In der Nacht schlafe ich besser als erwartet, werde aber auch mehrfach wach. Einmal wecken mich Schmerzen auf, die zu meiner Überraschung aber recht schnell wieder nachlassen. Mittig unter dem Schwertfortsatz. Das ist alles unschön und trägt nicht zur Beruhigung bei.
Ich packe eine Trainingshose und einen Pullover ein, um bei der Untersuchung nicht frieren zu müssen. Es ist ja immer recht frisch im Untersuchungsraum.
Noch zwei Stunden bis ich los muss. Ich war bereits zweimal auf der Toilette. Der Darm ist unzufrieden, will geleert werden. Die Schmerzen sind natürlich auch da. Eine gewisse Übelkeit begleitet das Ganze. Ich muss sehr aufpassen, mich nicht in irgendwas reinzusteigern. Gar nicht so einfach. Purer Stress. Sicher nicht gesund.
45 Minuten später sitze ich wieder auf der Toilette. Es gibt viele merkwürdige Eigenschaften und Eigenarten, die ich mit dem Älterwerden abgelegt habe, den Panikmodus allerdings nie.
Pünktlich komme ich zum Termin. Petra begleitet mich, sie unterbricht dafür extra ihre Arbeit. Ich bin im Tunnel. Fluchtreflexe unterbinde ich, hier muss ich jetzt durch.
Um 10.17 Uhr werde ich aufgerufen. Egal, was gefunden wird, ich kann dem eh nicht entkommen. Zunächst wird mir der Zugang fürs Kontrastmittel gelegt, weil das sowieso sein muss.
Im Gegensatz zur letzten MRT-Untersuchung bin ich ruhiger. Zumindest bilde ich es mir ein. Dieses neue MRT scheint etwas breiter, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Die Lüftung nervt trotzdem, aber ich schaffe es, gedanklich immer wieder aus meinem Gedankenkarussell auszubrechen und hoffe, die Aufnahmen gelingen besser als beim letzten Mal. Dann wird mir gesagt, dass man mir das Kontrastmittel spritzt, es wird kühl am Arm. Auch das mittlerweile Routine für mich. Drei Minuten passiert nichts, es folgt ein letzter Durchgang, dann ist es vorbei.
Ich fühle mich schlagartig entspannter, die Übelkeit verschwindet. Ich muss echt aufhören, so ein Psycho zu sein.
Im Büro ist so viel zu tun, dass ich kaum etwas trinken kann. Und ich habe keine Zeit für irgendwelche Gedanken.
Ich bin recht entspannt und will mich erst morgen einloggen, um nach den Ergebnissen zu schauen. Ehrlich gesagt, will ich es gar nicht, sondern nur genießen, dass die Untersuchung vorbei ist und es mir für den Moment gut damit geht. Als Agnes der Meinung ist, dass Warten keine Option ist und sie für mich das Ergebnis abfragen will, geht es mir schlagartig wieder schlecht. Die Psyche ist ein mächtiges Instrument. Ich weise darauf hin, dass ich heute auf keinen Fall das Ergebnis wissen will. Später teilt Agnes mir mit, dass noch kein Bericht vorliegt. Vielleicht sagt sie das nur, um mich zu schonen und weil ich das Ergebnis heute nicht wissen will.
Am Ende bleibt nicht die Untersuchung das eigentliche Problem, sondern das Warten auf das Ergebnis – und die Frage, ob ich es überhaupt wissen will.