Mein Weg zur Ausbilderprüfung 5

Neuer Tag, neue Dozentin. Eine Frau, Mitte 40 schätze ich, stellt sich uns als nette und lustige Dozentin vor. Und tatsächlich erinnert sie mich an Martina Hill. Es ist jedenfalls erstaunlich mit welch positiver Ausstrahlung sie uns umströmt. Nachdem sie uns eine Weile mit Wissen vollgestopft hat, soll eine Gruppenarbeit den Tag auflockern und uns weiter bringen. In meiner heutigen Gruppe gibt es leider keine Frauen. Nur den 60er Jahre Mann, der mich an irgendeinen Film erinnert und deshalb von mir so genannt wird, und einen sehr stillen, möglicherweise entspannten, anderen Mann. Er ist nur der dritte Mann. Ein besseres Pseudonym fällt mir für ihn nicht ein. Der 60er Jahre Mann übernimmt schnell die Führung. Fachlich und Unterhaltungstechnisch ganz großes Kino. So mag ich das. Fast im Alleingang erledigt er unsere Aufgabe. Weil er es kann und ich arbeitslos bin, wird er der dritte Mann auserwählt, unsere Arbeit vor der Gruppe vorzutragen. Während des
Vortrags streue ich den einen oder anderen  Witz ein, um die anderen Teilnehmer zu unterhalten. Fachlich ein Flop, unterhaltungstechnisch top. Bei der Prüfung wird mir das allerdings wenig
nützen. Ich bin halt ein hoffnungsloser Fall. Aber einer mit einem gewissen Unterhaltungswert. Immerhin.
Die letzte Pause des Tages verbringe ich, nachdem mein Sitznachbar spontan wieder ins Gebäude zurück ist, alleine vor eben diesem Gebäude und überlege, ob ich nun auch zurück gehe oder Kontakte knüpfe. Ich entscheide mich zu kommunizieren. Der Älteste und die Eifrige führen ein Gespräch. Bei ihnen steht der Ex-Raucher, der sich aber nicht wirklich am Gespräch beteiligt. Ich
stelle mich dazu, versuche etwas Small Talk mit dem Ex-Raucher und störe dann das Gespräch zwischen dem Ältesten und der Eifrigen. Die beiden siezen sich, was bei einem Altersunterschied von 30 Jahren vermutlich normal ist. Ich duze beide, weil ich definitiv nicht normal bin und alterstechnisch genau zwischen den beiden liege. Interessanterweise unterhalte ich mich fast nur mit der Eifrigen und dränge den Ältesten wohl irgendwie aus dem Gespräch, denn nach einer Weile geht er einfach. Der Ex-Raucher ist auch schon verschwunden, seinen Platz hat der 60er Jahre Mann eingenommen. Doch weil wir ihn nicht ins Gespräch mit einbeziehen, geht er bald wieder. Komisch. Und obwohl die Pause schon vorbei ist, stehe ich mit der Eifrigen noch draußen, weil sie ihre zweite Zigarette noch nicht aufgeraucht hat. Ich glaube, sie hat einen schlechten Einfluss auf mich. Aber weil ich es heute wieder interessant finde mit ihr zu kommunizieren, lasse ich mich davon nicht beirren. Als die Zigarette aufgeraucht ist, gehen wir zurück in den Klassenraum und ich frage mich, ob die anderen mich jetzt nicht mehr mögen, weil ich sie einfach ignoriert habe. Dann stelle ich fest, dass mir das egal ist und schon kurze Zeit später ist auch dieser Schultag vorbei.
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