Bremerhaven in Bildern

Wie üblich fand die Anreise überwiegend auf der rechten Spur statt.

 

Hier sollte ich in den nächsten Tagen wohnen.

 

Das Zimmer in der etwa erwarteten Größe. Nur etwas kleiner als das Appartment während meines Berlinurlaubs.

 

Allerdings in einem weniger empfehelnswerten Zustand. Keine Dusche zum Verlieben, wie man unschwer erkennen kann.

 

Der Blick aus dem Fenster sogar schlechter als der Blick aus dem Fenster bei mir zu Hause.

 

Das erste Frühstück nach langer Suche. Das gab es danach jeden Morgen.

 

Das erste Mittagessen bei WOK – Asian Cuisine. Auch dabei blieb es am folgenden Tag. Sehr zu empfehlen.

 

So sehe ich in bequemen Schuhen aus, wenn ich einfach nur aufs Wasser starre.

 

Mit dem Boot, welches rechts kaum zu sehen ist, habe ich eine Hafenrundfahrt gemacht und Freundschaft mit einem Jungen geschlossen.

 

Dieses Schiff transportierte mich zwei Stunden übers Wasser.

 

Während die meisten Passagiere andere Schiffe und Container betrachteten, schaute ich mir das Wasser und die Wellen an. Wie man sehen kann, eine gute Entscheidung.

 

Verspielte Ente, die mich direkt begeistert hat.

 

Alle Kontaktaufnahmen meinerseits schlugen fehl und es entstand kein wirklicher Dialog mit diesem netten Gesellen.

 

Aufgenommen im Zoo am Meer von einem tollen Platz, der eine gute Übersicht bat.

 

Ein Aufnahme von der Aussichtsplattform Sail City.  Sehr lohnenswert, wie ich finde.

 

Ein Selfie kurz vor Urlaubsende.

 

Ein letzter Blick auf die Weser. Schön war es.
Wahrscheinlich kehre ich nie mehr zurück.

Bremerhaven – Teil 3

Abgesehen von einer unnötigen Wachphase gegen 03.15 Uhr, in der mein Magen irgendwas zu meckern hat, schlafe ich bis etwa 06.00 Uhr durch. Dann wecken mich Menschen, die irgendwie aktiv rumwuseln. Mir sind so Frühwusler irgendwie suspekt. Ständig wuselt irgendwer, so dass ich um kurz nach 07.00 Uhr aufstehe, weil das viele rumwuseln mich ganz durcheinander bringt. Da ich die Putzfrau gegen 08.15 Uhr erwarte, muss ich bis dahin geduscht und angezogen sein und möglichst mit dem morgendlichen Stuhlgang fertig. Sonst steht die Putzfrau auf einmal in meinem Zimmer und ich habe gerade, warum auch immer, die Hosen runtergelassen. Das möchte ich nicht. So kommt es, dass ich bereits um 08.18 Uhr in die Stadt fahre, um das gleiche Frühstück wie am Vortag einzunehmen. Wenn ich einmal einen Ort gefunden habe, der meinen Kriterien entspricht, kehre ich meist zurück. Möglicherweise bin ich so eine Art Gewohnheitstier. Anschließend geht es in den Zoo am Meer, der eben erst geöffnet hat und wo deshalb nur wenige Menschen unterwegs sind. Abgesehen davon, dass ich Zoos nicht so gut finde, weil die Tiere mir da viel zu wenig Platz haben, ist es in diesem Zoo wirklich schön. Die Tiere machen einen entspannten Eindruck und es gibt ein paar Sitzplätze von denen man eine tolle Aussicht hat. Dort sitze ich so lange bis ich Mittagessen muss. Natürlich esse ich dort zu Mittag, wo ich schon gestern aß. Danach muss ich mich entscheiden, ob ich ins Klimahaus gehe, was der ursprüngliche Plan war, oder an einer zweistündigen Schiffsrundfahrt teilnehme.

Wenig später sitze ich auf einem schlechten Platz auf einem Schiff. Der Platz ist so schlecht, dass ich mich schon bald zum Heck verziehe und die Rundfahrt stehend genieße. Zwei Rentner mit je zwei Kameras verbringen ihre Zeit ebenfalls dort. Auf ihre Kameras haben sie große Objektive geschraubt, weil es manchmal wohl doch auf die Größe ankommt. Sie halten sich meist auf der Steuerbordseite auf, weil man da Schiffe sehen kann und Container und alles Mögliche. Ich finde das zwar auch spannend, aber das Wasser ist irgendwie spannender, weshalb ich zumeist nur aufs Wasser oder in die Ferne starre. Störend ist lediglich der Dieselgeruch, der wahrscheinlich dafür sorgt, dass ich bald an einer Krebserkrankung sterben werde. Und weil meine Zeit begrenzt ist, starre ich einfach weiter aufs Wasser und erfreue mich daran, wie es Wellen schlägt. Zwischendurch kommen immer mal andere Passagiere nach hinten, um auch Fotos zu machen. Besonders putzig, aber auch fragwürdig, finde ich die Männer in kurzen Hosen, die gelegentlich ganz cool ein paar Fotos machen und dann wieder nach oben verschwinden. Ich kann mir nicht helfen, aber Männer in kurzen Hosen sehen zumeist ziemlich albern aus. Obwohl es vermutlich nicht nur an den Hosen liegt, sondern eher am Gesamtbild, welches sie abgeben. Ich glaube, Männer sollten keine kurzen Hosen tragen. Außer beim Sport oder zu besonderen Anlässen. Was für Anlässe dies sein können, fällt mir allerdings nicht ein. Eventuell habe ich aber auch nur Vorurteile, oder bin gar neidisch, weil ich in kurzen Hosen sogar beim Sport ziemlich bescheuert aussehe. Eigentlich sehe ich sogar meistens irgendwie bescheuert aus.

Nicht lange nach der kleinen Schiffsreise befinde ich mich auf der Aussichtsplattform Sail City. Neben Schiffrundfahrten eine zweite Sache auf die ich scheinbar nicht verzichten kann. Glücklicherweise sind hier oben nur wenige Menschen, so dass ich völlig entspannt einfach nur so rumhängen und den Blick in die Ferne schweifen lassen kann. Plötzlich packt mich ein kleines Hungergefühl, weshalb ich sofort die Aussichtsplattform verlasse, um zur Taverna da Vinci zu eilen. Dort bestelle ich ein Dunkelbier und Bruscetta. Überrascht bin ich als mir das Bier serviert wird. Es ist dunkles Bier, dabei wollte ich ein Malzbier, was ich dummerweise so nicht gesagt habe. Und so lerne ich heute, dass Dunkelbier und Malzbier völlig unterschiedliche Biere sind. Ich nippe an meinem dunklen Bier und es schmeckt wie erwartet. Nämlich nicht gut. Ich mag Bier einfach nicht und schaffe gerade mal die Hälfe von dem Gebräu. Weil der Biergeschmack außerdem den Geschmack des Essens total versaut, bin ich irgendwie frustriert und stelle mir gerade vor wie ich da vor meinem Bier sitze. Ein extrem weißer Mann mit Untergewicht, der ein 0,3 Liter Glas Bier in der rechten Hand hält und sich wundert, was er da bestellt hat. Und dann zieht dieser komische Mann, der leider ich bin, ein wenig verzücktes Gesicht, nachdem er einen Schluck von dem Bier gekostet hat. Damit wäre ich bei einer Werbung gegen den Genuss von Bier weit vorne.

Irgendwann neigt sich der letzte Urlaubsabend in Bremerhaven dem Ende entgegen und ich gehe noch einmal zum Wasser, drehe eine große Runde und beschließe dann, dass es an der Zeit ist ins Hotel zurückzukehren. Es war schön, es war interessant und ich bin ein komischer Typ. Es hätte schlimmer kommen können.

Bremerhaven – Teil 2

Am Montag wache ich um 05.10 Uhr auf, weil es hell ist und mein Magen mit mir unzufrieden ist. Manchmal vergesse ich noch immer, dass es für mich sehr wichtig ist zu relativ festen Zeiten etwas Magengerechtes zu essen. An Schlaf ist so natürlich nicht mehr zu denken. Entweder schaffe ich es heute, den Tag anständig ums Essen herum zu planen oder es werden schreckliche Zeiten bis zu meiner Abfahrt. Es ist keine Freude möglicherweise essgestört zu sein, definitiv unter einem Dachschaden zu leiden und dazu einen Magen- Darmtrakt zu haben, der Fehler im Ernährungsplan nicht verzeiht und sofort eine Rebellion anzettelt. Es ist echt gut, dass niemand ein Zimmer mit mir teilt, denn das wäre unangenehm und peinlich. Ich sollte vielleicht nicht mehr in den Urlaub fahren und mich generell auf Tagesausflüge mit präzisem Ernährungsablauf beschränken. Als wäre ich nicht schon beschränkt genug.

Neunzig Minuten später liege ich noch immer wach auf dem Bett rum und mein Magen erzählt ununterbrochen wie beschissen er mein Verhalten findet. Entspannter Urlaub geht anders. Im Nebenzimmer ist mittlerweile auch Leben und dennoch schlafe ich dann doch noch einmal kurz ein.

Später, ich bin noch immer unzufrieden mit meinem Essverhalten, telefoniere ich mit Agnes, als es an der Tür klopft. Da ich nicht reagiere, wird nun die von innen verschlossene Tür aufgeschlossen und eine Frau kommt herein. Sie murmelt etwas und fragt dann, ob ich etwas brauche. Sie darf den Müllbeutel wechseln und verschwindet wieder. Es ist 08.15 Uhr. Was zum Teufel soll denn sowas?

Noch vor 09.00 Uhr breche ich auf, um eine Kleinigkeit zum Frühstück zu mir zu nehmen. Doch ich finde keine geeignete Bäckerei, weil überall Leute sitzen, in deren Nähe ich einfach nicht sitzen will, denn ich will alleine frühstücken. Als ich fast am Ende bin, finde ich eine Bäckerei, die es mir ermöglicht relativ ungestört zu speisen. Ich bestelle eine Salamibrötchen und dazu einen Orangensaft, setze mich draußen in die hinterste Ecke und gucke mir die Leute an, die vorübergehen. Ich scheine langsam zu entspannen, lasse mir Zeit und gehe erst als sich jemand an den Nebentisch setzt.

Unterwegs kaufe ich mir eine Flasche Wasser und anschließend eine Karte für eine Hafenrundfahrt. Ganz alleine sitze ich an einem Tisch für sechs Personen als eine Schulklasse das Boot entert. Eine lustige Schulklasse bei der es sich ausschließlich um ausländische Kinder handelt, wie unschwer zu erkennen ist. Da passt es meiner Meinung nach nicht so gut, dass beide Lehrerinnen mit deutlichem osteuropäischem Akzent sprechen. Aber egal. Bei der Rundfahrt stört zunächst nur, dass erklärt wird, was es alles zu sehen gibt. Durchaus interessant, aber eigentlich will ich lieber meine Ruhe und einfach nur aufs Wasser gucken. Irgendwann, fast aus heiterem Himmel, passiert etwas, was ich die ganze Zeit befürchtet hatte. Drei der Schüler setzen sich an meinen Tisch setzen. Da ist der zwischenzeitlich etwas heftige Wind mir tatsächlich sympathischer. Und natürlich können Kinder nicht einfach nur so dasitzen, sie müssen reden und albern sein und irgendwann betrachtet einer von denen meine Uhr, findet irgendwas lustig, flüstert zu den anderen und alle scheinen amüsiert. Ich frage natürlich, was so lustig ist, weil ich schon verstehen will, warum man über mich lacht. Der kleine Junge weist mich darauf hin, dass meine Uhr falsch geht. Ich erkläre ihm, dass das nur deshalb so ist, weil er die Uhr auf dem Kopf gelesen hat, drehe sie für ihn um und halte sie vor sein Gesicht. Jetzt versteht er und gibt Ruhe. Endlich

Nach der Rundfahrt gehe ich asiatisch essen. WOK – Asian Cuisine heißt der Laden, der mir schon gestern auffiel und den ich mir fürs heutige Mittagessen vorgemerkt hatte. Das Essen ist gut, die Bedienungen sehr freundlich und ich denke während ich es mir schmecken lasse schon darüber nach, wann und wo ich meine nächste Mahlzeit einnehmen werde, um meinen Körper zu besänftigen. Das ist schon irgendwie krank.

Nach der kleinen Mittagspause klettere ich einmal durchs U-Boot Wilhelm Bauer und bin ganz fasziniert, wie wenig Platz man darin hat. Ich war vor unendlich vielen Jahren mit der Schulklasse mal hier und habe mir den Kopf gestoßen. Damals kam mir das U-Boot dennoch größer vor. Vielleicht weil ich damals kleiner war oder nur Augen für eine Mitschülerin hatte.
Wenige Minuten später befinde ich mich im Schifffahrtmuseum. Dort werde ich so müde, dass ich mich mehrmals hinsetzen muss, um Kräfte zu mobilisieren. Mein Plan, bis zum Abend in der Stadt zu bleiben, muss somit geändert werden. Nachdem ich hoffentlich alles in dem Museum, welches ich wirklich empfehlen kann, gesehen habe, gehe ich zum Parkplatz, zahle 7 Euro fürs Parken und fahre zum Ausruhen zurück ins Hotel. Bei der Gelegenheit mache ich mich etwas frisch, weil ich nicht gerne durch unangenehmes Riechen auffallen möchte. Nachdem ich mich erholt und ein sauberes Poloshirt angezogen habe, kehre ich zurück und bestelle pünktlich um 18.15 Uhr die nächste Mahlzeit. Es gibt Gemüse mit Reis und süß saurer Soße. Anschließend wandere ich planlos umher, freue mich über die Wellen, welche die Schiffe verursachen und sitze mal hier und mal dort rum. Wellen und Wasser sind echt toll. Gegen 20.40 Uhr mache ich mich auf den Weg zurück ins Hotel und stelle fest, dass mir meine Beine total wehtun. Dabei bin ich nicht einmal 15 Kilometer gewandert. Ich bin echt aus der Übung.

Ich habe regelmäßig gegessen und getrunken, hatte einen entspannten Tag und mich an meine neue Umgebung gewöhnt. Der komische Zustand, den der Anreisetag mir beschert hat, ist einem entspannten Dasein gewichen. Möglicherweise bin ich doch noch nicht völlig verloren und kann weitere Urlaube verkraften. Ich muss mich nur am ersten Tag schonen und regelmäßig füttern. Dann sollte mein Magen nicht rebellieren und mein Kopf keine Panikattacken androhen. Vielleicht kriege ich das beim nächsten Urlaub hin. Aber jetzt freue ich mich erstmal auf den morgigen Tag. Das Zimmer verlasse ich nicht mehr, weil mir dazu die Energie fehlt und ich hier zum Entspannen bin und nicht, um irgendwelche Aktivitätsrekorde aufzustellen. Alles ist im Fluss.

Bremerhaven – Teil 1

Warum ich mit dem Coupé und nicht dem Benz nach Bremerhaven fahre ist schnell erklärt. Beim Benz ist die Klimaanlage defekt und ich weiß nicht, ob er einen angemessenen Parkplatz bekommen würde. Außerdem kann man im Coupé besser Musik hören. So singt Dean Martin auf der Hinfahrt für mich und ich muss mir leider eingestehen, dass mir Bremerhaven zu weit weg ist, denn nach zwei Stunden habe ich keine Lust mehr aufs fahren. Reiseziele, die weiter entfernt sind, sollte ich zukünftig definitiv meiden. Ich bin einfach zu alt für so Abenteuer. Trotzdem wackle ich zur Musik gelegentlich mit dem Kopf, nur halt nicht im Takt der Musik, was sicher nicht nur daran liegt, dass ich kein Taktgefühl habe. Schneller ans Ziel bringt mich das Kopfgewackel allerdings auch nicht.

Auf dem Weg zu meinem Zimmer kommt mir ein Hund entgegen. Er ist weiß und vermutlich sehr alt. Sein Fell scheint ihm auszufallen und er sieht irgendwie fertig aus. Dummerweise habe ich die blöde Angewohnheit fast jeden Hund, der mir begegnet, anzusprechen, was in diesem Fall dazu führt, dass der Hund ziemlich wütend wird und mich übel beschimpft. Selbst als ich mich entschuldige und davon mache, kriegt er sich nicht ein. Ich sollte mir echt abgewöhnen jeden Hund anzusprechen, bei Frauen mache ich sowas schließlich auch nicht.

Mein Hotelzimmer ist grenzwertig. Dass es winzig sein würde, war mir klar, dass mein Ausblick direkt auf eine Häuserwand gerichtet sein wird dagegen nicht. Auch bin ich überrascht, dass es nicht einmal einen Schrank gibt. So werde ich drei Tage quasi aus dem Koffer leben müssen. Aber immerhin ist der Parkplatz akzeptabel und das Wetter schön. Bevor ich das Zimmer akzeptieren kann, sprühe ich alles, was ich zu berühren gedenke, einmal mit Desinfektionsmittel ein. Zu meiner eigenen Sicherheit, weil ich nicht krank werden möchte. Gefängnisse in einem solchen Zustand gibt es in Deutschland sicher nicht. Trotzdem möchte ich nicht in ein Gefängnis.

Ich muss etwa acht Minuten mit dem Auto fahren um vom Hotel ans Wasser zu kommen. Parkplätze gibt es gegen Gebühr. Belohnt werde ich dafür wenig später mit einem schönen Ausblick und einer Pizza Hawaii, die ich in der Taverna da Vinci zu mir nehme. Da es einigermaßen windig ist, ist die Pizza allerdings schnell kalt, was mich nicht so wirklich zu begeistern vermag. Ich bin im Moment der einzige in dem Lokal, der ohne Begleitung ist, was ich irgendwie interessant finde. Die Pizza ist gut, dass Dunkelbier ebenso. Nach einer Weile setzt sich eine Frau, die ebenfalls alleine ist, an den Nebentisch. Ich verstehe das nicht, weil noch genug andere Tische frei sind. Also trinke schnell aus, bezahle und gehe, weil mich das irgendwie durcheinander bringt, wenn eine Frau alleine am Tisch direkt neben mir sitzt. So kann ich keineswegs entspannen.

Ich laufe eine Weile an der Weser entlang, dann trinke ich noch zwei Stille Wasser in der Strandhalle. Dort sitze ich ganz alleine in einer Ecke, weil kaum noch Leute da sind. Irgendwie gefällt mir das. Dann werde ich auch schon müde und es wird mir durch den Wind zu kalt, weshalb ich mich auf den Rückweg mache und bereits um 21.50 Uhr zurück im Hotel bin.

Ich muss gestehen, dass mich erste Urlaubstage schon einigermaßen stressen und habe, während ich auf dem Bett liege, noch nicht das Gefühl, dass Bremerhaven eine gute Wahl war für einen Urlaub allein mit mir ist.

Urlaubspläne

Nachdem geklärt ist, dass ich auch dieses Jahr vermutlich nicht arbeitslos werde, fände ich zwei Kurzurlaube durchaus sinnvoll. Anfang Mai und Anfang Juli habe ich Urlaub, da kann der alte Opel mich irgendwohin transportieren. Weil ich nicht wirklich eine Ahnung habe, wohin es gehen soll, tendiere ich nach kurzer Überlegung zu Bremerhaven. Das könnte zu mir passen. Den anderen Ort auszuwählen ist schwieriger. Es gibt viele Orte, die einen Besuch lohnen könnten. Cochem, Saarburg, Melsungen sind in der engeren Auswahl, weil finanzierbar. Lübeck, Kiel und Papenburg haben Außenseiterchancen. Hamburg ist eigentlich für dieses Jahr geplant gewesen, aber irgendwie scheint es mir zu teuer und ich weiß nicht, ob es mich wirklich reizt. Wichtig ist, dass es Parkplätze vor meinem Hotel bzw. der Pension gibt, Dusche und WC mit niemandem geteilt werden müssen, und ich mich wohlfühle. Plan ist es, dass ich bis Ende der Woche einfach irgendwas buche, damit ich die Urlaube nicht zu Hause verbringe, oder für die Aufenthalte mehr zahle als mir lieb ist. Was mich etwas stört ist die Tatsache, dass Doppelzimmer oft um einiges günstiger als Einzelzimmer sind. Vielleicht sollte ich einfach ein Doppelzimmer buchen, um Geld zu sparen. Vielleicht sollte ich mich aber erstmal für die Reiseziele entscheiden.

1. Urlaubswoche

Weil ich so viel vor habe und so ein
Aktivposten bin, hier nur die absoluten Tageshöhepunkte meiner ersten
Urlaubswoche.
Montag
Den Vormittag verbringe ich mit
dem Opel in der Werkstatt. Am Ende hat mich der Spaß etwa  270 € gekostet und ich habe nun echt langsam
genug.
Dienstag
Am Nachmittag fahre ich völlig
spontan nach Dortmund, um dort in einem Park einen Spaziergang zu machen. 
Die meiste Zeit sitze ich allerdings auf einer Bank,
beobachte die Tretboote und überlege, ob ich nicht ein Tretboot mieten
sollte. Dann höre ich aus der Ferne ein Gewitter und mache mich auf den Weg.
 
Zu Hause angekommen gucke ich aus dem
Fenster und sehe einen Regenbogen.
Mittwoch:

Mit Agnes verbringe ich ein paar Stunden
in Bad Salzufflen. Wir essen in einem russischen Restaurant. 
Für mich gibt es
Kartoffelragout mit Pesto und Salat. Den Laden kann man echt empfehlen.

Später trinken wir in dem möglicherweise
schlechtesten Café der Ortes Kaffee und Tee. 
Es folgt ein kurzer Bummel durch
den Ort. Ich bekomme einen Geist geschenkt und wir verlassen Bad Salzufflen.

Vor der Rückfahrt gibt es noch eine Cola
bei McDonald´s, 
dann endet der schöne Tag und ich muss nach Hause fahren.

Die besten Tage sind immer die kürzesten.
Komisches System.

Donnerstag:
Da mich meine dunkle Wohnzimmerwand schon
lange deprimiert, nutze ich meinen vierten Urlaubstag, um den Fehler zu
beheben. Zum Glück müssen dafür Schränke abgehängt, Kabel aus dem Weg geräumt
und anderer Kram erledigt werden. Für mich als begnadeten Handwerker bedeutet
das natürlich eine Menge Spaß und ich krabble so lange auf den Knien rum, bis
die Schmerzen nicht mehr schön sind. Anschließend versaue ich nicht nur mich,
sondern auch meine Hose mit Farbe. Lediglich auf blutende Wunden verzichte ich
großzügig. Als es Vollbracht ist, ich die Hängeschränke an ihrem Ursprungsort
anbringe, stelle ich fest, dass diese schräg hängen, weil die Wand wohl eine
Art Schwächeanfall hatte. Ich liebe diese Sandwände hier bei mir wirklich und
so werden die Löcher zugegipst und dürfen bis morgen trocknen. Handwerken macht
wirklich Spaß. Zwar nicht mir, aber ich musste ja mit dem Mist anfangen.
Freitag: 
Das viele Knien und rumkrabbeln gestern
hat dazu geführt, dass meine Knie dermaßen wehtun, dass ich vor Schmerzen kaum
die Treppen hochkomme. Dennoch verzichte ich darauf, den Fahrstuhl zu nehmen.
Man muss auch mal hart gegen sich und seinen Körper sein.
Am Nachmittag bin ich mit Petra in der
Thier Galerie, um bei Thai Curry Delhi etwas zu essen. Wie immer schmeckt es
prima.
Weil meine Schuhe dreckig sind, kaufe ich
mir später einfach ein paar neue Schuhe der Marke Drievholt, von der ich vorher
noch nie etwas gehört habe. Da sie bequem und preisreduziert sind, spielt die
Marke nur eine untergeordnete Rolle.
Damit endet meine erste Urlaubswoche. Ich
bin schon sehr gespannt, ob die zweite Woche ähnlich aufregend und
abwechslungsreich werden wird.


Urlaubsfazit

Dienstag hat mich die Arbeitswelt wieder.
Und wenn ich die Entwicklung der letzten Tage so betrachte, dann ist es
vermutlich besser so, denn war der Urlaub anfangs noch gut für mich, so wurde
es anschließend mit jedem Tag schlechter. War ich in Berlin fast schon frei, möglicherweise
gar unbeschwert über mehrere Tage, musste nicht ständig nachdenken und hatte
sogar nur noch minimale Darmprobleme, so ist mittlerweile alles fast wieder im
Normalzustand. Die ersten Tage nach meiner Rückkehr ging es noch. Ich hatte zu
tun, war mit der „Renovierung“ meiner Wohnung beschäftigt und das Wetter war
okay. Als dann die Wohnung fertig war und es draußen grauer und grauer wurde, verfärbte
ich mich innerlich auch zurück zu grau. Seit Tagen bewege ich mich kaum noch,
mein Darm ist wieder zu alter Form aufgelaufen, mich zu entspannen gelingt
nicht wirklich, und in meinem Kopf geben sich die miesen Gedanken ein
Stelldichein. Da könnte es sogar hilfreich sein, wenn ich im Büro wenigstens
für eine gewisse Zeit immer wieder mal was zu tun habe. Weiter bringt mich das
allerdings auch nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass es im Büro immer dunkel
ist, was meinen dunklen Gedanken und der deprimierten Stimmung sehr entgegen
kommt. Besserung ist also nur bedingt in Sicht. Und mit der Vorfreude auf den
nächsten Urlaub klappt es auch nicht, denn bis dahin sind es noch fast drei
Monate. Eine schier endlos erscheinende Zeit. Immerhin kann ich zwischendurch
immer mal überlegen, wohin ich dann für ein paar Tage verreise. Somit wäre ich
kurzzeitig beschäftigt. Wann habe ich nur verlernt, mich mal bewusst über einen
längeren Zeitraum zu entspannen? Muss echt lange her sein.

Berlin in Bildern

 Die Anreise standesgemäß auf der rechten Spur der Autobahn.
 Der erste Stop an einer Raststääte, weil ich unbedingt pinkeln musste. 
Ich hasse öffentliche Toiletten.
 Bei der Gelegenheit gab es eine Kleinigkeit zu essen. 
Sieht besser aus als es geschmeckt hat.
Mein Zimmer. Klein und meinen Ansprüchen genügend. 
Zu Hause habe ich auch nicht viel mehr Platz.
 Die Aussicht von meinem Platz, den ich am ersten Abend nach über einer Stunde Suche für eine Stunde besetzt habe, um alles zu beobachten.
 Kleiner Einkauf für die erste Nacht, um auf alles vorbereitet zu sein.
 Von dort aus brach ich täglich zu meinen Abenteuern auf.
 Als Tourist auf dem Oberdeck eines Busses. 
Ordnungsgemäß mit Ersatzbrille und Lautsprecher im Ohr.
 Mein Lieblingsbild. Aufgenommen während der Schiffsrundfahrt.
 Ein Noteinkauf, weil ich spontan einen Sonnenbrand bekam.
Ich bin es einfach nicht gewohnt, so viel an der frischen Luft zu sien.
 Frühstück. Abends gekauft.
 Die Erlaubnis den schnellsten Fahrstuhl Europas zu nutzen.
Selfie in luftiger Höhe.
 Da bin ich nicht reingegangen, da ich eh die meiste Zeit geschwiegen habe.
 Eine schöne Aussicht von unten.
 Gleiches Gebäude von oben. 
 Obwohl ich nicht Chuck Norris bin, habe ich den Weg nach oben genommen.
Denn normal bin ich ja auch nicht.
 Irgendwie wollte ich schon immer hoch hinaus.
 Oben angekommen gab es ein paar Sitzgelegenheiten.
Da ich der einzige Mensch da oben war, hatte ich freie Platzwahl.
 So sah es von meinem Platz aus.
Ich saß minutenlang einfach nur da.
Später versteckte ich mich hinter einem Baum.
Speisekarte eines sehr gemütlichen Restaurants mit hübscher Bedienung.
Die habe ich aber nicht fotografiert.
 Stattdessen gibt es ein Foto vom Ausblick meines Sitzplatzes. Lucy saß mir gegenüber.
Die habe ich fotografiert. Zeige ich aber nicht.
 Erst der Vogel macht dieses Bild perfekt.
 Irgendwie mag ich diese spitzen Ecken an Gebäuden.
Vielleicht, weil es mich an den Bug eines Schiffes erinnert.
 Weil das zweite Zimmer eine Badewanne hatte und ich ewig nicht mehr baden konnte, lag ich eine ganze Weile in der Wanne, obwohl es eigentlich viel zu warm dafür war. Aber ich liebe Badewannen.
 Das beste Essen während meines Berlinaufenthalts.
Gehört auch zu dem Besten, was ich je gegessen habe. Vietnamesisch.
 Vermutlich das beste Eis meines Lebens.
Manchmal bin ich ein echter Genießer.
Die Rückfahrt fand standesgemäß überwiegend auf der rechten Spur statt und dauerte nur sechseinhalb Stunden inkl. Pausen.

Berlin

Die Anreise
Die Sonne
scheint und es liegen etwa 500 Kilometer vor mir. Perfekte Bedingungen für den
Benz also. Die Klimaanlage auf eine angenehme Temperatur stellen und mit 170
km/h über die Autobahn gleiten, so ist es einfach herrlich. Dennoch habe ich
mich anders entschieden und sitze nun im Coupé. Warum ich den Luxus des Benz
gegen die Reise im Alltagsauto getauscht habe? Die Parkmöglichkeiten vor Ort
schienen mir fragwürdig und unangemessen für den Benz. Und während ich so über
die Autobahn fahre, frage ich mich, warum ich mir das antue. Statt flott
voranzukommen, fahre ich meist um die 120 km/h, weil das Coupé ab 140 nicht
mehr wirklich Freude bereitet und ab 160 zu viel Konzentration fordert. Ob es
tatsächlich am Coupé liegt oder doch an mir, weiß ich nicht, ist auch
unwesentlich, da nicht mehr zu ändern. Die Autobahn ist recht  leer und ich fahre zumeist auf der rechten
Spur. Lediglich die Mittelspurblockierer zwingen mich immer wieder auf die
linke Spur, weil man nicht rechts überholen darf. Wenn ich diese
Mittelspurblockierer beim Überholen anschaue, sehe ich meist dumme Gesichter,
die vermutlich zu geistigen Flachpfeifen gehören. Ich weiß nicht, ob es gut
ist, dass die Auto fahren dürfen.
Nach einer
Weile vermisse ich die Mittelarmlehne, die mir im Benz bei längeren Fahrten
eine bequemere Sitzposition gestattet. Dafür ist der Klang im Coupé besser und
so werde ich fast während der ganzen Fahrt von Modern Talking begleitet. Ich
wusste gar nicht, dass ich so viele Lieder von denen habe.
Der erste Abend
Nachdem ich gut
sechs Stunden angereist bin, ziehe ich in mein winziges Zimmer mit Bad und
mache mich auf den Weg, um Nahrung aufzunehmen. Die Möglichkeiten sind
vielfältig und ich entscheide mich für ein asiatisches Restaurant in dem kaum
Leute sind. Dort setze ich mich in eine Ecke, so dass ich niemanden sehen muss.
Dabei wollte ich genau das nicht tun. Ich wollte mit diesem im Abseits sitzen
aufhören. So stelle ich mir die Aufgabe für den Abend. Ich muss mich in
irgendeinen Biergarten setzen und dort was trinken. Etwas, was ich sonst nicht
tun würde. Aber ich kann den Abend ja kaum in meinem Zimmer verbringen. Das
wäre albern. So wandere ich nach dem Mahl los. Mal ist es mir zu voll, dann zu
leer. Dort kann ich nicht sitzen, weil alles essen und ich nicht trinken will
und woanders kann ich mich nicht hinsetzen, weil, ja, warum eigentlich nicht?
Genau, weil ich etwas gestört bin.
Nachdem ich
über eine Stunde umhergewandert bin, finde ich einen geeigneten Platz. Zwei
Tische, durch Pflanzen von allen anderen Tischen getrennt, scheinen meinen
Ansprüchen zu genügen. Niemand würde sich freiwillig dort hinsetzen, wenn
woanders genug Platz ist. Woanders ist viel Platz und ich nehme Platz. Doch
noch geschafft. Ich bestelle einen Ananasnektar und sitze eine Stunde einfach
so da, beobachte die Menschen und habe das Gefühl, dass hier keiner in meinem
Alter ist. Wo sind die älteren Menschen nur hin?
Der zweite Tag
Am nächsten Tag
bin ich ganz Tourist, fahre mit der Bahn zum Alexanderplatz und steige dort in
einen Touristenbus. Die Sonne brennt und ich bereue, dass ich nicht mehr Sonnenschutz
aufgetragen habe. Beim zweiten Halt steige ich schon aus, weil man dort eine
Schiffstour machen kann. Schiffstouren ziehen mich magisch an. Und so kaufe ich
ein Ticket für die kleine Rundfahrt, sitze in der prallen Sonne und spüre, dass
ich anbrenne. Ansonsten genieße ich aber die kleine Tour. Anschließend wird
wieder asiatisch gespeist, bevor ich in den Bus steige und die Touristenrundfahrt
fortsetze. An manchen Stationen steige ich aus, mache Fotos, renne hin und her
und bin beschäftigt. Danach klettere ich zurück in einen Bus und merke, dass
der Sonnenbrand behandelt werden muss. Am Schloss Charlottenburg steige ich
aus. Aber nicht, um das Schloss zu bewundern, sondern um mir eine Creme für
meine verbrannten Arme und das angeschmorte Gesicht zu kaufen. Nachdem ich
eingecremt bin, lasse ich mich mit dem Touristenbus zum Ausgangspunkt
zurückbringen. Es scheint so als könnte ich gut alleine verreisen.
Lucy
Nachdem ich
mich etwas erfrischt habe, treffe ich mich am Abend mit Lucy. Lucy habe ich vor
über zehn Jahren über einen Blog kennengelernt und nun können wir uns endlich persönlich
kennenlernen. Dieses Treffen hat einen großen Anteil daran, dass mein Reiseziel
Berlin wurde und ich nicht mit etwas leichterem meine Alleinreisekarriere
gestartet habe.
Lucy ist fast
70 und damit unwesentlich älter als ich es bin. Wir verstehen uns so gut wie am
Telefon und gehen erst etwas essen und sitzen später irgendwo herum, um eine
Kleinigkeit zu trinken und über dies und das zu philosophieren. Möglicherweise
reden wir aber auch nur Unsinn. Bis nach Mitternacht dauert unser Treffen, dann
bin ich wieder auf meinem Zimmer und denke  darüber nach, dass dieses ganze altwerden und alt
sein schon eine ziemliche Scheiße ist. Im Geiste noch in der Pubertät hat man
einen Körper, der einfach so verrottet. Wäre ich nicht so müde, würde ich da
noch Stunden drüber nachdenken.
Über Berlin
Den Tag
verbringe ich zunächst am Leipziger Platz. Mit dem schnellsten Aufzug Europas
werde ich auf etwa 100m Höhe gebracht und betrachte Berlin von oben. Etwas, was
ich neben Schiffstouren, sehr mag. Das ist schräg, denn zum einen habe ich
Höhenangst, zum anderen kann ich nicht schwimmen. Da erscheinen meine Vorlieben
irgendwie widersprüchlich. Nachdem ich alles gesehen habe gönne ich mir ein
asiatisches Mahl in der Mall of Berlin. Es folgt ein Besuch bei den
Mauerresten. Diese sind ein weiterer Beweis dafür, dass Menschen völlig
beschränkt sind. Wie käme man sonst auf die Idee so eine Mauer mitten in eine
Stadt zu bauen und auf Leute zu schießen, die gerne die Seite wechseln wollen?
Menschen sind echt zu blöd. Wie so minderwertige Lebewesen schon über einen so
langen Zeitraum existieren können, werde ich nie verstehen.
Nachdem ich mir
in den nächsten Stunden noch einiges angesehen habe, geht es zurück zum
Alexanderplatz. Dort besuche ich die Aussichtsterrasse
Radisson Park Inn. Ganz alleine genieße ich dort die Aussicht und bin
unzufrieden, weil ich morgen abreisen muss. Ich suche nach Übernachtungsmöglichkeiten,
finde aber nichts, was meinen geringen Ansprüchen genügt.
Noch einmal Lucy
Den letzten Abend in Berlin verbringe ich
wieder mit Lucy. Wieder sind wir einen Tag älter und mir scheint es als wären
um uns herum nur junge und attraktive Menschen. Ich war noch nie attraktiv, aber
immerhin mal jung. So muss ich wenigstes niemals traurig sein, dass ich
irgendwann meine Attraktivität verliere. Dank dieser Erkenntnis kann ich den
Rest des Abends beruhigt weiter Menschen beobachten. Dann heißt es Abschied
nehmen. Ich glaube nicht, dass wir uns je wiedersehen, weil wir beide nur noch
eine begrenzte Lebenserwartung haben und Berlin einfach zu weit weg ist.
Abreisetag
Pünktlich räume ich mein Zimmer und
beklage mich als ich die Schlüssel abgebe, dass ich eigentlich noch bleiben
will. Leider ist mein Zimmer aber schon vergeben und auch die anderen Zimmer hier
sind belegt. Doch der Mann vom Apartment hat eine Idee. Er ruft in anderen
Pensionen an und findet tatsächlich in unmittelbarer Nähe ein Zimmer für mich. Ich
ziehe also für eine Nacht um und bleibe.
Sommersonnenwende
Den Tag verbringe ich ganz entspannt am
Alexanderplatz, hänge einfach nur rum und als ich am Abend zurück in Prenzlau
bin, finde ich mich inmitten von Menschenmassen wieder. Das alljährliche
Sommersonnenwendefest findet statt und ich bin mittendrin. Hübsche Menschen,
wobei ich da nur auf die Frauen achte, soweit das Auge reicht und mittendrin
ein fast fünfzigjähriger Sakkoträger, der so gar nicht her zu passen scheint. Dummerweise
bin ich dieser alte Sack. Obwohl ich so Menschenmassen nicht mag, lasse ich
mich in der Masse treiben. Als wäre ich ein Teil des Ganzen. Vermutlich bin ich
es auch.
Gegen 22.00 Uhr bin ich zurück in meinem
Zimmer, betrachte mich im Spiegel und erkenne mich kaum. Diese alte Hülle passt
nicht zum Kern. Selten kam ich mir dermaßen bewusst so gealtert vor. Egal, wie
lange ich nicht zum Friseur gehe, wieviel Cremes ich benutze, da ist nichts zu
retten. Ich bin jetzt in einem furchtbaren Alter. Die Zeit läuft ab, da kommt
nicht mehr viel. Erst recht nicht, wenn man seinen Alterungsprozess nicht
irgendwann akzeptiert. Frauen unter 30 sehen mich nicht mehr und in ein paar
Jahren kann ich nur noch hoffen, dass sie mich mal aus Mitleid über die Straße
führen oder fragen, ob der Opi verwirrt ist und sich verlaufen hat. Es wird
auch nicht besser, wenn ich noch länger vor dem Spiegel stehe. Also verlasse
ich noch einmal das Zimmer, um ein wenig umherzuwandern. Nur nicht zu viel
nachdenken, sonst muss ich am Ende noch kotzen.
Zurück zu mir
Am nächsten Morgen mache ich mich auf den
Heimweg. Berlin hat mir gut gefallen und es war sehr entspannt. Ich habe gut
gegessen, meist gut geschlafen und bin durchaus in der Lage alleine zu
verreisen. Diese Erkenntnis lässt hoffen, denn so erscheint es möglich, dass
ich meinen Plan, zweimal pro Jahr ein paar Tage wegzufahren, umsetzen kann.
Vorausgesetzt ich kann es mir leisten.
Während der unendlich erscheinenden
Autobahnfahrt bin ich mehrmals kurz davor einzuschlafen und habe Glück, dass
auch heute nicht wirklich viel Verkehr ist. So weite Autofahrten sind nichts
für mich und ich muss meinen nächsten Urlaub in geringerer Entfernung verbringen.
Letztlich bin ich durchaus erleichtert als ich nach etwa sechseinhalb Stunden
heile zu Hause ankomme. Der Alltag hat mich wieder. Fast schon enttäuschend.

Berlin, ich komme

Seit Jahren
steht der Plan, dass ich mal alleine ein paar Tage Urlaub mache, um zu sehen,
wie ich in freier Wildbahn so klarkomme. Endlich testen, ob ich fernab meines
gewohnten Umfelds Überlebensfähig bin. Eine Antwort finden, ob ich in einer
fremden Stadt mein Zimmer verlassen werde oder stupide dort in meinem Zimmer
vor dem Fernseher sitze.
Somit trifft es
sich gut, dass diverse Umstände mich nun dazu veranlasst haben, ein Hotelzimmer
in Berlin zu buchen. 15m² mit eigenem Bad. Mehr brauche ich nicht. Und so
beginnt Mitte Juni eines meiner größten Abenteuer. Allein in einer fremden
Stadt, gut 500 km von meiner Wohnung entfernt. Es wird damit die zweitweiteste
Reise meines Lebens. Anreisen werde ich im Coupé, weil ich meinen Benz nicht
solchen Gefahren aussetzen mag. Bis acht Tage vor dem Abreisetag kann ich das
Zimmer noch kostenlos stornieren. Eine Sicherheit, die mir sehr wichtig ist.
Nur für den Fall, dass mir das Abenteuer doch zu groß ist und ich es mit der
Angst bekomme. Ansonsten heißt es tatsächlich bald: Berlin, ich komme.