Drei gehen essen und einer übertreibt

Am Nachmittag vor dem Treffen bin ich ziemlich neben der Spur, auch körperlich hänge ich in den Seilen. Schon der zweite Tag in dieser Woche, an dem ich vermutlich froh sein kann, verabredet zu sein. Darum ziehe ich mich nach dem Duschen anständig an und benutze ordentlich Oud Republic, was außer mir aber sicher niemand wahrnehmen wird.

Und um mich besser zu fühlen, nehme ich den Benz. Er fährt sich ganz hervorragend. Natürlich bilde ich mir auch ein, dass er noch besser fährt, weil er nun wieder tiefer liegt. Mich stört lediglich, dass er ungewaschen ist. Aber da es begründet ist, kann ich damit leben. Und während ich langsam dem Ziel entgegenfahre, wird meine Laune besser. Es kommt eben doch darauf an, dass ich das richtige Fahrzeug fahre.

Ich bin etwas früh dran, weshalb ich im Benz sitzen bleibe. Wenig später ist Kirsten aber auch schon da und ich steige aus. Für mich völlig überraschend gibt es eine Begrüßungsumarmung. Umarmungen gibt es nur, wenn Jörg noch nicht da ist. Das scheint unsere Tradition zu sein. Vielleicht bin ich ein Mann zum Umarmen.

Da es etwas windig ist, gehen wir schon rein. Das Ristorante Mamma Stella ist überraschend voll. Es sind kaum Tische frei. Gut, dass ich reserviert hatte. Auf die Minute pünktlich ist Jörg dann auch da und der gemütliche Teil beginnt.

Zu meiner Überraschung bestellen wir alle Pizza. Erwartungsgemäß sind die Pizzen gut und ich erinnere mich, dass ich zuletzt mit der Brasilianerin hier war. Und das war im letzten Jahr. Die Zeit vergeht weiterhin viel zu schnell.

Unsere Themenvielfalt ist reichhaltig und die Unterhaltung läuft wie immer flüssig und entspannt. Zwischendurch schaue ich mir immer wieder ein paar attraktive Frauen mit schönen Beinen an, die an unserem Tisch vorbeigehen. Für einen Spanner wie mich, den man durchaus auch als Spinner bezeichnen kann, passt das hier alles ganz wunderbar.

Bevor das gemütliche Treffen endet, startet Jörg wieder mit einem seiner Lieblingsthemen: Frauen, die ich regelmäßig treffe. Heute zaubert er Anke aus dem Hut und erzählt, dass sie zuletzt schmachtend vor dem Büro stand, um mich zu besuchen und eine gute Anwärterin auf Platz Sieben meiner fast erfundenen Frauenliste ist. Dabei bezieht er sich auf ihren Besuch an einem Montag, an dem ich aber frei hatte. Danach war sie nicht mehr bei uns. Doch das tut Jörgs Geschichte keinen Abbruch und er erzählt, wie begeistert sie von mir ist und dass es vielen Frauen so geht. Als wäre ich ein unwiderstehlicher Charmeur, dem die Frauen reihenweise verfallen. Kirsten ist ganz verwirrt. Vor allem, dass ich mich mit Anke treffe, was man nach Jörgs Ausführungen durchaus denken könnte, findet sie komisch, weil sie Anke ziemlich anstrengend findet und nicht besonders mag. Sie kann sich nicht vorstellen, dass wir beide uns treffen könnten. Herrlich. Für einen Moment komme ich mir vor, als wäre ich tatsächlich ein Mann, den die Frauen wollen. Dann bringt er auch noch Bruna ins Spiel. Immer mehr Namen, die Kirsten zu hören bekommt. So entstehen Legenden. Man muss Geschichten nur immer wieder wiederholen. So wie die Geschichte mit dem Klimawandel oder dem Untergang Deutschlands, wenn die AfD was zu sagen hat. Kann alles stimmen, ist aber eher unwahrscheinlich. Ich widerspreche dennoch nicht, merke nur an, dass er etwas übertreibt und amüsiere mich über die Geschichten. Was wäre ich nur für ein geiler Typ, wenn das alles stimmen würde? Ich glaube, dann könnte selbst der Klimawandel mir gar nichts anhaben.

Nachdem wir den Termin und den Ort für unser nächstes Treffen vereinbart haben, zahlen wir und verlassen das Lokal.

Bevor sich unsere Wege trennen, dürfen sich die beiden noch den Benz anschauen und Jörg sagt, dass er sehr skeptisch war, als ich den Benz tieferlegen wollte. Er dachte, ich würde ihn so tief legen lassen, dass er zu einer Prollkarre wird. Ich denke, es ist schwer, einen solchen Benz so zu verhunzen, dass er nicht mehr gut aussieht. Schwer, aber nicht unmöglich.

Zur Verabschiedung wird sich nicht umarmt. Alles andere hätte mich auch gewundert.

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