Verkalkungen

Weil mein Hausarzt vor einigen Monaten erkannt hat, dass die Verkalkungen meiner Bauchschlagader im Gegensatz zum letzten Jahr schlimmer geworden sind, sitze ich nun im Wartezimmer eines Kardiologen in Waltrop. Nachdem mein Hausarzt mir letztes Jahr bereits diese Verkalkungen bestätigt hat, besuchte ich einen Kardiologen in Lünen, der keine Verkalkungen entdecken konnte. Eine dritte Meinung erscheint mir daher mehr als angebracht.

Während der Untersuchung wird festgestellt, dass alles in einem meinem Alter entsprechenden Zustand ist. Verkalkungen kann auch dieser Kardiologe nicht erkennen, weshalb vermutlich davon ausgegangen werden muss, dass mein Hausarzt, der zum Glück nun im Ruhestand ist, entweder einen an der Waffel hat, oder eben mehr erkennen kann als ein Kardiologe es kann. Dieser Kardiologe möchte, dass ich im April ein Belastungs-EKG machen lasse und einmal im Jahr zur Untersuchung komme, da eine familiäre Vorbelastung gegeben ist. Da kann man nicht vorsichtig genug sein. Klingt durchaus logisch, weshalb ich davon ausgehe, mich regelmäßig untersuchen zu lassen. Bevorzugt in den Wintermonaten, weil da der Benz abgemeldet ist und nicht zur Werkstatt muss. Die Zeit kann ich also prima nutzen, um mich warten zu lassen. Ich bin wirklich prima durchstrukturiert.

Nachtblindheit und Schneeprobleme

In der Dunkelheit kann ich schon lange nicht mehr gut sehen, doch solange ich nicht Auto fahre, ist es kein Problem. Beim Autofahren sieht es dann schon etwas anders aus. Da muss ich mich schon ziemlich konzentrieren. Wenn es dann noch regnet und andere Autos mich blenden, wird es fast schon absurd. Dann suche ich nach Fahrbahnmarkierungen und stelle immer häufiger fest, dass diese kaum noch zu erkennen sind, weil die schon alt und völlig verblasst sind. Ich suche Anhaltspunkte am Seitenrand und wundere mich dennoch immer wieder, dass ich dazu neige von der Straßenmitte angezogen zu werden, ohne je den Plan gehabt zu haben, zur Mitte abzudriften. Auf der Autobahn, wenn vor mir gebremst wird, kann ich nicht einschätzen, wie stark da jemand bremst, halte unfassbar großen Abstand und hasse es, wenn sich jemand dicht bei meinem Coupé ans Heck hängt, weil er vermutlich selbst nichts sieht und so dicht auffährt, um sich orientieren zu können. Dass ich nicht alleine unter der Nachtblindheit leide, die zu einer gewissen Orientierungslosigkeit führt, erkenne ich auch oft, wenn irgendwer vor mir abbiegen will, wo es nichts abzubiegen gibt. Auf den Straßen sind definitiv noch Leute unterwegs, die weniger sehen als ich. Wirklich beruhigen kann mich das aber nicht.

Ein weiteres Problem stellen verschneite Straßen für mich da. Es ist gut, dass dies nur relativ selten vorkommt. Verschneite Straßen bieten nicht wirklich Halt und lassen mich zu einem echten Verkehrshindernis werden. Für mich und andere Verkehrsteilnehmer wäre es fast besser, ich würde die Strecke laufen und aufs Auto verzichten. Denn so wie ich fahre, würde ich zu Fuß auch kaum Zeit verlieren. Sobald die Räder auch nur minimal durchdrehen ist für mich der Spaß vorbei. Dabei fand ich es anfangs, als ich noch nicht lange meinen Führerschein hatte, mitunter spaßig und faszinierend, spontan zu beschleunigen und das Heck ein wenig ausbrechen zu lassen. Mittlerweile meide ich Schneefahrten, wann immer es möglich ist, weil sich das Fahren auf so einem Untergrund nicht gut anfühlt. Da fehlt mir die hundertprozentige Kontrolle, oder wenigstens das Gefühl der Kontrolle. Das ist ein Zustand, den ich einfach gar nicht leiden kann. Kontrolle ist alles.

Das eine und das andere Ich

Ich kann nicht behaupten, dass ich normal  bin. Oft glaube ich, dass mindestens zwei Personen in mir stecken. Wie bei einem 2 in 1 Pflegeprodukt. Diese Produkte kann man auch meist vergessen. Es gibt ein Ich, welches ich durchaus brauchbar finde. Dieses beobachtet meist alles, schweigt größtenteils und wenn es mal etwas zu sagen hat, dann ist es meist treffend. Es redet nie zu viel und scheint auch das intelligentere Ich zu sein. Dieses Ich wäre vollkommen ausreichend für mich doch dieses Ich schafft es leider nicht, sich gegen das andere Ich durchzusetzen. Dieses andere Ich redet zu viel und denkt zu wenig. Oder denkt erst, nachdem es geredet hat, versucht dann zu retten, was nicht zu retten ist, und macht alles nur noch peinlicher. Es ist definitiv das dümmere Ich. Dieses Ich würde ich zu gerne töten, weil es nicht nur unnütz ist, sondern mich auch immer wieder aufs Neue wie einen Vollpfosten wirken lässt. Das ist furchtbar, vor allem, wenn es vom anderen Ich bemerkt wird, was eigentlich immer der Fall ist. Dann fehlen dem eh meist schweigsamen Ich völlig die Worte. Etwas, was meinem anderen Ich sehr gut zu Gesicht stehen würde. Und so muss ich dieses vollkommen dämliche Ich, welches mit zunehmendem Alter auch immer mehr das andere Ich in den Hintergrund schiebt, vermutlich bis an mein Lebensende ertragen und hoffe inständig, dass ich es irgendwann zum Schweigen bringen kann. Dieses Ich ist einfach eine Zumutung und viel zu präsent. Vielleicht sollte ich einfach nicht mehr mit anderen Menschen reden, dann hat das dumme Ich endlich Sendepause.

Anspruch und Nutzen

Seit fast fünfzig Jahren schaffe es nicht meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Nicht einmal annähernd. Ich schaffe es nicht einmal mich zu mögen. Ich versuche Verhaltensmuster zu ändern, scheitere aber fast immer kläglich, so dass ich die Ernsthaftigkeit meiner Bemühungen hinterfragen muss. Gibt es doch mal Veränderungen, sind sie mir zu klein, um mich nachhaltig zufrieden zu stellen. Manchmal ist es echt schwer mich zu ertragen. Besonders in der dunklen Jahreszeit, deprimiere ich mich besonders. Ich bin echt eine einzige Enttäuschung und frage mich, welchen Nutzen mein Dasein wohl haben könnte. Vermutlich diene ich ausschließlich zur Unterhaltung der Macher dieses Spiels, das sich Leben nennt, und bin ausschließlich zu deren Belustigung hier platziert worden. Mehr Sinn kann es jedenfalls kaum haben, mich auf diesem Planeten, oder auf diesem Spiellevel, abgesetzt zu haben.

Immerhin war mir schon früh klar, dass ich nicht dazu gemacht wurde, um mit einem anderen Lebewesen zusammen zu wohnen. Wenn nämlich jemand mit mir zusammen leben müsste, hätte ich ständig ein schlechtes Gewissen, der Person so etwas zuzumuten. Ich würde auch nicht mit mir wohnen, wenn ich nicht müsste. Ich frage mich, ob ich bis zum Ablauf meiner Spielzeit noch herausfinde, welchen Nutzen ich wohl habe.

Geld ausgeben fürs Alter

Kaum höre ich in den Wintermonaten für einen Moment auf, Rechnungen für irgendwelche Autoreparaturen zu bezahlen, zahle ich für die Widerherstellung eines erträglichen Gesamtzustandes meines Körpers. Und für Blutuntersuchungen und irgendwelche Mittelchen, die mich von innen heraus stärken und attraktiv machen sollen. Es ist wenig verwunderlich, dass ich niemals auch nur einen Cent spare. Ich tue wirklich alles, um die Altersarmut zu erreichen und in vollen Zügen auszukosten.

Wenn alles gut läuft und mit ganz viel Glück, kann ich ein vitaler Rentner mit einem gepflegten Fahrzeug, welches im Optimalfall sogar noch fahrbereit ist, werden, der sich zwar nichts mehr leisten kann, von innen aber voll attraktiv ist und gut vorgesorgt hat. Nur halt nicht finanziell.

Dorn und Breuss

Als ich Anfang Oktober zur Dorntherapie mit anschließender Breuss-Massage war, hatte ich nicht viel erwartet, sondern war nur neugierig, ob mir das mehr hilft als die üblichen Thai-Massagen. Es war spannend, ich kam in den Genuss einer pneumatischen Pulsationstherapie und bekam zum Abschied Kinesio-Tape auf den Rücken geklebt. Ich fand alles sehr entspannend und befand mich schon bald in einem dermaßen guten Zustand, wie schon lange nicht. Meine Nackenschmerzen waren deutlich reduziert, selbst meine Darmprobleme waren fast weg und obendrein fühlte sich mein Knie besser an. Da ich skeptisch bin, wollte ich die Behandlung nicht dafür verantwortlich machen. Weil ich nicht wusste, ob vielleicht das Kinesio-Tape Grund für die Verbesserungen war, ließ ich es elf Tage auf meinem Rücken. Während der ganzen Zeit ging es mir relativ gut. Der nächste Termin zur Thaimassage verlief auch anders als erwartet. Die Masseurin hatte kaum was zu tun, die Verspannungen waren gering und wir waren irritiert, weil das normalerweise nicht so ist. Zwei Wochen später folgte die nächste Thaimassage und wieder war ich relativ wenig verspannt. Lange war ich nicht mehr über einen so langen Zeitraum fast Beschwerdefrei. Waren Dorn und Breuss verantwortlich?
Eine Woche nach der Thaimassage und fast sieben Wochen nach der Dorn-Breuss-Behandlung wurden die Darmprobleme schlimmer, der Nacken verspannter und auch das Knie meldete sich zurück. Unverzüglich vereinbarte ich einen Termin in der Naturheilpraxis in Bochum. Ich wollte den guten Zustand zurück.

Ich bekam recht schnell einen Termin und nun bin ich in der Praxis, um mich erneut reparieren zu lassen. Die Heilpraktikerin fragt, welche Behandlung ich wünsche. Da ich nicht weiß, was genau damals geholfen hat, soll sie das entscheiden. Weil ich eh gerade da bin, erzähle ich auch gleich von meinen Knieproblemen. Dann darf ich mich ausziehen. Also nicht völlig, die Unterhose, ich habe extra eine frische angezogen, darf ich anbehalten. Mir ist das immer peinlich, wenn man mich so sieht. Untergewichtig mit Bauchansatz, mieser Köperhaltung und völlig Muskellos. Das ist nicht schön. Dazu bin ich so weiß, dass man eigentlich kein Licht machen müsste, um es hell genug zu haben. Mich so einer Frau zu zeigen, ist mir wirklich peinlich, aber es ist ja für einen guten Zweck und somit unvermeidlich.
Zunächst wird das Knie untersucht und eine Stelle am Muskel gefunden, die vermutlich mein Leid verursacht. So weit war noch kein Orthopäde bisher. Aber Orthopäden sind ja auch meist nur Routineäffchen. So beginnt die Behandlung des Knies mit der pneumatischen Pulsationstherapie, gefolgt von einer Art Massage, die durchaus wehtut. Gereizt und verklebt sind die Muskeln. Mehrere Behandlungen werden nötig sein, um das zu verbessern. Und die Krankenkassen zahlen nix. Zum Abschluss der Kniebehandlung lasse ich mir ein Akkupunkturpflaster aufkleben. Was es nicht alles gibt. Es folgt die Behandlung und Massage der Wirbelsäule. Alles sehr angenehm und sicher gut für mich. Abschließend wird mir ein wenig Procain in den Nacken injiziert und ein Kinesio-Tape angebracht. Erst jetzt stelle ich fest, dass ich neunzig Minuten behandelt wurde und mir wird bewusst, dass ich schon bald die Rechnung zahlen muss. Doch das ist erstmal egal, denn die Behandlung hat mir sichtlich gutgetan und ab und zu muss man sich auch mal was gönnen. Nun heißt es abwarten, ob und wie lange mein Zustand als verbessert angesehen werden kann.

Facharztroutinen

Mindestens sechs Jahre hindern mich Knieschmerzen schon am Joggen. Diverse Ärzte habe ich konsultiert und nicht einer konnte auch nur ansatzweise helfen. Und eigentlich hatte ich mit dem Thema auch abgeschlossen, doch da ich nun seit über einem Jahr gar keinen Sport mehr mache, wollte ich einen letzten Versuch wagen, bevor ich mich endgültig in die Altersbewegungslosigkeit verabschiede.

Bevor ich überhaupt vom Arzt untersucht oder befragt werde, schickt man mich erstmal zum Röntgen, was mir merkwürdig vorkommt. Aber letztlich ist es auch egal, denn egal ob vor oder nach dem Gespräch, röntgen ist sowieso Pflicht. Das kenne ich nicht anders und es führte bisher immer nur zu der Aussage, dass man auf den Röntgenbildern nicht wirklich was erkennen kann. So auch heute. Ich erzähle dem Arzt von meinen Beschwerden, er guckt sich das Knie an, biegt etwas, drückt etwas und kann, wer hätte das gedacht, nichts feststellen. Also ordnet er eine MRT-Untersuchung an. Gab es irgendwann auch schon mal, wenn ich mich recht erinnere. Doch da ich mir vorgenommen habe ein letztes Mal alles mitzumachen, soll es halt so sein. Dazu schreibt er mir fünf Ultraschallbehandlungen auf. Ich habe zwar derzeit keine Beschwerden, weil ich nicht jogge, aber Ultraschall hatte ich noch nicht, da kann man das ja einfach mal mitnehmen. Immerhin sagt er nichts von möglichen Zuzahlungen. Weil es gerade so gut läuft, möchte er mir noch ein Tens-Gerät aufschreiben. Ich weise darauf hin, dass ich schon eins habe und das Thema ist durch. Ob und wie ich das nutze, wird nicht gefragt. Warum auch? Sollte beim MRT nichts festzustellen sein, werde ich an einen Kniespezialisten überwiesen. Damit verabschiedet sich der Arzt und die junge Frau, die alles mitnotiert hat, macht die Überweisung fertig und wünscht mir gute Besserung. Perfekte Routine vom ersten bis zum letzten Moment.
In der Therapieabteilung lasse ich mir die Termine für die Ultraschallbehandlung geben. Das bedeutet, ich fahre bald für Behandlungen, die zehn Minuten dauern, fünfmal nach Waltrop. Die letzte Behandlung ist im Januar. Wieso bin ich nur so skeptisch, dass es irgendwas nützen wird?

Der MRT Termin findet am 05.12. in Castrop-Rauxel statt. Danach wissen wir vielleicht mehr, oder weiterhin nichts. Ich sollte mir echt ein anderes Hobby zulegen, anstatt mich irgendwelchen Arztroutinen hinzugeben. Oder bin ich nur zu skeptisch und dieses Mal wird alles anders, auch wenn es nicht so scheint?

Sextraumtrilogie

Sexträume hatte ich mir für eine lange Zeit abgewöhnt, dann gab es vor einer Weile wieder eine Phase und als sie vorüber war, dachte ich eigentlich, dass Schluss damit ist. Schließlich bin ich keine 27 mehr. Doch in den letzten Tagen ging es wieder los. Abgesehen davon, dass ich nach einem Sextraum immer wieder wach werde, bringt das auch sonst keine Vorteile. Doch irgendwie hat sich da eine Sextraumwelle eingeschlichen. Eigentlich besteht der Traum aus drei Sequenzen, die wohl irgendwie zusammen gehören. Sie folgen nicht aufeinander und maximal zwei dieser Szenen finden in einer Nacht statt.

Teil 1: Ich liege mit einer Frau im Bett. Wir sind nackt, unsere Körper engumschlungen. Wir küssen und berühren uns. Es ist total erregend sie zu spüren, ich bin völlig entspannt und genieße diese Nähe. Doch dann will ich wissen mit wem ich da im Bett bin und öffne die Augen. Die Frau, die ich sehe, will ich nicht. Ich weiß, sie ist etwas schlichter und überhaupt nicht mein Typ. Viel zu schlicht, um erotisch zu sein. Ich mag ihr Gesicht nicht, obwohl sie nicht hässlich ist. Aber es strahlt eben nicht wirklich etwas aus. Ich versuche mich aus der Umarmung zu lösen, doch sie ignoriert mich völlig und bald gebe ich auf und genieße wieder die Berührungen, ihre Hände auf mir, ihre Wärme. Kurz bevor ich in sie eindringe wird mir wieder bewusst, dass ich sie nicht will. Ich sehe sie an und versuche sie von mir wegzustoßen. Sie reagiert so gar nicht und ignoriert alles, was ich unternehme. Für sie scheint alles nur ein Spiel zu sein und dann lasse ich los, schließe die Augen und spüre nur noch, was sich gut anfühlt. Ich habe keine Chance und gebe mich der Situation hin. Doch bevor es zum Höhepunkt kommt wache ich entweder auf oder befinde mich plötzlich an einem anderen Ort in einem anderen Traum.

Teil 2: Ein Restaurant, eine Lounge oder auch ein Bürokomplex. Wirklich weiß ich es nicht. Es sind jedenfalls immer mal andere Leute da, die sehen, wie ich mit einer Frau in einer Ecke sitze. Die Frau sitzt auf mir, wie küssen und berühren uns. Es ist erregend und macht mich total an. Doch auch hier kann ich mich nicht völlig drauf einlassen. Da sind zum einen die Leute, die uns immer wieder beobachten, wir sind übrigens nicht nackt, und zum anderen ist auch diese Frau mir zu schlicht und ich will sie einfach nicht. Doch immer, wenn ich mich entziehen will, fasst sie in meine Hose, steckt mir die Zunge ins Ohr, oder macht andere Dinge, die mich völlig den Verstand verlieren lassen. So kann ich nicht weg, fühle mich beobachtet und bin doch zu erregt, um endlich zu gehen. Ich bin schwach und habe selbst gegen eine Frau, die ich nicht will, keine Chance. Irgendwann genieße ich nur noch und werde wach bevor ich erlöst werde. Dann liege ich verwirrt im Bett mit einer unnötigen Erektion und frage mich, was das wohl soll.

Teil 3: Wieder befinden wir uns in Gesellschaft. Eine private Party scheint es zu sein. Ich sitze neben einer jungen, attraktiven Frau. Viele auf der Party hier finden sie toll, doch ich sitze neben ihr, was mich ein wenig stolz macht. Ich fühle mich zu ihr hingezogen, weiß aber, dass ich zu alt bin und keine Chance bei ihr habe. Also sitze ich nur da und genieße ihre Nähe. Etwas später liegt sie entspannt in meinem Arm, ich bin total erregt, bleibe aber ganz anständig und genieße nur ihren warmen Körper an meinem. Wir sind natürlich angezogen, weil alles andere zu absurd wäre. Ich schlafe ein. Als ich wach werde hat sie sich ausgezogen, ist völlig nackt, und wir befinden und unter einer große Decke. Jeder, der auch im Raum ist, kann sich seine Gedanken machen, doch sehen sollte niemand etwas. Ich betrachte die junge Frau. Warum tut sie das? Hier sind so viele andere Männer, warum liegt sie hier neben mir? Ich sehe, dass sie sich streichelt, was mich sehr erregt. Doch ich bin auch immer darauf bedacht, dass niemand etwas bemerkt, daher kann ich immer nur kurz genießen, was sich hier abspielt. Sie hat die Beine gespreizt, spielt mit ihren Fingern an sich rum, stöhnt sanft und ich bin völlig erregt und begeistert. Sie nimmt meine Hand, legt sie zwischen ihre Beine. Sie ist feucht, ich massiere sie, dringe mit einem Finger in sie ein, während sie mit einer Hand in meiner Hose ist. Ihr Stöhnen wird lauter. Das geht so nicht. Wir fallen auf. Ich versuche ihr klarzumachen, dass sie leiser sein muss. Da ich meine Hand weggezogen habe, befriedigt sie sich nun wieder selbst. Ich schaue zu und ihr Stöhnen wird lauter. Das geht nicht, also unterbreche ich sie, sage, dass wir woanders hin müssen, weil hier noch andere Leute sind. Enttäuscht und genervt sagt sie, dass ich sie nicht attraktiv finde, ihren Körper nicht mag und lässt mich zurück. Das ist nicht wahr, sie ist perfekt. Doch jetzt ist sie weg. Dann wache ich auf und frage mich erneut, was das soll.

Im Herzen ein Arbeitsloser

Wenn ich mit Teilnehmern rede, sage ich sehr häufig „wir“ Arbeitslose. Auch privat spreche ich oft von mir als Arbeitslosen. Meine vielen Jahre als Arbeitsloser haben mich durchaus geprägt. Möglicherweise ist mir Arbeitslosigkeit aber auch schon in die Wiege gelegt worden und Zeiten in denen ich nicht arbeitslos bin, sind komplett wider meiner Natur. Im Herzen bin ich vermutlich einfach ein Arbeitsloser, der ab und zu von seinem Weg abkommt. Wenn mein Vertrag im März ausläuft, war es die längste Zeit der Nichtarbeitslosigkeit seit meiner Ausbildung.

Die letzten Tage habe ich verbracht, wie zu besten Arbeitslosenzeiten. Ich war faul, habe Filme konsumiert, Zeit vergeudet und mich nur gewaschen und anständig angezogen, wenn ich das Haus verlassen musste oder Besuch bekam. Die restliche Zeit war absolut nichts mit mir los. Es ist erstaunlich, wie schnell ich in alte Verhaltensmuster zurückkehre und es spricht sehr dafür, dass ich ein guter Arbeitsloser wäre. Ich glaube, dass ist einfach meine Bestimmung.

Ein Verlorener Namens Karl 3

Karl verwahrlost immer mehr und ich gehe ihm, wann immer es möglich ist, aus dem Weg. Immer, wenn er mich doch irgendwo erwischt, redet er davon, wie lange seine und meine Eltern schon tot sind und bekommt seine berüchtigten Heulanfälle, die meist tränenlos verlaufen . Sein Zustand wird immer schlimmer und es ist erschreckend, wenn man das so sieht. Heute ist wieder einer der Tage an dem ich ihm quasi direkt in die Arme laufe. Das kommt davon, wenn man nicht aufpasst.  Unerfreulicherweise hält er mir auch noch seine Pfote zur Begrüßung hin. Er ist wirklich nur noch eine Ruine. Im vorderen Bereich seines Unterkiefers befinden sich etwa vier Zähne. Dank mangelnder Pflege sind sie zu einem Zahnblock verschmolzen. Die Haare sind wunderbar ungepflegt und seine Kleidung wurde sicher mindestens ebenso lange nicht gewaschen, wie er selbst. Während er irgendwas erzählt, versuche ich mich so zu positionieren, dass der Wind in seine Richtung weht, da sein Gestank kaum zu ertragen ist. Manchmal bin ich kurz davor mich zu übergeben. Wie immer hält er sich die Hände vor den Mund und bekommt eine Art simulierten Weinkrampf, wenn er von seiner längst verstorbenen Mutter erzählt. Ich stehe dann einfach nur da und hoffe, dass er bald mit dem Unsinn aufhört. In der Regel fängt er sich rasch und redet dann weiter. Ich frage mich, wie so oft, ob es so kommen musste mit ihm, oder ob irgendetwas ihn hätte retten können, nachdem seine Mutter gestorben war. Ich werde nie eine Antwort bekommen.

Mittlerweile hat er sich angewöhnt beim Sprechen zu spucken, was für mich zum Glück recht ungefährlich ist, da ich wegen seines Geruchs einen ausreichenden Abstand halte, um nicht angespuckt zu werden. Meine Mutter würde ihm vermutlich gesagt haben, er solle sich mal waschen, ich sage nichts und achte nur auf ausreichenden Abstand. Als er nun kurz den Tod meiner Eltern erwähnt, droht ein erneuter Weinkrampf seinerseits. Glücklicherweise fällt ihm dann ein, dass er mir noch erzählen muss, dass er kürzlich einen Herzinfarkt hatte. Er ist so verwahrlost, dass ich nicht einmal Mitleid mit ihm empfinde. Erschreckend, aber es lässt mich völlig kalt. Als nächstes erzählt er mir wild gestikulierend, dass in seine Wohnung eingebrochen wurde und fast 4000 Euro gestohlen wurden. Vielleicht wäre das nicht passiert, wenn er nicht jedem von seinem Geld erzählen würde. Er ist so dumm, dass er eigentlich einen Betreuer bräuchte. Und eine Desinfektion.

Wie immer während unserer einseitigen Gespräche wünscht er sich, dass ich ihn mal besuchen komme. Diese fixe Idee wird er wohl mit ins Grab nehmen.  Als nächstes gratuliert er mir zu meinem vierzigsten Geburtstag, der im August war. Ich habe es aufgegeben ihm zu widersprechen. Zumindest sagt er heute nicht, dass er mein Vater sein könnte. Dann lädt er mich zu seinem sechzigsten Geburtstag ein, wenn ich in zwei Jahren noch lebe und Zeit habe. Auch so eine Marotte von ihm. Geburtstagseinladungen, die ich niemals annehme. Zeit ihm zu sagen, dass ich weiter muss. Wieder hält er mir seine Pfote hin. Was für eine unerfreuliche Angewohnheit. Ich werde meine Hände nachher zu Hause desinfizieren müssen und in Zukunft besser aufpassen, dass Karl mich nicht erwischt. Karl war vermutlich schon immer verloren und hätte nur jemanden gebraucht, der besser auf ihn aufpasst. Leider hatte Karl dieses Glück nicht.