Die IFK eines Teilnehmers, den wir bisher aber noch nicht hier gesehen und daher schon abgemahnt haben, ruft an. Der junge Mann ist heute zu seinem Termin beim Jobcenter erschienen und die IFK fragt, ob er den jungen Teilnehmer direkt zu uns bringen kann, bevor dieser wieder verschwindet. Bei seinem letzten Termin im Jobcenter ist der junge Mann nämlich ganz plötzlich verschwunden. Quasi weggelaufen. Geflohen.
Der Teilnehmer, der schon eine Abmahnung wegen unentschuldigter Fehlzeiten bekommen hat, ist wenig begeistert, als er von der IFK hier abgeliefert wird. Mir erzählt er, dass er zu seinem Termin nicht erschienen ist, weil er erst einen Tag später die Einladung bekommen hat. Das kann durchaus sein. Meine Frage, warum er sich dann nicht gemeldet hat, als er die Einladung bekam, kann er nicht beantworten. Das Gespräch mit ihm erscheint mir wenig fruchtbar und am Ende fragt er, ob er, wenn er nicht kommt, eine Bescheinigung vom Arzt braucht. Unbedingt. Leute, die diese Frage stellen, sehen wir oft nicht wieder. Ob es diesmal anders sein wird? Das Auffälligste an ihm ist, neben seiner Mütze, sein Parfum, denn als er längst gegangen ist, hängt es noch in der Luft.
Tatsächlich erscheint er zu seinem nächsten Termin. Mit Mütze und einparfümiert. Die Motivation springt ihm aus allen Poren. Verschränkte Arme, um seinen Widerwillen zu untermauern, runden das Gesamtbild ab. Ungeduldig sitzt er da, nicht in der Lage, mit Word zu arbeiten. Seine Dummheit, gepaart mit dieser Haltung, ist für mich eine echte Herausforderung. Wir versenden eine erste Bewerbung. Danach versendet er einfach eine zweite, natürlich ohne Lebenslauf. Wir wiederholen den Vorgang, er lehnt sich zurück und sagt, dass er keine weiteren Bewerbungen versenden wird. “Warum nicht?” – “Ich warte jetzt erstmal auf die Antworten.” Willkommen in der Traumwelt eines jungen Mützenträgers. Ich erkläre ihm, dass er so lange Bewerbungen schreibt, bis er einen Job hat. Findet er nicht gut. Zur Krönung teilt er mir mit, dass er Ende nächster Woche für drei Wochen Urlaub mit seinen Eltern, ebenfalls Bürgergeld-Bezieher, macht. Früher wurden Ortsabwesenheiten während einer Maßnahme nur selten genehmigt. Nun fehlen nächste Woche schon drei Arbeitslose, weil sie ihren verdienten Urlaub ihre verdiente Ortsabwesenheit genehmigt bekommen haben. Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, wenn er jetzt Bewerbungen schreibt, wenn er vor September eh keine Zeit hat.
Nach etwa 75 Minuten Anwesenheit sagt er mir, dass er keine Zeit mehr hat, weil er mit seinen Eltern irgendwas erledigen muss. Ich trage es in den Bericht ein, weil ich nicht mehr tun kann. Hier sind Hopfen und Malz verloren und dem jungen Mann steht sicher eine spannende und erfolgreiche Zukunft bevor. Ich freue mich fast gar nicht, dass ich ihn ein Stück auf dem Weg zum Ruhm begleiten darf.
Ich muss sagen, mir tut der junge Mann ja doch etwas leid. Mit zusammengewachsenen Armen ist es halt schwierig, mit Word zu arbeiten. Contergarnixfür!
Herrlich. Das ist ja mal eine großartige Behinderung.
Möglicherweise ist er aber auch ein Superheld. 🤔