Seit der Loerz in mehreren Chats und Communities angemeldet ist, wird er mit Nachrichten interessierter Frauen überschüttet. Täglich kommen neue dazu. Weil er im Gegensatz zu mir strenge Anforderungen an die Frauen stellt, sortiert er knallhart aus. Dicke, hässliche, unförmige, alte und blöde Frauen werden ignoriert.
Bei Sandrine, 40, aus der Nähe von Gummersbach, geht er anders vor. Er reicht sie einfach an mich weiter. Er gibt mir ihre MSN-Adresse und ich schreibe sie an.
Ich schreibe sie an. Sie ist dermaßen notgeil und untervögelt und lässt sich problemlos weiterreichen. Ich bin übrigens auch notgeil und untervögelt, beste Voraussetzungen also. Ein paar Nachrichten später läuft alles auf ein Sexdate hinaus. Dass ich nur ein vierzehn Jahre altes Hochzeitsfoto von ihr habe, auf dem sie nicht gerade köstlich aussieht, ist mir einfach mal egal. Wenn sie gevögelt werden will, dann soll es so sein. Sie hat es sehr eilig mit dem Date. Ich nicht. Es ist Mittwoch und wir einigen uns darauf, dass sie am nächsten Montag von ihrem Leid erlöst und endlich mal wieder gevögelt wird. Wenn ich helfen kann, dann mache ich das. Da ich dafür bis nach Meinerzhagen fahren muss, erkläre ich ihr, dass ich auf keinen Fall umsonst so weit fahren werde, Sex ist quasi Pflicht. Zur Absicherung zeige ich ihr ein Foto von mir, nicht, dass sie am Ende einen Schock bekommt und abhaut. Mit meinem Foto ist sie zufrieden. Ich denke, ich hätte ihr auch ein Zombiefoto schicken können, sie wäre auch damit zufrieden gewesen. Sie ist willig und ich ebenso. Auto fahre ich auch gerne, der Montag kann kommen. Ich bin bereit.
Leider kann ich ab diesem Moment den MSN Messenger nicht mehr ungestört starten. Sobald ich online gehe, ist sie da. Sie textet mich voll mit dem, was sie alles mit mir anstellen will und was ich mit ihr anstellen kann. Sehr anschaulich, sehr direkt, sehr theoretisch. Mir fast schon zu theoretisch.
Gut, dass sie am Wochenende nicht so viel Zeit am PC verbringen kann. Ihr Mann ist zu Hause. Ein Glück für mich.
Das Date
Pünktlich mache ich mich auf den Weg nach Meinerzhagen. Die A45 ist ziemlich frei und ich kann richtig Gas geben. Ich glaube die A45 ist meine neue Lieblingsautobahn.
Ich bin als Erster am vereinbarten Treffpunkt. Minuten später erscheint Sandrine. Sie sieht vollkommen anders aus als auf dem vierzehn Jahre alten Foto. Und natürlich nicht besser. Ihr nicht ganz so kleiner Hintern stört mich dabei weniger als ihre Zähne. Die Kronen müssten dringend erneuert werden. Obwohl ich das Gesamtbild nicht gerade anziehend finde, beschließe ich, die Sache durchzuziehen. Jetzt bin ich so weit gefahren, da will ich auch befriedigt werden. Alles andere wäre einfach lächerlich. Daher sage ich ihr, nachdem sie gefragt hat, dass es okay für mich ist, wenn wir nun zu ihr fahren.
Noch bevor wir losfahren, beschwert sie sich über meinen Drei-Tage Bart. Der würde Spuren hinterlassen, die sie hinterher ihrem Mann erklären müsse. Ich sage ihr, sie solle sich nicht so anstellen und ihrem Mann etwas von einer Sonnenallergie erzählen. Wirklich überzeugt wirkt sie nicht, dennoch fahren wir los.
Nach einigen Kilometern steuert sie einen Parkplatz an. Ich fürchte, sie hat es sich anders überlegt. Ganz falsch liege ich mit meiner Vermutung nicht. Sie sagt, dass da irgendwas fehlt, ein Grund mich mit nach Hause zu nehmen. Ich sage ihr, sie soll mich küssen, dann hat sie einen Grund. Sie kommt meiner Aufforderung nach und ist wenig später vollkommen überzeugt. Alles andere hätte mich auch gewundert. Vielleicht hätte es auch schon gereicht, wenn ich ihr einmal den Arsch gefasst hätte. So ist das vermutlich, wenn zwei Untervögelte nicht wissen, was sie tun, aber wissen, was sie wollen.
Als wir bei ihr zu Hause ankommen, wünscht ihr eine Nachbarin viel Spaß. Das finde ich witzig. In der Wohnung leben neben ihrem Mann noch vier Katzen. Der alte Kater scheint mich nicht zu mögen und sieht mich an, als hätte er mich durchschaut. Ich kann es ihm nicht verübeln. Katzen sind echt schlaue Biester.
Nach einer kurzen Knutscherei landen wir im Schlafzimmer. Es scheint alles nach Plan zu laufen. Doch das tut es nicht. Gerade als es richtig zur Sache gehen soll, will sie nicht weitermachen. Sie erklärt mir, dass ich nicht ihr Typ bin und es einfach nicht passt. Sie hat sich das schon auf dem Parkplatz gedacht, aber das Küssen hat sie wohl etwas verwirrt. Außerdem seien Männer unter 30 besser im Bett. Und so langweilig wie ich ist ihr Mann auch im Bett. Da hätte sie auch mit ihm vögeln können. Ich sage ihr, dass sie das doch einfach tun soll. Sie schweigt. Ich liege auf dem Bett und finde die Situation irgendwie lustig. Kurz vorm Ziel gestoppt zu werden, hat schon was. Während ich überlege, ob ich mir noch ein wenig die Gegend anschaue, bevor ich nach Hause fahre, sagt sie, dass es ihr total leid tut, dass ich jetzt völlig umsonst so weit gefahren bin. Ich sage ihr: So etwas passiert. Mehr kann ich nicht sagen, da sie mich plötzlich küsst und so vom Weiterreden abhält. Noch bevor ich den Sinn ihrer Aktion verstehe, sitzt sie auf mir und wir haben Sex. Verstehe ich zwar nicht, ist mir aber recht. Wenige Augenblicke später bin ich auch schon fertig. Da hat sie mich scheinbar aus Mitleid gevögelt. Ich bin irgendwie gerührt und teile ihr mit, dass ich noch nie aus Mitleid gevögelt wurde, es aber lustig finde, dass es so gekommen ist. Sie sagt nur „Spinner.“.
Später zeigt sie mir noch Familienfotos und küsst mich ständig. Da ich nichts dagegen einzuwenden habe, lasse ich sie gewähren. Während wir uns küssen, meint sie plötzlich, dass wir nochmal von vorne anfangen sollen. Ich sage: „Ich habe keine Lust. Das bringt doch nix.” Enttäuscht nimmt sie die Ablehnung hin.
Kurz danach beschließe ich zu gehen. Noch bevor ich die Tür erreiche, werde ich wieder abgeknutscht. Sie sagt, dass sie einfach nicht genug davon kriegt. Da kann ich doch nichts dafür, ich muss weg und mache mich auf den Weg.
Die Rückfahrt macht mir richtig Spaß. Wieder ist kaum Verkehr und die Gegend ist wirklich schön. Ich bin total begeistert. In die Gegend muss ich unbedingt noch mal fahren, Sandrine werde ich allerdings nie wieder besuchen.
Nachspielzeit
Einen Tag nach ihrem sexuellen Fiasko beschwert sich Sandrine beim Loerz darüber, dass er sie an so eine Pfeife wie mich weitergereicht hat. Kurz danach textet sie mich wieder zu. Obwohl ich im Bett nichts bringe, hat sie ihrer Freundin angeblich mitgeteilt, dass ich ein Typ zum Verlieben bin. Außerdem findet sie mich süß. Sie hält mich also für einen süßen Typen, in den man sich verlieben kann, der aber im Bett nichts bringt. Wen interessiert denn das?
Unsere weitere Kommunikation ist vollkommen sinnlos:
„Bist du noch da?“
„Na klar.“
„Und jetzt?“
„Keine Ahnung. Schlag was vor.“
„Wieso immer ich?“
„Weil ich von nichts ne Ahnung habe.“
„Nun reite doch nicht immer darauf rum!“
„Doch.“
Belangloser Small Talk. Wiederholung. Endlosschleife. Irgendwann wird mir das zu doof und ich teile ihr mit, dass ich keine Zeit mehr habe.
„Sehen wir uns nachher hier wieder?“
„Na klar.“
„Also bis gleich, ich freu mich.“
„Ja, genau.“
Für den Rest des Tages ignoriere ich sie. Nutzt aber nicht wirklich etwas, denn sie ruft mich einfach an. Dummerweise erkenne ich ihre Nummer nicht und gehe ran.
„Sprichst du nicht mehr mit mir?“
„Na klar.“
„Du wolltest doch mit mir chatten. Wo warst du?“
„Ich habe geschlafen.“
„Wieso denn das?“
„Ich hatte gestern einen anstrengenden Tag und muss mich davon erholen. Hattest du keinen anstrengenden Tag?“
„Nein.“
„Ach?“
„Kommst du noch mal rein?“
„Nein, ich muss weg.“
„Und morgen?“
„Na klar.“
Was will die nur von mir? Die ist doch vollkommen bescheuert. Kann sie sich nicht jemanden suchen, der sie mal richtig durchnudelt und mich in Ruhe lassen?
Ein neuer Tag, die alte Leier. Miss Notgeil sabbelt mich voll. Ich muss weg und habe bis zum Abend Ruhe. Dann erwischt sie mich ein letztes Mal online und erzählt mir, dass sie am Nachmittag Cybersex hatte. Mein Gott, wie deprimierend. Ich sage ihr, dass Cybersex voll bescheuert ist. Sie widerspricht. Ich beende das Gespräch, blocke alle Kontaktmöglichkeiten und lasse sie in ihrer Cyberwelt zurück.
Leb wohl, Sandrine.
Irgendwas gibt mir das Gefühl, dass diese Geschichte nicht vollständig politically correct ist. Außerdem habe ich jede Menge Bilder vor Augen, um die niemand gebeten hat, schon gar nicht ich. Und schließlich werde ich den Gedanken nicht los, dass dies ein Loriot-Sketch der next generation sein muss.
Political Correctness ist auf Dauer auch keine Lösung. 🤷♂️
Next Generation? Klingt irgendwie nach Star Trek. 🚀