Februar 2006

Tag 1 in Herne
Mein erster Tag in der Filiale in Herne. Mal schauen, wie lange ich brauche, sie runter zu wirtschaften, bzw. bis man wir vorwirft, dass ich nicht gut genug bin, um weiter hier beschäftigt zu sein. Bis jetzt bin ich leider nicht ganz so erfolgreich dabei. Aber keine Sorge, Rom wurde schließlich auch nicht an einem einzigen Tag erbaut. Und falls ich nicht schlecht genug sein werde, bin ich mir sicher, dass mein Vertrag trotzdem nicht verlängert wird. Alles andere würde mich doch sehr wundern.


Tag 2 in Herne
Der zweite Arbeitstag läuft schon besser. Ich habe die Einnahmen mehr als halbiert und es sieht so aus als wäre ich auf einem guten Weg. Mein Arbeitsvertrag endet allerdings schon am 14.03.2006. Ob die Zeit ausreicht, um den Laden richtig runter zu wirtschaften? Das könnte selbst für mich schwierig werden.


Letzte Frist für den Volksverhetzer
Am Freitag bekomme ich erneut Post von der Staatsanwaltschaft Dortmund. Wenn ich bis zum 28.02.2006 nicht 250,00€ überweise, wird das Verfahren wegen Volksverhetzung gegen mich wieder aufgenommen. Ich entscheide aus unerklärlichen Gründen, nicht zu bezahlen und es auf einen Prozess ankommen zu lassen, denn weder fühle ich wie ein Volksverhetzer, wobei ich allerdings auch gar nicht weiß, wie sich ein Volksverhetzer so fühlt, noch war oder bin ich einer. Glaube ich zumindest. Doch vielleicht werde ich ja bald eines Besseren belehrt und trage dann offiziell den Titel „Volksverhetzer“. Wir werden sehen.


Kinotag
Traditionell gehe ich einmal im Jahr ins Kino. Dabei bevorzuge ich Filme, die möglichst nicht viel länger als neunzig Minuten gehen. Heute ist es wieder soweit und die Wahl fällt auf Saw 2. Und es ist keine besonders gute Wahl. Vor allem, weil der Film scheinbar nie enden will, obwohl er nur neunzig Minuten dauert. Ich bin echt froh, dass ich in den nächsten Monaten nicht mehr ins Kino gehen muss.


Monatsfazit eines schlechten, sich selbst überschätzenden Matratzenverkäufers
So sehr ich mich auch bemühe, die Verkaufszahlen zu verringern, so erfolglos bin ich dabei. Ich bin nicht einmal schlechter als die Kollegin, die schon lange in dieser Filiale arbeitet. Im Gegenteil. Je länger ich hier bin, desto besser scheine ich zu werden und die Filiale sieht auch viel aufgeräumter aus seit ich hier bin. Bin ich vielleicht doch nicht so schlecht, wie man es mir nachsagt, ohne es wirklich auszusprechen, oder verstehe ich das System nur nicht? Versuche ich mir nur einzureden, nicht wirklich schlecht zu sein, um mich nicht wirklich schlecht zu fühlen? Sind in meinem Fall Verkaufszahlen nur ein vorgeschobenes, falsches, Argument? Denn selbst in der Filiale in Datteln war ich nicht schlechter als die Kollegin, die dort schon seit über zehn Jahren beschäftigt ist.

Da mittlerweile alle, die mit mir bei diesem Matratzendiscount angefangen haben, Ihre Verträge verlängert bekommen haben, kann ich mit Sicherheit davon ausgehen, dass ich bald wieder arbeitslos bin. Jeder kriegt halt das, was er verdient.

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