Es ist kurz nach 15:00 Uhr, die letzte Teilnehmerin ist gegangen, als es schellt. Ich erwarte niemanden, gehe zur Tür und da steht Anke. Mit ihr habe ich absolut nicht gerechnet. Zuletzt gesehen haben wir uns vor ein paar Jahren, als sie noch für dieses Unternehmen gearbeitet hat. Vor ein paar Monaten habe ich ihr vorgeschlagen, dass sie mal vorbeikommt, aber nicht daran geglaubt, dass sie es tatsächlich tun würde. Seit über zwei Monaten haben wir nicht mehr geschrieben, und nun steht sie vor mir.
Ich bitte sie herein, wir setzen uns in mein Büro, die Unterhaltung läuft flüssig und entspannt, als würden wir uns kennen. Okay, irgendwie kennen wir uns ja auch, aber das heißt ja nichts. Wie üblich habe ich in Gesprächen mit Frauen den kleineren Redeanteil. Ich finde es gut, sie hat viele Themen und ich vergessen, wie alt sie ist. 44. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wie alt ich gerade bin.
Dass ausgerechnet sie mich mal besucht, wir zwei uns so privat unterhalten, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ich erinnere mich, dass ich vor fast zehn Jahren, als ich hier anfing, auf der Firmenwebseite geschaut habe, welche Mitarbeiterinnen mir gefallen und ich kennenlernen will. Vier habe ich mir ausgesucht. Sie war die erste, die ich kennenlernte. Damals war ich mir recht schnell sicher, dass wir nichts miteinander zu tun haben werden. Das war ein Irrtum.
Aus gesundheitlichen Gründen kann sie derzeit nicht arbeiten. Obwohl sie damals nicht unbedingt in Frieden das Unternehmen verlassen hat, kann sie sich mittlerweile wieder vorstellen, hier zu arbeiten. Ich kann ihr dabei nicht behilflich sein. Sie will Kontakt zum Chef aufnehmen. Nach ihrer Reha. Ich bin gespannt.
Sie sagt, dass sie Single ist und es ihr ganz gut gefällt. Früher ist sie von einer Beziehung in die nächste, die Erfahrung als Single mit eigener Wohnung ist neu für sie. Ich erinnere mich, dass wir uns auf einer Weihnachtsfeier öfter als nötig umarmt haben und sie sogar mit mir essen gehen wollte. Nach der Feier war das aber kein Thema mehr. Für mich war es keine Option.
Als es an der Zeit ist zu gehen, verabschiedet sie sich, bleibt aber doch. Dann verabschiedet sie sich erneut, aber erst bei der dritten Verabschiedung bringe ich sie zur Tür.
An der Tür plaudern wir weiter, dann will sie gehen, dreht sich aber wieder um und zögert sie den Abschied erneut heraus. Sehr interessant. Ich schlage vor, dass sie mich mal wieder hier besuchen kommt. Bekanntermaßen habe ich nichts dagegen, wenn Frauen mich im Büro besuchen.
Ohne Umarmung verabschieden wir uns wenig später dann tatsächlich.
Ich schließe die Tür.
Hmmm, spannend, was sie wohl will?
Ob wir es je erfahren?
Wenn sie wieder kommt
Es bleibt spannend.
Ich bleibe dran
Sehr gut. Ich werde berichten, wenn es was zu berichten gibt.