Lange war er nicht mehr bei uns, heute ist er wieder da und hat Neuigkeiten. Er ist umgezogen, das Jobcenter hat die erste Miete bereits bezahlt. Nur nicht die Kaution. Deshalb glaubt er, dass er morgen die Kündigung bekommt. Das klingt für mich unlogisch. Ich bitte ihn, mir das schriftlich zu zeigen. Er öffnet WhatsApp und zeigt mir den Chat mit seinem Vermieter. Dort steht nichts von einer Kündigung. Wie er darauf kommt, bleibt mir verborgen. Auch seine restlichen Erklärungen ergeben keinen Sinn. Ich sage, dass alles gut wird. Er nickt, bedankt sich und geht.
Später telefoniere ich mit der zuständigen Sachbearbeiterin vom Jobcenter. Die Kaution könne erst gezahlt werden, wenn der Vermieter eine Bescheinigung über die genaue Höhe ausstellt. Ohne Betrag keine Zahlung – logisch. Aber Logik ist in diesem Fall ein selten gesehener Gast.
Zwei Tage später kommt der Somalier erneut zu mir. Ich erkläre ihm alles, schreibe es ihm auf und schicke ihn mit dem Zettel zum Vermieter, damit er die Bescheinigung einholt. Er bedankt sich und geht.
Ich weiß, dass ich das eigentlich nicht darf. Es gehört nicht zu meinen Aufgaben, und niemand bezahlt mich dafür. Aber ich mache seit Jahren Dinge, die ich nicht machen sollte. Und ich werde in meinem Alter damit nicht mehr aufhören. Außerdem hat er niemanden sonst. Und heißt es nicht: An unseren Taten werden wir gemessen? Ich finde, das war eine gute Tat. Nur war sie unerlaubt.
Kurz vor Feierabend taucht er nochmal auf. Er hat Post vom Jobcenter und weiß nicht, was er tun soll. Ich erkläre es ihm und hoffe, dass er alles verstanden hat.
Auch am folgenden Tag ist er wieder da. Er hat kein Geld für Möbel. Das Jobcenter zahlt nur, wenn er Quittungen vorlegt. Die Küche hat er dem Vormieter abgekauft. Ich schlage vor, dass der Vormieter ihm das schriftlich bescheinigt und er sich die restlichen Möbel nach und nach kauft. Ob er das Geld jemals erstattet bekommt, wird sich zeigen.
Vermutlich wird er bis zur endgültigen Klärung noch das eine oder andere Mal zu mir kommen. So ist das wohl, wenn man einmal damit angefangen hat.
Klingt nach Aufwärtstrend und erstmal nach Besserung seiner Situation.
Durchaus.