Brasilianerin

12.2023 – 01.2026

2023 / 2024

Die Brasilianerin ist 23, etwa 1,75 m, dunkelhaarig und besitzt eine Figur, die man einfach nur als ansprechend bezeichnen kann. Trotz ihres jungen Alters wirkt sie erstaunlich reif und fokussiert – vermutlich ist sie jetzt schon erwachsener, als ich es je sein werde. Ich finde sie optisch schlichtweg entzückend und könnte sie ständig ansehen.

Von Dezember 2023 bis Januar 2024 nimmt sie an unserem Personalcoaching teil, bei dem ich als ihr Coach fungiere. Nach etwa zehn Terminen unterschreibt sie einen Arbeitsvertrag und verlässt uns vorzeitig. Da sie optisch definitiv einer der Höhepunkte meiner Laufbahn ist, empfinde ich ihren frühen Abschied fast als persönlichen Verlust.

Die Brasilianerin ist zurück
Sechs Monate nach ihrem Coaching ist sie zurück. Dieses Mal wird sie von Jörg betreut, der sie – im Gegensatz zu mir – tatsächlich coacht. Ich habe mich damals meist nur an ihrem Anblick erfreut und mit ihr geplaudert; völlig planlos, so wie ich eben coache. Wobei „coachen“ vermutlich das falsche Wort ist. Aber wer weiß schon, was in diesem Job richtig oder falsch ist? Das tut jetzt auch nichts zur Sache.

Da Jörg gerade beim Bäcker ist, öffne ich ihr die Tür. Sie lässt tief blicken. Ihr Anblick ist wieder einmal entzückend. Nach einer kurzen Begrüßung fragt sie, was ich in den letzten sechs Monaten so gemacht habe. Meine Antwort: „Ich habe nur darauf gewartet, dass sie wiederkommen.“ Wir lächeln uns an, weil meine Antwort einfach großartig war. Ich verlasse das Büro mit dem Gefühl, dass man ein Gespräch kaum besser beenden kann.

Jörg sieht das alles weniger romantisch. Und statt sich wenigstens an ihrem Anblick zu erfreuen, leidet er regelrecht darunter, dass sie seiner Meinung nach für einen Ausbildungsplatz ungeeignet ist. Mitte der Woche steht ein Probearbeiten bei einem befreundeten Zahnarzt an. Jörg ist skeptisch: „Da kriegst du nur einen Platz, wenn du auch Licht am Fahrrad hast.“ Für ihn ist sie schlicht nicht die hellste Kerze auf der Torte. Zudem kritisiert er ihr Outfit – so brauche sie dort gar nicht erst aufzukreuzen. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass sie so angezogen zum Probearbeiten geht, aber die Überzeugung und auch die Abwertung, die Jörg gerade gegen die Brasilianerin präsentiert, bringt mich ins Grübeln. Ich bin ganz verwirrt, denn für mich war bis eben klar, dass sie den Ausbildungsplatz bekommt, wenn sie dort zur Probe arbeitet. Habe ich sie überschätzt, nur weil sie mir so gut gefällt? Trübt ihre Attraktivität mein Urteilsvermögen? Jörg arbeitet mit ihr, ich habe nur mit ihr gequatscht. Vielleicht ist sie tatsächlich nicht besonders helle. Ist sie gar eine Dumpfbacke?

Zwei Tage nach dem Probearbeiten erscheint sie wieder im Büro: schulterfreies, kurzes dunkles Kleid, dazu dieses Lächeln. Ich bin sofort wieder hingerissen. Da Jörg nicht da ist, darf sie mir folgen. Ich könnte einfach so hier sitzen und sie anschauen, aber das ist keine Option, also frage ich nach dem Probearbeiten.
Es war toll. Der Zahnarzt will sie einstellen, doch sie zögert noch, weil am Montag ein weiterer Termin in einer anderen Praxis ansteht. Sie fragt, was ich tun würde. Nach einer (wie ich finde) großartigen Argumentation meinerseits sagt sie das zweite Probearbeiten ab und nimmt die erste Stelle an. Wenn doch nur alles immer so einfach wäre.
Als sie sich verabschiedet, fragt sie, ob sie mich unter der gespeicherten Nummer anrufen kann, wenn sie Fragen hat. Ich erkläre ihr, dass sie die Nummer von ihrem Coach gespeichert hat und ich nicht ihr Coach bin. Sie möchte aber lieber mich anrufen. Da es ihr ausdrücklicher Wunsch ist, kann ich es nicht ablehnen. Außerdem schmeichelt es mir, wenn ich jemandem vorgezogen werde. Das ist unreif, kann ich aber nicht ändern.

Der letzte Termin der Brasilianerin
Noch keine drei Wochen ist die Brasilianerin bei uns, da heißt es schon wieder Abschied nehmen, da es mit dem Ausbildungsplatz geklappt hat. Obwohl Jörg offiziell ihr Coach ist, ignoriert sie ihn, nachdem er ihr die Tür geöffnet hat, und kommt zu mir. Das ist gemein und darf eigentlich nicht sein.

Wir füllen gemeinsam den Antrag auf Berufsausbildungsbeihilfe aus. Als sie das Geburtsdatum ihres Vaters eingibt, komme ich mir alt vor, denn ihr Vater wurde nur drei Wochen vor mir geboren. Er verstarb vor fast fünf Jahren an Weihnachten und das erklärt auch, warum sie Weihnachten nicht mag. Das finde ich irgendwie ernüchternd und deprimierend, aber ich lasse mir das nicht anmerken, weil es keinem helfen würde. Alterstechnisch könnte ich also glatt ihr Vater sein. Das ist erschreckend.
Die Stimmung ist ausgelassen, obwohl das Ausfüllen des Antrags nicht so wirklich klappt und immer wieder neue Probleme auftreten, die alles verzögern. Sie wirkt jedenfalls amüsiert und legt kurz ihre Hand auf meinen Arm, was ich nicht als sexuelle Belästigung ansehe, obwohl ich das vermutlich müsste. Wir leben nämlich in irren Zeiten und wenn es umgekehrt wäre, hätte ich vermutlich ein Problem. Kranke Welt.

Nachdem der Antrag ausgefüllt ist, bleibt sie noch fast eine Stunde. Wir trinken Tee. Sie hat immer etwas zu erzählen, was ich sehr schätze, da ich nichts zu erzählen habe. Sie entdeckt, dass jemand ein Herz auf unsere Tafel gemalt hat und fragt, von wem das ist. Nachdem ich ihr mitgeteilt habe, dass eine ehemalige Teilnehmerin es für mich gemalt hat, habe ich das Gefühl, dass sie mir auch etwas malen möchte. Also fordere ich sie auf, etwas zu malen. Wenig später habe ich ein zweites Herz an der Tafel, welches ich, so sagt sie, nicht wegwischen darf. Als würde ich so etwas tun. Da wir noch etwas Zeit haben, erzählt sie, dass sie ab und zu modelt und zeigt mir ein paar ihrer Fotos, die mir natürlich gut gefallen. Dann zeigt sie Fotos ihres letzten Ausflugs, die mir ebenfalls gefallen. Warum tut sie das?

Als es an der Zeit ist zu gehen, möchte sie lieber bleiben, was aber nicht geht, da sie einen Termin beim Jobcenter hat. Sie will morgen wiederkommen, doch da ich frei habe, wird sie nächste Woche herkommen. Dass sie mich zum Abschied duzt, finde ich absolut okay. Ich bin schließlich nicht ihr Coach und sie hat mich vorher schon gelegentlich geduzt.

Die Brasilianerin braucht Hilfe
Völlig überraschend besucht uns die Brasilianerin drei Wochen später wieder und sieht dabei wieder ganz vorzüglich aus. Sie benötigt Hilfe bei einem Antrag. Dummerweise müssen wir passen; wir wissen zwar theoretisch, wie der Antrag ausgefüllt wird, sind in diesem speziellen Fall aber unsicher. Ich bitte sie daher, persönlich bei der Agentur für Arbeit nachzufragen.

Nachdem das geklärt ist, erzählt sie von ihrer Ausbildung und den Kollegen. Die meisten findet sie furchtbar, weil die nur über die Arbeit meckern, alles blöd finden und statt freundlich zu schauen ihre deutschen Griesgramgesichter zur Schau tragen. Die Deutschen sind wirklich ein bedauernswertes Volk. Leider bin ich auch nicht besser, was ich ihr aber nicht sage, sondern lediglich bestätige, dass Deutsche ein Haufen von Miesepetern sind. Natürlich auch Miesepeter*innen*außen*they+them*thisantthat*allforever.

Zum Abschied kündigt sie an, fortan einmal im Monat vorbeizuschauen, um zu sehen, ob ich ihr Herz von der Tafel abgewischt habe. Sie will aber erst nach meinem Urlaub zu uns kommen, weil es wohl wichtig ist, dass ich bei ihren Besuchen anwesend bin. Das finde ich ganz wunderbar. Ich liebe es, wenn mich attraktive Frauen besuchen. Davon kriege ich scheinbar nie genug.

Besuch der Brasilianerin
Seit fast drei Stunden rede ich mit dem „Muskelkater-Mann“, als es schellt. Jörg öffnet und ich frage mich, wer das wohl sein kann. Eine Frauenstimme ist zu hören. Keine Ahnung, wer das ist. Offensichtlich will sie zu mir. Ich finde es meistens großartig, wenn Frauen zu mir wollen. Während ich noch immer keine Ahnung habe, wer mich besucht, tritt sie ein: schwarze Haare, schwarze Lederjacke, schwarzer Minirock, schwarze blickdichte Strumpfhose. Viel besser kann man ein Outfit kaum wählen. Drei Monate sind seit ihrem letzten Besuch vergangen. Ich begrüße sie und sage dann den einzigen Satz, der in so einer Situation angemessen ist: „Der junge Mann verlässt uns jetzt, und Sie nehmen seinen Platz ein.”

Wenig später ist der Mann fort und sie sitzt vor mir. Sie erzählt von ihrer Ausbildung und einer Kollegin, die sie wegen zwei Minuten Verspätung vor versammelter Mannschaft gemaßregelt hat. Eine andere Kollegin kommt ständig zu spät, wird aber immer freundlich behandelt. Die Brasilianerin hat ihrem Chef daraufhin die Meinung gesagt. Ich sehe das natürlich etwas anders als sie, aber sie ist, was das angeht, unbelehrbar und uneinsichtig. Vielleicht will sie meine Meinung dazu auch gar nicht hören. Ich hingegen könnte ihr vermutlich stundenlang zuhören und sie dabei anschauen. Diese gepflegten, langen Finger, die weiche, leicht gebräunte Haut, diese wundervollen Lippen, die großen leuchtenden Augen. Als würde sie jedes Mal besser aussehen. Und wie sie riecht und strahlt. Mit 24 so auszusehen, muss toll sein. Vor dreißig Jahren, als ich zuletzt 24 war, hätte ich in ihrer Gegenwart vermutlich nur geschwitzt, gesabbert und gestammelt. Möglicherweise gegrunzt. Heute bin ich ganz angetan, entspannt und genieße ihre Anwesenheit. Dennoch versuche ich noch einmal, ihr klarzumachen, dass ein Abbruch der Ausbildung nicht wirklich klug ist, zumal sie erst letztes Jahr eine Ausbildung abgebrochen hat, weil sie mit den Leuten und der Situation irgendwie nicht klargekommen ist. Sie weist mich darauf hin, dass sie Brasilianerin ist und sich sehr zurückgehalten hat, als sie dem Chef sagte, dass man so nicht mit ihr reden kann, wie es die Kollegin getan hat. Außerdem hat sie ihm gesagt, dass sie, wenn man nochmal so mit ihr redet, direkt nach Hause geht und nicht wiederkommt. So nett würde sie das an anderen Tagen nicht sagen. Ich denke, sie ist einfach nicht bereit, sich unterzuordnen und zu akzeptieren, dass man während der Ausbildung nun einmal nicht machen und sagen kann, was man will. Sie will jedenfalls die Ausbildung abbrechen und wird sich nächste Woche krankschreiben lassen. Wie ein kleines, bockiges Kind. Hübsch, aber uneinsichtig und patzig. Ich soll ihr helfen, einen Job zu finden. Die Frage, was für einen Job sie machen will, kann sie nicht beantworten. Irgendwas mit Kosmetik. Sie hat da auch etwas im Internet gefunden und zeigt mir den WhatsApp-Verlauf. Klingt komplett unseriös und ich rate ihr von dem Unsinn ab. Sie hat wirklich keine realistischen Vorstellungen, aber sie ist 24 und ich war mit 24 ähnlich planlos und blöd. Nur sieht sie dabei wenigstens gut aus.

Da wir uns an dieser Stelle nicht einig werden, belasse ich es zunächst dabei. Nächste Woche versuche ich es nochmal, vermute aber, dass sie nicht auf ihren vernünftigen Coach hören und die Ausbildung einfach wegwerfen wird. Sollte sie das tun, wird es vermutlich das Beste sein, wenn sie nächstes Jahr wirklich nach Brasilien zurückkehrt.

Als Jörg zu uns rüber kommt, schenkt sie jedem von uns eine Packung Rocher. Wir freuen uns über das Weihnachtsgeschenk, doch sie sagt, es sei kein Weihnachtsgeschenk. Zu Weihnachten gibt es noch etwas anderes. Wir können es kaum glauben, glauben es dann aber doch, weil uns die Vorstellung, noch etwas geschenkt zu bekommen, gut gefällt. In zwei Wochen will sie in den Urlaub. Erst Paris, dann London. In London würde sie leben, wenn es dort nicht immer regnen würde. Sie zeigt noch ein Urlaubsfoto vom letzten Urlaub in Paris. Sie vor dem Eiffelturm. Wen interessiert der Eiffelturm?

Nächsten Donnerstag wird sie wiederkommen, damit ich ihr bei der Jobsuche helfe. Vielleicht erkennt sie dann, dass die Dinge nicht immer so leicht sind, wie sie sich das vorstellt. Vielleicht erkenne aber auch ich, dass es doch so ist. Wir werden sehen. Gleich hat sie noch einen Termin im Nagelstudio und fragt, welche Farbe sie nehmen soll. Auf die Frage gibt es exakt eine Antwort: „Schwarz.“ Sie ist überrascht, zeigt mir noch ein Foto mit der Farbe, die sie nehmen will und fragt, welche Farbe besser ist. „Schwarz. Die Antwort ist immer Schwarz.“

Die Brasilianerin ist einsam
Eigentlich sollte sie heute Morgen kommen, aber da hat sie geschlafen. Jetzt fehlt mir die Zeit, da ich mich um zwei Teilnehmer kümmern muss. Wie angekündigt, hat sie sich krankschreiben lassen, ohne krank zu sein. Sie will ihre Ausbildung definitiv beenden und nicht mehr an ihren Ausbildungsplatz zurückkehren. Meine Frage, was sie stattdessen machen will, kann sie nicht beantworten. Die Antwort zu ihrer beruflichen Zukunft erwartet sie von mir. Ich sage, dass sie morgen wiederkommen soll.

Die Kirschtorte im Kühlschrank steht dort seit über einer Woche. Da Torten nicht ewig leben, biete ich ihr am nächsten Tag kein Stück an. Wir entsorgen die Torte, von der nicht ein einziges Stück gegessen wurde, später, weil Torten einfach nicht ewig haltbar sind. Auch heute sieht die Brasilianerin wieder ganz entzückend aus. Kaum hat sie Platz genommen, halte ich ihr eine Art Rede. Sie sieht alles direkt ein und wird die Ausbildung zu Ende machen. Das war zu einfach. Es liegt wohl daran, dass Jörg ihr beim letzten Mal einen ähnlichen Vortrag gehalten hat, der sie zum Nachdenken brachte. Da ich ihren Plan ebenfalls als wenig durchdacht bezeichnete und erzählt habe, was für tolle Möglichkeiten sie hat, wenn sie abbricht, hat sie es wohl eingesehen. Vielleicht haben wir sie vor einem Fehler bewahrt. Vielleicht auch nicht. Wir werden sehen.
Nachdem das geklärt ist, bleibt sie noch bei mir und erzählt aus ihrem Leben. Sie ist oft einsam, fährt bald in den Urlaub, findet das Wetter gruselig und wird nächsten Monat 25. Sie möchte mit mir in den Outlet Store nach Roermond fahren, was ich interessant finde. Mehrfach betont sie, dass sie nicht weiß, was sie in den nächsten Tagen machen soll. Es ist offensichtlich, dass sie darauf hofft, dass ich vorschlage, etwas mit ihr zu unternehmen.

Es ist schmeichelhaft, wenn eine so junge, attraktive Frau meine Nähe sucht. Dennoch gehe ich nicht darauf ein, weil ich auf so etwas in der Regel nicht eingehe, obwohl ich der perfekte väterliche Freund für jüngere Frauen sein kann. Obwohl ich nichts mit ihr unternehmen werde, bleibt sie bis zu meinem Feierabend. Ich bin gespannt, wann sie wieder zu uns kommt und ob sie nochmal andeutet, dass sie Zeit mit mir verbringen möchte. Werde ich mich dann anders entscheiden?

2025

Die Brasilianerin ist weiter unzufrieden
Bei ihrem ersten Besuch des neuen Jahres zeigt sich: Das Grundproblem ist geblieben. Sie ist weiterhin unzufrieden mit dem Ausbildungsbetrieb, den Kolleginnen und der Gesamtsituation. Sie will nicht mehr. Sie hatte ein längeres Gespräch mit dem Chef. Dieser versprach Besserung, doch davon ist bisher nichts zu spüren. Es ist natürlich schwierig, wenn man nur eine Seite kennt, aber so ist es meistens.

Erneut fragt sie mich, was sie tun soll, liefert die Antwort aber selbst: Weitermachen. Alles andere ergibt derzeit keinen Sinn. Solange es keine Alternativen gibt, muss sie sich durchbeißen. Weder als Jobcoach noch als väterlicher Freund kann ich ihr etwas anderes empfehlen. Dennoch plant sie, nächste Woche eine Bewerbung nach Brasilien zu schicken; ihr Bruder hat da eine Idee. Während des weiteren Gesprächs wird aber klar, dass sie gar nicht zurück nach Brasilien will. Es ist nicht nur die Arbeitssituation, die sie belastet, auch ihre Einsamkeit macht ihr zu schaffen. Sie ist fast immer allein. Das ist nachvollziehbar, dennoch will so ein großer Schritt gut überlegt sein.

Heute möchte sie Pizza bestellen, aber wegen des Mindestbestellwertes für Lieferungen lohnt es sich nicht. Ich überlege kurz, ob ich mit ihr Pizza essen gehen soll, verwerfe die Idee aber wieder. Stattdessen schlage ich vor, dass wir demnächst zusammen mit Jörg Pizza bestellen und hier essen. Das ist privat genug, aber vielleicht auch totaler Quatsch.

Auch heute bin ich von ihrem Anblick wieder ganz angetan. Attraktive Frauen anzuschauen bereitet mir einfach Freude. Nächste Woche will sie wiederkommen, um mit meiner Hilfe die Bewerbung für Brasilien zu erstellen. Ich bin gespannt, wie es mit ihr weitergeht. Ob wir eines Tages wohl tatsächlich zusammen Pizza essen werden?

Die Brasilianerin hat einen Verehrer
Es ist etwa 13.30 Uhr. Ich sitze mit meinem einzigen Teilnehmer im Büro, als es klingelt. Da ich niemanden erwarte, bin ich gespannt, wer das wohl sein mag. Es ist die Brasilianerin, die wieder ganz entzückend aussieht. Sie teilt mit, dass sie nie wieder an ihren Ausbildungsplatz zurückkehren wird und derzeit krankgeschrieben ist. Allerdings ist sie tatsächlich krank.

Ihr Telefon klingelt. Auf dem Display erscheint das Bild eines jungen Mannes. Sie nimmt ab. Das Gespräch klingt, als würde ein junges Pärchen miteinander turteln. Leider hat sie aber jetzt keine Zeit für den jungen Mann. Niedlich. Während ich mich abwechselnd um meinen Teilnehmer und ihre Stellensuche kümmere, erzählt sie von ihrem anstehenden Termin im Nagelstudio. Rot sollen ihre Fingernägel werden. Da ihre Arbeitskleidung ebenfalls rot ist, zeigt sie mir ein Foto. Ich bestätige, dass ihr die Farbe steht. „Meine Arbeitskleidung steht mir nicht“, entgegnet sie und wischt auf ihrem Handy zu einem Foto, das sie in einem roten Kleid zeigt. Man könnte den Anblick leichtfertig als atemberaubend bezeichnen, aber zu solchen Äußerungen ließ ich mich noch nie hinreißen.

Danach widmen wir uns eigentlich der Jobsuche. Sie landet auf der Webseite von Zara. „Wenn Sie mir mal was schenken, dann von dort“, flachst sie. „Moment“, antworte ich, „ich gehe sofort los und kaufe Ihnen was Schwarzes.“ Wir landen im Gespräch beim „Verspäter“, einem ehemaligen Teilnehmer, der ihr letzte Woche seine Nummer aufdrängen wollte. Sie findet ihn und seine Masche einfach nur nervig. Türkische Männer findet sie überhaupt nervig, was das Thema angeht. Währenddessen vibriert ihr Handy ständig: Nachrichten ihres Verehrers. Der arme Kerl ist vermutlich bis über beide Ohren verliebt, doch sie ist genervt und hat keine Zeit für ihn. Es ist faszinierend, das alles zu beobachten.

Themenwechsel: Gesundheit. Obwohl sie eigentlich nicht drüber reden mag, erzählt sie doch sehr viel. Und als sie mir die Notfallüberweisung ihres Arztes zeigt, weiß ich eigentlich alles. Vielleicht bin ich ja doch der Mann, dem die Frauen vertrauen. Weil es gerade so gut läuft, schenke ich ihr eine Packung Traubenzucker, worüber sie sich tatsächlich freut.

Obwohl die Zeit meines Teilnehmers noch nicht um ist, schicke ich ihn nach Hause, da ich mich ohnehin nicht ausreichend um ihn kümmere. Ich bin wirklich ein sehr professioneller und gewissenhafter Jobcoach. Das Bizarre ist: Ich habe noch nie so viel mit einer 25-Jährigen geredet. Nicht einmal, als ich 25 war. Zumindest kann ich mich nicht erinnern.

Morgen will sie zum Pizzaessen wiederkommen. Da ein Audit ansteht, vereinbaren wir, dass ich sie anrufe, sobald die Luft rein ist. Sie weist mich auf ihre neue Telefonnummer hin, was ich sehr vernünftig finde. Obwohl wir mit der Tagesaufgabe fertig sind, bleibt sie noch, was ich durchaus zu schätzen weiß. Sie findet es sicher angenehm, dass wir alten Coaches zwar nett zu ihr sind, sie aber niemals anbaggern oder anderweitig belästigen. Vielleicht ist das einer der Vorteile des Alters: Man weiß einfach, wo die Grenzen sind und kommt nicht auf absurde Ideen.

Sie bleibt, bis ich Feierabend mache. Ich genieße ihre Anwesenheit, ihren Duft und ihre Geschichten. Unterhaltsam ist sie auch und weil ich gut zuhören kann, kann sie einfach weiter aus ihrem Leben erzählen. Morgen wird sie ihre neuen Fingernägel vorführen. Da ich eine Schwäche für schöne Frauenhände habe, wird mir das sicher gefallen, obwohl mir schwarze Fingernägel besser gefallen, aber dazu kann ich sie auch heute nicht überreden.

Eine Woche später
Die Rumänin ist gerade weg, da klingelt es erneut. Es ist die Brasilianerin, die auch direkt zu mir kommt. Sie möchte von der neuesten Entwicklung berichten. Das Jobcenter unterstützt sie bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz, sie braucht aber, um keine Sperre zu bekommen, ein ärztliches Attest, welches bestätigt, dass der Stress sie krank macht. Sie hat zwar ein Attest bekommen, aber es fehlt der Hinweis, dass der Stress durch die Ausbildung ausgelöst wird. Ich weiß nicht, ob das ausreicht. Ihre Fingernägel sind, wie angekündigt, rot und erwartungsgemäß sieht das ganz toll aus. Jörg, der etwas eher Feierabend hat, lässt sich gar nicht blicken und verabschiedet sich aus der Entfernung. Sonst ist er immer wenigstens kurz mal rüber gekommen. Ich glaube, den Tag muss er erstmal verarbeiten. Wie üblich, bleibt die Brasilianerin bis ich Feierabend habe bei mir. Morgen möchte sie wiederkommen und mit mir Pizza essen. Ich sag ja immer wieder, dass dies vermutlich der einzige Job ist, der mir so etwas ermöglicht und den ich überhaupt ausüben kann.

Die Brasilianerin hat an mich gedacht und mir etwas mitgebracht
Es ist etwa 15.15 Uhr, als es an der Tür klingelt. Jörg öffnet und unterhält sich mit einer Frau, die recht bald fragt, ob ich da bin und wenig später bei mir im Büro steht. Es ist die Brasilianerin und sie sieht heute nicht nur gut aus, sie hat auch eine Packung Milka Pralinen dabei und ich vermute, so arrogant bin ich, dass sie für mich ist. Ich bekomme mein Geschenk, bedanke mich und frage natürlich, warum sie mir etwas mitgebracht hat. Sie antwortet: „Ich habe an Dich gedacht. „ Das ist entzückend und ich finde, da darf sie mich ruhig mal duzen. Ich bedanke mich nochmal und sage, dass ich das sehr nett finde. Außerdem sage ich, dass ich sie vermisst habe und dachte, sie würde gar nicht mehr zu uns kommen, weil sie über einen Monat nicht hier war. Sie erzählt, dass sie zweieinhalb Wochen krank war, viel gearbeitet hat und deshalb nicht zu uns kommen konnte. Sie war auch bei mehreren Ärzten, wurde mehrfach untersucht, aber trotz der offensichtlichen Probleme, sagen alle Ärzte, sie sei gesund, was sie natürlich ziemlich belastet. Ihre Ausbildung hat sie bisher noch nicht abgebrochen, sucht aber intensiv nach irgendwelchen Helferjobs. In den nächsten Tagen hat sie ein Vorstellungsgespräch bei einer Zeitarbeitsfirma, von der ich nicht viel halte. Als Coach und väterlicher Freund muss ich ihr davon abraten. Außerdem sage ich ihr, dass sie nichts unterschreiben soll, ohne vorher mit mir zu reden. Mal schauen, ob sie sich daran hält. Da ich nichts Interessantes zu erzählen habe, bin ich froh, dass sie redet und ich sie dabei einfach anschauen kann. Wie immer bin ich von ihren Fingern und Händen ganz angetan. Beim Betrachten entdecke ich zwei Narben, spreche sie aber nicht darauf an. Und was für schöne Lippen sie hat, und ihre Haut, so zart, so glatt. Immer wieder ein schöner Anblick. Am Wochenende will sie nach Hamburg. Gerne würde sie dort mit einer Bekannten in eine WG ziehen, weiß aber, dass es in ihrer jetzigen Situation unrealistisch ist. Um ihr Visum muss sie sich auch kümmern, da es abgelaufen ist. Immer was zu tun, die junge Frau.
Frau Kratzer, die einzige Teilnehmerin, die noch da ist, hat Feierabend, legt ihre Mappe im Vorbeigehen mit einem Kommentar, den ich nicht verstehe, auf meinen Tisch und geht zur Toilette. Die Brasilianerin muss lachen und ist offensichtlich sehr amüsiert. Ich frage sie, was so lustig ist. Sie sagt, es ist die Art, wie die Frau die Mappe auf den Tisch geknallt hat und macht es nach. Wenn man es so betrachtet, könnte man glauben, dass Frau Kratzer unzufrieden ist, weil die Brasilianerin meine ganze Aufmerksamkeit bekam und Frau Kratzer sich vernachlässigt fühlt. Das ist witzig, aber ich glaube nicht, dass es wirklich so war. Vielleicht frage ich Frau Kratzer beim nächsten Termin, ob sie zu wenig Aufmerksamkeit von mir bekam. Wahrscheinlich aber nicht. Die Brasilianerin erzählt wieder einmal, wie einsam sie ist und ich frage mich, wer der Mann ist, der gerade angerufen hat und dem sie sagte, dass sie ihn gleich zurückrufen wird. Scheinbar niemand, der ihre Einsamkeit verringern kann. Da sie abermals bleibt, bis ich Feierabend habe, muss er eine Weile auf den Rückruf warten. Ich bin kein Arzt und habe keine Ahnung, aber ihre Einsamkeit und ihre gesundheitlichen Probleme könnten theoretisch durchaus irgendwie zusammenhängen. Ich spreche das natürlich nicht an, weil ich nicht glaube, dass ihr das irgendwie helfen könnte und es auch nur eine Vermutung ist. Mal sehen, wie es sich entwickelt und ob vielleicht irgendwann die Ursache des gesundheitlichen Problems entdeckt wird. Zum Abschied frage ich sie, ob sie erst nächsten Monat wiederkommen wird. Sie antwortet, dass es nicht so lange dauern wird, worauf ich erwidere, dass ich mich freue und meine es tatsächlich so. Und das liegt nicht nur daran, dass sie mir etwas mitgebracht hat. Doch das spielt natürlich schon eine große Rolle.

Die Brasilianerin ist glücklich und will einen Kuchen backen
Es ist der 25. April 2025, 14.00 Uhr, ich erwarte niemanden mehr, als es plötzlich und unerwartet klingelt. Ich stehe auf, gehe zur Tür und bin durchaus überrascht, als ich die Brasilianerin sehe. Auch heute sieht sie wieder gut aus, aber wann sah sie jemals nicht gut aus? Nach kurzer Begrüßung geht sie ins Büro zu Jörg. Soweit ich das mitbekomme, hat sie ihm etwas mitgebracht und er bedankt sich ordnungsgemäß. Ich finde das gut, denn beim letzten Mal hat sie mir etwas mitgebracht. Wenige Augenblicke später kommt sie zu mir rüber, sagt, dass es ziemlich warm in meinem Büro ist, und zieht ihren Mantel aus. Ich bin kurz davor zu sagen, dass es so warm ist, damit sie sich auszieht, aber das ist zu pubertär und auch zu flach. Sie wirkt glücklich, was, wie ich später erfahre, daran liegt, dass sie den Ausbildungsbetrieb gewechselt hat und heute den Ausbildungsvertrag unterschrieben hat. Für mich hat sie eine Packung Merci-Schokolade dabei und ich frage sie, warum sie mir immer was schenkt. „Nur so. „ Ich sage ihr, dass es mir gefällt, wenn sie mich besucht und etwas mitbringt. Sie erzählt von der neuen Ausbildung und dass das Attest, welches sie damals von ihrem Arzt bekommen hat, dem Jobcenter nicht reichte, was ich eh vermutet hatte. Sie weist mich deshalb darauf hin, dass ich immer Recht habe, was aber leider nicht so ist und ihr auch mitteile. Irgendwann fragt sie, was ich am Wochenende gemacht habe und ich verrate, dass ich bei Bruna Kuchen essen war. Kuchen essen findet sie gut, Kuchen backen kann sie und schlägt vor, dass sie uns einen Kuchen backt. Nächstes Mal wird sie einen Karottenkuchen mitbringen. Sofort habe ich das Bedürfnis, ihr einen Tee zu machen, was sie offensichtlich freut. Wir plaudern weiter und sie zeigt mir Fotos von sich, die ChatGPT bearbeitet hat. Da ich auch so ein bearbeitetes Profilfoto habe, zeige ich es ihr. Sie findet es voll süß. Ich weiß ja nicht. Nachdem sie mir einige bearbeitete Fotos gezeigt hat, zeigt sie mir nun die Originale. Sie in sommerlichen Outfits, man sieht viel Haut und viel Figur. Das ist natürlich entzückend und ich bin so verwirrt, dass ich sie zweimal duze, was aber nicht weiter auffällt und sicher nicht schlimm ist, da sie mich auch gelegentlich duzt. Vielleicht sollten wir uns grundsätzlich duzen, aber ich weiß nicht, ob das nicht zu persönlich wäre. Weil ich ein netter Mensch bin, schenke ich ihr spontan eine Packung Likörkirschen. Sie freut sich und ich freue mich, dass sie sich freut.
Sie ist morgen zur Ü30-Party eingeladen und ich sage ihr, dass ich vor ein paar Jahren auch mal dort war. Sofort schlägt sie vor, dass ich da auch hinkomme und wir uns dort treffen. Ich erwidere dass ich meistens um 22.00 Uhr nach Hause will, weil ich dann genug von Ausflügen habe. Geht ihr genauso und sie findet es gut. Zurzeit ist sie in Recklinghausen Kirmes und sie würde da so gerne hin, aber ihre Freundin will immer Party machen. Falls sie doch zur Party geht, muss sie sich etwas Neues anzuziehen kaufen, sagt sie. Sie denkt wohl an eine Art Cocktailkleid. Ich zeige ihr ein paar Fotos früherer Ü30-Partys, um ihr zu zeigen, dass sie kein Cocktailkleid braucht. Sie sieht an einer der Frauen ein Oberteil, welches ihr gut gefällt. So eins will sie auch haben. Wenig später zeigt sie ein Foto, auf dem sie ein ähnliches Oberteil trägt, somit braucht sie sich kein Neues kaufen. Hoffentlich fange ich nicht irgendwann an zu sabbern oder setze mein debiles Dauergrinsen auf. Das wäre peinlich, aber durchaus möglich, wenn sie mir weitere Fotos zeigt. Auch wenn ich mehr als doppelt so alt bin, kann niemand von mir erwarten, dass ich nicht von den Fotos angetan bin.
Sie erzählt von ihrer bislang einzigen Party in Deutschland. Ein Mann sprach sie an und meinte, sie sei aus Russland. Auf die Frage, wie er darauf kommt, sagte dieser wohl, weil sie einen so großen Arsch hat. Früher hätte ich das sicher kommentiert, als väterlicher Freund sage ich nichts zu ihrem Arsch. Stattdessen überlege ich, ob ich sie künftig Russin nennen soll. Eine Weile plaudern wir noch, wobei meistens sie redet, während ich sie mir anschaue. Alter Spanner. Selbst wenn sie die ganze Zeit nur Boing Bumm Tschak sagen würde, wäre ich zufrieden und würde sie einfach nur betrachten. Sie geht, so sagt sie, gerne spazieren und ich wäre gerne zwanzig Jahre jünger, was ich aber nicht sage, weil es keinem von uns helfen würde. Ich bin sicher, dass sie, wenn ich sie nach einem gemeinsamen Spaziergang fragen würde, nicht nein sagen würde. Ich frage aber nicht und vielleicht rede ich mir auch nur ein, dass sie nicht nein sagen würde. Weil ich auch sonst nicht mehr viel mitzuteilen habe, verlässt sie mich noch bevor ich Feierabend habe. Das ist neu. Zum Abschied sagt sie, dass sie in zwei Wochen mit Kuchen zu uns kommen wird und geht rüber zu Jörg, wo sie bleibt, bis er Feierabend hat. Ob sie in zwei Wochen wirklich einen Kuchen backt und damit zu uns kommt? Sollte sie das tatsächlich tun, müsste ich sie eigentlich auf ein Eis, ein Kaltgetränk oder einen Spaziergang einladen. Alles andere wäre unhöflich und gegen meine Regeln, denn auch ein väterlicher Freund kann nicht immer nur nehmen, aber ich weiß nicht, ob das wirklich eine gute Idee ist. Andererseits …

Die Brasilianerin ruft an, kommt vorbei und bringt was mit
Nachdem ich zwei Monate nichts von ihr gehört habe, ruft die Brasilianerin an und fragt, ob sie zu uns kommen kann. Ich habe zwar gerade einen Teilnehmer hier, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Also teile ich ihr mit, dass sie natürlich vorbeikommen kann. Sie fragt, ob ich schon gegessen habe. Wenn nicht, will sie etwas mitbringen. Da ich gerade gegessen habe, wird sie nichts mitbringen.

Wenig später ist sie auch schon da und sieht wieder brasilianisch gut aus. Eine kurze Jacke, ein T-Shirt mit tiefem Ausschnitt und eine Jeans mit ein paar Löchern trägt sie über ihrer leicht gebräunten Haut. Ich biete ihr einen Tee an, den sie gerne nimmt. Ich setze Teewasser auf und sie geht zur Toilette. Ich wundere mich, wo sie bleibt, und gehe in die Küche, als das Wasser kocht. Sie ist in der Küche, hat aufs Wasser gewartet und gießt es gerade auf. Großartig. Wir setzen uns in mein Büro und lassen den Teilnehmer seine Arbeit machen.

Sie hat viel zu erzählen, ich eher weniger. Alles ist wie immer. Gesundheitlich geht es ihr besser, aber nicht gut. Dafür läuft es im Job gut. Ihr Anblick gefällt mir auch weiterhin und ich bedauere, dass ich so alt bin, obwohl es niemandem helfen würde, wenn ich jünger wäre. Sie erzählt von ihrem Alltag: Arbeiten, nach Hause, schlafen, arbeiten. Gerne würde sie mehr unternehmen, aber sie hat niemanden. Als väterlicher Freund fällt mir dazu spontan nichts ein. Als nächstes zeigt sie mir Fotos ihres Neffen. Frisch geboren und ganz süß. Sie fragt, ob ich bei Instagram bin. Nachdem ich das bejahe, hält sie mir ihr Smartphone hin, damit ich meinen Namen eintippe. Danach schaut sie sich ein paar meiner Fotos an. Dass ich mich auf meinen Fotos stets kopflos präsentiere, findet sie irgendwie merkwürdig. Immerhin gefällt es ihr, dass die Fotos an verschiedenen Orten aufgenommen wurden.

Gleich muss sie nach Recklinghausen, möchte aber nicht allein fahren. Da ich gegen 16.00 Uhr Feierabend habe, könnten wir zusammen fahren, schlägt sie vor. Eine durchaus gute Idee, aber ich muss leider zur Werkstatt, um das Coupé abzuholen, so dass es nicht geht. Glücklicherweise hat sie ihre Jacke so positioniert, dass ein Blick in den Ausschnitt unmöglich ist. Das finde ich vernünftig, weil ich sonst vermutlich immer dorthin schauen würde. Das ist genetisch bedingt und kann mir nicht zum Vorwurf gemacht werden, aber so ist es besser.

Im August möchte sie eine Schönheits-OP durchführen lassen. Erst will sie nicht verraten, was sie vorhat, dann teilt sie mir mit, dass eine Brust-OP ihr Wunsch ist. Da habe ich wenig Verständnis, weil sie große Brüste hat. Wenig später ist klar, dass die Brüste nicht größer, sondern kleiner werden sollen. Dafür habe ich durchaus Verständnis, vor allem, weil es sie ja belastet.

Dann muss sie auch schon gehen. Da ich Anfang Juli Urlaub habe und sie im August Urlaub hat, wird sie sich nach ihrem Urlaub wieder melden. Als sie geht, holt sie eine Tafel Schokolade aus ihrer Tasche, die sie mir mitgebracht hat. Ich frage sie, warum sie mir immer was schenkt. „Weil Sie mir immer zuhören „, sagt sie. Das ist niedlich. Ich bringe sie noch zur Tür und ich glaube, eine Abschiedsumarmung wäre durchaus möglich, doch das wäre irgendwie unangemessen und daher gibt es keine Umarmung. Auch ohne Umarmung mag ich sie und freue mich, dass sie so gerne zu mir kommt. Wer hätte gedacht, dass ich mal für zwei junge, attraktive Frauen der väterliche Freund sein würde? Ich jedenfalls nicht. So viel Glück hat man nicht oft. Im Großen und Ganzen habe ich sowieso Glück mit Frauen aller Altersklassen. Und auch das ist nicht selbstverständlich.

Pizza mit der Brasilianerin – altersgerecht gewürzt
Anfang August 2025. In einem verwirrten Moment teile ich der Brasilianerin mit, dass wir vor meiner Reha zusammen Pizza essen sollten. In meiner Vorstellung findet das Pizzaessen im Büro statt, doch irgendwie bringe das wohl nicht deutlich rüber und sie denkt, dass wir zusammen in ein Restaurant gehen. Weil es mir peinlich wäre zu sagen, dass ich eigentlich an eine gemeinsame Pizzaeinnahme im Büro dachte, kommt am Ende dabei heraus, dass wir in Dortmund Pizza essen gehen werden. Ich muss echt an meinen Kommunikationsfähigkeiten arbeiten.

In der folgenden Woche klappt es irgendwie nicht, weil wir immer unterwegs sind, und dann reist sie spontan nach Venedig, weshalb ich davon ausgehe, dass das Thema erledigt ist.

Doch heute fragt sie über Instagram – wir kommunizieren ausschließlich über Instagram – für mich durchaus überraschend, wann wir zusammen Pizza essen gehen. Ich schlage ein Mittagessen am kommenden Samstag vor. Sie ist einverstanden und ich bin verwirrt.

Am Tag vor dem geplanten Essen beschließe ich, dass wir nicht nach Dortmund, sondern nach Olfen fahren und schlage ihr das vor. Sie ist direkt einverstanden. Bisher ein recht einfacher Vorgang.

Kurz vor 12.00 Uhr hole ich sie ab. Sie sieht altersentsprechend gut aus und weist mich direkt darauf hin, dass sie pünktlich fertig war. Scheinbar keine Selbstverständlichkeit.

Das Gespräch läuft direkt entspannt: Sie redet und fragt, ich höre zu und antworte. Sie erkundigt sich nach der Kur, den Gründen, wo es ist und ob ich dort besucht werden kann. Als ich antworte, dass Besuche am Wochenende möglich sind, fragt sie, ob sie mich besuchen kann. Da spricht aus meiner Sicht nichts dagegen. Mal schauen, ob ich tatsächlich zur Reha fahre und ob sie mich tatsächlich besuchen wird.

Während des ganzen Treffens haben wir eine breite Themenpalette: Kleidung, Schminken, Deutsche, Brasilianer, Religion, Urlaub, Jobs, Menschen im Allgemeinen, Chefs im Besonderen, Eltern, und so weiter. Als sie fragt, wie alt ich bin und mich auf 58 schätzt, bin ich kurz etwas enttäuscht, aber sie ist erst 25 und ich sehe längst älter aus, als ich bin. Da kann ich nicht einmal enttäuscht sein. Letztlich bin ich so alt wie ihre Mutter – was sich auch nicht ändern lässt.
Nach dem Essen übernehme ich die Rechnung, weil sie mich beim letzten Mal eingeladen hat und es manchmal wichtig ist, wenn es ausgeglichen ist.
Auf der Rückfahrt plaudern wir entspannt weiter, dann ist unser Ausflug vorbei. Am Ende bleibt das Gefühl: unkompliziert, entspannt – genau so sollte es immer sein.
Die Brasilianerin will mich während der Reha besuchen 09.25
Da die Brasilianer denkt, ich sei zur Reha nur kurz hinter Münster, will sie mich besuchen. Als ich ihr mitteile, dass es doch weiter ist und sie mindestens 2,5 Stunden pro Strecke fahren müsste, legen wir den Plan zu den Akten.
Doch nur eine Woche später schreibt sie, dass sie mich besuchen kommt, wenn ich das möchte. Ich würde wirklich gerne Zeit mit ihr verbringen und fände es cool, wenn sie mich besucht, halte es aber für nicht zumutbar und sage ihr, dass wir zusammen essen gehen, wenn ich zurück bin.

Die Brasilianerin bringt Donuts mit
24. Oktober 2025. Der letzte Tag als Urlaubsvertretung für Jörg. Ich erwarte niemanden, als es gegen Mittag schellt. Es ist die Brasilianerin. Sie hat Donuts mitgebracht, da ich gerade Pause habe. Ich finde das ganz entzückend. Immer bringt sie etwas mit. Zu den Donuts serviere ich Tee. Sie erzählt viel und sieht dabei so gut aus, wie Männer sich eine 25-jährige Brasilianerin vorstellen. Nachdem sie zum zweiten Mal erwähnt, dass sie am Wochenende noch nichts vorhat, schlage ich vor, dass wir morgen essen gehen, weil ich das ja während meiner Reha angekündigt hatte. Sie ist einverstanden. Alles andere hätte mich auch gewundert.

Essen gehen mit der Brasilianerin
Um exakt 11.45 Uhr bin ich bei der Brasilianerin, drei Minuten später steigt sie ins Auto. Drei Minuten sind akzeptabel.

Auch heute fahren wir nach Olfen, aber in ein anderes Restaurant. Zum Glück hat sie auf der Hinfahrt immer etwas zu erzählen, mir fällt nämlich wenig bis gar nichts ein.

Im Ristorante Mamma Stella sind wir lange die einzigen Gäste. Für mich gibt es Pizza Tonno, sie bestellt Nudeln. Ihr erstes Essen seit dem Donut von gestern. Kaum isst sie etwas, sind ihre Kopfschmerzen verschwunden. Ich mache das, was ich am besten kann: ich betrachte sie. Ihre langen Finger, die gebräunte Haut, die klaren, leuchtenden Augen. Jugendliches Aussehen. Unbezahlbar. Manchmal wirkt sie noch jünger, fast Mädchenhaft.
Ich denke über den sinnlosen Verfall nach, über die Vergänglichkeit von Schönheit. Dieser ganze Alterungsprozess, ein einzige Farce, eine regelrechte Zumutung.

Warum geht eine so junge Frau mit einem so viel älteren Mann essen? Einsamkeit? Vermutlich. Sie klagt oft darüber, obwohl sie viel unternimmt. Vermutlich ist ihr das gar nicht bewusst. Sie ist jung, sie will unterwegs sein, etwas erleben. Verständlich.
Sie erzählt von ihrer Ausbildung. Dann davon, warum sie während der Maßnahme nicht zu Jörg wollte: Weil er drei Stunden ununterbrochen redet. Immer weiter. Viele kommen damit nicht klar. Sie wollen nicht drei Stunden am Stück unterrichtet werden. Dabei könnte man viel von ihm lernen.

Als es ans Bezahlen geht, sage ich ihr, dass ich heute bezahle, und sie das nächste Mal. Klare Ansagen kann ich. Ab und zu.

Auf der Rückfahrt erzählt sie plötzlich von ihren Beziehungen. Vom letzten Freund, der sie kontrolliert hat. Ich erinnere mich sogar daran und habe mich damals gefragt, warum sie sich das alles gefallen ließ. Dabei ist es fast offensichtlich: Einsamkeit. Und sie ist halt noch sehr jung. Da kann so etwas passieren. Nur wiederholen sollte es sich nicht. Der letzte Mann, den sie traf, war älter, aber das passte nicht. Bisher war es oft so, dass Frauen, die solche Themen ansprechen, auch Interesse an mir hatten. Das erscheint mir in diesem Fall zwar abwegig, aber sie ist einsam, ich kann gut zuhören, manchmal reicht das schon. Wenn es so wäre, wäre es schmeichelhaft. Aber mir fällt keine Version ein, in der das eine gute Idee wäre. Ich bin nicht Alain Delon, das ist kein Film. Hoffen wir also, dass ich mich irre.

Ordnungsgemäß setze ich sie zu Hause ab. Sie bedankt sich, ich fahre heim.

Die Brasilianer bringt uns Mini-Panettone
Am 10. Dezember kommt die Brasilianerin direkt von ihrer Arbeit zu uns zu Besuch. Mit der ihr eigenen Attraktivität, für die sie nichts kann, betritt sie unsere Räumlichkeiten. Sie hat uns Mini-Panettone mitgebracht. Fast immer bringt sie etwas mit. Wie üblich sieht sie gut aus. Jung und attraktiv zu sein ist eine wirklich feine Sache und ich freue mich, dass ich ihren Anblick immer wieder geboten bekomme. Ich bedanke mich für das Geschenk und weise darauf hin, dass ich nichts für sie habe, weil ich nicht wusste, dass sie zu uns kommen wird. Das ist okay für sie und sie weist mich darauf hin, dass ich sie zuletzt zweimal zum Essen eingeladen habe und sie das nächste Mal bezahlen wird. Bei der Gelegenheit fragt sie, wann das nächste Mal sein wird. Wir merken uns nächsten Mittwoch, weil es in diesem Jahr vermutlich keine anderen Möglichkeiten gibt. Eine Weile hakt das Gespräch ein wenig, dann muss ich mich um einen Teilnehmer kümmern. Sie bleibt entspannt sitzen, als wäre es völlig normal, dass sie hier ist. Sie verbringt offensichtlich gerne Zeit mit ihrem väterlichen Freund.

Die Brasilianerin sagt ab
Am Mittwoch, ein paar Stunden vor dem geplanten Treffen, schreibt sie mir, dass sie keine Zeit hat. Ich antworte, dass wir es dann einfach aufs nächste Jahr verschieben, weil in diesem Jahr keine Zeit mehr ist. Später sehe ich bei Instagram, dass sie abgesagt hat, weil sie irgendwo auf einem Weihnachtsmarkt ist.

Tage später hat sie bei Instagram ein Foto, auf dem sie mit einem jungen Mann zu sehen ist. Es sieht ganz so aus, als wäre das ihr neuer Freund. Altersmäßig sieht es passend aus. Beide attraktiv. Ich wünsche ihr, dass es so ist und er kein Arschloch ist. In ihren nächsten Posts bei Instagram schreibt sie, dass sie Zeit mit ihrem “Schatz” verbracht hat. Das klingt gut. Mir gefällt es, dass sie jemanden gefunden hat und ich freue mich für sie. Auch wenn wir nicht mehr zusammen essen gehen werden und sie mich nicht mehr im Büro besuchen wird. Es ist ein schöner Abschluss. Das mag ich.

Die Brasilianerin besucht mich im Büro
Es ist der 18. Februar 2026, als mich völlig unerwartet die Brasilianerin im Büro besuchen kommt. Ich muss gestehen, dass ich damit absolut nicht gerechnet habe.

Ich bitte sie herein und sie nimmt in meinem Büro Platz. Da es im Büro ziemlich warm ist, zieht sie ihren Mantel aus. Ein eng geschnittenes Oberteil, das durchaus tief blicken lässt, kommt zum Vorschein. Obwohl ich es nicht will, wandert mein Blick immer wieder zu dem Ausschnitt. Egal, wie alt ich werde – lässt eine Frau tief blicken, bin ich fasziniert. Sie hat sich einen Joghurt mitgebracht, den sie isst, während sie ein wenig von ihrer Ausbildung erzählt. Ich frage mich abermals, wieso sie mich immer wieder im Büro besuchen kommt. Da ich keine Antwort finde, erfreue ich mich einfach an ihrem Anblick und genieße das Privileg, von einer attraktiven 26-jährigen besucht zu werden. In der Regel muss man ein alter, reicher Sack sein, um so junge Frauen zu treffen. Heute zeigt sie mir ein Foto ihres Bettes und des Schlafzimmers. Als pubertierender Jüngling, wäre ich jetzt sicher ganz aufgeregt und aus dem Häuschen gewesen und hätte bestimmt einen unpassenden Spruch gebracht, den Frauen alles andere als witzig finden würden. Heute fällt mir so ein Spruch nicht einmal ein, wenn ich darüber nachdenke, und sage ich lediglich, dass es ein schönes Bett ist. Da ich Teilnehmer betreuen muss, verabschiedet sich die Brasilianerin nach etwa 45 Minuten wieder von mir.

Wir verabreden uns nicht, weil die Zeit der Verabredungen vorbei ist.

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