Die Umarmerin möchte mich treffen

Völlig überraschend schickt mir die Umamrerin am Samstag eine Sprachnachricht und fragt, ob ich Lust habe, sie zu treffen. Der Grund ist allerdings nicht, dass sie mich einfach nur sehen will, sondern ein Brief von der Rentenversicherung, die ihre Reha wohl abgelehnt hat. Den möchte sie mir zeigen. Da ich ihr Lebenscoach bin, biete ich ihr an, uns um 14:00 Uhr zu treffen, da ich um 18:00 Uhr verabredet bin und nicht viel Zeit habe.

Da für mich seit dem letzten Treffen keine Zweifel mehr bestehen, dass sie nichts von mir will, kann ich sie einfach nur entspannt anschauen und ihren Duft einatmen. Ich mag das. Endlich ist alles im Fluss und fließt einfach nur vor sich hin.

Später schreibt sie, dass sie bei Geiping ist und ich sie da abholen soll. Ich schlage vor, dass wir dann dort zusammen Zeit verbringen. Da sie schon da sein wird, gehe ich davon aus, dass sie sich dort mit jemandem trifft. Ich bin gespannt.
Bei Geiping sitzt sie mit einem Mann, der wohl etwas älter als ich ist. Zur Begrüßung gebe ich beiden die Hand. Sie sagt, er sei ein guter Mann, ebenso wie ich. Großartig. Die beiden haben schon Kuchen gegessen und gehen nun gemeinsam neue Getränke holen. Ich bekomme einen Tee, weiß aber nicht, wer ihn bezahlt hat. Lustig finde ich, dass sie ihn duzt, mich aber siezt. Wobei das meistens nicht klappt und sie uns beide duzt. Ich bleibe konsequent beim Sie. Dann muss ich mich beim nächsten Treffen nicht wieder umgewöhnen. Gestern Abend war sie bei ihm zu Besuch und die beiden saßen zusammen im Garten. Ältere Männer können echt praktisch sein.
Manchmal reden die beiden auf türkisch zusammen. Er ist ein angenehm ruhiger Typ, der früher als Dolmetscher gearbeitet hat und schon in Rente ist. Offensichtlich hat die Umarmerin eine Schwäche für ältere Männer, die ihr nicht gefährlich werden, sie aber unterhalten und ablenken, wenn sie nicht alleine sein kann. Da ich neben ihr sitze, berührt sie mich beim Gespräch mehrfach, aber das hat nichts mit mir zu tun, sondern ist ihre Art. Ihn fasst sie zwar nicht so oft an, aber er sitzt ihr auch gegenüber. Interessant ist, dass beide Türken nicht besonders mögen, er sogar noch weniger als sie.

Am Nebentisch sitzt eine Gruppe türkischer Männer, die so laut sind, dass wir uns nicht unterhalten können. Als hätte jemand ein Drehbuch geschrieben. Und dann würden alle sagen, es sei an den Haaren herbeigezogen. Jedenfalls sind die beiden genervt und wollen einen Spaziergang machen. Von mir aus.

Die beiden unterhalten sich auf türkisch, scheinen sich nicht einig und entscheiden dann, dass wir nach Datteln fahren. Ich werde ihnen nachfahren. Er hat einen ziemlich neuen C-Klasse-Mercedes. Geld hat er jedenfalls mehr als ich. Auf dem Weg muss ich mir gegenüber einen Irrtum einräumen. Als ich neulich dachte, sie würde sich in mich verlieben, habe ich mich gründlich geirrt. Ich muss echt lernen, Frauen und ihre Signale besser zu verstehen. Auch meine Interpretation auf ihre Reaktion, dass ich meine Freiheit brauche, habe ich offensichtlich falsch gedeutet. Und ich will Coach sein. Lächerlich. Aber irgendwie auch lustig.

Als wir in die Stadt gehen, spricht auch er mich mit Herr DrSchwein an. Das ist zwar vollkommen absurd, aber gut, siezen kann ich, also belassen wir es dabei.
Wir gehen in ein Eiscafé, die beiden bestellen Eis und ich Wasser. Erneut sitze ich neben ihr und kann ihre Attraktivität aus der Nähe genießen. Heute trägt sie ein enges schwarzes Kleid. Großartig. Da hat sie zwei ältere Männer um sich herum platziert, die von ihrer Attraktivität ganz begeistert sind, aber vollkommen harmlos sind. Sie weiß, wie es geht. Es muss schön sein, schön zu sein.

Sie unterhält sich kurz mit zwei Frauen am Nebentisch und sagt, dass sie mit zwei schönen Männern hier ist. Genau, lull uns nur ordentlich ein. Würde ich aber genauso machen. Als sie zur Toilette ist, unterhalten wir älteren Männer uns kurz. Smalltalk, weil wir uns eigentlich nichts zu sagen haben. Später sagt sie, dass wir zwei von ihm sicher was lernen können, da er durch seinen Job viel Lebenserfahrung hat, von der wir profitieren können. Er findet die Idee, dass wir uns öfter treffen, gut. Eine wahrlich interessante Entwicklung.

Die Rechnung übernimmt er auch. Großartig. Vielleicht werden wir am Ende noch gute Bekannte. Ob er auch überflüssig wird, wenn sie erst geschieden ist und weiterzieht?
Wenig später verabschiede ich mich von den beiden. Er fand es angenehm. Zum Abschied geben wir uns die Hand und sie sagt: „Wir sehen uns, Herr DrSchwein.“ Natürlich tun wir das. Es wäre traurig, wenn diese skurrile Geschichte nicht noch eine Weile weiterginge.

Später ruft sie an und bedankt sich, dass ich da war. Sie fragt, ob es okay war, dass wir zu dritt waren. Das war ursprünglich nicht so geplant. Er ist besagter väterlicher Freund. Nun weiß ich, wer diese Rolle hat und wenig später sagt sie, dass ich ein guter Kumpel bin. Coach würde mir zwar besser gefallen, aber dann bin ich halt ihr guter Kumpel. Ich war noch nie der gute Kumpel einer attraktiven Frau. Diese Geschichte wird wirklich immer besser und ich bin gespannt, was für verrückte Dinge noch passieren.

Viel kann im Leben eines Mannes eigentlich nicht mehr kommen, wenn er erstmal vor der Frauenwelt als guter Kumpel wahrgenommen wird.

Am nächsten Tag treffen wir uns kurz. Sie trägt ein enges Oberteil und eine eng anliegende schwarze Hose, vermutlich aus Kunstleder. Gut aussehen kann sie. Ich erkläre ihr, warum ihre Reha abgelehnt wurde und was sie eventuell tun kann, um die Scheidung doch noch zu beschleunigen.

Wir plaudern noch eine Weile. Sie fragt, ob ich, wenn sie irgendwann den Kopf frei hat, zu ihr zum Essen kommen mag. Da spricht aus meiner Sicht nichts dagegen.

Beim Abschied gibt es eine längere Umarmung und ich sage ihr, sie soll auf sich aufpassen. Sie antwortet, dass ich ein guter Freund bin. Das klingt besser als guter Kumpel und entspricht in etwa dem, was ich von Anfang an sagte. Alles ist im Fluss.

Mitte September will sie für eine Weile in die Türkei fliegen. Und irgendwann wird sie sich vermutlich auch wieder bei mir melden.

4 Kommentare

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  1. Ich muss gestehen: ich bin verwirrt. Vermutlich gehöre auch ich zu der Sorte Männer die Frauen nicht wirklich begreifen. Oder nicht begreifen wollen….