Mann – Mitte 50 – im Kinderzelt

Beim Besuch des jüngsten Freundes hat er spontan die Idee, dass wir zusammen in sein Zelt gehen. Da ich keine Vorstellung davon habe, wie klein so ein Zelt sein kann, erkläre ich mich einverstanden. Als sein Vater es aufbaut, wird klar, dass es nicht unbedingt für ausgewachsene Erwachsene gemacht wurde.

Als wir uns wenig später im Zelt befinden und er neben einer Schüssel mit Salat auch noch die Haustiere reinholen will, müssen wir die Grenzen des Platzangebots anerkennen. Für ein Foto schaue ich freundlich aus dem Zelt. Solche Momente muss man festhalten.

Als ich mir die Fotos am nächsten Tag anschaue, wird mir bewusst, wie alt ich tatsächlich bin. 50 Jahre liegen zwischen dem jüngsten Freund und mir. Viele Männer in meinem Alter wären allein wegen ihrer Masse oder Unbeweglichkeit gar nicht erst ins Zelt gekommen. Für mich gibt es solche Grenzen nicht. Vielmehr wäre ich entsetzt, könnte ich so etwas nicht mehr tun. Ich habe wirklich überhaupt keinen Bezug zu meinem Alter. Zumindest nicht, wenn es um so altersbedingte Grenzen geht.

Auch wenn ich das Foto betrachte, sehe ich mich nicht als 50 Jahre älter an, obwohl es mir vom Kopf her immer mal wieder bewusst wird. Während ihm noch viele Abenteuer und Entdeckungen bevorstehen, läuft meine Zeit gnadenlos ab.

Zum Glück setzt mir mein Körper noch nicht so viele Grenzen, sodass ich immer wieder vergessen kann – zumindest zeitweise – wie alt ich tatsächlich bin.

Mann im Zelt

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