Maßnahmegeschichten 16.26 – Talentwoche

Zu Beginn der Woche liegen wir tatsächlich stabil unter der geforderten Quote.
Fünf neue Talente sollen dafür sorgen, dass es wieder aufwärtsgeht.

Talent Nummer 1 ist ein Mann, der aus gesundheitlichen Gründen seit langer Zeit krankgeschrieben ist und mittlerweile kein Geld mehr von der Krankenkasse bekommt. Da er Bürgergeld bezieht, wurde er zugewiesen. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er aktuell noch krankgeschrieben ist und seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Es wirkt auch nicht so, als könne er aktuell irgendeinen Job ausüben. Sein Arbeitsvertrag wurde noch nicht gekündigt, weshalb er irgendwie noch bei seinem Arbeitgeber beschäftigt ist. Genaues weiß wohl niemand. Sicher ist nur: Für unsere Statistik wird er keine große Hilfe sein.

Talent Nummer 2 erscheint erst gar nicht zu seinem Termin. Es ist davon auszugehen, dass auch er als „nicht vermittelt” die Quote weiter senken wird.

Talent Nummer 3, eine Teilnehmerin, erscheint über vier Stunden zu früh. Ich frage sie, warum sie so etwas tut. Aufgeregt und nervös ist sie. Jörg hätte sie vermutlich weggeschickt, ich bitte sie rein. Die Chemie stimmt sofort und es wird ein launiges Erstgespräch. Ich mag diese Art von Gesprächen und die Frau ist durchaus attraktiv, was man als seriöser Coach vermutlich nicht zur Kenntnis nehmen darf. Auch sollte ich nicht so viele alberne Bemerkungen machen. Ebenso ist es vermutlich unangebracht, dass sie sich schon heute bereit erklärt, uns mindestens einen Kuchen zu backen, wenn sie einen Job findet. Minuspunkte sammelt sie allerdings, weil sie mich auf 53 schätzt. Es ist mir natürlich klar, dass auch das kein Teil eines Erstgesprächs sein sollte. Es ist mir aber egal. Am Ende des Gesprächs ist die Frau völlig entspannt und freut sich auf die Zusammenarbeit. Mehr kann ich nicht verlangen. Theoretisch sollte sie vermittelbar sein. Da sie allerdings ihren nächsten Termin nicht wahrnimmt und unentschuldigt fehlt, wird das vielleicht doch schwieriger, als es der Ersteindruck erwarten ließ. Vielleicht hat sie mir meine Unprofessionalität angemerkt und bleibt deshalb zu Hause.

Talent Nummer 4 erscheint ebenfalls deutlich zu früh. Jörg bittet sie, zum vereinbarten Termin wiederzukommen. Bei ihm kann man nicht kommen, wie man will.
Es handelt sich um eine 50-jährige Türkin mit Kopftuch, die ihren Mann in seiner Schneiderei unterstützt, in der es kaum Arbeit gibt, weshalb sie auf Bürgergeld angewiesen sind. Weitere Berufserfahrung hat sie nicht, ihr Deutsch ist maximal mittelmäßig und sie möchte für Apotheken Medikamente ausfahren. Nichts deutet darauf hin, dass sie auch nur den Hauch einer Chance hat, einen Job zu finden. Zusätzlich zahlen sie seit Monaten keine Miete.
Man rätselt noch, ob sie wirklich nichts verstehen oder alle nur verarschen. Vermutlich wird unsere Hauptaufgabe darin bestehen, ihre Finanzen wieder einigermaßen zu ordnen. Abgesehen davon wird auch sie als „nicht vermittelt” in unsere Erfolgsgeschichte eingehen.

Talent Nummer 5 lässt sich am letzten Arbeitstag gar nicht erst blicken.

Eine talentierte Frau, die letzte Woche zum ersten Mal bei uns war, hat sich seitdem auch nicht mehr sehen lassen. Bestimmt ein Versehen.

So endet eine weitere äußerst erfolgreiche Woche, die uns Hoffnung macht auf eine steigende Quote und weitere spannende Geschichten.
Spätestens wenn ich Urlaub habe, wird die Quote wieder im grünen Bereich sein.

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