Die Umarmerin ist wieder da

Als sie auf die Vormerkliste gesetzt wurde, waren wir uns einig, dass Jörg sie betreuen wird. Und dieses Mal würde er konsequent durchgreifen und Tacheles mit ihr reden.

Kurz bevor sie an der Reihe ist, fragt er allerdings, wer sie denn dieses Mal betreuen wird und weist darauf hin, dass es mit ihr und ihm beim letzten Mal nicht geklappt hat. Das irritiert mich etwas, da für mich feststand, dass er sie betreut und ich es auch so geplant habe.

Als ich ihr mitteile, dass sie in fünf Tagen wieder bei uns in der Maßnahme ist, antwortet sie, dass sie am nächsten Tag ein Vorstellungsgespräch hat. Sie weiß aber weder wo, noch als was sie dort arbeiten soll. Das Angebot hat sie von einem Bekannten. Ich teile ihr mit, dass sie mir davon berichten soll, ansonsten bekommt sie die offizielle Einladung, an der Maßnahme teilzunehmen.

Als ich später nachfrage, antwortet sie nur kurz, dass sie zu uns kommen wird. Mein Eindruck ist, dass sie in der Zwischenzeit keine Fortschritte gemacht hat. Eher im Gegenteil. Und das meine ich nicht nur beruflich.

Zwei Tage später ist sie wieder da. Wie fast immer, bin ich von ihrem Anblick ganz angetan. Weil sie gut riecht, sage ich: „Sie riechen gut.” Kaum ist sie da, lasse ich jede Professionalität vermissen. Als wäre ich je professionell gewesen.
Noch immer habe ich nicht entschieden, wer ihr Coach wird. Daher frage ich sie, ob sie lieber vor- oder nachmittags zu uns kommen wird. Erwartungsgemäß entscheidet sie sich für den Nachmittag. Somit ist Jörg ihr Coach. Kaum teile ich ihr das mit, möchte sie doch lieber vormittags kommen. Alles andere hätte mich auch enttäuscht, obwohl es vermutlich für alle Beteiligten besser wäre, wenn nicht ich ihr Coach wäre. Weil es gerade so schön locker ist, mache ich noch ein Kompliment zu ihren Haaren. Ihr tut es gut, mir nicht weh. Nach dem Gespräch frage ich nach ihren Wünschen für die Zeit bei uns. Ihre Wünsche an uns sind bescheiden: „Ein Lächeln und Kaffee”. Lächeln kann ich, Kaffee gibt es beim Bäcker.

Der Händedruck zum Abschied dauert länger als nötig, was eindeutig nicht von mir ausgeht. Mir gefällt es aber. Vermutlich leide ich aktuell unter einer Berührungsbedürftigkeit.
Da die Zeit der Umarmungen schon lange vorbei ist, sollte ich sie vielleicht zukünftig „Händeschüttlerin” nennen. Ich bin gespannt, wie es nach meinem Urlaub weitergeht.

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