Drei gehen essen und einer wird kurz nöckelig

Unter anderem an unseren regelmäßigen Treffen sieht man, wie schnell die Zeit vergeht. Gefühlt ist es erst ein paar Tage her, dass wir zusammen im Rosmarino in Herne gespeist haben.

Das Wetter ist ähnlich wie bei unserem letzten Treffen vor vier Wochen. Dank des Klimawandels ist es so warm, dass ich über dem Pullover lediglich eine Übergangsjacke benötige. So dünn angezogen war ich im Mai seit vielen Jahren nicht. Wenn es doch nur endlich wieder regnen würde.

Mit einer leichten Verspätung holt mich Kirsten ab. Trotzdem sind wir auf die Minute pünktlich im Ristorante Bella Italia, wo Jörg schon auf uns wartet. Es dauert eine Weile, bis man uns die Speisekarten bringt und dann dauert es, bis wir bestellen dürfen. Insgesamt warten wir etwas über zwanzig Minuten. Jörg ist entsprechend unzufrieden und lässt es den Chef, der die Bestellung aufnimmt, auch merken, indem er ihm sagt, dass wir schon längst für eine Bestellung bereit sind. Der Ton ist dementsprechend gewählt, was die Harmonie natürlich trübt. Der Chef antwortet, dass er dann ja schon mal die Rechnung erstellen kann, damit wir die verlorene Zeit wieder aufholen können. Der Einstieg ging schon mal in die Hose.

Ich überlege, ob Schweigen besser ist oder ob es angebracht war, seinen Unmut kundzutun. Ich bin eher der Meinung, dass wir hier zusammen sind, um eine nette Zeit zu haben. Wir haben keine Anschlusstermine, sind nicht völlig verhungert – also kein Grund, sich aufzuregen. Andererseits muss man vielleicht auch mal seinen Unmut kundtun, um nicht als Weichei, mit dem man alles machen kann, in die Geschichte einzugehen. Aber da solche Aktionen irgendwie die Stimmung trüben, sollte man darauf verzichten. Wenn es mir wirklich zu lange dauert, gehe ich irgendwann einfach. Alles andere erscheint mir unnötig stressig und ungesund.

Das Essen, das später serviert wird, finden wir alle ganz wunderbar. Die Gespräche laufen flüssig. Jeder trägt mit irgendwelchen Geschichten dazu bei. Wie fast immer, sind die beiden längst mit ihrer Mahlzeit fertig, während ich noch mit meinem Salat beschäftigt bin. Zum Schluss bekommen wir noch ein selbstgemachtes Getränk spendiert. Die beiden sind mit meiner Wahl des Lokals zufrieden, lediglich Jörg bemängelt den Service, der ihm zu langsam war. Möglicherweise hat er damit recht, ich hatte damit allerdings kein Problem. Vielleicht bin ich aber auch zu mild und undeutsch, um das beurteilen zu können.

Bevor wir uns verabschieden, planen wir noch das nächste Treffen in vier Wochen, die vermutlich auch wieder wie im Flug vergehen. Kaum hat man sich verabschiedet, sitzt man wieder an einem anderen Ort an einem anderen Tisch zusammen. Wenn ich mich nicht verzählt habe, war das unser vierzehntes Treffen, seitdem wir am 29.08.2024 mit dieser Tradition begonnen haben. Niemand konnte damals ahnen, dass es so kommen würde und die Zeit so schnell vergehen würde.

8 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

  1. Die Reaktion des Chefs ist aber auch nicht gerade sozial geschmeidig.
    Falls das Benediktiner ein alkoholfreies war, wie schmeckte es denn?
    Bin auf Suche nach einem weiteren schmackhaften Weizenbier (mein täglich Bier ist das Franziskaner).

    • Nicht gerade geschmeidig, aber trotzdem ganz ruhig vorgetragen.

      Zu dem Bier kann ich nichts sagen. Es war nicht meins, ich mag nur Malzbier. 🍺

  2. Jeden Monat aufs Neue erwischt mich dieser Beitrag kalt. Toll, dass Ihr Euch so treu geblieben seid.

  3. Klingt vielleicht kleinlich aber die Reaktion des Chefs hätte mich wahrscheinlich veranlasst anderswo mein Geld zu lassen. Ich hab selbst in verschiedenen Gastrobereichen gearbeitet und hab immer versucht Gäste zeitnah und freundlich zu bedienen. Sonst kann man sich ja auch von den Servierrobotern versorgen lassen.

    • Für mich war eher die Reaktion von Jörg das Problem. Vielleicht fand ich die Gegenreaktion daher völlig okay. Aber oft ist es ja eine Frage, wie man sich gerade selber fühlt und dann dementsprechend agiert und reagiert.

      Bei zu langer Wartezeit bin ich dafür, einfach zu gehen.