August 2006

Kontaktanzeige
Weil ich auf natürlichem Weg kaum eine Frau finde, ich aber zu wenig von mir überzeugt bin, um eine ordentliche Kontaktanzeige zu gestalten, erstelle ich eine etwas andere, wenig Erfolg versprechende Version einer Kontaktanzeige.

Diese Anzeige ist nur für Frauen, die bisher nur schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht haben und es immer wieder wollen. Und für Frauen, die auch mal schlechte Erfahrungen machen wollen. Alle anderen brauchen nicht weiter lesen.
Ich will nicht mit Dir zusammen ziehen, nicht heiraten, keine Kinder und Du solltest auch keine haben. Familienfeste und Reisen sind nichts für mich. Es wird auch nicht getanzt. Ich will Dich nicht jeden Tag sehen, nicht mit Dir essen gehen (das gibt mir nix) und nur selten die Nacht mit Dir verbringen. Ich habe ein recht gemütliches Bett und schlafe alleine am besten. Ich mag regelmäßigen Sex, bin aber nicht gut im Bett. Dafür ist es schnell vorbei. Ich bin 36 Jahre, kein bisschen erwachsen und langweilig. Ich bin arbeitslos und werde es meistens sein. Aber keine Angst, ich will nicht auf Deine Kosten leben. Optisch betrachtet bin eher unattraktiv, Du allerdings solltest einigermaßen attraktiv, schlank und anspruchslos sein und nicht den ganzen Tag dummes Zeug quatschen. Du kannst ruhig Rauchen. Ich werde nicht versuchen es Dir abzugewöhnen. Allerdings werde ich Dir ständig sagen, dass es ungesund ist und Falten macht. Ich bin nett, zuverlässig, vor lauter Trägheit treu und manchmal witzig. Das sollte genügen für Dich.

Ich denke bis auf Kleinigkeiten ist die Anzeige perfekt und passt prima zu mir. Nun muss ich die nur noch in allen Singlebörsen veröffentlichen. Dann geht es los.


Vor- und Nachteile meines Singlelebens
Da der Quatsch mit der Kontaktanzeige mir erwartungsgemäß nichts bringt und schon langweilt, habe ich über die Vor- und Nachteile nachgedacht, die mein neues Leben ohne Freundin bringt.

Vorteile: Ich muss mir keine Gedanken mehr über Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke machen und spare obendrein das Geld dafür. Meine Benzinkosten sinken. Ich muss mich nicht mehr so oft rasieren und waschen. Das spart Zeit, die ich dazu nutzen kann einfach nur so dazuliegen. Ich kann tagelang in denselben Klamotten rumlaufen. Beim Fernsehen kann ich so laut rülpsen und furzen, wie ich es gerade mag. Ich kann jederzeit einfach so in der Nase bohren. Außerdem kann ich dieses Jahr alle meine DVDs mindestens einmal gucken. Das habe ich mir schon lange gewünscht, denn so kann ich vielleicht einen neuen ‚Filmeguckrekord’ aufstellen.
Nachteile: Beim Sex bin ich immer allein. Niemand küsst mich und keiner kümmert sich um mich.

Noch weiß ich nicht, was ich tatsächlich von all dem halten soll.


Aufgaben
Als arbeitsloser Single muss man sich gelegentlich Aufgaben geben, um nicht völlig zu verwahrlosen. Die wichtigsten Aufgaben, die ich mir für diese Woche gegeben habe, sind:
Eine Antwort auf die Frage finden, welche Position die beste ist, wenn man beim Sex alleine ist und eine Flasche Metaxa kaufen, weil ich Metaxa mag und mir ab und zu abends mal ein Gläschen gönnen darf, weil ich ja abends nirgends mehr hinfahren muss.
So ein Singleleben ist echt aufregend und voller Überraschungen. Also theoretisch könnte es das sicher sein. Bei mir ist es eher öde, aber das st okay, denn ich bin ja auch irgendwie öde.


Lesben und Wichser
Was macht man als unattraktiver und arbeitsloser Mann mit zu viel Zeit? Also ich chatte und wundere mich fast, dass es im Chat eine beachtliche Anzahl äußerst merkwürdiger Personen anzutreffen gibt. Glücklicherweise vergesse ich dabei mitunter, wie merkwürdig ich selber bin, was am Ende aber keinem hilft. Und so wundert es mich auch nicht wirklich, was ich in den letzten Tagen so herausgefunden habe: Der größte Teil der Frauen im Chat ist lesbisch oder zumindest bi. Interesse an Männern haben diese Frauen natürlich nicht. Überhaupt tummeln sich im Chat überwiegend Frauen, oder Männer, die vorgeben Frauen zu sein und kein Interesse an Männern haben. Ein anderer, kleinerer Teil sucht nach Partnern für Rollenspiele oder Cybersex. Das macht besonders viel Spaß, nur mir leider nicht. Frauen, die tabulose Ritterspiele praktizieren wollen, sind mir ein Rätsel und ich frage mich, ob man sich dafür auch verkleiden muss oder ob dazu eine merkwürdige, aber lebhafte Fantasie ausreicht. Ich weiß es nicht und werde es vermutlich auch nie erfahren. Völlig prickelnd ist auch eine Chatpartnerin, wenn sie Dinge wie „“Oh ja, uh, ja, tiefer, fester, härter, uh, ja, ja, ja, ja, ja ich komme….“ schreibt. Da glaube ich natürlich fast, ich hätte Sex. Vor allem, wenn ich dabei genüsslich einen Joghurt verspeise. Wirklich prickelnd. Scheinbar ist diese Welt nicht für mich gemacht, dennoch bleibe ich, weil mir sonst nichts einfällt und treffe auf Frauen, die gar nicht verstehen können, dass man sie im Chat anspricht, obwohl man sich ja gar nicht kennt. Die sind so doof, dass ich mich wundere, warum sie vor lauter Blödheit nicht vor dem PC explodieren. Die scheinbar permanent wichsenden Männer sind allerdings keinen Deut besser. Sie wollen sich ständig wichsend vor der Kamera präsentieren und ihre Schwänze zeigen oder suchen nach irgendwelchen Wichsvorlagen. Und stellen dazu Fragen wie: „Auf welches Bild soll ich wichsen?“ “Welche von denen würdest Du ficken?“ „Wollen wir gemeinsam am Telefon wichsen?“ „Hast Du Lust Dir von mir einen Blasen zu lassen?“ Das kann doch alles nicht wahr sein. Ich frage mich, wie es bei denen vor dem PC aussieht. Vermutlich ist der Monitor voller Sperma. Sperma verklebt die Tastatur. Sperma läuft am Tisch herunter. Überall nur Sperma. Das ist mir irgendwie zu klebrig. So komme ich fast täglich zu dem Schluss, das chatten bescheuert ist und setze mich wenig später erneut an den PC, um zu chatten. Ich glaube, mit mir stimmt auch irgendetwas nicht.


Mein Chat mit Molly
Es ist wieder einer dieser belanglosen Tage an denen ich mich einfach nur langweile. Ein Single ohne Sexleben mit wenig ansprechender Optik für den Frauen sich nicht interessieren. Ein Blick in den Spiegel bestätigt mir, dass sie dies zu recht nicht tun. Also bleibt mir scheinbar nichts anderes übrig als immer wieder zu chatten und in der großen Masse der Chatter unterzutauchen und vielleicht mit einer Frau in Kontakt zu treten. Und kaum bin ich wieder in der abstrusen Chatwelt, kommuniziere ich mit einer möglicherweise 25jährigen, die mich schnell langweilt, weil unser Gespräch völlig belanglos ist. So wie die meisten Chatgespräche, die ich führe. Vermutlich liegt es an mir, dass das so ist. Irgendwann kommt der Zeitpunkt an dem sie ein Foto von mir möchte. Ich kenne das und weiß und was passiert, wenn ich das Foto verschickt habe. Ich höre nie wieder etwas von der Frau. Zumindest ist es zumeist so. Mein Antlitz erschreckt die Frauen immer und immer wieder. Trotzdem verschicke ich auch diesmal ein Foto von mir. Überraschenderweise schickt sie mir daraufhin ein Foto von sich. Beim Betrachten des Fotos wünsche ich mir allerdings, sie hätte genauso reagiert, wie all die Frauen vor ihr. Sie ist leider nicht mein Typ. Zwar sehe ich auf dem Bild nur ihr Gesicht, aber das lässt auf einige Kilos zu viel schließen, was nicht schlecht sein muss, aber in diesem Fall darauf schließen lässt, dass mir das nicht gefällt. Manchmal kommt es eben doch auf das Gesicht an. Dennoch chatte ich weiter mit ihr. Allerdings fortan sehr wortkarg. Sie fragt, was denn los sei mit mir. Ich antworte, ich sei schüchtern und plötzlich wird das chatten mit ihr ganz anders. Sie macht nun ständig eindeutig zweideutige Bemerkungen, was mir durchaus gut gefällt. Deshalb vergesse ich beinahe mutwillig, dass mir ihr Gesicht nicht gefällt. Zweideutige Anmerkungen erwecken mich zum Leben und plötzlich habe ich irgendwie sogar Spaß. Dann, plötzlich und ohne Vorwarnung, gibt sie mir ihre Handynummer und beendet den Chat. Nun habe ich die Handynummer von einer Fau und habe nicht einmal danach gefragt. Und was mache ich gewöhnlich, wenn ich eine Handynummer habe? Nichts. Doch heute bin ich völlig außer mir und rufe sie an. Ihre Stimme klingt nett. Das Kind, welches im Hintergrund schreit, beachte ich einfach nicht weiter, denn ich will ja nicht heiraten. Am Telefon bleibt sie zweideutig und meine Bedenken wegen ihres Aussehens sind wie weggeblasen. Vermutlich ist das Blut aus dem Kopf in eine tiefere Region gewandert. Dennoch sage ich ihr nach einer Weile, dass ich Handygespräche zu teuer finde und das Gespräch nun beenden werde. Ziemlich Konsequent für meinen fast schon erregten Zustand.

Ein paar Tage später rufe ich sie erneut an. Vielleicht bin ich doch nicht so konsequent, wie ich dachte und es ist völlig klar, dass sich mein Gehirn zwischen meinen Beinen befindet, denn sonst würde ich nicht so handeln. Unser Gespräch langweilt mich von Anfang an. Belanglose, aneinandergereihte Worte ohne großen Unterhaltungswert. Kurz bevor ich einschlafe, gibt sie allerdings plötzlich Gas, das Gespräch dreht sich nur noch um Sex und schon bin ich hellwach. Es ist echt blöd, wenn man untervögelt ist. Wenn doch nur ihr markerschütterndes, erdbebenartiges Lachen nicht wäre. Ich sollte aufhören, sie zwischendurch zum Lachen zu bringen. Ihr Lachen sollte mich eigentlich daran erinnern, was für einen Unsinn ich hier treibe, doch weit gefehlt. Ich bin dermaßen weggetreten, dass wir sogar ein Treffen am kommenden Wochenende vereinbaren. Ich muss definitiv den Verstand verloren haben, denn ich will mich tatsächlich mit einer Frau treffen, deren Gesicht mir nicht zusagt. Ich muss es echt nötig haben.

Bevor es zum Treffen kommt, sagt sie, vermutlich wenig überraschend, ab. Keine Ahnung, was passiert ist, aber scheinbar will sie mich doch nicht vernaschen. Ich bin einfach kein Mann, der sich wegen großer Nachfrage beklagen kann. Vielleicht sollte ich mit dem Unsinn, im Chat nach Abenteuern zu suchen, aufhören. Bringt ja nicht wirklich was und mein Verstand funktioniert nur bedingt, wenn ich chatte. Das kann nicht gut gehen. Einfach nicht gut gehen.

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