1. Urlaubswoche

Weil ich so viel vor habe und so ein
Aktivposten bin, hier nur die absoluten Tageshöhepunkte meiner ersten
Urlaubswoche.
Montag
Den Vormittag verbringe ich mit
dem Opel in der Werkstatt. Am Ende hat mich der Spaß etwa  270 € gekostet und ich habe nun echt langsam
genug.
Dienstag
Am Nachmittag fahre ich völlig
spontan nach Dortmund, um dort in einem Park einen Spaziergang zu machen. 
Die meiste Zeit sitze ich allerdings auf einer Bank,
beobachte die Tretboote und überlege, ob ich nicht ein Tretboot mieten
sollte. Dann höre ich aus der Ferne ein Gewitter und mache mich auf den Weg.
 
Zu Hause angekommen gucke ich aus dem
Fenster und sehe einen Regenbogen.
Mittwoch:

Mit Agnes verbringe ich ein paar Stunden
in Bad Salzufflen. Wir essen in einem russischen Restaurant. 
Für mich gibt es
Kartoffelragout mit Pesto und Salat. Den Laden kann man echt empfehlen.

Später trinken wir in dem möglicherweise
schlechtesten Café der Ortes Kaffee und Tee. 
Es folgt ein kurzer Bummel durch
den Ort. Ich bekomme einen Geist geschenkt und wir verlassen Bad Salzufflen.

Vor der Rückfahrt gibt es noch eine Cola
bei McDonald´s, 
dann endet der schöne Tag und ich muss nach Hause fahren.

Die besten Tage sind immer die kürzesten.
Komisches System.

Donnerstag:
Da mich meine dunkle Wohnzimmerwand schon
lange deprimiert, nutze ich meinen vierten Urlaubstag, um den Fehler zu
beheben. Zum Glück müssen dafür Schränke abgehängt, Kabel aus dem Weg geräumt
und anderer Kram erledigt werden. Für mich als begnadeten Handwerker bedeutet
das natürlich eine Menge Spaß und ich krabble so lange auf den Knien rum, bis
die Schmerzen nicht mehr schön sind. Anschließend versaue ich nicht nur mich,
sondern auch meine Hose mit Farbe. Lediglich auf blutende Wunden verzichte ich
großzügig. Als es Vollbracht ist, ich die Hängeschränke an ihrem Ursprungsort
anbringe, stelle ich fest, dass diese schräg hängen, weil die Wand wohl eine
Art Schwächeanfall hatte. Ich liebe diese Sandwände hier bei mir wirklich und
so werden die Löcher zugegipst und dürfen bis morgen trocknen. Handwerken macht
wirklich Spaß. Zwar nicht mir, aber ich musste ja mit dem Mist anfangen.
Freitag: 
Das viele Knien und rumkrabbeln gestern
hat dazu geführt, dass meine Knie dermaßen wehtun, dass ich vor Schmerzen kaum
die Treppen hochkomme. Dennoch verzichte ich darauf, den Fahrstuhl zu nehmen.
Man muss auch mal hart gegen sich und seinen Körper sein.
Am Nachmittag bin ich mit Petra in der
Thier Galerie, um bei Thai Curry Delhi etwas zu essen. Wie immer schmeckt es
prima.
Weil meine Schuhe dreckig sind, kaufe ich
mir später einfach ein paar neue Schuhe der Marke Drievholt, von der ich vorher
noch nie etwas gehört habe. Da sie bequem und preisreduziert sind, spielt die
Marke nur eine untergeordnete Rolle.
Damit endet meine erste Urlaubswoche. Ich
bin schon sehr gespannt, ob die zweite Woche ähnlich aufregend und
abwechslungsreich werden wird.


Urlaubsfazit

Dienstag hat mich die Arbeitswelt wieder.
Und wenn ich die Entwicklung der letzten Tage so betrachte, dann ist es
vermutlich besser so, denn war der Urlaub anfangs noch gut für mich, so wurde
es anschließend mit jedem Tag schlechter. War ich in Berlin fast schon frei, möglicherweise
gar unbeschwert über mehrere Tage, musste nicht ständig nachdenken und hatte
sogar nur noch minimale Darmprobleme, so ist mittlerweile alles fast wieder im
Normalzustand. Die ersten Tage nach meiner Rückkehr ging es noch. Ich hatte zu
tun, war mit der „Renovierung“ meiner Wohnung beschäftigt und das Wetter war
okay. Als dann die Wohnung fertig war und es draußen grauer und grauer wurde, verfärbte
ich mich innerlich auch zurück zu grau. Seit Tagen bewege ich mich kaum noch,
mein Darm ist wieder zu alter Form aufgelaufen, mich zu entspannen gelingt
nicht wirklich, und in meinem Kopf geben sich die miesen Gedanken ein
Stelldichein. Da könnte es sogar hilfreich sein, wenn ich im Büro wenigstens
für eine gewisse Zeit immer wieder mal was zu tun habe. Weiter bringt mich das
allerdings auch nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass es im Büro immer dunkel
ist, was meinen dunklen Gedanken und der deprimierten Stimmung sehr entgegen
kommt. Besserung ist also nur bedingt in Sicht. Und mit der Vorfreude auf den
nächsten Urlaub klappt es auch nicht, denn bis dahin sind es noch fast drei
Monate. Eine schier endlos erscheinende Zeit. Immerhin kann ich zwischendurch
immer mal überlegen, wohin ich dann für ein paar Tage verreise. Somit wäre ich
kurzzeitig beschäftigt. Wann habe ich nur verlernt, mich mal bewusst über einen
längeren Zeitraum zu entspannen? Muss echt lange her sein.

Berlin in Bildern

 Die Anreise standesgemäß auf der rechten Spur der Autobahn.
 Der erste Stop an einer Raststääte, weil ich unbedingt pinkeln musste. 
Ich hasse öffentliche Toiletten.
 Bei der Gelegenheit gab es eine Kleinigkeit zu essen. 
Sieht besser aus als es geschmeckt hat.
Mein Zimmer. Klein und meinen Ansprüchen genügend. 
Zu Hause habe ich auch nicht viel mehr Platz.
 Die Aussicht von meinem Platz, den ich am ersten Abend nach über einer Stunde Suche für eine Stunde besetzt habe, um alles zu beobachten.
 Kleiner Einkauf für die erste Nacht, um auf alles vorbereitet zu sein.
 Von dort aus brach ich täglich zu meinen Abenteuern auf.
 Als Tourist auf dem Oberdeck eines Busses. 
Ordnungsgemäß mit Ersatzbrille und Lautsprecher im Ohr.
 Mein Lieblingsbild. Aufgenommen während der Schiffsrundfahrt.
 Ein Noteinkauf, weil ich spontan einen Sonnenbrand bekam.
Ich bin es einfach nicht gewohnt, so viel an der frischen Luft zu sien.
 Frühstück. Abends gekauft.
 Die Erlaubnis den schnellsten Fahrstuhl Europas zu nutzen.
Selfie in luftiger Höhe.
 Da bin ich nicht reingegangen, da ich eh die meiste Zeit geschwiegen habe.
 Eine schöne Aussicht von unten.
 Gleiches Gebäude von oben. 
 Obwohl ich nicht Chuck Norris bin, habe ich den Weg nach oben genommen.
Denn normal bin ich ja auch nicht.
 Irgendwie wollte ich schon immer hoch hinaus.
 Oben angekommen gab es ein paar Sitzgelegenheiten.
Da ich der einzige Mensch da oben war, hatte ich freie Platzwahl.
 So sah es von meinem Platz aus.
Ich saß minutenlang einfach nur da.
Später versteckte ich mich hinter einem Baum.
Speisekarte eines sehr gemütlichen Restaurants mit hübscher Bedienung.
Die habe ich aber nicht fotografiert.
 Stattdessen gibt es ein Foto vom Ausblick meines Sitzplatzes. Lucy saß mir gegenüber.
Die habe ich fotografiert. Zeige ich aber nicht.
 Erst der Vogel macht dieses Bild perfekt.
 Irgendwie mag ich diese spitzen Ecken an Gebäuden.
Vielleicht, weil es mich an den Bug eines Schiffes erinnert.
 Weil das zweite Zimmer eine Badewanne hatte und ich ewig nicht mehr baden konnte, lag ich eine ganze Weile in der Wanne, obwohl es eigentlich viel zu warm dafür war. Aber ich liebe Badewannen.
 Das beste Essen während meines Berlinaufenthalts.
Gehört auch zu dem Besten, was ich je gegessen habe. Vietnamesisch.
 Vermutlich das beste Eis meines Lebens.
Manchmal bin ich ein echter Genießer.
Die Rückfahrt fand standesgemäß überwiegend auf der rechten Spur statt und dauerte nur sechseinhalb Stunden inkl. Pausen.

Berlin

Die Anreise
Die Sonne
scheint und es liegen etwa 500 Kilometer vor mir. Perfekte Bedingungen für den
Benz also. Die Klimaanlage auf eine angenehme Temperatur stellen und mit 170
km/h über die Autobahn gleiten, so ist es einfach herrlich. Dennoch habe ich
mich anders entschieden und sitze nun im Coupé. Warum ich den Luxus des Benz
gegen die Reise im Alltagsauto getauscht habe? Die Parkmöglichkeiten vor Ort
schienen mir fragwürdig und unangemessen für den Benz. Und während ich so über
die Autobahn fahre, frage ich mich, warum ich mir das antue. Statt flott
voranzukommen, fahre ich meist um die 120 km/h, weil das Coupé ab 140 nicht
mehr wirklich Freude bereitet und ab 160 zu viel Konzentration fordert. Ob es
tatsächlich am Coupé liegt oder doch an mir, weiß ich nicht, ist auch
unwesentlich, da nicht mehr zu ändern. Die Autobahn ist recht  leer und ich fahre zumeist auf der rechten
Spur. Lediglich die Mittelspurblockierer zwingen mich immer wieder auf die
linke Spur, weil man nicht rechts überholen darf. Wenn ich diese
Mittelspurblockierer beim Überholen anschaue, sehe ich meist dumme Gesichter,
die vermutlich zu geistigen Flachpfeifen gehören. Ich weiß nicht, ob es gut
ist, dass die Auto fahren dürfen.
Nach einer
Weile vermisse ich die Mittelarmlehne, die mir im Benz bei längeren Fahrten
eine bequemere Sitzposition gestattet. Dafür ist der Klang im Coupé besser und
so werde ich fast während der ganzen Fahrt von Modern Talking begleitet. Ich
wusste gar nicht, dass ich so viele Lieder von denen habe.
Der erste Abend
Nachdem ich gut
sechs Stunden angereist bin, ziehe ich in mein winziges Zimmer mit Bad und
mache mich auf den Weg, um Nahrung aufzunehmen. Die Möglichkeiten sind
vielfältig und ich entscheide mich für ein asiatisches Restaurant in dem kaum
Leute sind. Dort setze ich mich in eine Ecke, so dass ich niemanden sehen muss.
Dabei wollte ich genau das nicht tun. Ich wollte mit diesem im Abseits sitzen
aufhören. So stelle ich mir die Aufgabe für den Abend. Ich muss mich in
irgendeinen Biergarten setzen und dort was trinken. Etwas, was ich sonst nicht
tun würde. Aber ich kann den Abend ja kaum in meinem Zimmer verbringen. Das
wäre albern. So wandere ich nach dem Mahl los. Mal ist es mir zu voll, dann zu
leer. Dort kann ich nicht sitzen, weil alles essen und ich nicht trinken will
und woanders kann ich mich nicht hinsetzen, weil, ja, warum eigentlich nicht?
Genau, weil ich etwas gestört bin.
Nachdem ich
über eine Stunde umhergewandert bin, finde ich einen geeigneten Platz. Zwei
Tische, durch Pflanzen von allen anderen Tischen getrennt, scheinen meinen
Ansprüchen zu genügen. Niemand würde sich freiwillig dort hinsetzen, wenn
woanders genug Platz ist. Woanders ist viel Platz und ich nehme Platz. Doch
noch geschafft. Ich bestelle einen Ananasnektar und sitze eine Stunde einfach
so da, beobachte die Menschen und habe das Gefühl, dass hier keiner in meinem
Alter ist. Wo sind die älteren Menschen nur hin?
Der zweite Tag
Am nächsten Tag
bin ich ganz Tourist, fahre mit der Bahn zum Alexanderplatz und steige dort in
einen Touristenbus. Die Sonne brennt und ich bereue, dass ich nicht mehr Sonnenschutz
aufgetragen habe. Beim zweiten Halt steige ich schon aus, weil man dort eine
Schiffstour machen kann. Schiffstouren ziehen mich magisch an. Und so kaufe ich
ein Ticket für die kleine Rundfahrt, sitze in der prallen Sonne und spüre, dass
ich anbrenne. Ansonsten genieße ich aber die kleine Tour. Anschließend wird
wieder asiatisch gespeist, bevor ich in den Bus steige und die Touristenrundfahrt
fortsetze. An manchen Stationen steige ich aus, mache Fotos, renne hin und her
und bin beschäftigt. Danach klettere ich zurück in einen Bus und merke, dass
der Sonnenbrand behandelt werden muss. Am Schloss Charlottenburg steige ich
aus. Aber nicht, um das Schloss zu bewundern, sondern um mir eine Creme für
meine verbrannten Arme und das angeschmorte Gesicht zu kaufen. Nachdem ich
eingecremt bin, lasse ich mich mit dem Touristenbus zum Ausgangspunkt
zurückbringen. Es scheint so als könnte ich gut alleine verreisen.
Lucy
Nachdem ich
mich etwas erfrischt habe, treffe ich mich am Abend mit Lucy. Lucy habe ich vor
über zehn Jahren über einen Blog kennengelernt und nun können wir uns endlich persönlich
kennenlernen. Dieses Treffen hat einen großen Anteil daran, dass mein Reiseziel
Berlin wurde und ich nicht mit etwas leichterem meine Alleinreisekarriere
gestartet habe.
Lucy ist fast
70 und damit unwesentlich älter als ich es bin. Wir verstehen uns so gut wie am
Telefon und gehen erst etwas essen und sitzen später irgendwo herum, um eine
Kleinigkeit zu trinken und über dies und das zu philosophieren. Möglicherweise
reden wir aber auch nur Unsinn. Bis nach Mitternacht dauert unser Treffen, dann
bin ich wieder auf meinem Zimmer und denke  darüber nach, dass dieses ganze altwerden und alt
sein schon eine ziemliche Scheiße ist. Im Geiste noch in der Pubertät hat man
einen Körper, der einfach so verrottet. Wäre ich nicht so müde, würde ich da
noch Stunden drüber nachdenken.
Über Berlin
Den Tag
verbringe ich zunächst am Leipziger Platz. Mit dem schnellsten Aufzug Europas
werde ich auf etwa 100m Höhe gebracht und betrachte Berlin von oben. Etwas, was
ich neben Schiffstouren, sehr mag. Das ist schräg, denn zum einen habe ich
Höhenangst, zum anderen kann ich nicht schwimmen. Da erscheinen meine Vorlieben
irgendwie widersprüchlich. Nachdem ich alles gesehen habe gönne ich mir ein
asiatisches Mahl in der Mall of Berlin. Es folgt ein Besuch bei den
Mauerresten. Diese sind ein weiterer Beweis dafür, dass Menschen völlig
beschränkt sind. Wie käme man sonst auf die Idee so eine Mauer mitten in eine
Stadt zu bauen und auf Leute zu schießen, die gerne die Seite wechseln wollen?
Menschen sind echt zu blöd. Wie so minderwertige Lebewesen schon über einen so
langen Zeitraum existieren können, werde ich nie verstehen.
Nachdem ich mir
in den nächsten Stunden noch einiges angesehen habe, geht es zurück zum
Alexanderplatz. Dort besuche ich die Aussichtsterrasse
Radisson Park Inn. Ganz alleine genieße ich dort die Aussicht und bin
unzufrieden, weil ich morgen abreisen muss. Ich suche nach Übernachtungsmöglichkeiten,
finde aber nichts, was meinen geringen Ansprüchen genügt.
Noch einmal Lucy
Den letzten Abend in Berlin verbringe ich
wieder mit Lucy. Wieder sind wir einen Tag älter und mir scheint es als wären
um uns herum nur junge und attraktive Menschen. Ich war noch nie attraktiv, aber
immerhin mal jung. So muss ich wenigstes niemals traurig sein, dass ich
irgendwann meine Attraktivität verliere. Dank dieser Erkenntnis kann ich den
Rest des Abends beruhigt weiter Menschen beobachten. Dann heißt es Abschied
nehmen. Ich glaube nicht, dass wir uns je wiedersehen, weil wir beide nur noch
eine begrenzte Lebenserwartung haben und Berlin einfach zu weit weg ist.
Abreisetag
Pünktlich räume ich mein Zimmer und
beklage mich als ich die Schlüssel abgebe, dass ich eigentlich noch bleiben
will. Leider ist mein Zimmer aber schon vergeben und auch die anderen Zimmer hier
sind belegt. Doch der Mann vom Apartment hat eine Idee. Er ruft in anderen
Pensionen an und findet tatsächlich in unmittelbarer Nähe ein Zimmer für mich. Ich
ziehe also für eine Nacht um und bleibe.
Sommersonnenwende
Den Tag verbringe ich ganz entspannt am
Alexanderplatz, hänge einfach nur rum und als ich am Abend zurück in Prenzlau
bin, finde ich mich inmitten von Menschenmassen wieder. Das alljährliche
Sommersonnenwendefest findet statt und ich bin mittendrin. Hübsche Menschen,
wobei ich da nur auf die Frauen achte, soweit das Auge reicht und mittendrin
ein fast fünfzigjähriger Sakkoträger, der so gar nicht her zu passen scheint. Dummerweise
bin ich dieser alte Sack. Obwohl ich so Menschenmassen nicht mag, lasse ich
mich in der Masse treiben. Als wäre ich ein Teil des Ganzen. Vermutlich bin ich
es auch.
Gegen 22.00 Uhr bin ich zurück in meinem
Zimmer, betrachte mich im Spiegel und erkenne mich kaum. Diese alte Hülle passt
nicht zum Kern. Selten kam ich mir dermaßen bewusst so gealtert vor. Egal, wie
lange ich nicht zum Friseur gehe, wieviel Cremes ich benutze, da ist nichts zu
retten. Ich bin jetzt in einem furchtbaren Alter. Die Zeit läuft ab, da kommt
nicht mehr viel. Erst recht nicht, wenn man seinen Alterungsprozess nicht
irgendwann akzeptiert. Frauen unter 30 sehen mich nicht mehr und in ein paar
Jahren kann ich nur noch hoffen, dass sie mich mal aus Mitleid über die Straße
führen oder fragen, ob der Opi verwirrt ist und sich verlaufen hat. Es wird
auch nicht besser, wenn ich noch länger vor dem Spiegel stehe. Also verlasse
ich noch einmal das Zimmer, um ein wenig umherzuwandern. Nur nicht zu viel
nachdenken, sonst muss ich am Ende noch kotzen.
Zurück zu mir
Am nächsten Morgen mache ich mich auf den
Heimweg. Berlin hat mir gut gefallen und es war sehr entspannt. Ich habe gut
gegessen, meist gut geschlafen und bin durchaus in der Lage alleine zu
verreisen. Diese Erkenntnis lässt hoffen, denn so erscheint es möglich, dass
ich meinen Plan, zweimal pro Jahr ein paar Tage wegzufahren, umsetzen kann.
Vorausgesetzt ich kann es mir leisten.
Während der unendlich erscheinenden
Autobahnfahrt bin ich mehrmals kurz davor einzuschlafen und habe Glück, dass
auch heute nicht wirklich viel Verkehr ist. So weite Autofahrten sind nichts
für mich und ich muss meinen nächsten Urlaub in geringerer Entfernung verbringen.
Letztlich bin ich durchaus erleichtert als ich nach etwa sechseinhalb Stunden
heile zu Hause ankomme. Der Alltag hat mich wieder. Fast schon enttäuschend.

Berlin, ich komme

Seit Jahren
steht der Plan, dass ich mal alleine ein paar Tage Urlaub mache, um zu sehen,
wie ich in freier Wildbahn so klarkomme. Endlich testen, ob ich fernab meines
gewohnten Umfelds Überlebensfähig bin. Eine Antwort finden, ob ich in einer
fremden Stadt mein Zimmer verlassen werde oder stupide dort in meinem Zimmer
vor dem Fernseher sitze.
Somit trifft es
sich gut, dass diverse Umstände mich nun dazu veranlasst haben, ein Hotelzimmer
in Berlin zu buchen. 15m² mit eigenem Bad. Mehr brauche ich nicht. Und so
beginnt Mitte Juni eines meiner größten Abenteuer. Allein in einer fremden
Stadt, gut 500 km von meiner Wohnung entfernt. Es wird damit die zweitweiteste
Reise meines Lebens. Anreisen werde ich im Coupé, weil ich meinen Benz nicht
solchen Gefahren aussetzen mag. Bis acht Tage vor dem Abreisetag kann ich das
Zimmer noch kostenlos stornieren. Eine Sicherheit, die mir sehr wichtig ist.
Nur für den Fall, dass mir das Abenteuer doch zu groß ist und ich es mit der
Angst bekomme. Ansonsten heißt es tatsächlich bald: Berlin, ich komme.

Urlaubsgedanken

Fünf Tage Urlaub sind für mich wie fünf Tage Arbeitslosigkeit.
Ich vertrödle meine Zeit und weiß nicht wirklich etwas mit mir anzufangen.
Erschwerend kommt hinzu, dass ich auch kein Geld mehr habe, um mir irgendwelche
Sachen, die ich vermutlich nicht brauche, zu kaufen. So kann ich mich um Dinge
kümmern, die ich, seit ich arbeite, sehr vernachlässigt habe. In diesem Fall
die Sauberkeit der Wohnung. Oberflächlich betrachtet sieht alles gar nicht so
übel aus, doch bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, dass hier lange nicht
mehr ordentlich geputzt wurde. Nie war die Wohnung dreckiger, nie musste ich
mehr putzen, um einen einigermaßen ordnungsgemäßen Zustand wieder herzustellen.
Nicht arbeitslos zu sein hat mehr Nachteile als befürchtet und ich frage mich,
welche Vorteile der Zustand für mich überhaupt hat. Gewöhnlich führe ich an
dieser Stelle den finanziellen Aspekt an, doch bei genauerer Betrachtung
scheint das, wie anfangs erwähnt, kein Argument zu sein. Mein Plan, jeden Monat
etwas Geld zurück zu legen ist grandios gescheitert. In den letzten sechs
Monaten habe ich nicht einen Cent gespart. Im Gegenteil. Ich bin meist schon pleite,
bevor es neues Geld gibt. Ich mache sogar jeden Monat ein kleines Minus und
weiß nicht einmal, wie ich das anstelle. Das Geld ist einfach weg. Dabei gehe
ich nicht aus, sondern sitze fast nur in der Wohnung. Es sieht ganz so aus als
könnte ich mir eine Berufstätigkeit aus finanziellen Gründen gar nicht leisten.
Glücklich macht mich der Job auch nicht. Ich bin immer noch ein genauso
frustriertes und unzufriedenes Arschgesicht wie eh und je. Allerdings ein Arschgesicht
mit dreckiger Wohnung. Vielleicht ist das mit einem festen Job doch keine so
gute Idee.

Maastricht

Es
kommt wahrlich selten vor, dass ich in den Urlaub fahre. Ebenso selten verlasse
ich das Land, um ein anderes Land zu begutachten. Zuletzt gelang mir ein Urlaub
im Ausland 2007. Und fast hätte es auch heute nicht geklappt. Doch dann geht es
bei strömendem Regen los. Ich kann mich noch gut an meinen letzten Urlaub im
Juni 2012 erinnern. Da hat es auch fast nur geregnet und war viel zu kalt. Ob
das wieder so wird?
Nachdem
wir die Grenze passiert haben und uns in den Niederlanden befinden, bleibt das
Wetter bescheiden. Dass wir Deutschland verlassen haben, erkennen wir besonders
gut an den Straßen, die in den Niederlanden in einem besseren Zustand sind. Als
wir etwa zweieinhalb Stunden nach unserer Abfahrt das Apart Hotel Randwyck
erreicht haben, fällt deutlich auf, dass ich nicht wirklich auf den Urlaub
vorbereitet bin. Denn in dem Hotel spricht man niederländisch und englisch. Niederländisch
ist mir völlig fremd und meine Englischkenntnisse sind nicht nur bescheiden, es
ist auch Jahre her, dass ich diese Sprache verwenden musste. Und so checke ich
mit meinen dürftigen Kenntnissen, und möglichst wenigen Worten, ein.
Erstaunlicherweise klappt das ganz gut.
Unser
Zimmer ist nett und fast so groß, wie meine Wohnung. Weil es spät und das
Wetter alles andere als berauschend ist, beschließen wir, im Hotel zu bleiben. Da
wir aber Hunger und Durst haben, muss ich dann doch noch mal raus und eine
Tankstelle finden. Ich finde die einzige Tankstelle, die noch geöffnet hat,
kaufe ein paar Kleinigkeiten und hoffe, dass niemand mit mir redet. Doch an der
Kasse werde ich von der Kassiererin angesprochen. Dummerweise verstehe ich kein
Wort von dem, was sie da sagt. Also gucke ich sie so beschränkt, wie ein dummer
Tourist gucken kann, an. Sie wiederholt ihren unverständlichen Satz und ich
gucke sie weiter wie ein Vollidiot an. Ihre Kollegin, die sich scheinbar mit
verwirrten Touristen auskennt, fragt mich dann auf englisch, ob ich eine Tüte
benötige. Ich verneine und entschuldige mich für meine Blödheit. Die
Kassiererin fragt, woher ich komme und schnell stellt sich heraus, dass sie
besser deutsch spricht als ich englisch. Ich komme mir ziemlich blöd vor und
bin froh als ich wieder im Auto sitze.
Am
nächsten Morgen fahren wir in die Stadt und stellen rasch fest, dass Parken
ziemlich teuer in Maastricht ist. Obendrein stellen wir fest, dass 13° nicht
wirklich begeistern können, wenn man im Sommerurlaub ist und keine warmen
Sachen eingepackt hat. Wir suchen einen Ort, an dem man frühstücken kann. Für
mich ist auswärtiges Essen etwas problematisch wegen meiner Weizenallergie,
weshalb ich den Urlaub damit verbringen werde Pommes und mein mitgebrachtes
Brot zu essen. Wir finden eine Art Cafe und gehen hinein. Agnes bestellt sich
eine Kleinigkeit und wir schauen uns in dem Laden um. Überall hängen
selbstgemalte Bilder. Darauf sieht man männliche und weibliche
Geschlechtsteile. Die Bilder sehen teilweise so aus als hätten Kinder sie
gemalt. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Möglicherweise ist das
Kunst. Oder einfach nur krank.
Wie
erwartet gibt es für mich zum Mittag Pommes für mich. Garantiert Getreidefrei. Erneut
muss ich feststellen, dass es nicht schaden würde, wenn ich besser englisch
sprechen könnte. Ich stelle mir vor, wie es wohl für die Menschen sein muss,
die ohne Sprachkenntnisse in ein fremdes Land kommen und da leben müssen. Ob
die sich da auch so blöd vorkommen, wie ich mir vorkomme, wenn ich wieder etwas
nicht verstehe? Wenigstens wird das Wetter langsam besser.
Am
dritten Tag finden wir einen Parkplatz, der maximal acht Euro pro Tag kostet.
Das ist fast schon ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass wir gestern 12 Euro
für etwa drei Stunden bezahlt haben. Das Wetter ist mittlerweile auch
angemessen und ich Nörgler aus Leidenschaft habe nichts mehr zu meckern. Um
mich herum entspannte Menschen, neben mir meine entzückende Freundin und alles
in einer wirklich schönen Stadt. Das muss Urlaub sein. Wenn das so weiter geht,
werde ich am Ende noch zu einem sympathischen Menschen.
Neben
den Straßen, die sich in einem guten Zustand befinden, fallen mir einige Dinge
auf, die mich überraschen. Die Menschen, die um uns herum sind, scheinen alle
viel entspannter zu sein als ich es gewohnt bin. Freundlicher und auch
umgänglicher. Radfahrer und Motorrollerfahrer scheinen einen besonderen Status
zu genießen und stets Vorfahrt zu haben. Es wird selten gehupt, noch seltener
geschimpft und auch optisch wirkt alles aufgeräumter als dort, wo ich wohnhaft
bin und meine Zeit verbringe. Die zahllosen dicken und zerzausten Menschen, die
mir sonst ständig über den Weg laufen, scheint es hier maximal in geringer
Anzahl zu geben. Miesepeter scheinen auch keine vorhanden zu sein. Alles ist im
Fluss. Ob das nur daran liegt, dass die Stadt am Fluss liegt, wage ich zu
bezweifeln. Die Niederländer scheinen ein sehr angenehmes Volk zu sein und je
länger ich hier bin, desto mehr wünsche ich, dass die Deutschen, zumindest die in
meinem Umfeld, auch so wären. Eine Kellnerin entschuldigt sich sogar bei uns
dafür, dass sie so schlecht deutsch spricht. Dabei sollten wir uns bei ihr
entschuldigen. Selbst die Hunde scheinen hier entspannter zu sein als woanders.
Je mehr ich mir das alles ansehe, desto weniger Interesse verspüre ich, wieder
zurück zu reisen. Wieso sind da, wo ich lebe,  nur so viele unentspannte Arschlöcher
unterwegs? Und wie kann man diese Menschen entspannen?
Leider
gehen Urlaubstage viel zu schnell vorbei und schon ist es Donnerstag und wir
müssen zurück. Kaum haben wir Deutschland erreicht, werden die Straßen voller
und schlechter. Und kaum sind wir zurück im Ruhrgebiet, fange ich schon an zu
meckern und werde zu einem dieser unentspannten Deppen, die so nervig sind. Ich
frage mich, ob es daran liegt, dass im Ruhrgebiet zu viele Menschen leben und
die Straßen verstopfen. Oder an der schlechten Luft? Der schlechten Erziehung?
Den Umständen? Der Einstellung? Von allem ein wenig? Ich weiß es nicht, will
aber versuchen, mich von all dem nicht zu sehr beeinflussen zu lassen. Denn
entspannter in Maastricht gefiel ich mir einfach besser.