Maastricht

Es
kommt wahrlich selten vor, dass ich in den Urlaub fahre. Ebenso selten verlasse
ich das Land, um ein anderes Land zu begutachten. Zuletzt gelang mir ein Urlaub
im Ausland 2007. Und fast hätte es auch heute nicht geklappt. Doch dann geht es
bei strömendem Regen los. Ich kann mich noch gut an meinen letzten Urlaub im
Juni 2012 erinnern. Da hat es auch fast nur geregnet und war viel zu kalt. Ob
das wieder so wird?
Nachdem
wir die Grenze passiert haben und uns in den Niederlanden befinden, bleibt das
Wetter bescheiden. Dass wir Deutschland verlassen haben, erkennen wir besonders
gut an den Straßen, die in den Niederlanden in einem besseren Zustand sind. Als
wir etwa zweieinhalb Stunden nach unserer Abfahrt das Apart Hotel Randwyck
erreicht haben, fällt deutlich auf, dass ich nicht wirklich auf den Urlaub
vorbereitet bin. Denn in dem Hotel spricht man niederländisch und englisch. Niederländisch
ist mir völlig fremd und meine Englischkenntnisse sind nicht nur bescheiden, es
ist auch Jahre her, dass ich diese Sprache verwenden musste. Und so checke ich
mit meinen dürftigen Kenntnissen, und möglichst wenigen Worten, ein.
Erstaunlicherweise klappt das ganz gut.
Unser
Zimmer ist nett und fast so groß, wie meine Wohnung. Weil es spät und das
Wetter alles andere als berauschend ist, beschließen wir, im Hotel zu bleiben. Da
wir aber Hunger und Durst haben, muss ich dann doch noch mal raus und eine
Tankstelle finden. Ich finde die einzige Tankstelle, die noch geöffnet hat,
kaufe ein paar Kleinigkeiten und hoffe, dass niemand mit mir redet. Doch an der
Kasse werde ich von der Kassiererin angesprochen. Dummerweise verstehe ich kein
Wort von dem, was sie da sagt. Also gucke ich sie so beschränkt, wie ein dummer
Tourist gucken kann, an. Sie wiederholt ihren unverständlichen Satz und ich
gucke sie weiter wie ein Vollidiot an. Ihre Kollegin, die sich scheinbar mit
verwirrten Touristen auskennt, fragt mich dann auf englisch, ob ich eine Tüte
benötige. Ich verneine und entschuldige mich für meine Blödheit. Die
Kassiererin fragt, woher ich komme und schnell stellt sich heraus, dass sie
besser deutsch spricht als ich englisch. Ich komme mir ziemlich blöd vor und
bin froh als ich wieder im Auto sitze.
Am
nächsten Morgen fahren wir in die Stadt und stellen rasch fest, dass Parken
ziemlich teuer in Maastricht ist. Obendrein stellen wir fest, dass 13° nicht
wirklich begeistern können, wenn man im Sommerurlaub ist und keine warmen
Sachen eingepackt hat. Wir suchen einen Ort, an dem man frühstücken kann. Für
mich ist auswärtiges Essen etwas problematisch wegen meiner Weizenallergie,
weshalb ich den Urlaub damit verbringen werde Pommes und mein mitgebrachtes
Brot zu essen. Wir finden eine Art Cafe und gehen hinein. Agnes bestellt sich
eine Kleinigkeit und wir schauen uns in dem Laden um. Überall hängen
selbstgemalte Bilder. Darauf sieht man männliche und weibliche
Geschlechtsteile. Die Bilder sehen teilweise so aus als hätten Kinder sie
gemalt. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Möglicherweise ist das
Kunst. Oder einfach nur krank.
Wie
erwartet gibt es für mich zum Mittag Pommes für mich. Garantiert Getreidefrei. Erneut
muss ich feststellen, dass es nicht schaden würde, wenn ich besser englisch
sprechen könnte. Ich stelle mir vor, wie es wohl für die Menschen sein muss,
die ohne Sprachkenntnisse in ein fremdes Land kommen und da leben müssen. Ob
die sich da auch so blöd vorkommen, wie ich mir vorkomme, wenn ich wieder etwas
nicht verstehe? Wenigstens wird das Wetter langsam besser.
Am
dritten Tag finden wir einen Parkplatz, der maximal acht Euro pro Tag kostet.
Das ist fast schon ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass wir gestern 12 Euro
für etwa drei Stunden bezahlt haben. Das Wetter ist mittlerweile auch
angemessen und ich Nörgler aus Leidenschaft habe nichts mehr zu meckern. Um
mich herum entspannte Menschen, neben mir meine entzückende Freundin und alles
in einer wirklich schönen Stadt. Das muss Urlaub sein. Wenn das so weiter geht,
werde ich am Ende noch zu einem sympathischen Menschen.
Neben
den Straßen, die sich in einem guten Zustand befinden, fallen mir einige Dinge
auf, die mich überraschen. Die Menschen, die um uns herum sind, scheinen alle
viel entspannter zu sein als ich es gewohnt bin. Freundlicher und auch
umgänglicher. Radfahrer und Motorrollerfahrer scheinen einen besonderen Status
zu genießen und stets Vorfahrt zu haben. Es wird selten gehupt, noch seltener
geschimpft und auch optisch wirkt alles aufgeräumter als dort, wo ich wohnhaft
bin und meine Zeit verbringe. Die zahllosen dicken und zerzausten Menschen, die
mir sonst ständig über den Weg laufen, scheint es hier maximal in geringer
Anzahl zu geben. Miesepeter scheinen auch keine vorhanden zu sein. Alles ist im
Fluss. Ob das nur daran liegt, dass die Stadt am Fluss liegt, wage ich zu
bezweifeln. Die Niederländer scheinen ein sehr angenehmes Volk zu sein und je
länger ich hier bin, desto mehr wünsche ich, dass die Deutschen, zumindest die in
meinem Umfeld, auch so wären. Eine Kellnerin entschuldigt sich sogar bei uns
dafür, dass sie so schlecht deutsch spricht. Dabei sollten wir uns bei ihr
entschuldigen. Selbst die Hunde scheinen hier entspannter zu sein als woanders.
Je mehr ich mir das alles ansehe, desto weniger Interesse verspüre ich, wieder
zurück zu reisen. Wieso sind da, wo ich lebe,  nur so viele unentspannte Arschlöcher
unterwegs? Und wie kann man diese Menschen entspannen?
Leider
gehen Urlaubstage viel zu schnell vorbei und schon ist es Donnerstag und wir
müssen zurück. Kaum haben wir Deutschland erreicht, werden die Straßen voller
und schlechter. Und kaum sind wir zurück im Ruhrgebiet, fange ich schon an zu
meckern und werde zu einem dieser unentspannten Deppen, die so nervig sind. Ich
frage mich, ob es daran liegt, dass im Ruhrgebiet zu viele Menschen leben und
die Straßen verstopfen. Oder an der schlechten Luft? Der schlechten Erziehung?
Den Umständen? Der Einstellung? Von allem ein wenig? Ich weiß es nicht, will
aber versuchen, mich von all dem nicht zu sehr beeinflussen zu lassen. Denn
entspannter in Maastricht gefiel ich mir einfach besser.
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