Tinder und andere Merkwürdigkeiten

Der Klassiker unter den Apps bietet eine erstaunliche Anzahl an Frauen und darunter auch sehr viele, die Tinder, laut eigenen Angaben, nutzen, um den Partner fürs Leben zu finden und ONS und Freundschaft Plus komplett ablehnen. Dafür gibt es zwar dann andere Plattformen, aber egal. Vier verschiedene Fotos hatte ich auch hier in meinem Profil, darunter ein professionelles, von einer Fotografin angefertigtes, schwarz-weiß Foto.

In den ersten Tagen passiert wenig bis gar nichts, dann auf einmal habe ich zwei Matches kurz hintereinander. Beide sind aber auch schon wieder aufgelöst, noch bevor ich mir Gedanken darüber machen kann, wie ich mich angemessen verhalte. Vermutlich handelte es sich bei den beiden Matches lediglich um Versehen. Das kann ich gut verstehen, denn ich fand mich auch mal versehentlich für einen Moment gut.

Vier Tage vor Ende meines Experimentes erzählt der Loerz mir, wie Scheiße Tinder ist, dass es Zeitverschwendung ist, die Frauen, die man Online findet, gestört sind und man übers Internet überhaupt keine Frauen kennenlernen kann. Diese ganzen Plattformen sind Mist und ich frage mich, ob das derselbe Loerz ist, der vor gar nicht allzu langer Zeit ganz begeistert, fast schon euphorisch, von seinen Erfolgen berichtete. Habe ich mir all das nur eingebildet oder ist der Loerz zwischenzeitlich, wie bei „Die Körperfresser kommen“, von einer anderen Lebensform übernommen worden? Oder war Tinder für Loerz immer schon Müll und ich habe ihn mit einer anderen Person verwechselt, die durchaus Erfolg bei Tinder hatte? Verliere ich den Verstand oder leide ich lediglich unter Wahrnehmungsstörungen? Ich hoffe nicht. Doch warum auch immer ich tatsächlich dieses Experiment begonnen habe, ich werde es tapfer zu Ende führen und mich anschließend auf meines Geisteszustand untersuchen lassen bevor ich wieder Dinge tue, von denen ich hinterher nicht mehr weiß, warum ich sie tue.

Zu Beginn der zweiten Woche habe ich wieder ein Match. Es handelt sich dabei um eine junge, gutaussehende Frau, die etwas Festes sucht, gerne Kinder möchte und deshalb auf der Suche nach jemanden ist, der sie schwängert, weil es schwierig ist jemanden zu finden. Für mich ergibt das irgendwie keinen Sinn und da ich sie obendrein weder schwängern will noch kann, frage ich sie, ob es tatsächlich schwer ist jemanden zu finden, der sie schwängert. Natürlich bleibt meine Frage unbeantwortet, was schon blöd ist, weil ich es gerne gewusst hätte. Stattdessen wird zwei Tage später das Match aufgelöst, wie man so schön sagt. Herrlich unhöflich, aber nicht überraschend.

Parallel dazu habe ich ein zweites Match. Eine ebenfalls junge Frau, die dem Profiltext nach meine Sprache nicht spricht, weshalb ich ihr keine Frage stelle und das Match links liegen lasse.

Zwischenzeitlich ist der Loerz total von Facebook begeistert, schreibt mit Frauen aus der Vergangenheit, vereinbart erste Treffen und meint, ich solle mich da auch anmelden. Das möchte ich nicht, weil ich mich nach Jahren, in denen ich nichts mit Facebook anfangen konnte, erst kürzlich abgemeldet habe. Außerdem fürchte ich, dass er mir, wenn ich mich da anmelde, schon wenig später erzählt, wie beschissen es da ist. Das möchte ich nicht. Diese Loerzsche Begeisterungsfähigkeit ist immer wieder erstaunlich. Ebenso schnell kann diese sich auch ins Gegenteil verkehren, wie man ja gerade an seiner Abneigung gegen Tinder und diese ganzen beschissenen Dating-Apps erkennt. Bei mir hingegen ist es eher so, dass ich Begeisterung, so ich sie empfinde, direkt unterdrücke, oder wenigstens versuche sie für mich zu behalten. Könnte ja sein, dass ich mich irre, dann stünde ich ziemlich blöd da, mit meiner voreiligen Begeisterung. Vermutlich bin ich irgendwie gestört, was mein Umgang mit den Matches eventuell bestätigt.

Mittlerweile gibt es ein drittes Match, das es zu verwalten gibt. Eine junge Frau fragt in ihrem Profil, ob ich, oder wer auch immer ihr Profil liest, Burger oder Pizza bevorzugt und weist darauf hin, dass sie eine Katzenlady ist, Poser, Eifersucht, F+, Raucher und Piercings nicht mag. Also schreibe ich ihr, dass ich Pizza bevorzuge, Katzen putzig finde, nicht Posen kann, derzeit nicht eifersüchtig bin, F+ nicht praktiziere, Zigaretten ekelig finde und Piercings nicht verstehe. Sie antwortet, dass sie keine Frau der großen Worte ist und mich am Abend um halb neun in einer Cocktailbar treffen will. Ich misstraue ihr und ihrem Text, den sie sicher so jedem schickt, was aber letztlich keine Rolle spielt, weil ich mich nicht mit Frauen treffe, die leichtfertig schreiben ich hätte ihr Interesse geweckt und sähe interessant aus. Dazu bin ich nicht nur zu misstrauisch, sondern auch zu verklemmt. Und überhaupt. Also Danke ich ihr für das Angebot und lehne ab. Konsequenterweise wird das Match wenig später aufgelöst.

Zum Abschluss der zweiten Woche gibt es noch ein viertes Match. Die Frau ist Anfang 40, scheinbar hübsch, hat aber keinen Profiltext zu dem ich etwas schreiben könnte, weshalb ich nichts schreibe. Nichts schreiben kann ich bei so Dingen echt gut.

Weil der Loerz vorzeitig von meinem 2 Wochen Experiment erfahren hat, meldet er sich erneut bei Tinder an, um mir zu beweisen, dass er in zwei Wochen weniger Erfolg als ich haben wird. Ist das wirklich der Loerz, der vor einiger Zeit noch voller Begeisterung meinte, dass ich mich unbedingt anmelden muss? Und wenn ja, was ist zwischenzeitlich geschehen und was wird in Zukunft aus ihm werden?

Trotz der Matches kann ich mich beruhigt bei Tinder abmelden, denn das ist einfach nicht meine Welt. Ich passe nicht in diese neue Dating-Welt und finde es auch nicht schlimm. Alles ist so, wie ich es erwartet habe, aber um den Loerz mache ich mir schon ein wenig Sorgen.

4 Kommentare on "Tinder und andere Merkwürdigkeiten"

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.