Dezember 2006

Doof bleibt doof
Während ich völlig lustlos vor mich hintrainiere, entdeckt ein durchtrainierter Muskelmann einen Bekannten auf dem Laufband und begrüßt ihn folgendermaßen. „Laufen?“ Er bekommt keine Antwort, weshalb er seine Ersatzfrage hervorkramt. „Was maaachen?“ Was denkt er wohl, was man auf einem Laufband macht? Tauchen? Was nützen einem die schönsten Muskeln, wenn man solche Fragen stellt? Beim Wettbewerb „Muskeln statt Gehirn“ würde er sicher einen der vorderen Plätze belegen.
Nur wenige Minuten später fällt eine Bekannte von ihm vom Laufband. Sie meint dazu, dass sie ausgerutscht sei. Was sonst? Schließlich ist es Dezember, da kann es schon mal glatt werden auf so einem Laufband. Dank dieser Showeinlagen macht mir das Training heute doch ein wenig Spaß.


FZW Dortmund
Am Mittwoch bin ich mal wieder mit Sam im FZW. Laut Sam gibt es im FZW nämlich die passenden Frauen für mich. Und wenn Sam das sagt, dann stimmt das auch, denn er kennt sich aus mit Frauen. In gewisser Weise hat er Recht, denn es sind wirklich ein paar hübsche Weibchen für mich da. Zumindest rein optisch betrachtet, denn ich habe den ganzen Abend was zu gucken. Und gucken kann ich gut. Kurzzeitig überlege ich sogar, eine der Frauen zu belästigen, aber das ist einfach nicht mein Stil. Mein Stil ist es zu warten bis ich angesprochen werde, um die Frau dann abblitzen zu lassen. Das ist lässig. Oder lächerlich. Ich weiß nicht so genau. Jedenfalls ist es mein Stil. Kurz bevor es an der Zeit ist den launigen Abend zu beenden wird dem Sam von einer Frau ihre E-Mail Adresse aufgedrängt. Die Frauen können es einfach nicht lassen. Ständig müssen sie den Sam anbaggern. Auf der Fahrt nach Hause beschließe ich, so lange jeden Mittwoch ins FZW zu fahren bis ich auch mal angesprochen werde. Im Nachhinein betrachtet eine völlig bekloppte Idee. Würde es doch bedeuten, dass ich bis an mein Lebensende dorthin fahren muss. Das will ich mir dann doch nicht zumuten, weshalb ich von meinem nächtlich gefassten Entschluss direkt wieder Abstand nehme bzw. ihn einfach ignoriere. Trotzdem freue ich mich schon auf nächsten Mittwoch. Oder rede ich mir das jetzt nur ein?


Samstagnacht
Den Samstagabend verbringe ich mit dem grinsenden Loerz und der tanzenden Petra im Prisma. Der Loerz ist den größten Teil des Abends damit beschäftigt, sich um irgendwelche Frauen zu kümmern, die total begeistert von ihm sind und ihn unbedingt kennen lernen wollen. Manche sind so begeistert, dass sie ihm ihre Telefonnummer zustecken. Völlig sinnlos, da er sowieso nie anrufen wird, aber das können sie nicht wissen. Eine Frau ist besonders kreativ, denn sie spricht ihn an, um ihm ihre Tattoos zu zeigen. Am Ende bringt ihr die Aktion allerdings auch nichts. Der Loerz hat jedenfalls mal wieder richtig Spaß und kann den ganzen Abend nicht aufhören zu grinsen. Auch Petra ist glücklich. Sie tanzt und tanzt und tanzt. Ich bin ebenfalls zufrieden und mache das, was ich am besten kann. Ich stehe einfach nur so da, gucke mir die schönen, weiblichen Lebewesen an und höre Musik. Die Musik und die Optik sind göttlich und ganz nach meinem Geschmack.
Der krönende Abschluss unseres Ausflugs folgt später auf dem Parkplatz als Loerz eine Gruppe junger Menschen zu uns holt und ihnen erklärt, dass ich täglich mein Auto poliere. Doch damit genug, als nächstes fordert er die jungen Leute auf mein sauberes Auto mal zu berühren, um zu spüren, wie gut sich der Lack anfühlt. Dummerweise kann ich den Leuten vorher nicht erklären, dass man den Lack nur mit der Rückseite der Finger berühren darf, da es sonst Fingerabdrücke auf dem Lack gibt. So habe ich nun eine Motorhaube voller Fingerabdrücke. Dennoch sage ich zu den Leuten, dass mir das gar nichts ausmacht(was eine glatte Lüge ist), da ich den Wagen am nächsten Tag eh wieder polieren werde. Ich glaube, denen gefällt mein Auto. Schöner kann ein Abend kaum enden, abgesehen von den blöden Fingerabdrücken. Loerz und Petra gehen anschließend noch in die Liquid Lounge. Ich nur noch in mein Bettchen, wo ich unverzüglich glücklich und zufrieden einschlafe.


Seltsam
Ich bin beim Arbeitsamt oder besser gesagt bei der Bundesagentur für Arbeit. Es ist wieder Zeit für meine 3-Monatsmeldung. Und als ich so dastehe und warte tu ich mir plötzlich irgendwie leid. Seltsam.


Ein weiterer Mittwoch im FZW
Kann man es Tradition nennen, wenn man fast jeden Mittwoch den Abend an einem bestimmten Ort verbringt? Jedenfalls bin ich wieder mit Sam im FZW. Begleitet werden wir von Sams Schwester. Ich finde den Abend unterhaltsam und die Zeit vergeht überraschend schnell. Obwohl Sam nicht in bester Verfassung, kann er es nicht lassen eine Frau für sich zu suchen. Er entdeckt Carolina oder auch Cordula, wie auch immer, und unterhält sich mit ihr. Caro steht irgendwie auf Sam, Sam steht aber auf ihre Freundin Ingwar. Egal. Jedenfalls verabredet er sich für nächsten Mittwoch mit Ingwar. Oder er versucht es. So richtig bekomme ich das nicht mit, weil ich zwar irgendwie dabei bin, aber irgendwie auch nicht. Vermutlich kommt Ingwar zusammen mit Caro zu dem Treffen. Wenn ich das richtig deute, dann wird es meine Aufgabe sein Caro abzulenken, damit Sam sich in Ruhe um Ingwar kümmern kann. So jedenfalls stelle ich mir das vor. Vermutlich kommt es aber ganz anders. Übrigens kann ich mich sehr gut um Frauen kümmern. Oft kommt es nämlich vor, dass Sam sich mit einer Frau unterhält, Durst bekommt und mir sagt, dass ich mich um die Frau kümmern soll bis er wieder zurück ist. Wenn er zurück kommt stehe ich stets alleine da und die Frau ist weg. Das findet Sam, glaube ich, etwas merkwürdig. Trotzdem betraut er mich immer wieder mit dieser Aufgabe. Warum macht er das? Heute sind auch all die Frauen da, von denen Sam behauptet, sie seien was für mich. Die Ente, das Hundegesicht und all die anderen. Es werden jede Woche mehr. Ich finde es toll, dass so viele Frauen was für mich sind. Mir gefällt auch, dass Sam denen immer Namen gibt, um den Wiedererkennungswert zu erhöhen. Bin schon gespannt wie das mit den Frauen, die was für mich sind weitergeht. Später finde ich noch heraus, dass ich noch etwas richtig gut kann, außer einfach nur dastehen und gucken. Ich kann Dinge halten. Jacken, Gläser, Bierflaschen. Vielleicht wird doch noch was aus mir.


Zu dritt im Prisma
Erneut verbringen Loerz, Petra und ich einen Abend im Prisma. Petra tanzt, wird von einem Typen angequatscht und scheint recht zufrieden. Loerz grinst den ganzen Abend vor sich hin, spricht Mädels an oder wird angesprochen und hat seinen Spaß. Ich bin müde und angenervt von mir selbst. Spaß habe ich nicht wirklich. Vermutlich bin ich ein ziemlich komischer Typ, denn sonst hätte ich sicher auh Spaß. Gegen halb drei verlassen Loerz und ich das Prisma. Loerz will noch in die Liquid Lounge, ich will gar nix mehr. Petra ist zu diesem Zeitpunkt längst unbemerkt verschwunden. Und jetzt kommt auch noch dieser Weihnachtsscheiß. Darauf habe ich auch so gar keinen Bock.


Schon wieder im FZW
Gegen 20.30 Uhr betreten Waldemar, Sam, Loerz und ich, das bereits zu diesem Zeitpunkt überfüllte FZW. Die Luft ist dermaßen schlecht, dass man kaum atmen kann. Scheiß Raucher. Der Abend verläuft so wie fast immer. Waldemar findet es ganz okay, aber zu laut. Loerz findet es natürlich toll, grinst wie üblich und wird von zwei Frauen angesprochen. Sam findet es sehr gut, denn Ingwar ist da und er bekommt nicht nur ihre Telefonnummer, sondern obendrein noch eine Verabredung mit ihr. Daher ist er sehr glücklich. Ich hingegen bin natürlich nicht glücklich, finde es zu voll, die Luft zu schlecht und mich völlig deplatziert. Nächste Woche will ich hier auf keinen Fall hin, denn ich habe eh das Gefühl, dass die Leute glauben, ich gehöre längst zum Inventar, so wie der Tisch links neben dem Eingang. Ich bin kein Tisch, aber ähnlich unterhaltsam.


Der Silvester-Countdown läuft
Heute spiele ich mal wieder Fußball. Das ist auch so eine Sache, die ich in diesem Leben wohl nicht mehr lerne. Zumindest habe ich das schönste Trikot an. Aber ich schweife vom Thema ab, denn das eigentliche Thema ist Silvester. Ich habe Silvester perfekt geplant. Ich will zu Hause bleiben und habe mir sogar schon die Filme (Strange Days und A night at the Roxburry) zurechtgelegt, welche mir den Silvesterabend zu einem unvergesslichen Ereignis machen sollen. Dazu will ich mich ein wenig bemitleiden, vielleicht Trübsal blasen und im späteren Verlauf des Abends will ich mir ein paar Beleidigungen an den Kopf knallen. Alles ist perfekt durchdacht. Doch heute muss ich zum ersten Mal intensiver über ein Alternativprogramm nachdenken. Schuld daran hat Sam, denn er ist der Meinung man könnte irgendwo hingehen, weil es besser ist als alleine auf dem Sofa zu verrotten. Okay, so ganz schlecht ist seine Idee ja nicht, aber wirklich überzeugt bin ich davon noch nicht. Ich mag dieses Silvestergetue einfach nicht und will um 00.00 Uhr nicht fröhlich mein Glas erheben und der Menge ein Frohes Neues Jahr wünschen. Das ist abartig. Wenn ich allerdings wüsste, dass gegen 00.00 Uhr irgendeine angetrunkene und willige Frau mir ihre Zunge in den Hals und ihre Hand in meine Hose schieben würde, dann wäre es in der Tat lohnenswert an Silvester auszugehen. Nur bin ich einfach nicht naiv genug so einen Schwachsinn zu glauben. Mist. Mir läuft die Zeit davon. Was mache ich nur? Zunächst einmal werde ich mich hinlegen und ein Buch lesen. Sollte ich danach noch genug Kraft haben, kann ich ein wenig darüber nachdenken, was ich an Silvester zu tun gedenke. Und wer weiß, vielleicht löst sich das Problem irgendwie von selbst. Oder ich löse mich im Laufe der Nacht auf. Alles kann passieren, aber passieren wird vermutlich nix, was sonst nicht auch passiert.


Weihnachten 2006
Kurz vor Weihnachten bringt mir der Postbote ein Päckchen in dem sich ein Buch befindet. Es ist ein Geschenk von Groupie. Ein Buch. Es trägt den ‘Titel Herr Jensen steigt aus’, und stand schon länger auf meiner Wunschliste. Nicht, dass ich derartige Geschenke nicht liebe, aber irgendwie fürchte ich, dass es für Groupie mehr als nur Sex zwischen uns ist. Unsere letzten Kommunikationen im Internet gingen meiner Meinung nach auch in diese Richtung und das war so nicht verabredet. Wir wollten uns ab und zu treffen, um ein wenig Spaß zu haben. Doch nun scheint es an der Zeit zu sein, das Ganze hier zu reduzieren oder zu beenden. Ich hatte meinen Spaß und sie vermutlich auch. Außerdem kann ich mit so vertraulichen Situationen einfach nicht umgehen. Da bekomme ich nur schlechte Laune und bin überfordert. Vielleicht sollte ich einfach nicht so viel nachdenken, dann wäre ein Geschenk nur ein Geschenk. Das kann ich aber nicht und sehe nun ein Problem, wo vermutlich gar keins ist. Verdammt.


Silvester
Mittlerweile weiß ich, dass ich heute Abend nicht zu Hause bin. Ich werde im Freischütz sein. Da mir Loerz zu dieser Entscheidung spontan sein Beileid ausspricht, habe ich vermutlich die falsche Entscheidung getroffen. Wie immer. An Silvester auszugehen fand ich eh noch nie prickelnd. Nun gut, ich habe ein Auto und kann jederzeit damit verschwinden.


Jahresrückblick 2006
Mir zwei Frauen gegönnt – 2 Dates gehabt – ein Groupie erhalten – eine Art Bart wachsen lassen, abrasiert und wieder wachsen lassen – Arbeitslos geworden – ein anderes Auto zugelegt – wegen Volksverhetzung verurteilt worden – Muttermal entfernen lassen – blaue Jeans gekauft und ständig pleite gewesen – Single geworden

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