Dunkle Wolken acht Wochen nach der Reha

Seit der Zeitumstellung ist von der Reha-Version meiner selbst kaum noch etwas übrig. Dunkelheit killt mich, jeden einzelnen Tag ein bisschen mehr. Lediglich meine Haut hält sich tapfer: vorzeigbar, kaum Juckreiz. Das war’s dann aber auch schon mit den positiven Effekten.

Die achte Woche nach der Reha ist der bisherige Tiefpunkt. Eine Nacht nicht schlafen zu können, weil mir übel ist, daran bin ich gewöhnt. Teile der Nacht durch die Wohnung wandern, Tee trinken, am Ende mehr sitzend als liegend im Bett auf den Schlaf warten, ärgerlich, aber im Gegensatz zu früher meist kein Drama mehr.
Eine zweite Nacht, die allerdings nicht mehr so schlimm ist, kann vorkommen. Doch eine dritte, die noch schlimmer ist und mich nur im Sitzen schlafen lässt, wenn überhaupt, das setzt sämtliche Gedankenkarusselle in Gang. Und das sind wahrlich keine schönen Gedanken. Sie verselbstständigen sich schnell, werden laut, lassen sich nicht bändigen. Wenn dann auch der Tag mies verläuft und ich wegen Schmerzen und Übelkeit das Trampolintraining nach zehn Minuten abbrechen muss, zieht es mich endgültig runter. Wie soll ich das kontrollieren? Was kann ich tun? Was soll das?

Am liebsten würde ich mich bis April in einen Dämmerschlaf versetzen lassen und hoffen, dass es dann wirklich besser wird. Immer wenn ich denke, ich bin auf einem guten Weg, knalle ich wieder voll auf den Boden. Alles verfinstert sich. Gedanken geraten außer Kontrolle. Und da lieg ich nun: ratlos, ahnungslos, hoffnungslos. Die Schmerzen sind permanent, eine Art Vollegefühl garniert mit sinnloser Übelkeit. Ohnmacht, ohne wirklich ohnmächtig zu sein.

Wie ein angeschossenes Tier möchte ich mich in eine Höhle verkriechen. Lediglich die Routine des Funktionierens rettet mich vor dem grenzenlosen Fall. Alles ist dunkel. Und dazu die stets wiederkehrende Frage: Sind die körperlichen Unpässlichkeiten die Folge dessen, was in meinem Kopf passiert? Oder ist es umgekehrt? Ich stochere immer wieder an der Oberfläche rum, aber entweder gibt es keine Antwort, oder ich will sie nicht wissen.
Dann starre ich auf das Wort „Kuhgesicht“. Ein Produkt der Autokorrektur. Bedeutungslos oder bedeutungsschwer? Schwer. Ja. Im Moment ist alles einfach nur schwer.
Wie halte ich das nur ohne Tabletten aus? Reicht es nicht, dass der Kopf kaputt ist? Müssen körperliche Probleme immer dazukommen? Und was zum Teufel soll mir dieses Kuhgesicht sagen? Vermutlich ist es der perfide Plan eines Computerprogramms, mich von meinen dunklen Gedanken abzulenken.

Ich gönne mir zur UVB-Behandlung 45 Minuten Infrarotlicht. Soll ja gut fürs Gemüt sein. Hilflose Versuche eines Hilflosen. Ich habe echt Glück, dass ich nicht unter Depressionen leide. Sonst hätte ich echt ein Problem. Vielleicht ist es sogar ein kleiner Trost, dass das Leben endlich ist. Wird ja eh nicht besser. Das Rotlicht erhellt den Raum, dringt in mich ein.

Gedanken kreisen. Vielleicht könnte ein langer, ausgedehnter Bums die Lösung sein. Ach nein, geht ja nicht. Ich Dummerchen. Schön wäre es vielleicht, wenn ein Alien aus meinem Bauch kommen würde. Aber das gibt es auch nur im Film. Mehr coole Ideen habe ich leider nicht.

2 Kommentare

  1. Ich kenne diese Nächte. Und die Hilflosigkeit , das Hin und Her auf der Suche nach erlösendem Schlaf. Das Gedankenkarrusell das sich nicht bändigen lässt.
    Auch den Punkt irgendwann nur noch ein Ende herbeizuwünschen, egal wie.

    Ich wollte ich könnte dir einen Rat geben. Kann ich nicht.

    Ich hab selbst immer wieder mal solche Nächte.

    Was ich kann: An dich denken. Dir die Daumen drücken.

    Grüße aus einer finsteren Nacht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert