03.08 – 08.10
Als ich mal wieder sinnlos Zeit in einem Chat verbringe, komme ich mit Emma ins Gespräch. Sie scheint ganz nett zu sein und wir schreiben ein wenig, bevor ich beschließe, dass ich gehen muss. Aus unerklärlichen Gründen drängt Emma mir ihre Telefonnummer auf. Ich notiere sie und verabschiede mich aus dem Chat.
Für gewöhnlich ist es sinnlos, mir eine Nummer zu geben, da ich nie weiß, was ich damit anfangen soll. Bei Emma mache ich eine Ausnahme und schreibe ihr eine SMS. Wir texten ein paar Mal hin und her, dann langweilt mich der Quatsch und ich beschließe, den Chat nach weiteren Frauen abzusuchen.
Wie erwartet interessiert mich dort niemand besonders. Gerade als ich gehen will, sehe ich, dass Emma ebenfalls online ist. Wir schreiben kurz miteinander und da mich selbst das nach wenigen Minuten wieder langweilt, frage ich sie spontan, wann sie mir Bochum zeigt.
„Wann hast Du Zeit?”
„Am Mittwoch.”
„Okay. Dann gehen wir am Mittwoch etwas trinken.”
„Echt?”
„Natürlich.”
Damit habe ich nicht gerechnet. Ich frage sie, wie wir uns erkennen wollen. Da sie ein Foto von mir gesehen hat, meint sie, dass sie mich schon erkennen wird. Meine Frage nach einem Foto von ihr wird erwartungsgemäß verneint. Stattdessen beschreibt sie sich: 1,63 m, schlank, dunkelblondes Haar. Das hilft mir nur bedingt weiter.
Kurz bevor wir das Gespräch beenden, fragt sie nach meiner Festnetznummer, weil sie mich später anrufen möchte. Ich gebe sie ihr und bin gespannt, ob sie sich tatsächlich meldet.
Etwa eine Stunde später ruft sie mich an. Ihre Stimme schreckt mich irgendwie ab und sie redet dermaßen laut, dass ich den Hörer vom Ohr weghalten muss, um keinen Gehörschaden davonzutragen. Ob es wirklich eine gute Idee war, ihr meine Nummer zu geben? Zumindest spricht sie in ganzen Sätzen.
Sie mag keine Männer, die nur nett sind und sucht keinen besten Kumpel. Freunde hat sie auch genug. Sie ist keine Stalkerin, hat ihr Germanistikstudium abgebrochen, eine Umschulung zur Buchhändlerin abgeschlossen. Derzeit arbeitet sie als Kellnerin. Sehr viele Informationen prasseln auf mich nieder und mein Ohr tut langsam weh. Sie findet chatten genauso blöd wie ich und trotzdem haben wir uns im Chat kennen gelernt. Das sollte uns zu denken geben. Nach etwas mehr als einer Stunde habe ich mich einigermaßen an ihre Stimme gewöhnt und sage ihr, dass ich es etwas unfair finde, dass ich kein Foto von ihr bekomme. Sie sagt mir, dass ich bestimmt keinen Schock bekomme, wenn ich sie sehe und die Leute sagen, dass sie sehr schöne Augen, einen tollen Arsch und schöne Beine hat. Falls wir uns am Mittwoch wirklich treffen, werde ich wissen, ob sie gelogen hat oder nicht.
Nach über zwei Stunden beschwert sie sich darüber, dass ich sie nicht ernst nehme und veralbere. Ich antworte, dass es daher kommt, dass sie nette Typen langweilig findet und ich deshalb nicht permanent nett zu ihr sein kann. Danach gebe ich mir allerdings Mühe, sie zu unterhalten. Sie lacht viel und hat ihren Spaß. Mit mir zu telefonieren ist schon eine feine Sache. Wir einigen uns darauf, dass sie die Getränke für mich bezahlt, wenn ich am Mittwoch extra für sie nach Bochum fahre, damit sie mich kennenlernen kann. Ich finde, das ist das Mindeste, was sie für mich tun kann. Nach drei Stunden bin ich der Meinung, dass ich ihr genug Freude bereitet habe und es an der Zeit ist das Gespräch zu beenden.
Ich glaube, sie freut sich darauf, mich kennenzulernen. Am Telefon bin ich einfach unwiderstehlich. Zum Abschied sagt sie mir, dass ich eine schöne Stimme habe. Da ich das nicht zum ersten Mal höre, wird es wohl stimmen. Mal sehen, welche Show ich ihr am Mittwoch biete und ob sie danach immer noch so angetan ist.
Erstes Treffen
Als ich am vereinbarten Treffpunkt ankomme, entdecke ich zwei Frauen, die scheinbar auf jemanden warten. Eine davon ist mit Sicherheit für mich. Aber welche?
An der ersten gehe ich einfach mal vorbei. Sie ist nicht unbedingt mein Typ. Die zweite Frau geht gar nicht. Wenn sie meine Verabredung ist, dann wird es bitter. Auch an ihr gehe ich vorbei, stelle mich etwas hinter die beiden Frauen und schreibe eine SMS, um zu sehen, welche für mich ist. Ich habe Glück, Emma ist die erste Frau. Ich gehe zu ihr rüber.
Leider ist sie wenig kommunikativ. Ich glaube, das wird ein zäher Abend. Nach kurzer Zeit sagt sie, dass ich etwas erzählen muss, da sie gerade nichts sagen kann und ein paar Minuten braucht. Entweder ist sie entsetzt oder fasziniert von mir. Ich werde mich auch erst an sie gewöhnen müssen. Sie sieht ganz anders aus als erwartet. Aber so ist es ja meistens.
Wir setzen uns in ein Café und ich fordere sie auf, ihre kommunikative Seite zu präsentieren. Ich bin schließlich nicht zu ihrer Unterhaltung hier. Sie soll mich unterhalten. Nach einiger Zeit habe ich mich an sie und ihre Stimme gewöhnt. Wir reden hauptsächlich belangloses Zeug. Ich mache Witze, drehe ihr die Worte im Mund um und amüsiere mich recht gut. Dennoch frage ich mich gelegentlich, was ich hier eigentlich mache. Die Zeit vergeht recht schnell. Ich glaube, sie mag mich. Warum sonst sollte jemand meinetwegen nervös sein? Das gefällt mir. Und weil ich gerade etwas überheblich bin, flirte ich ein wenig mit ihr. Ich liebe es, wenn Frauen verlegen werden. Es läuft.
Ich betrachte sie und frage mich, ob ich Lust habe, mit ihr ins Bett zu gehen. Ich bin mir nicht sicher. Außerdem ist es schon fast 23:00 Uhr und ich muss morgen früh raus. Genug für heute. Ich fordere sie auf, die Getränke zu bezahlen, was sie anstandslos macht. Wir verlassen das Café.
Als wir an meinem Auto ankommen, frage ich sie, ob sie von mir nach Hause gebracht werden möchte. Sie will.
Es ist etwa 23:27 Uhr, als wir bei ihr ankommen. Offenbar hat sie keine Lust auszusteigen, denn sie erzählt mir nun eine Menge Dinge, nach denen ich nicht gefragt habe. Warum tut sie das? Nach etwa fünfzehn Minuten mache ich den Motor aus. Scheinbar dauert das hier noch eine Weile. Es ist bereits 00:00 Uhr, als ich sie frage, wie ihr der Abend gefallen hat. Sie fand den Abend gut und mich auch. Sie würde sich freuen, wenn ich mich bei ihr melden würde. Ich antworte, dass ich das mache und deute ihr an, dass es Zeit wird, den Wagen zu verlassen. Sie steigt aus. Ich fahre los und gönne mir eine Banane.
Wenige Minuten später bekomme ich eine SMS von ihr. Sie bedankt sich für den schönen Abend. Gern geschehen. Dafür bin ich doch da.
Zweites Treffen
Am Freitag beschließe ich, dass ich Emma nochmal sehen will, um zu testen, was mit ihr möglich ist. Ich frage sie, wann sie Zeit hat. Schon morgen. Ich nehme mir vor, am Ende des Abends bei ihr im Bett zu landen. Alles andere wäre albern.
Nachdem sie nur dreißig Minuten zu spät zu unserem Treffen erscheint, wandern wir ins Bermudadreieck, setzen uns in ein Café und ich beschließe, dass mein Plan, bei ihr im Bett zu landen, Scheiße ist. Nicht nur, weil ich es vermutlich eh nicht hinbekommen würde, sondern vor allem, weil ich plötzlich gar nicht mehr will.
Geschickt sorge ich dafür, dass unser Gespräch schön oberflächlich bleibt. Außerdem finde ich, dass es nicht gut ist, wenn sie mich für einen coolen Typen hält. Nach einer Weile, wir haben inzwischen die Lokalität gewechselt und sitzen auf einem gemütlichen Ledersofa, sagt sie, dass ich eiskalt und irgendwie kompliziert bin. Gut möglich, dass sie recht hat.
Mir wird alles zu privat und als sie mich fragt, warum ich mich ein zweites Mal mit ihr treffe, sage ich ihr, dass es besser ist mich mit ihr zu treffen, als alleine vor dem Fernseher zu sitzen. Schlagartig habe ich verschissen. Sie hat keine Lust mehr mit mir zu reden. Jetzt tut sie mir Leid. Das hat sie nicht verdient. Nach einiger Zeit bringe ich sie dazu, wieder mit mir zu reden. Zwei Stunden erträgt sie mich noch, dann bringe ich sie nach Hause.
Zum Abschied schenke ich ihr eine CD, die ich nicht mehr brauche. Ich gehe davon aus, dass sich das Thema Emma damit erledigt hat. Ich esse meine Banane und fahre nach Hause.
Experiment
Loerz behauptet, dass man Frauen über 30 nur auf die Schulter klopfen muss, dann kommen sie mit einem mit. Und Frauen über 30 behaupten, dass Frauen über 30 richtige Raketen im Bett sind. Da fällt mir ein, dass Emma 32 ist und ich an ihr einfach mal ausprobieren könnte, wie viel Wahres in den Aussagen von Loerz und den Frauen über 30 steckt. Ich weiß nur nicht, wie albern es wäre, wenn ich ihr auf die Schulter klopfe. Sie muss dann doch denken, dass ich vollkommen verblödet bin. Andererseits bietet sie sich für ein solches Experiment schon an. Ich kann ja einfach auf das Schulterklopfen verzichten und anders versuchen sie ins Bett zu kriegen. Nur wie? Soll ich ihr sagen, dass ich lieber mit ihr ins Bett gehen würde, als Fernsehen zu gucken? So wie ich sie kenne, setzt sie mich dann vor einen Fernseher und wünscht mir viel Spaß. Außerdem hat mich die Nummer mit dem Fernseher letztens schon fast aus der Kurve geworfen. Ich muss mir etwas anderes einfallen lassen. Nur was?
Das Emma-Experiment beginnt
Obwohl ich bei unserem letzten Treffen nicht wirklich nett zu ihr war, ist Emma bereit, sich erneut mit mir zu treffen. Das Experiment kann beginnen.
Dass sie am verabredeten Treffpunkt an mir vorbei rennt, nehme ich ihr einfach nicht übel. Schließlich geht es hier nicht um persönliche Eitelkeiten oder ihre Kurzsichtigkeit. Bevor ich mit dem Emma-Experiment beginne, schaue ich sie mir noch einmal etwas genauer an. Ich glaube, sie ist nicht wirklich mein Typ und denke, es ist besser, auf das Experiment zu verzichten. Aber irgendwas hat sie schon. Ich bin unentschlossen.
Wir gehen in ein Café und unterhalten uns. Ich suche nach Gründen, um das Experiment doch noch zu starten. Sie hat schöne Hände und ich bin mir sicher, dass sie gut küsst. Reicht das, um das Experiment zu beginnen? Ich weiß es nicht. Irgendwann sagt sie, dass sie aus mir nicht schlau wird. Das sagt sie mir ständig. Und sie setzt noch einen drauf „Dann gehen wir halt noch zwanzig Mal Kaffee trinken.” Ich frage mich, was sie mit solchen Aussagen erreichen will, fühle mich allerdings herausgefordert und sage: „Ich dachte, wir gehen heute einen Schritt weiter.” Sie greift zu ihren Zigaretten und ist sichtbar nervös. Ich habe noch nie erlebt, dass ein einziger Satz von mir eine Frau so nervös macht. „Du bist manchmal so trocken.” Da hat sie wohl recht. Ich grinse sie an. Das Experiment hat begonnen.
Wie üblich bringe ich sie nach Hause. Auf dem Weg zu ihr esse ich meine Banane. Eine kleine Stärkung kann sicher nicht schaden während der Experimentierphase. Wir unterhalten uns noch ein wenig vor ihrer Wohnung, dann will sie aussteigen. „Du kannst nicht aussteigen, ohne dass wir uns geküsst haben.” – „Ich bin die Frau, ich muss nicht anfangen.” Okay, dann fange ich halt an, beuge mich zu ihr rüber und küsse sie. „Dafür dass Du angeblich so schüchtern bist, machst Du das aber gut.” Ich sage dazu nichts. Sie küsst übrigens genauso gut, wie ich es erwartet habe. Gefährlich.
Nach einer halben Stunde sagt sie, dass sie sich fühlt wie 12. Der Benz ist scheinbar genau so gut wie der Hyundai. Wobei ich 12 schon etwas jung finde. Dennoch bin ich erleichtert, dass sich Frauen auch in meinem Benz jung fühlen, sobald sie geküsst werden.
„Entweder Du steigst jetzt aus oder nimmst mich mit in Deine Wohnung.”, sage ich ihr nach etwa einer Stunde und lege meine Hand auf ihre Schulter. Offenbar reicht das bei Frauen über 30 aber doch nicht aus, denn sie sagt, dass sie mich heute nicht mit in ihre Wohnung nimmt und nun geht. Vermutlich hätte ich doch auf ihre Schulter klopfen sollen. In der nächsten Stunde verabschiedet sie sich noch unzählige Male mit den Worten: „Tschüss. Ich steig jetzt aus.” von mir. Aber erst gegen 03.00 Uhr schafft sie es, sich von meinen Lippen zu lösen.
Auf dem Weg nach Hause frage ich mich, wohin das führen soll. Wie kann ich ihr klar machen, dass ich keine Beziehung will? Wie verscheuche ich die Geister, die ich rief? Soll ich das Experiment wirklich zu Ende führen? Wer löffelt die Suppe aus, die ich uns eingebrockt habe? So viele Fragen, so wenig Antworten. Es bleibt spannend.
Kein Fortschritt
Da meine Treffen mit Emma sich nie so gestalten wie geplant, erscheint es mir unmöglich, mein Experiment ordnungsgemäß durchzuführen. Andererseits sind die Forschungsergebnisse immens wichtig. Und so beschließe ich, dass ich einen weiteren Versuch unternehme. Wir einigen uns darauf, dass wir uns weitere siebzehn Mal freitags um 20:00 Uhr am Bahnhof in Bochum treffen, um den Abend gemeinsam zu verbringen. Die Zeit müsste mehr als ausreichen, um genügend Informationen zu erhalten und einen ausführlichen Bericht zu erstellen.
Freitag 20:00 Uhr. Emma wartet bereits am Treffpunkt. Und wie immer ist unsere Begrüßung distanziert. Meinen Begrüßungskuss findet sie nicht wirklich angebracht. Ich auch nicht. Doch ich habe eine Mission zu erfüllen, welche ich jedoch bereits nach wenigen Minuten erneut für undurchführbar halte. Es ist wie immer. Das Gespräch lässt zu wünschen übrig und in Bochum sind unheimlich viele Frauen unterwegs, mit denen ich lieber experimentieren würde. Ich schätze allerdings, dass man die Frauen nicht einfach so austauschen kann und so setze ich mich mit Emma in einen Biergarten. Wie immer weist sie darauf hin, dass sie mich nicht einschätzen kann. Vielleicht will ich auch gar nicht eingeschätzt werden. Und so frage ich sie, was sie sonst noch über mich denkt. „Warum fragst Du mich, wenn Du die Antwort doch weißt?” – „Keine Ahnung.” – „Letzte Woche hast Du mich auch gefragt, was ich denke. Du hast mich eine halbe Stunde lang eine Zigarette nach der anderen rauchen lassen und dann hast Du die Frage für mich beantwortet.” – „Ich bin halt ein hilfsbereiter Mensch.” Ich glaube, dass solche Aussagen sie nur noch mehr verunsichern und ich so etwas nicht tun sollte. Als nächstes sagt sie, dass sie niemanden küssen will, der noch andere küsst. Ich sage ihr, dass sie mich verwechselt. Warum ist sie nur so unwillig? Mir reicht es jetzt. Das Experiment ist vorbei.
Nachdem es etwas dunkler ist und sie zwei Bierchen getrunken hat, wird unser Gespräch lockerer. Bei den Lichtverhältnissen steigt auch automatisch unsere Attraktivität. Doch es ist zu spät. Sie hatte ihre Chance.
Es ist bereits nach 01:00 Uhr, als wir weiter ziehen. Wir landen in einer Kneipe, in der es recht voll ist. Wir ergattern einen Platz an der Bar, stehen dicht zusammen und ich habe Lust an ihr rumzufummeln. Meine linke Hand lege ich auf ihren Arm und mit meiner rechten schiebe ich ihren Pulli etwas hoch, sodass ich an ihrem Rücken rumspielen kann. Sie lässt mich gewähren. Doch weiter bringt uns das nicht, denn ich bin müde und will nur noch nach Hause und teile ihr mit, dass es an der Zeit ist zu gehen. Wir stellen fest, dass sie während der letzen sechs Stunden mehr als zwanzig Zigaretten geraucht hat. Vermutlich mache ich sie nervös. Hätte sie mich einfach früher geküsst oder mit nach oben genommen, hätte sie sich vermutlich zehn Zigaretten sparen können. Selbst schuld.
Es ist bereits nach 03:00 Uhr, als ich sie nach Hause bringe. Ich esse meine Banane und will nur noch in mein Bett.
Wie schon beim letzten Mal macht sie keine Anstalten, auszusteigen. Sie erzählt mir irgendwas, ich will nach Hause. Vielleicht bringe ich sie dazu auszusteigen, wenn ich sie küsse. Funktioniert nicht wirklich. Ich hatte vergessen, dass es ihr gefällt, mich zu küssen. Dummerweise gefällt es mir auch. Das bringt uns allerdings nicht weiter. Nun teilt sie mir mit, dass sie beschlossen hat, dass wir uns beim nächsten Mal nicht im Auto küssen, sondern zu ihr gehen. Toll. Ich sage ihr, dass es eine gute Idee ist, wir dann allerdings etwas früher bei ihr sein sollten. Wir haben schon genug Zeit verplempert. Es vergehen weitere wertvolle Minuten, bis sie endlich aussteigt und ich nach Hause fahren kann.
Es wird bereits hell. Als ich den Benz in der Garage abstelle und aussteige, kann ich mir den Gesang der Vögel anhören. Schön.
Ursula statt Emma
Am Donnerstag um 20.00 Uhr will ich mich zum fünften Mal mit Emma treffen. Langsam wird es Zeit, mit ihr ins Bett zu gehen und das Experiment fortzusetzen. Doch kaum bin ich mit ihr verabredet, fragt mich Ursula, ob ich am Donnerstag Zeit habe. Natürlich. Ich muss ja erst um 20.00 Uhr in Bochum sein. So kann ich an einem Tag gleich mit zwei Frauen Sex haben. Das klingt sehr gut. Es läuft.
Am Donnerstag um 13.00 Uhr ist Ursula bei mir. Wir gehen etwas spazieren und dann erscheint mir die Idee, am Abend nach Bochum zu fahren, vollkommen absurd. Daher beschließe ich, dass ich Emma eine SMS schicke und ihr mitteile, dass wir uns heute nicht mehr treffen können, da ich krank bin und schlafen muss. Ja, ich bin ein Schwein. Aber manchmal muss man ein Schwein sein und Prioritäten setzen. Emma wünscht mir gute Besserung. Das Thema ist für heute erledigt.
Emma steigt aus
Einen Tag bevor das Emma-Experiment fortgesetzt werden soll, teilt sie mir mit, dass sie eine feste Beziehung will und fragt, ob es das nun war mit uns. Ja, das war es. Ich wünsche ihr noch viel Glück und verabschiede mich. Sie wünscht mir ebenfalls viel Glück und teilt mir mit, dass es ihr mit mir Spaß gemacht hat. Ja, es hatte durchaus etwas. Ich lösche ihre Nummer, damit ich nicht auf die Idee komme, mich nochmal bei ihr zu melden. Ein würdiges Ende eines missglückten Experiments.
Emmas Comebackversuch
Knapp sechs Wochen nach ihrem Ausstieg aus meinem Experiment meldet sie sich per SMS und möchte wissen, wie es mir geht und wie mein Praktikum läuft. Wir texten ein paar Mal hin und her. Sie schreibt, dass sie noch keinen Mann gefunden hat und ich schreibe ihr, dass ich mich regelmäßig mit Ursula treffe.
Sie scheint ihren Ausstieg zu bereuen, denn sie schreibt: „Manchmal fragt man sich halt, warum man ne Entscheidung so getroffen hat. Aber seis drum.” – „Du wirst Deine Gründe gehabt haben. Hättest Du doch nur etwas länger durchgehalten.” – „Tja, hätte ich mal. Aber wie sagt man so schön: Lassen sie mich Arzt, ich bin durch.” Da ich davon ausgehe, dass es ohne Experiment und mit dem Wissen, dass mit uns nichts laufen wird, ein lockeres Wiedersehen geben könnte, schlage ich ihr vor, dass wir uns ja irgendwann mal auf einen Kaffee treffen können. Sie findet die Idee gut.
Zweimal verabreden wir uns zum Kaffee und zweimal sagt sie kurzfristig ab. Angeblich tut es ihr Leid. Ich teile ihr mit, dass ich sie für ihre Absagen bezahlen lasse. Sie fragt, wie und ich schreibe, dass sie sich etwas einfallen lassen soll. „Fällt mir schwer bei der Basis, die da heißt ‚Wir trinken nur noch zusammen Kaffee.‘ “ – „Wir könnten ja mal eine Ausnahme machen, wenn Du Deine goldene Regel brichst.” – „Ich denk mal darüber nach, aber eigentlich gilt, lieber keine als zweite.” – „Nun, Du musst ja keine Reihenfolge festlegen. Bringt nämlich nichts und küssen ist gesund. Besser gut geküsst als gar nicht.” – „Das ist natürlich ein Argument. Küssen ist ja auch super.” – „Und wir haben beim Küssen sehr gut harmoniert. Das ist ein weiteres Argument.” – „Ja, war definitiv schön. Zwei gute Argumente.” – „Also wenn wir uns treffen und Du Lust hast, gib mir ein Zeichen. Oder küss mich einfach. Mir würde es gefallen und Dir auch.” – „Ich küss Dich dann einfach. Bin ja mutig.” Und so einigen wir uns darauf, dass wir uns am kommenden Sonntag treffen.
Am Sonntag sagt Emma erwartungsgemäß zum dritten Mal ab. Sie hat bis 04:00 Uhr gearbeitet und kann sich deshalb nicht um 14:00 Uhr mit mir treffen. Für mich ist das okay, denn so kann ich nach fast fünfwöchiger Joggingpause endlich mal wieder joggen.
Später jogge ich 31 Minuten. Wer war nochmal Emma?
Emmas Rückkehr
Fast zwei Jahre habe ich nichts von Emma gehört, als sie mich plötzlich bei meinVZ anschreibt. Sie hat mittlerweile eine zehn Monate alte Tochter. Den Vater der Tochter schon verlassen, bevor sie wusste, dass sie schwanger ist. Ich werde mal versuchen herauszufinden, warum sie sich wieder bei mir gemeldet hat.
Nach ein paar Tagen verabreden wir uns zum Chatten. Als erstes zeigt sie mir ein Foto von sich. Ein furchtbar unvorteilhaftes Foto, wie ich finde. Oder hat sie sich wirklich so verändert? Ich beschließe, nicht weiter darüber nachzudenken. Unsere Kommunikation ist leicht holprig, irgendwie trocken und außergewöhnlich. Das hat sich nicht geändert. Es dauert dennoch nicht lange, bis wir soweit sind, dass wir uns darauf einigen, demnächst zusammen einen Kaffee zu trinken. Wie damals. Ich bin sehr gespannt, wann es zu unserem Treffen kommen wird und wie es dann wird.
Emma ist wieder raus
Wenige Tage vor unserem geplanten Treffen höre ich zum letzten Mal von Emma. Sie sagt das Treffen nicht ab, sondern meldet sich im Anschluss einfach nicht mehr. Ich verstehe den Sinn der ganzen Aktion zwar nicht, mag aber auch nicht darüber nachdenken. Sie hatte ihre Chancen und sie weiß, wie sie mich erreichen kann. Mehr kann ich nicht für sie tun.