Silvester 2011

Um 18.00 Uhr hole ich Susi und Snoopy aus Hamm ab. Als ich an der Haustür bin und klingele, höre ich zwei Hunde bellen. Ich mag es nicht besonders, dass Hunde derart bellen, wenn es an der Tür klingelt. Der Türöffner geht, eine Frau, die wider erwarten alles andere als rund und stämmig ist, lässt mich herein. Sie ist jung und schlank und würde sich sicher gut in meiner Sammlung machen. Ihren Namen vergesse ich sofort wieder, weil ich zu verwirrt bin. Am Telefon hätte ich schwören können, dass mich hier eine dicke Frau erwartet. Doch die Frau ist heute nicht das Thema. Heute geht es um Susi und Snoopy, zwei Jack Russell Terrier, die ich bis morgen beaufsichtigen muss, weil eben erwähnte Besitzerin kurzfristig arbeiten muss. Die beiden sind recht aufgeregt, als sie mich begrüßen. Susi, 10 Jahre, die auf einem Auge blind ist, tollt vergnügt auf dem Sofa herum, Snoopy, 9 Jahre, der eindeutig zu dick ist, wirbelt am Boden herum. Bin gespannt, wie sie es finden, wenn sie gleich in meinen Mercedes verladen werden.
Als die Besitzerin die Leinen holt, wird es hektisch. Die beiden wirbeln dermaßen verrückt durch die Gegend, dass es kaum möglich ist, sie anzuleinen. Und kaum sind sie an den Leinen, prescht Snoopy los. Und so habe ich an zwei recht kurzen Leinen, zwei wilde Kleinhunde. Und das bei Regen und Dunkelheit. Nachdem ich die beiden im Fußraum auf der Beifahrerseite verstaut habe, steige ich ein. Susi sitzt artig da, während Snoopy ständig auf den Sitz oder zu mir rüber klettern will. Dabei atmet er, als hätte er schweres Asthma und eine üble Bronchitis. Hin und wieder macht er auch noch andere merkwürdige Geräusche. Entweder ist er krank oder unfassbar nervös. Erst auf der Autobahn wird auch er ruhig, setzt sich neben Susi und die beiden schauen mich permanent an.

Zunächst besuchen wir meine Eltern. Kaum aus dem Auto zerren die beiden an ihren Leinen, dass ich fast völlig die Orientierung verliere. Wer hat die denn nicht erzogen? Snoopy kackt erst mal frech vor die Mülltonnen der Nachbarn. Und das, was bei ihm rauskommt, passt meiner Meinung nach mehr zu einem mittelgroßen Hund. Der braucht dringend eine Diät. Mit diesen beiden Wildtieren und bei dem Regen fühle ich mich jetzt schon ein wenig überfordert. In der Wohnung meiner Eltern sind die beiden auch völlig aufgedreht. Das war wohl keine so gute Idee mit dem Besuch. Zeit wieder zu gehen. Ich nehme aber meinen Vater mit. Ein Mensch pro Hund, erscheint mir leichter zu funktionieren. Doch wirklich begeistern kann diese Lösung auch nicht. Vor allem Snoopy zerrt an seiner Leine und ständig drängt er sich vor, wenn Susi irgendwo schnuppert. Kleiner, dicker Wichtigtuer. Nun kackt Susi zur Abwechslung auf eine Wiese. Mache ich natürlich nicht weg. Ich bin nämlich ein Arsch. Hunde, die zum ersten Mal bei mir sind, müssen scheinbar immer recht häufig Häufchen machen. Vermutlich eine völlig normale Stressreaktion. Ich glaube, ich bin da ähnlich. Nur, dass ich nicht auf irgendwelche Wiesen mache. Die beiden laufen übrigens gerne auf drei Beinen. Das rechte hintere Bein, lassen sie gerne mal in der Luft hängen beim Laufen. Ist das ein weit verbreitetes Phänomen oder bekomme nur ich solche Hunde?

In meiner Wohnung sitze ich zunächst mit zwei zitternden Hunden auf dem Fußboden und wir schauen gemeinsam Richtung Tür. Weil mich das wenig begeistert, stehe ich nach einer Weile auf und nehme auf meinem Sofa Platz. Die beiden sind immer noch nervös, aber nicht mehr so extrem. Susi will aufs Sofa. Darf sie aber nicht.
Als Manni später zu Besuch kommt, bekommen beide einen Keks von ihm und sind direkt entspannter. So einfach ist das also. Manni kann gut mit Hunden. Manni ist wohl eine Art Hundeflüsterer. Da bietet sich ein gemeinsamer Spaziergang an. Doch irgendwie klappt es auch mit dem Hundeflüsterer nicht wirklich. Die beiden rennen sich ständig über den Haufen und Snoopy drängt sich ständig in den Vordergrund. Dabei bin ich doch das Alphatier. Wir beschließen, getrennt zu spazieren. Manni bekommt Snoopy, ich Susi. Und schon ist es ein entspannter Spaziergang. Zwei Hunde sind nur dann eine gute Mischung, wenn sie vernünftig erzogen wurden. Bei Snoopy scheint das nicht funktioniert zu haben.

Susi bettelt später permanent um Aufmerksamkeit und einen Platz auf dem Sofa. Bekommt sie aber nicht. Nach einer Weile gibt sie auf und verschwindet ins Schlafzimmer. Als ich nachsehe, liegt sie im Bett. Sie hat sich in meine Trainingshose gewickelt und ist alles andere als einverstanden, als ich sie aus dem Bett hebe und ihr erkläre, dass das hier nicht so läuft. Sieht sie natürlich nicht ein und versucht es später erneut. Wieder liegt sie auf meiner Trainingshose. Ich hebe sie erneut aus dem Bett, nehme die Trainingshose mit und lege diese im Wohnzimmer an den für Hunde vorbereiteten Platz. Snoopy findet das toll und macht es sich sofort auf der Hose bequem. So war das aber jetzt nicht gedacht. Weil ich Susi nicht im Bett haben will, stelle ich die Eingänge zum Schlafzimmer zu. Findet sie doof, muss sie aber mit Leben.

Als um Mitternacht die Knallerei losgeht sind beide zunächst interessiert, dann aber eher verängstigt. Und so nehme ich die zitternde Susi auf den Arm, während Manni sich am Boden um Snoopy kümmert. Später als es draußen ruhiger ist, habe ich Susi noch immer auf dem Schoß und Manni sich wieder aufs Sofa gesetzt. Snoopy versucht nun alles auch aufs Sofa zu kommen. Doch Snoopy ist zu dick und schafft es nicht. Ich erkläre ihm, dass er sich mehr anstrengen muss und im neuen Jahr eine Diät machen, weil er sonst immer gehänselt wird und nie aufs Sofa kommt. Er versucht es noch ein paar mal erfolglos, gibt dann ratlos auf. Ich nenne ihn nur noch Dicker. Nach einem abschließenden Nachtspaziergang ist es an der Zeit zu schlafen. Sieht Susi aber gar nicht ein. Sie will nicht im Wohnzimmer schlafen und so versucht sie etwa eine halbe Stunde lang einen Weg ins Schlafzimmer zu finden. Als sie lautstark versucht das Hindernis vor dem Schlafzimmer, eine große Plastiktasche, zu überwinden, reicht es mir. Ich halte ihr einen Vortag, stelle einen Karton vor die Tasche und weise darauf hin, dass jetzt Ruhe ist. Und siehe da, es funktioniert. Warum nicht gleich so?

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