Maßnahmegeschichten: Der Diskutierer

Vom ersten Moment an beginnt er zu diskutieren. Er will nicht an der Maßnahme teilnehmen, seine Bewerbungsunterlagen sind gut, er braucht keine Hilfe. Drei Stunden hier zu sein, ist viel zu lange. Er versucht alles, aber die Arbeitgeber sind stets das Problem. Nun, da er seit einem Jahr erfolglos ist, kann es durchaus hilfreich sein, an der Maßnahme teilzunehmen, denn wenn er ernsthaft sucht, finden wir vielleicht das Problem, warum es bisher nicht geklappt hat. Bis er seine IFK nach ihrem Urlaub gesprochen hat, wird er den Vertrag bei uns nicht unterschreiben.

Nach dem Gespräch mit der IFK unterschreibt er. Bei der Terminvergabe sagt er, dass er vormittags nicht kann. Vielleicht muss er sich ausruhen oder geht heimlich einer Arbeit nach. Derzeit hat nur Jörg Nachmittagstermine frei. Diese gebe ich dem Diskutierer, sage aber nicht, dass er somit Jörg als Coach gewählt hat. Darüber wird er sich sicher sehr aufregen, weil man den Menschen, wie er sagt, nicht trauen kann und alle unzuverlässig sind. Nachdem die Termine vergeben sind, beginnt die nächste Diskussion. Drei Stunden sind zu lang, ob wir da nichts machen können. Er könnte ja später kommen oder eher gehen. Oder beides. Ich sage ihm, dass alle die gleichen Zeiten haben und diese einzuhalten sind. Will er später kommen oder eher gehen, kann er das tun, es wird aber vermerkt. Ich habe das jetzt zwei Wochen nicht so streng gehandhabt, weil er den Vertrag noch nicht unterschrieben hat, aber nun ist er ganz offiziell Teilnehmer, da muss er sich an gewisse Regeln halten. Immer wieder versucht er es. Ich weise ihn darauf hin, dass wir noch gar nicht angefangen haben, er aber schon verhandelt und ich das nicht für zielführend halte. Nach Jörgs Urlaub wird er mit seinen Diskussionen komplett auf Granit beißen. Ich mag den jungen Mann ja, aber dieses Diskutieren ist albern. Zumal ich nicht weiß, was die Grundlage für all das ist. Ich verstehe auch nicht, wie jemand, der seit einem Jahr arbeitslos ist, sagen kann, dass es für ihn leicht ist, einen Job zu bekommen. Und sollte es tatsächlich so sein, bedeutet es dann nicht, dass er es bisher nicht versucht hat. Je mehr er diskutiert, desto schwächer werden seine Argumente. Jörg und er werden sicher viel Spaß haben. Sofern er denn kommt, denn auch er fragt, wer denn die AU-Bescheinigung von ihm bekommt, wenn er krank ist. Klingt alles wirklich vielversprechend.

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