Drei gehen essen und einer bringt Schneekugeln mit

Eine nötig gewordene Planänderung führt uns heute ins Warsteiner am Markt nach Oer-Erkenschwick. Wir sind froh, so kurz vor Weihnachten überhaupt noch einen Platz bekommen zu haben.

Spontan entscheide ich mich für ein eher seltenes Outfit. Zur üblichen Jeans trage ich braune Lederschuhe, was noch nicht wirklich außergewöhnlich ist. Ungewöhnlicher ist der Mantel über dem Sakko. Der hängt seit über zehn Jahren meist im Schrank und kommt nur selten zum Einsatz. Heute war mir einfach danach. Dazu trage ich Bianco Latte, rieche also zum Anbeißen, aber wohl nicht verführerisch.

Die Gaststätte, die Jörg ausgesucht hat, erinnert an frühere Zeiten. Ich bin positiv überrascht. Nachdem wir Platz genommen haben, schenke ich den beiden eine weihnachtliche Schneekugel. Damit haben sie nicht gerechnet. Ich denke, sie freuen sich dennoch.

Jörg berichtet zunächst, was sich in der letzten Woche im Büro abgespielt hat. Der Mann mit den verschränkten ArmenDer Mann mit den verschränkten Armen wird laut war da und ging im Anschluss direkt zum Jobcenter, um sich zu beschweren. Zuvor hatte er Jörg erzählt, dass er nicht arbeiten will. Seine IFK rief anschließend bei Jörg an, um zu fragen, was für unverschämte Fragen er denn stellte, und stellte klar, dass der Mann nur wiederkommt, wenn ich sein Coach bin. Es sind immer dieselben Fragen, die wir stellen müssen. Außerdem wies sie darauf hin, dass der Mann mit den verschränkten Armen aggressiv ist, weshalb ich ihn betreuen soll. Die Frage, ob sie sich das alles gefallen lässt, ohne den Mann zu sanktionieren, ließ sie unbeantwortet.
Damit stecken wir in der Falle. Aus meiner Sicht verweigert er eine Mitarbeit und müsste sanktioniert werden. Da er während meines Urlaubs nicht zu seinen Terminen erschienen ist und auch künftig nicht kommen wird, wenn ich nicht da bin, müsste ich ihn abmahnen. Darf ich aber nicht. Mit seiner IFK kann ich erst im nächsten Jahr sprechen. Wobei das vermutlich sinnlos ist, da längst entschieden scheint, dass wir tun, was der aggressive Mann verlangt. Es wird darauf hinauslaufen, dass er zu mir kommt, unterschreibt und wieder geht. Erpressung scheint manchmal doch eine Lösung zu sein. Das Geld hätte man auch öffentlich verbrennen oder direkt in die Ukraine schicken können. Nach diesen großartigen Nachrichten belassen wir es dabei und wechseln das Thema.

Der Salat ist okay, doch mir wird kalt, was mir nicht gefällt. Da weder Kirsten noch Jörg frieren, liegt es wohl an mir. Wir plaudern über dieses und jenes, sprechen über unsere Weihnachtspläne, die ich noch gar nicht habe, und die gemütliche Runde neigt sich langsam dem Ende entgegen.

Nach etwas mehr als zwei Stunden zahlen wir und brechen auf. Im Warsteiner am Markt wird günstiges, solides Essen serviert. Möglich, dass wir eines Tages nochmal hier landen. Andererseits haben wir es uns angewöhnt, immer woanders essen zu gehen.

Kirsten holt den Hund, der im Auto gewartet hat. Nach der üblichen, fast schon überschwänglichen Begrüßung fordert er mehrfach, von mir geknuddelt zu werden. Bei Hunden komme ich oft gut an, was ich ganz fantastisch finde. Als wir mein Auto erreicht haben, heißt es Abschied nehmen. Jörg steigt auf sein Fahrrad, Kirsten geht zurück zu ihrem Wagen, ich steige ins Coupé. Es war ein gemütlicher Abend. Im Januar geht es, wenn nichts dazwischen kommt, asiatisch weiter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert