine Vorgänger auch gemacht haben. Er redet viel und bumst zu wenig. Hätte er ein halbwegs funktionierendes Gehirn, würde er alle die jungen Dinger vernaschen und dann, wenn das Kamerateam eingeschlafen ist, abhauen. Tut er aber nicht. Stattdessen setzt er seinen Dackelblick auf und erklärt, dass er vom Gefühl her merkt, wenn eine Frau ihn anlügt. Außerdem hat er offene Augen. Er wirkt dann fast wie ein Poet. Ein Poet in einer Show für Menschen ohne Gehirn. Heiko, Markus und ich sind so fasziniert, dass wir so eine Sendung auch für ältere Menschen, so wie wir es sind wünschen. Midlife-Crisis-Bachelor. Schrumpeliges Dörrfleisch zum Anfassen. Eine gruselige Vorstellung. Währenddessen versichern einige der Damen, dass sie hoffen, durch die Sendung die Liebe ihres Lebens zu treffen. Herrgott, was soll denn das? Glauben die den Scheiß selbst? Und wenn ja, warum? Keine gönnt der anderen den Bachelor, doch ob die mit dem Typen tatsächlich mehr als nur flirten und poppen wollen, oder lediglich ihren Marktwert testen, kann abschließend nicht beurteilt werden. Vielleicht erhoffen sie sich die große Karriere im Anschluss. Ein paar Auftritte im TV. Schrottformate gibt es ja genug. Man könnte sie in den Dschungel sperren, diese aufgetakelten Hühner. Im Dschungelcamp könnten sie immerhin zurück zur Natürlichkeit gelangen.
Kurz bevor es die nächsten Rosen gibt, beindruckt der Bachelor noch mit einer Arschbombe. Geheuchelte oder echte Freude wühlt die jungen Damen dermaßen auf, dass sie wenige Augenblicke später ebenfalls in den Pool hüpfen. Eigentlich mag ich knackige Körper im Pool. In diesem Fall eher nicht. Frau des Abends wird für mich ein dunkelhaariges Suppenhuhn, welches laut eigner Aussage zu hundert Prozent ehrlich ist und zu tausend Prozent weiß, dass ein blondes Suppenhuhn lügt. Großartig. Leider verpassen wir die Vergabe der Rosen, weil wir alt sind und früh schlafen müssen. Nach so einem Abend weiß ich wieder, warum ich das TV-Programm meide. Menschen sind echt Fehlkonstruktionen und ich freue mich auf eine Welt voller Androiden und Roboter. Doof dabei ist nur, dass diese von Menschen konstruiert/erschaffen wurden.

Düfte

Weil ich davon ausgehe, dass man, wenn man gut riecht, nicht stinkt, benutze ich Riechwasser. Außerdem glaube ich, so mein Erscheinungsbild etwas aufwerten zu können und Geruchsbelästigungen zu minimieren. Früher, als ich noch jung und knackig war, hatte ich bis zu sieben verschiedene Düfte zur Auswahl. Dann wurde aus knackig immer mehr beknackt und ich reduzierte den Vorrat auf drei Düfte, die ewig nicht aufgebraucht wurden, weil ich die meiste Zeit eh zu Hause war und vor mich hin vergammelte. Seit ich arbeite, hat sich das wieder etwas normalisiert und ich verbrauche mehr dieser Düfte, um mich ein wenig von meiner Verwesung zu distanzieren. So ist es kaum verwunderlich, dass hin und wieder einer der Düfte aufgebraucht ist und ich Ersatz benötige, weil weniger als drei Düfte vorrätig zu haben in meiner jetzigen Situation einfach inakzeptabel ist. Daher musste The Game von Davidoff adäquat ersetzt werden. In einer spontanen Aktion, die ziemlich lange dauerte, bestellte ich Givenchy Pour Homme, obwohl es so viele andere verlockende Düfte gibt, die ich hätte wählen können.

Der nächste Duft wird auch bald ersetzt müssen, doch zum Glück brauche ich dabei nicht lange über den Nachfolgeduft nachdenken, da Egoiste immer nur durch Egoiste ersetzt werden kann.

Jahresrückblick 2017

Was war das für ein aufregendes Jahr voller Höhepunkte. Schade, dass ich bei den meisten davon nicht dabei war. Doch auch in diesem Jahr konnte ich einige Rekorde verbuchen. Bei der Anzahl der gesehenen Filme bin ich allerdings knapp gescheitert. Das Zählwerk blieb bei 275 stehen. Zwei weniger als im Vorjahr. Ich sollte das echt reduzieren und versuchen mal unter 250 zu bleiben.

Aber bei den Büchern konnte ich nochmal zulegen. Statt wie im Vorjahr 24 habe ich dieses Jahr ganze 28 geschafft. Das ist für einen Mann in meinem Alter durchaus beachtlich.

Ansonsten würde ich das Jahr als reduziert bezeichnen. Reduziert in allen Bereichen. Weniger Bewegung, weniger Emotionen, weniger private Kontakte zu wenigen Leuten. Vielleicht würden objektive Messungen dem nicht zustimmen, es fühlt sich aber so an.

Geputzt habe ich viel weniger als je zuvor. Dreckigste Autos und dreckigste Wohnung in meiner Lebenszeit. Erschreckend dabei ist, dass es mich nicht wirklich so sehr gestört hat, dass ich etwas daran geändert hätte. Und wenn ich nicht ständig ins Büro gemusst hätte, ich will gar nicht wissen, wie selten ich mich dann nur gewaschen hätte. Ziemlich viel hätte für einen so kurzen Abschnitt. Das hätte ich besser schreiben können.

Immerhin scheine ich freundlicher zu anderen zu sein, bei gleichzeitiger Distanziertheit. Liegt eventuell an meinem Job. Dass ich einem Job nachgehe, erscheint mir auch weiter surreal. Fühlt sich an wie ein Fehler im System, der früher oder später behoben wird.

Sportlich kann ich auf ein einziges Desaster zurückblicken. Das sieht man mir dummerweise auch an mittlerweile. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal keinen Sport mehr machen würde und mir auch jegliche Motivation dafür fehlen könnte.  Diese Entwicklung ist durchaus besorgniserregend, ebenso wie mein Desinteresse an irgendwelchen Unternehmungen. Es fällt mir immer schwerer, meine Wohnung zu verlassen. Was noch erschwerend hinzu kommt ist, dass es mir meist auch völlig egal ist. Resignation nennt man das wohl. Da kommt nicht mehr viel in diesem Leben, da erwarte ich besser auch nichts.  Könnte daran liegen, dass ich auch bereits das maximal mögliche aus mir rausgeholt habe. Irgendwann muss auch mal gut sein. Immerhin habe ich mir mindestens einmal im Monat die Achselhaare rasiert. Schafft auch nicht jeder.

Besonders erwähnenswert ist noch, dass ich es nach Jahren geschafft habe, fast völlig ohne Nasenspray durch die Nacht zu kommen. Statt der üblichen Nasensprays nehme ich, wenn es denn unbedingt sein muss, Arum Nasenspray. Das ist weniger bis gar nicht schädlich und reicht meist aus. Das ist ziemlich geil und eine echte Überraschung in diesem Jahr. Dazu kann ich mir durchaus gratulieren. Ebenfalls positiv zu erwähnen ist, dass ich zu Hause keine Cola mehr trinke. Da bin ich fast schon diszipliniert.

Zusammenfassend betrachtet war es möglicherweise doch kein so schlechtes Jahr, nur eben zumeist bedeutungslos, so wie ich auch. Also alles im grünen Bereich.

Ein passenderes Lied zum Abschluss dieses Jahres konnte ich nicht finden.

Es folgen später noch irgendwelche Statistiken, weil ich Statistiken mag.

 

Bis nächstes Jahr, falls nichts dazwischen kommt.

Vorsätze und was daraus wurde

Glücklicherweise hatte ich nur wenige Vorsätze zu Jahresbeginn, so konnten die Enttäuschungen nicht so zahlreich werden. Aber dennoch habe ich es wieder geschafft mich zu enttäuschen. Darin bin ich seit Jahren wirklich gut.

Wo fange ich am besten an? Am besten mit den positiven Dingen, das lässt dann kurz das Gefühl aufkommen, dass ich mich auf meine alten Tage noch verbessere. Es war zwar nicht so ein richtiger Vorsatz, dieses Jahr nicht arbeitslos zu werden, aber ich will auch nicht zu streng sein. Aus unerklärlichen Gründen wurde mein Arbeitsvertrag verlängert und ich bin auch nicht weiter negativ aufgefallen, so dass ich es tatsächlich geschafft habe, ein ganzes Jahr lang beschäftigt gewesen zu sein. Hätte mir das jemand vor zwei Jahren gesagt, ich hätte ihn für völlig verrückt erklärt.

Und auch einen zweiten Vorsatz konnte ich erfolgreich umsetzen. Ein Urlaub mit mir alleine. Sogar länger als die geplanten zwei Übernachtungen. Und das war so gut, dass ich mich frage, ob es ein Versehen war.

Da ich nur drei Vorsätze hatte, wenn ich mich recht erinnere, fällt somit die Gesamtbilanz positiv aus, obwohl ich beim dritten Vorsatz völlig versagt habe. Anstatt mehr Sport zu machen, habe ich so gut wie gar keinen mehr gemacht. Mein Fahrradergometer habe ich verkauft und meinen Körper zu einem völlig schlaffen Etwas entwickelt. Ich sollte mir Sport wirklich nicht mehr als Vorsatz nehmen und mich im nächsten Jahr auf maximal zwei Vorsätze beschränken.

Bis es soweit ist, feiere ich meine Erfolge des Jahres und wünsche mir, dass eines Tages doch noch was aus mir wird.

Heiligabend 2017

Nachdem ich etwa vier Stunden Weihnachtsmusik gehört habe und dazu nicht viel mehr getan habe als zu atmen, wird es Zeit für andere Musik und mehr Aktivität. Also höre ich Juliane Werding und fange an die Wohnung zu putzen. Eine Tätigkeit, die ich in den letzten Monaten arg vernachlässigt habe. Und an welchem Tag kann man besser putzen als Heiligabend? Mir fällt keiner ein. Nach dem Putzen klettere ich aufs Sofa, schlafe ein, wache auf, gehe durch die Wohnung, zurück aufs Sofa, schlafe nochmal ein und warte aufs Christkind. Es gibt aber gar kein Christkind und auch sonst passiert hier nicht viel. So geht es weiter wie bisher. Sofa. Aufstehen. Auf und ab gehen. Juliane Werding singt von der Nacht voll Schatten und es ist durchaus dunkel. 16.23 Uhr und ich bin unfassbar müde. Zurück aufs Sofa. Nach 41 Liedern darf Juliane aufhören für mich zu singen.

Weil bis zum traditionellen Heiligabendtreffen noch Zeit ist, höre ich als nächstes Howard Carpendale. Es ist als wäre ich in der Zeit zurückgereist und wieder jung. Flucht aus der Realität mit deutscher Musik. Wie oft hab ich das schon getan und wieso kehre ich immer wieder zurück? Wo sind nur all die Jahre geblieben? Vergangen. Verflogen wie im Zeitraffer. So kommt es mir manches Mal vor.

Gegen 19.00 Uhr folgt das traditionelle Heiligabendtreffen bei Manni. Es ist erschreckend, aber es ist bereits das fünfte Treffen dieser Art. Die Zeit vergeht eindeutig zu schnell. Wie üblich läuft der Fernseher während des Abends. Zunächst sehen wir etwas Maleficent, dann irgendwelche Tierdokus und anschließend Zurück in die Zukunft. Der Film ist schon verdammt alt, und wir sind es auch. Heute sind wir außerdem nur mittelmäßig gesprächig und nur begrenzt witzig, stattdessen glotzen wir zumeist zum Fernseher. Unsere kleine Bescherung lenkt uns kurzzeitig ab vom TV-Programm. In diesem Jahr hat sich Manni die meiste Mühe bei den Geschenken gemacht. Ich bin mit meiner Kreativität nicht zufrieden und werde im nächsten Jahr besser vorbereitet sein. Vier Stunden nach unserer Ankunft wird es Zeit den Abend zu beenden. Alte Langweiler müssen früh zurück in ihre Wohnungen. Sollte keiner von uns bis zum nächsten Weihnachtsfest sterben, werden wir auch 2018 wieder bei Manni sitzen und uns fragen, wo die Zeit nur geblieben ist. Mehr kann man vermutlich weder vom Heiligabend noch von uns erwarten.

Halloweenfilmabend

Im letzten Jahr habe ich eine neue Tradition erfunden und Petra darf seitdem daran teilnehmen. Anstatt an Halloween irgendwas zu unternehmen, möglicherweise ja auszugehen, laufen an dem Abend in meinem kleinen Heimkino zwei Filme. Eröffnet wurde die neue Tradition mit den ersten beiden Teilen von The Purge. Dieses Jahr gibt es halloweengerechtere Filme.

American Werewolf in London ist der diesjährige Eröffnungsfilm. Für mich immer noch der beste Werwolffilm aller Zeiten. Geniale Musik, genau der richtige Humor, gute Darsteller und die perfekte Verwandlung. Der Film begleitet mich nun schon seit über 30 Jahren und ich kann ihn mir immer wieder anschauen. Besser kann der Halloweenfilmabend nicht beginnen.

Die Nacht der Creeps ist schon ein sehr spezieller Film und dürfte nicht so vielen gefallen. Durchaus als B-Movie zu bezeichnen und mit einigen Schwächen, gefällt er mir dennoch, obwohl ihm am Ende etwas die Puste ausgeht. Auch hier gibt es gute Musik, Humor, den ich mag und Tom Atkins als Polizisten nach meinem Geschmack. Mitunter wirkt einiges zwar etwas billig, aber auch die Creeps begleiten mich schon seit über 30 Jahren. Mittlerweile sogar auf Blu Ray. Manchmal ist es echt herrlich einen an der Waffel zu haben.

Ich bin schon gespannt, welche Filme nächstes Jahr hier laufen.

Eine Woche fast wie jede Woche 7

Sonntag
Die
Nackenschmerzen stören in dieser Nacht kaum, so 
dass ich sogar bis etwa 09.00 Uhr schlafe. Bis 11.00 Uhr mache ich nicht
viel, dann gucke ich wie fast jeden Sonntag Doppelpass. Ich muss allerdings
gestehen, dass mich das nicht wirklich interessiert. Nach der Sendung sitze ich
noch etwa eine halbe Stunde vor dem TV und sehe eine Sendung mit Tieren. Das
ist traurig, weshalb ich ausschalte und einfach nur so dasitze. Sonntage sind
doppelt blöd, wenn man am nächsten Montag arbeiten muss. Möglicherweise sind
Sonntage aber grundsätzlich doppelt blöd. Erst als Schnupfen-Petra ankündigt
Eis essen zu wollen, reiße ich mich wieder zusammen, dusche und hole sie mit
dem Benz ab. Wir fahren nach Waltrop. Es gibt ein Marzipaneis für mich und
anschließend einen kurzen Spaziergang. Dann wird Schnupfen-Petra zu Hause
abgeliefert, der Benz kommt in die Garage und ich werde vor dem Fernseher
geparkt. Dort gibt es, wie fast jeden Sonntag „Mein neuer Alter, Grip, auto
mobil und Biete Rostlaube, suche Traumauto“. Ich schalte zwischen den Sendungen
hin und her und mache im Anschluss die Brote für den nächsten Tag. Dann das
Frühstücksmüsli. Wie üblich endet der Tag mit dem Sonntagsfilm. Heute läuft
„Ich, Daniel Blake“. Der Film deprimiert mich und passt somit prima zu meinem
deprimierenden Leben. Vor dem Einschlafen lese ich noch etwas „Die kurzen und
die langen Jahre“, dann schlafe ich ein.
Mein Leben ist
wirklich wie eine Endlosschleife aus Langeweile und noch mehr Langeweile. Eine
Parade der Belanglosigkeiten. Zumindest kommt es mir so vor. Aber vielleicht
irre ich mich ja und mein Leben ist gar nicht so langweilig. Spielt vermutlich
eh keine Rolle und hat auch keine Auswirkungen auf meine Zukunft.

Eine Woche fast wie jede Woche 6

Samstag
Nackenschmerzen,
die in Kopfschmerzen übergehen, beenden um kurz nach 07.00 Uhr meinen Schlaf.
Schnell das Tens-Gerät benutzen, eine Kopfschmerztablette nehmen und warten.
Draußen ist es nass und grau. Kein Grund also dem Wochenende schon jetzt etwas
Positives abzugewinnen.
Wie üblich
lasse ich die Waschmaschine ein paar Kleidungsstücke für mich reinigen, während
ich in der Wohnung für etwas Ordnung sorge. Mittags folgt dann das
traditionelle essengehen. Zusammen mit Manni und Petra geht es ins Restaurant
Fernost. Petra nehmen wir mit, weil sie darunter leidet als Erkältete
ausgegrenzt zu werden. Hoffentlich rächt sich das nicht.  Das Essen ist gut, aber keine Offenbarung. Das
Personal ist freundlich und wir werden satt. Interessanterweise sind wir
während der ganzen Zeit die einzigen Gäste, was schon etwas merkwürdig
erscheint. Ob wir ein zweites Mal herkommen, wissen wir nicht. Wir sind halt
verwöhnt, was asiatisches Essen angeht. Normalerweise folgt nach dem Essen der
Wocheneinkauf mit Petra. Doch in ihrem Zustand erscheint das zu gewagt, weshalb
sie nach Hause muss und ich mit Manni nach Lünen fahre. In Lünen ist Lünsche
Mess, weshalb irgendwelche Männer auf einer Bühne furchtbare Lieder singen. Es
klingt als wären die alle besoffen. Irgendwie sehen die auch so aus. Was stimmt
nur nicht mit den Menschen?
Nachdem wir
unseren Ausflug beendet haben, muss ich noch eine Kleinigkeit einkaufen. Dann
ist es 15.45 Uhr und ich weiß nichts mehr mit mir anzufangen. So ist es wenig
verwunderlich, dass ich mich um 16.30 Uhr ins Bett lege, etwas Musik höre und einschlafe.
Danach lese ich noch kurz, bevor es um 18.00 Uhr an der Zeit  ist die Sportschau zu schauen. Anschließend gucke
ich, wie üblich, zwei Filme. Heute Boston und Big Driver. Dann ist der Samstag
fast vorbei, ich gehe ins Bett, höre etwas Musik und schlafe ein. Samstage
können echt öde sein.