Vor dem Essen treffe ich mich mit Kirsten, um mit ihr kurz zu cachen. Um den Cache zu loggen, muss man mit einer Leiter an einem Baum hochklettern. Diese Leiter muss natürlich zunächst in den kleinen Wald. Kirsten hat sich passend dazu angezogen. Ich trage unpassenderweise meine braunen Lederschuhe zu brauner Hose und schwarzer Lederjacke. Außerdem habe ich ordentlich Oud Republic aufgetragen. Ich bin also bestens für eine derartige Situation präpariert.
Nachdem die Leiter am richtigen Ort und aufgeklappt ist, klettert Kirsten los und erledigt die Tagesaufgabe. Wir transportieren die Leiter zurück und sie zieht sich im Auto um. Vielleicht sollte ich künftig auch immer Sachen zum Umziehen im Auto haben.
Weil wir nicht wissen, ob in der Nähe des Restaurants geparkt werden kann, gehen wir zu Fuß. Vorher teile ich Jörg mit, dass wir uns etwas verspäten.
Als wir im Ristorante Puccini eintreffen und Platz nehmen, verspüre ich eine gewisse Distanz. Vielleicht strahle ich diese aber auch selbst aus. Irgendwie kommen wir nicht in einen Gesprächsfluss. Es stockt, wir bestellen und es bleibt etwas behäbig. Auch während des Essens sind wir wenig kommunikativ. Die beiden sind mit ihren Gerichten zufrieden, mein Salat hingegen kann mich nicht überzeugen. Das Putenfleisch ist prima gewürzt und lecker, der Salat selbst so bitter, dass er eher wie Medizin schmeckt. Ich bin sicher, dass er sehr gesund ist, kann aber nur die Hälfte davon essen, weil der Genuss ausbleibt. Schade, aber manchmal ist das so.
Erst nach dem Essen löst sich die Anspannung. Oder was auch immer ich zu spüren glaubte. Vielleicht war das alles auch nur in meinem Kopf so zäh. Die Themenvielfalt ist bunt, aber als das Thema Politik aufkommt, schweige ich beharrlich. Die beiden vergleichen die AfD mit der Zeit, als Hitler an die Macht kam. Kirsten kann nicht verstehen, was mit den Menschen los ist, dass sie aus all den Erfahrungen nichts gelernt haben. Jörg nennt als Beispiel für die „Blauen” eine Teilnehmerin, die sagte, sie möchte nicht mehr als einen Minijob, um keine Steuern zahlen zu müssen, weil sie dem Staat nichts geben will. Für mich klingen viele Arbeitslose so. Dass sie alle „Blaue” sind, kam mir dabei nie in den Sinn. Ich kann ja nicht garantieren, dass die beiden nicht möglicherweise recht haben, aber für mich klingt das alles, als ob ich ein Programm der öffentlich-rechtlichen Sender live erlebe. Aber gut, die beiden haben sich auch ordentlich impfen lassen, da will ich nicht so streng sein. Und es ist mir auch egal, wer am Ende recht hat, weshalb ich mich erst wieder am Gespräch beteilige, als wir mit dem Thema durch sind.
Danach sind wir wieder in der Stimmung, die man von uns kennt. Lustige Plaudereien nicht mehr ganz so frischer Menschen. Die bittere Ernsthaftigkeit und der zähe Einstieg sind gewichen. Irgendwann überlegen wir, was wir machen, wenn einer von uns stirbt. Wir wollen die Tradition dann zu zwei fortsetzen und ein Foto der verstorbenen Person bei jedem Treffen auf den Tisch stellen. Wie wir es regeln, dass unsere Tradition fortgeführt wird, wenn wir alle tot sind, wissen wir nicht. Irgendwer müsste sich dann einmal im Monat darum kümmern, dass unsere Fotos in einem Lokal auf dem vorab reservierten Tisch stehen.
Bevor es noch abstruser wird, beenden wir nach etwa drei Stunden unsere kleine Runde. Obwohl mein Salat mich nicht überzeugen konnte, kann ich mir vorstellen, hier irgendwann nochmal einzukehren und ein anderes Gericht zu probieren. Der Service ist gut, die Preise im üblichen Rahmen. Ich würde gerne die Pizza probieren, wenn ich wiederkomme.
Da wir am Ende fast schon souverän die Kurve gekriegt haben, können wir mit unserer Tradition im nächsten Monat beruhigt weitermachen. Es gibt nämlich noch viele Restaurants zu entdecken. Und so lange uns die „Blauen” nicht ins Verderben geführt haben, halten wir an unserer Tradition fest.
Eben war ich schon geschockt. Schon wieder 4 Wochen rum, aber es war dieses Mal kürzer. 😌
Ja. Trotzdem raste die Zeit.
Wie ich bereits anmerkte, hängen wir zu oft in Wurmlöchern ab. 🙄
Irgendwie wurmt mich das jetzt.