Drei gehen essen und werden nass

Am vermutlich heißesten Tag des Jahres essen zu gehen, erscheint wie ein schlechter Witz. Den ganzen Tag über kann man es eher drinnen als draußen ertragen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich tatsächlich essen gehe. Vielmehr hoffe ich, dass es sich bei allem um einen Irrtum handelt.

Etwa eine Stunde bevor es losgeht, zieht es sich zu, irgendwann regnet es tatsächlich, was keine der vielen Apps angezeigt hat. Es gibt unglaublich viele Wetter-Apps, doch oft hat jede eine andere Meinung und nur mit Glück passen die Vorhersagen zum tatsächlichen Wetter. Das ist irgendwie erbärmlich, passt aber zu der Entwicklung in diesem Land.

Es hagelt eine Weile, dann hört es auf, als wäre nichts gewesen. Ich nehme noch ein paar Spritzer Orange Flamingo, dann geht es los.

Wir treffen uns auf einem Parkplatz, weil man bei der Pizzeria La Famiglia in Oer-Erkenschwick wohl nicht so gut parken kann. Auf dem acht- bis zehnminütigen Weg fängt es an zu regnen. Kirsten hat einen Schirm, Jörg und ich werden nass. Der Regen wird stärker, aber trocknet auch irgendwie fast direkt wieder auf der Kleidung. Es ist tatsächlich so warm, dass mich der Regen nicht stört.

Kaum sitzen wir in der Pizzeria, wird der Regen so stark, dass wir uns freuen, es gerade noch rechtzeitig geschafft zu haben. Dann beginnt das große Schwitzen, denn obwohl einige Fenster geöffnet sind, ist der verglaste Biergarten wie eine kleine Sauna. Ich finde Schwitzen irgendwie unsexy.

Wir bestellen und dann warten wir fast 45 Minuten, bis das Essen serviert wird. Interessanterweise ist Jörg hier total entspannt und hat kein Problem mit der Wartezeit. Beim letzten Essen war genau das sein größtes Problem. Liegt sicher daran, dass er hier öfter mal einkehrt. Wegen der übertriebenen Temperatur essen wir alle Salat.

Wir plaudern über verschiedene Dinge, landen irgendwann beim Thema Job und unserer Chefin und Jörg ist nur schwer wieder einzufangen, denn die Chefin und ihre Lügen, die er kaum ertragen kann, regen ihn sehr auf und er ist sicher, dass es deshalb irgendwann eskaliert. Ich bin froh, dass ich diesbezüglich bis auf wenige Ausnahmen recht locker bleibe. Das Gehalt kommt pünktlich, meist lässt man mich meine Arbeit machen und Veränderungen nehme ich hin, wenn ich sie nicht ignorieren oder umgehen kann. Beim Thema Horrorfilme ist Jörg dann aber raus, weil er absolut nicht verstehen kann, dass wir daran Freude haben.

Während des Essens schwitzen wir einfach vor uns hin. Ich glaube, der Regen war mir angenehmer als dieses unnötige Schwitzen, da es, im Gegensatz zum Regen, absolut nicht kühlend oder gar erfrischend ist.
Eine Art Running Gag ist, dass ich mich regelmäßig mit acht Frauen treffe. Nicht mit allen auf einmal, aber mit acht Frauen. Dem ist natürlich nicht so, aber bei der Geschichte ist Jörg wie der Loerz. Wenn etwas lustig klingt, dann muss es nicht stimmen, um immer wieder erzählt zu werden. Daher erzählt er Kirsten nun von meinen acht Frauen und welche ich wann am Wochenende treffe. Das ist unterhaltsam und ich komme mir vor, als wäre ich ein cooler Typ. Die Pubertät endet echt nie. Kirsten schaut zwar ungläubig, hat aber keinen Grund, an den Geschichten zu zweifeln. Sie ist durchaus neugierig, hält sich aber zurück, weil Jörgs Geschichte überzeugend genug zu sein scheint. Und während ich höre, wie gut es mit mir und den Frauen läuft, erzählt er natürlich auch, dass die Frauen mich oft einladen. Und auch, dass die Umarmerin diese Woche spontan zum Büro kam und ich dann einfach mit ihr Kuchen essen gegangen bin. Für einen Moment glaube ich, ich sei unwiderstehlich und mein Leben wäre ein einziger Spaß.

Das Essen ist gut und eine Empfehlung wert. Auch der Service ist gut und es gefällt mir, dass wir geduzt werden. Einen weiteren Pluspunkt gibt es, weil hier Barzahlung gewünscht wird. Weil es noch früh ist, wir es hier aber zu warm finden, beschließen wir, dass wir noch irgendwo ein Eis essen.

Kaum verlassen wir die Pizzeria, sind wir erstaunt, wie angenehm es draußen ist. Eis gibt es aber keins mehr, weil überall schon geschlossen ist. Das ist irgendwie ernüchternd.

Wir gehen zum Parkplatz, vereinbaren das nächste Treffen und niemand umarmt irgendwen. Die Gründe sind mir nicht klar, aber da wir insgesamt merkwürdige Menschen sind, gibt es keinen Grund, weiter darüber nachzudenken.

Nächsten Monat geht es weiter und wird sicher wieder entspannt. Schön wäre nur, wenn es nicht ganz so heiß wäre.

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