PROFIL Basis-Seminar

Da ich schon seit über einem Jahr arbeitslos bin und weder ich noch die Leute bei der Arbeitsagentur eine Verwendung für mich finden, wird kurzerhand beschlossen, dass ich an einem PROFIL Basis-Seminar teilnehmen darf, beziehungsweise muss. Das Wichtigste an diesem Seminar scheint zu sein, dass das Wort „PROFIL“ großgeschrieben wird. Während dieses Seminars soll herausgefunden werden, wozu ich überhaupt tauge. Ich tauge zu nichts, aber das sollen die schon selbst rausfinden.

Laufzeit: 09.07.2007 bis 20.07.2007
Täglich fahre ich in dieser Zeit nach Essen und verbringe dort meine Tage mit anderen nutzlosen Arbeitslosen. So schlimm wie befürchtet ist es allerdings nicht, da die anderen Arbeitslosen, mit denen ich dort meine Zeit verbringe, glücklicherweise halbwegs erträglich sind.

Ich führe Einzelgespräche mit irgendwelchen Leuten, die am Ende beurteilen sollen, was einmal aus wir wird. Ich mache Tests, die für Hauptschüler der neunten Klasse gedacht sind und andere lustige Sachen, die meist nicht lustig sind und mir eher komisch vorkommen.

Nach den zwei Wochen ist – völlig überraschend – noch immer nicht klar, was einmal aus mir werden soll. Dennoch wird entschieden, dass für mich Berufe mit hohen Anforderungen an die Theorie infrage kommen. Rein theoretisch kann ich also wohl irgendwo arbeiten. Konkreter wird es in Bezug auf meine berufliche Zukunft leider nicht. Ich habe allerdings auch nichts anderes erwartet.
Zwei meiner Mitschüler bekommen direkt im Anschluss eine Umschulung. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, aber da sie sich freuen, wird es wohl richtig sein.

Nach der vierseitigen Beurteilung, die ich etwa zwei Wochen nach Kursende in den Händen halte, steht fest: Ich bin nicht vollkommen bescheuert, aber auch keine Leuchte. Ich liege etwas über dem Durchschnitt der Hauptschulabgänger. Starke Leistung. Lediglich meine Lernfähigkeit wird als unterdurchschnittlich bewertet. Möglicherweise eine Folge der globalen Erderwärmung. Man weiß es nicht.

Meine Meisterleistung war meiner Meinung nach die soziale Arbeitsprobe, die ich am Ende des Seminars ablieferte. Damit müsste es mir eigentlich möglich sein, einen Job im sozialen Bereich zu ergattern. Doch urteilen Sie selbst:

Ferienaufenthalt Lido di Camaiore

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser diesjähriger Ferienaufenthalt findet, wie bereits angekündigt, vom 15 – 31. Juli statt. Unser Reiseziel ist Lido di Camaiore. Abfahrt ist am 15. Juli um 7.30 Uhr direkt vom großen Zelt aus. Es wird darum gebeten, dass alle Teilnehmer bis spätestens 7.10 Uhr am Ort der Abreise eintreffen, so dass es pünktlich losgehen kann. Wer zu spät kommt bleibt zurück.
Am 31. Juli werden wir gegen 17.30 Uhr zurück am großen Zelt sein. Bitte holen Sie Ihre Kinder pünktlich ab. Es ist immer sehr traurig, wenn Kinder nicht abgeholt werden und stundenlang deprimiert vor dem Zelt sitzen.

Zu den Dingen, die im Gepäck Ihrer Kinder auf keinen Fall fehlen sollten gehören Wanderschuhe, Badelatschen, Badezeug, ggf. Schwimmflossen, eine Jacke, falls es mal kälter wird, Unterwäsche, Nachtzeug, eine Zahnbürste und Waschzeug, Sonnenbrille und Sonnencreme. Ansonsten noch ausreichend sinnvolle Kleidung. Bettwäsche und Handtücher werden gestellt.

Wir bitten Sie außerdem dafür zu sorgen, dass Ihr Kind nicht mehr und auch nicht weniger als 107 € Taschengeld mit sich führt. Über die Höhe des Taschengeldes kann nicht verhandelt werden. Bei den Pfadfindern sind alle gleich und keiner hat mehr Geld als der andere.

Bitte füllen Sie den beiliegenden Fragebogen aus, damit eventuell bestehende gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigt werden können.
Des Weiteren bitten wir Sie darum, die Schwimmerlaubnis für ihr Kind zu unterschreiben.

Wir bitten Sie, beides bis spätestens Mittwoch, den 01. Juli 2009 an uns zurück zu senden.
Auch hier gilt: Wer zu spät antwortet, behält sein Kind zu Hause.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Haflinger

Fragebogen:
Leidet Ihr Kind an irgendwelchen gesundheitlichen Problemen? Muss Ihr Kind regelmäßig Medikamente einnehmen.
Leidet Ihr Kind an Allergien?
Ist Ihr Kind irgendwie behindert?
Gibt es sonst etwas, was wir beachten müssen, wenn wir Ihr Kind nach Lido di Camaioren transportieren?

Wenn es nichts zu beachten gibt, machen Sie bitte hier ein Kreuz: __

Schwimmerlaubnis:
Unser Kind kann schwimmen und unser Kind darf schwimmen.

Ja __ Nein__

Liste:
Telefonnummern aller Erziehungsberechtigten der Teilnehmer.
Liste der Umliegenden Ärzte/Krankenhäuser. Notfallrufnummern.

Tagesplan:
Aufstehen: 7.00 Uhr
Frühstück: 7.30 Uhr
Mittag: 12.00 Uhr
Abendessen: 18.00 Uhr
Bettruhe: 22.00 Uhr

Dienstplan:
Die Betreuer sind von morgens 7.00 Uhr bis abends 22.00 Uhr im Dienst. Der Nachtdienst wechselt täglich.
Das Wecken der Jungen übernimmt der Erzieher, die Mädchen weckt die Krankenschwester.

Strafen für undisziplinierte Jugendliche werden gemeinsam beschlossen, wobei die endgültige Entscheidung beim Verantwortlichen liegt.

Tägliche Weckzeit: 7.00 Uhr.

Täglich von 9.00 Uhr -11.30 Uhr gemeinsames Singen oder Sport.
Wird jeweils am Vortag festgelegt. Änderungen bei Bedarf.

15. Juli:
Ankunft: 16.00 Uhr. Bezug der Zimmer. Eingewöhnung. Gemeinsames Abendessen. Danach grillen bis zum Ende des Tages.

16. Juli:
14.00 Uhr. Schwimmen und relaxen. Nach dem Abendessen: Stadtrundgang.

17. Juli:
14.00 Uhr. Bootsfahrt. Nach dem Abendessen: Tanzabend mit DJ Paul.

18. Juli.
14.00 Uhr. Schnitzeljagd. Anschließend faul am Strand liegen. Abends Kegeln.

19. Juli:
14.00 Uhr. Wir untersuchen die Wälder der Umgebung und bauen die geliehenen Zelte auf. Die Nacht verbringen wir im Zelt und essen Regenwürmer.

20. Juli:
14.00 Uhr. Wir untersuchen die Insekten der Umgebung, bauen danach die Zelte ab und singen am Abend lustige Pfadfinderlieder.

21. Juli:
14.00 Uhr – 18.00 Uhr. Die Pfadfinder dürfen den Tag selbst gestalten. Abends grillen wir Raupen. Wer die meisten davon isst, bekommt eine Planierraupe von Matchbox geschenkt.

22. Juli:
14.00 Uhr. Jeder Pfadfinder bastelt sich aus altem Holz eine interessante Sache. Abends werden die gebastelte Werke vorgestellt und bewundert. Der Sieger bekommt eine Fahne.

23. Juli:
14.00 Uhr. Wir helfen alten Menschen über die Straße oder tun andere löbliche Dinge. Es ist der Tag der guten Tat. Am Abend werden die Erlebnisse ausgetauscht. Die beste Aktion wird mit einem Wassereis belohnt.

24. Juli:
Entspannen am Strand. Abends werden wieder lustige Pfadfinderlieder gesungen.

25. Juli.
14.00 Uhr. Eine lustige Bootsfahrt steht an. Abends wird gegrillt und es werden lustige Pfadfinderspiele gespielt.

26. Juli:
Tagsüber wird relaxt. Am späten Abend – nach Einsetzen der Dämmerung – wird eine Nachtwanderung gemacht. Dabei werden einheimische Insekten verspeist.

27. Juli:
14.00 Uhr. Wir malen Bilder vom Strand. Wer das schönste Bild malt bekommt einen Keks. Das schrecklichste Bild wird am Strand vergraben. Abends wird getanzt.

28. Juli:
Wir backen Kekse in einer extra angemieteten Küche. Der beste Pfadfinder bekommt eine Kochmütze. Abends liegen alle entspannt am Strand und singen Pfadfinderlieder.

29. Juli:
Jeder kann den Tag gestalten wie er mag. Am Abend treiben alle auf Luftmatratzen im Meer umher.

30. Juli:
Wir ziehen ein Fazit und sind traurig, dass der Urlaub fast zu Ende ist. Dann buddeln wir uns im Sand ein.
Abends singen wir melancholische Pfadfinderlieder.

31. Juli: Alles wird zusammen gepackt und schon treten wir die Heimreise an. Im Bus werden Pfadfinderlieder gesungen. Alle sind froh und glücklich, dass es in einem Jahr den nächsten Ausflug geben wird.


Bei der Agentur für Arbeit wurde meine geniale Arbeitsprobe allerdings nicht gewürdigt. Stattdessen wurde mir eine Umschulung im Einzelhandel empfohlen. Wie langweilig.

Das war nicht das, was ich erwartet hatte.

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