Von Zweifeln und der Crux mit dem Selbstbewusstsein

Normalerweise sagen Mitarbeiter gerne, wie gut sie sind oder verhalten sich als wären sie die tollsten Typen. Je öfter sie das tun, desto unbrauchbarer sind sie meist. Dann gibt es den gesunden Teil, der seine Arbeit ordentlich macht und nicht ständig von sich und seinen Fähigkeiten redet. Zu guter letzt gibt es Leute, die nicht viel von sich halten und ständig denken, nicht gut genug zu sein. Bisher hielt ich mich für den König der Zweifler, denn ich habe es durchaus zur Perfektion gebracht an mir und meinen Taten zu zweifeln. Ich kann so gut wie nichts, bin aber in den letzten Wochen, vielleicht auch Monaten, irgendwie weniger kritisch, oder gleichgültig, was meine Arbeit angeht, geworden. Zumindest glaube ich, dass ich es bin, was aber auch daran liegen kann, dass ich mit Jens einen Mitarbeiter habe, der fast alles regelt und obendrein ständig an sich zweifelt. Wenn er einen Fehler macht, beschäftigt ihn dass länger als nötig, oft erzählt er sogar Steffi von seinen Fehlern und ich finde, dass es unnötig ist, weil ich auch ständig Fehler mache und seine sogenannten Fehler kaum auffallen. Außerdem korrigiert er sie meist sofort und wenn er nicht sicher ist, sage ich manchmal, was er tun soll oder mache es selbst. Meist aber ist nichts zu tun, weil es Kleinigkeiten ohne Folgen sind. Ständig glaubt er, dass er bald entlassen wird, weil er nicht gut genug ist. Irgendwann sagt er, dass er unbedingt etwas an seinem Selbstbewusstsein tun muss, nachdem ich ihn darauf hingewiesen habe, dass er doch gut arbeitet und noch keinen Fehler, der zu irgendwelchen Problemen führte, gemacht hat. Das ist schräg, dass ausgerechnet ich als Motivator einspringe. Noch schräger finde ich, dass auch Kirsten ständig an sich und ihrer Arbeit zweifelt. Auch sie lobe ich dann meist und sage, dass sie gute Arbeit macht und keinen Grund hat an sich zu zweifeln. Weil die beiden so oft an sich zweifeln, komme ich gar nicht, zumindest glaube ich, dass es so ist, dazu, ständig zu erzählen, wie unfähig ich bin. Außerdem, so bilde ich mir ein, habe ich ja eine gewisse Verantwortung, weil so ein Maßnahmeleiter sein Team ja motivieren und aufbauen muss. Dass ich Verantwortung habe, bilde ich mir sicher nur ein, weil ich eine Erklärung dafür brauche, dass ich den beiden ständig widerspreche, wenn sie an sich zweifeln und mir erzählen, dass sie nicht genug gearbeitet haben. Dabei machen die beiden immer sofort alles, was ich ihnen sage.

Ich frage mich, wie es sein kann, dass gleich drei Leute, die ständig an sich zweifeln und offensichtlich ein etwas gemindertes Selbstbewusstsein haben, zusammen in einer Maßnahme landen konnten. Das kann nicht normal sein in einer Welt von Leuten, die nicht vor anderen an sich zweifeln und ständig sagen, wie geil sie sind, selbst wenn sie wissen, es zumindest wissen müssten, dass sie gar nicht so toll sind. Da muss irgendwo ein Fehler im System sein. Aber wo?

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