Gedanken in Zeiten des Coronavirus

Früher habe ich öfter von meinem verstorbenen Onkel geträumt. Meist träumte ich, dass er plötzlich wieder da wäre, weil er nicht tot war, sondern es irgendein Missverständnis gab. Da ich in seiner Wohnung wohne und seinen Benz fahre, bin ich sofort wieder zurück zu meinen Eltern gezogen, weil ich keinen Anspruch auf die Wohnung habe. Meine Möbel konnte er behalten, weil ich seine Möbel alle entsorgt habe und seinen Benz gab ich ihm auch zurück. Ich fand das nur fair, weil ich das alles eh nicht verdient hatte. Die Träume liefen immer ähnlich und als klar war, dass ich ausziehe, endeten sie auch. Die Träume wurden irgendwann seltener und nachdem meine Eltern gestorben waren, änderten sie sich auch ein wenig, denn von da an konnte ich ja nicht mehr dahin zurückziehen und musste mir immer eine Wohnung suchen, weil ich in dieser Wohnung nichts zu suchen hatte aus meiner Sicht. Eine Wohnung habe ich nie gefunden in den Träumen und zog einfach so fort aus der Wohnung meines Onkels. Ich weiß nicht, warum ich in letzter Zeit so oft daran zurückdenke. Auch frage ich mich in letzte Zeit wieder häufig, was mein Onkel jetzt zu seinem Benz und zu seiner Wohnung sagen würde. Würde er merken, wie viel an dem Benz gemacht wurde? Würde es ihn interessieren? Was würde er sagen, dass es in der Wohnung nichts mehr von ihm gibt außer ein wenig Deko? Manchmal möchte ich ihm einfach nur Veränderungen zeigen und ihn fragen, wie er das findet. Ebenso frage ich mich, was mein Vater wohl zu den Dingen sagen würde, die ich seit seinem Tod verändert habe. Als sie noch gelebt haben, hatte ich nur sehr selten das Bedürfnis mit ihnen darüber zu sprechen. Ich wollte immer, dass jeder erkennt, wenn ich irgendwas verändert habe und wenn es nicht erkannt wurde, dann war es halt so. Zurzeit vermisse ich den Austausch mit den beiden. Interessanterweise kommt meine Mutter in meinen Gedanken nur selten vor. Sie beziehe ich in meine Gedanken kaum ein. Das Bild meiner Mutter scheint mehr und mehr zu verblassen. Ihr möchte ich selten irgendetwas zeigen oder mitteilen. Möglicherweise, weil sie nicht so darauf reagieren würde, wie ich es mir erhoffte. Es ist komisch, was einem manchmal so durch den Kopf geht. Auch denke ich oft, dass meine Zeit nur noch sehr begrenzt ist und ich vieles im Leben ziemlich falsch gemacht habe. Vielleicht gleite ich dank der Corona-Krise in eine Lebensmitte-Krise. Zuzutrauen wäre es mir. Da ich mir ständig irgendwelche Krisen gönne, geht das sicher auch bald vorbei. Und wenn nicht, dann ist das auch nicht so schlimm, weil meine Zeit eh abläuft und früher oder später alles endet.

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