Der Somalier ist wieder da

Wenn man ihn längst abgeschrieben hat, steht der Somalier plötzlich wieder vor der Tür. Heute hat er keine Briefe mitgebracht und erzählt, dass er mittlerweile etwas Unterstützung bei seiner Wohnsituation hat und vier Nächte in einer Unterkunft schlafen durfte. Auch war er beim Arzt, aber die Geschichte verstehe ich nicht wirklich.

Er erzählt, wo er sich bewerben will und doch weiß ich nicht wirklich, was er von mir will. Da er viel von Lidl erzählt, melde ich ihn dort für den Stellennewsletter an, schicke eine Bewerbung an Aldi und drucke ihm seinen Lebenslauf, den ich zuvor überarbeitet habe mehrfach aus. Damit will er gleich zu Unternehmen in der Nähe gehen und sich vorstellen. All das ist auch weiterhin komplett unstrukturiert, aber er gibt nicht auf. Er will unbedingt einen Job, sich eine Wohnung leisten und sein Leben leben. Das finde ich gut.

Ich bin nicht für ihn zuständig und soll so etwas auch nicht machen, aber ich trage nicht nur eines meiner Sozialarbeiter-Sakkos, ich bringe es auch nicht übers Herz, ihn wegzuschicken. Und vielleicht erinnert er sich eines Tages, wenn ich längst zu Staub geworden bin, an mich und erzählt seinen Kindern von dem Mann, der ihm immer geholfen hat, wenn er bei ihm aufgetaucht ist. Okay, das wird nicht passieren, aber mir gefällt die Vorstellung.

6 Kommentare

  1. Ein Sakko ist manchmal einfach nur ein Kleidungsstück und nicht ein unwideruflicher Stempel fürs ganze Leben. 🧐 Sozialarbeiter in Sakkos kennen vielleicht noch die mittelalten-alten Leute und wissen noch, was das überhaupt ist. Heutzutage bist Du möglicherweise total m Trend mit Deiner Klamotte. 😉

    Der Somalier ist Dir so oder so dankbar. ☺️

    Ich bin sowieso für mehr Männer in Anzügen mit Krawatten. 🙄

    • Meine Sakkos machen mich zum Sozialarbeiter. Das können sicher alle bestätigen. Zumindest die Älteren. 🙂

      Ich habe gar keinen Anzug und finde Krawatten furchtbar. 😳🤷‍♂️
      Darum bin ich inoffizieller Sozialarbeiter geworden. 😄

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