Am Tag nach dem Treffen frage ich die Umarmerin, wie ihr Tag war und erwähne, dass ich die Lampe nicht absichtlich vergessen habe. Sie nennt mich mehrfach Herr DrSchwein, ich sieze zurück, denn das können wir gut, darin haben wir Übung. Sie bedankt sich für meine Unterstützung und teilt mir mit, dass sie mir morgen die Lampe ins Büro bringt. Unnötig, aber ich widerspreche nicht. Meinen Vorschlag, dass wir das letzte Treffen gerne wiederholen können, beantwortet sie damit, dass wir wegen eines Termins noch sprechen können.
Direkt im Anschluss frage ich mich, ob mein Vorschlag vielleicht etwas bedürftig klingt. Ob an meiner Mitteilung etwas Verzweifeltes haftet. Ich beschließe unverzüglich, dass ich nicht mehr frage, weil sie sich möglicherweise verpflichtet fühlt, ohne es zu wollen. Vermutlich hilft es ihr sowieso nicht, wenn wir Zeit miteinander verbringen.
Am nächsten Tag bringt sie mir die Lampe und sieht fertig aus. Lange kann das nicht mehr gut gehen mit ihr. Sie sagt, dass sie Sonntag, nachdem ich gegangen war, gar nicht schlafen konnte, nachts noch spazieren ging und überhaupt nicht mehr klarkommt. Die ganzen Probleme übersteigen meine Möglichkeiten, ihr zu helfen. Sie ist weiter der Überzeugung, dass es ihr, wenn sie hier wegzieht, besser geht. Ich denke, ein Umzug alleine wird da nicht reichen. Doch dafür ist sie nicht empfänglich. Auch heute siezen wir uns konsequent, was vielleicht auch besser ist. Ob ich sie besuche, wenn sie umgezogen ist, fragt sie. Unwahrscheinlich, dennoch sage ich zu.
Sie benötigt Hilfe bei irgendeinem Papierkram fürs Jobcenter und bittet mich ein letztes Mal diesbezüglich um einen Gefallen. Da sie dazu eh nicht in der Lage ist, übernehme ich die Aufgabe. All das ist besorgniserregend und ich sehe keine Möglichkeit, sie wirklich dabei zu unterstützen, aus dem Schlamassel rauszukommen. Da müssen Profis ran, das übersteigt meine nicht vorhandenen Sozialarbeiter-Kompetenzen.
Zum Abschied geben wir uns die Hand.
Also sonntags nur Ausnahmesituation, die mit der Realität nichts zu tun hat und konsequentes Ignorieren der Ereignisse. Daraus werde ich nicht schlau. Du bist fürsorglich mit ihr umgegangen. Das hätte nicht jeder getan. Die Frau ist undurchsichtig und verwirrend oder einfach lost ist in ihrer Krisensituation. Es ist wohl besser so.
Sie ist verwirrend und ich bin verwirrt. Eine fragwürdige Mischung.
Nenn mich paranoid, aber auf mich wirkt das mega bedenklich.
Vielleicht will sie einfach, dass ihr irgendwer sagt, dass sie nicht »umziehen« soll, weil der/die/das -jenige sie dann vermissen würde.
Vielleicht blamierst du dich aber auch mega, wenn du das einfach gerade so sagst.
Vielleicht springt sie aber auch aus dem Fenster, wenn du es nicht tust.
Vielleicht ist auch völlig egal, was du sagst oder tust und es hängt eher vom Wetter ab.
So viele Optionen. So viele Fettnäpfchen.
Cooles Lied.
Oh oh, das sind aber sehr viele Gefühle und Möglichkeiten innert kürzester Zeit für jemanden, der sowas nicht mehr gewohnt ist. Du hast dich aber sehr anständig verhalten, sakkogemäss. Möchte mich allerdings meinen Vorrednern anschliessen, das klingt alles sehr schwierig und überfordernd, wie du ja auch selber feststellst. Ich wünsche ihr professionelle Hilfe, denn das hat sie verdient.
Anständig kann ich scheinbar gut. Darum passe ich so gut zu meinen Sakkos. ☻️
Klingt ziemlich traurig. Aber da kannst du wohl echt nicht helfen.
Als Arzthelferin darf ich die Schicksale mancher Patienten nicht zu sehr an mich heran kommen lassen, sonst kann ich nicht mehr funktionieren und bin nur noch traurig.
Kopf hoch, wir wünschen der Umarmerin eine ungeahnte, glückliche Fügung!
Nein. Kann ich nicht.
Glückliche Fügung klingt gut.