Februar 2007

Ich, der Freak
6.45 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich stehe auf, öffne das Fenster und gehe ins Bad, mache mich ein wenig frisch und kehre zurück in mein völlig kaltes Zimmer. Schließe das Fenster, schalte den PC ein und sehe nach meinen Mails. Zweihundert Stück. Ausschließlich Spam- und Werbemails. Alles wie gehabt. Ich frühstücke eine Kleinigkeit und gehe danach ins Bad, um meine Haare zu ordnen. Da ich keine Lust habe sie zu waschen, schmiere ich Gel hinein, doch es nützt nix, die Frisur bleibt Scheiße. Früher wäre ich so nicht aus dem Haus gegangen, heute ist es mir vollkommen egal. Rasiert habe ich mich seit Tagen nicht mehr und sehe durchaus furchtbar aus. Auch das ist mir egal. In diesem nicht ganz ordnungsgemäßen Zustand verlasse ich die Wohnung, gehe zur Garage und öffne sie. Vor mir steht ein dermaßen verdrecktes Auto, dass man kaum die Farbe erkennt. Früher undenkbar, heute interessiert mich selbst das nicht. Ich steige ein, fahre los und bin absolut pünktlich bei meinem Termin bei der ARGE. Die Sachbearbeiterin, oder wie immer man sie nennen mag, kenne ich von einem früheren Besuch. Sie ist mächtig. Schon bei meinem letzten Termin habe ich mich gefragt, ob man aus ihr nicht zwei Mitarbeiterinnen machen könnte. Sie ist freundlich zu mir und stellt die ein oder andere belanglose Frage. Währenddessen betrachte ihre Unterarme und frage mich, wie es sein kann, dass ich nun seit drei Jahren ins Fitnessstudio gehe und meine Oberarme trotzdem nicht dicker sind als ihre Unterarme. Irgendetwas kann da nicht stimmen. Als nächstes betrachte ich ihre Hände. Viel zu große Hände für eine Frau. Wozu braucht eine Frau solch große Hände? Noch bevor ich Antworten auf meine Fragen finden kann, schiebt sie mir die Eingliederungsvereinbarung zur Unterschrift rüber. Deshalb also bin ich hier. Um diesen blöden Wisch zu unterschreiben. Sie stellt noch ein paar Fragen, die ich völlig gleichgültig beantworte. Ihren Vorschlag, mich mal in einem Call-Center zu bewerben, überhöre ich natürlich, denn das geht mir eindeutig zu weit. Nach knapp 15 Minuten ist der Spuk vorbei, ich gehe zurück zu meinem Auto, steige ein und fahre heim. Die merkwürdigen Geräusche meines Wagens will ich nicht hören, weshalb ich die Musik lauter drehe. Wenn nur alles so einfach wäre. Es ist etwa 08.30 Uhr als ich wieder zu Hause bin. Genug Zeit, um meinen Körper zu trainieren. Also ziehe ich mich um und fahre zum Training, um dort mit Kindergewichten zu hantieren. Um 11.00 Uhr steht mein verdrecktes Auto wieder in der Garage und ich liege völlig entspannt in der Wanne. Obwohl noch so viel vom Tag übrig ist, ist er gelaufen für mich. Mehr kreatives oder gar nützliches bringe ich nicht zustande. Ich lebe als wäre die Lebenszeit nicht begrenzt und als hätte ich noch endlos Zeit, um endlich aktiv am Leben teilzunehmen. Was bin ich nur für ein Freak?


Sandra
Weil ich nicht immer nur rumliegen kann, verbringe ich viel Zeit online und breche meinen Vorsatz, nie wieder zu chatten, erneut, denn ich finde einen Chat, den ich noch nicht kenne und melde mich an. Warum ich das mache? Vermutlich weil ich verzweifelt, zumindest aber verwirrt, bin und tief in meinem Innersten hoffe, dass ich doch irgendwann eine neue Frau zum Vögeln finde. Ein Mann, besser gesagt ein Doofmann, der seine Möglichkeit auf zumindest gelegentlichen und durchaus befriedigenden Sex mit Groupie nicht mehr nutzen will und im wirklichen Leben nix gebacken kriegt, muss es immer wieder in der virtuellen Welt versuchen. Nach einer Weile werde ich von Sandra, 30, aus Dortmund angeschrieben. Sie wurde gerade von ihrem Mann verlassen und will nun ihr Leben genießen und endlich Spaß haben. Wir plaudern ein wenig belanglos daher bevor sie mich fragt, was mich in den Chat führt. Ich sage, dass ich reale Treffen suche, aber in dem verfickten Chat nur Bekloppte und Fakes zu finden sind und mich virtueller Sex auch nicht weiter bringt. Daraufhin antwortet sie, dass sie real ist und sich gerne mit mir treffen würde. Da ich weiß, dass sie mein Profilbild kennt ist mir klar, dass mit der Braut etwas nicht stimmen kann. Keine halbwegs normale bzw. attraktive Frau würde sich freiwillig mit mir treffen wollen. Also verlange ich ein Foto und bekomme gleich zwei. Eines hätte wirklich gereicht. Ich frage mich ernsthaft, ob ich nach betrachten der Fotos je wieder eine Erektion haben kann. Erstaunlich, dass sie komplett auf das Foto passt. Bei einer Größe von knapp unter 1,60m wiegt sie schätzungsweise so viel wie ein Passagierflugzeug. Als ich mich von dem Schock erholt habe will ich unverzüglich den Chat beenden, aber da ich nichts Besseres zu tun habe, entscheide ich mich noch ein wenig zu bleiben und schreibe ihr, dass ich nur Sex will. Sie findet es natürlich okay, will Kondome kaufen und ich soll am kommenden Samstagabend zu ihr kommen. Ich kann sogar bei ihr übernachten, wenn ich will. Ich schlage ihr daraufhin noch einige merkwürdige und üble Dinge vor, die ich mit ihr anstellen will. Doch egal wie abartig es ist, sie ist mit allem einverstanden. Das bringt uns allerdings auch nicht weiter, denn ich bin zwar verdammt unattraktiv, aber sie möchte ich trotzdem nicht. Als sie mir schreibt, dass ich echt lecker aussehe, kann ich nicht anders und drücke oben rechts auf das Kreuz und verlasse den Chat. Mehr kann ich heute einfach nicht ertragen.


Depp!?!
Obwohl ich nicht dran glaube, lese ich fast täglich mein Horoskop. Meist habe ich wenige Sekunden später schon wieder vergessen, was dort steht. Heute allerdings mag ich es nicht vergessen, denn es steht geschrieben, dass ich am Abend jemanden kennen lernen werde. Ich frage mich direkt, ob ich in Zukunft doch an Horoskope glauben soll. Der Abend soll darüber entscheiden, denn am Abend bin ich mal wieder mit Sam im FZW. Dort ist alles wie immer. Die Musik ist okay, ein paar nette Frauen sind da und ich halte immer wieder mal Sams Bier während er tanzen ist. Alles ist gut so wie es ist. Während Sam tanzt und ich erneut sein Bierglas halte, stehe ich einige Zeit neben einer kleinen Frau, die mir scheinbar gefällt, denn ich muss immer wieder zu ihr rüber sehen. Sie beachtet mich natürlich nicht weiter. Zumindest nehme ich es so wahr. Irgendwann kommt Sam von der Tanzfläche, ich gebe ihm sein Bier und er spricht direkt die kleine Frau neben mir an. Ich bin immer wieder überrascht, wie spontan er manchmal ist. Scheinbar findet er auch gleich die richtigen Worte, denn die zwei unterhalten sich eine Weile. Als ich vor Langeweile meine Arme verschränke schlägt Sam nach mir und weist mich darauf hin, dass ich so was nicht machen soll. Also lasse ich den Quatsch und stelle mich anständig auf. Einige Augenblicke später reicht mir Sam sein Bierglas erneut und geht tanzen. Da stehe ich nun wieder mit seinem Bierglas neben der kleinen Frau, die ich noch immer interessant finde. Kurz überlege ich, ob ich der Frau die Geschichte erzähle, wieso ich der beste Bierglashalter im FZW bin und wie ich dazu geworden bin. Zu meiner Überraschung entscheide ich mich tatsächlich, ihr die Biergeschichte zu erzählen. Wenige Augenblicke später ertappe ich mich tatsächlich dabei, wie ich der attraktiven Frau erzähle dass ich der beste Bierglashalter bin, wie man ein Bierglas richtig hält usw. Anfangs scheint sie nicht ganz so überzeugt, doch nach einer Weile läuft eine nette Unterhaltung. Das war vielleicht ein ziemlich kurioser Beginn für so ein Gespräch, aber scheinbar habe ich mich nach einigen Minuten so weit im Griff, dass wir ein anständiges Gespräch führen können. Manchmal kann ich scheinbar völlig normal sein, so wie ein richtiger Mensch. Für einen Moment bin ich fast stolz auf mich, denn ich bringe diese kleine, attraktive Frau sogar zum Lachen. Endlich mal eine, die meinen Humor mag. Irgendwann muss aber jede Frau Mal nach Hause und so kündigt sie ihre Abreise an. Ich sage ihr, dass man sich bestimmt mal wieder hier sieht und verabschiedete mich. Kaum ist sie weg kommt Sam zu mir und fragt, ob ich ihre Telefonnummer habe. Was soll ich damit? Ich würde sie eh nicht anrufen. Sam findet das gar nicht gut. Von nun an kommt in fast jedem seiner Sätze ‚Du Depp’ vor. Du Depp machst auch alles falsch. Du Depp hättest nach ihrer Nummer fragen müssen. ‚Du Depp’ auch mal ohne Satz. Ich wurde noch nie zuvor so oft hintereinander Depp genannt. Dabei fand ich mich cool. Ich war gut, egal was Sam behauptet. Ich hatte meinen Spaß und glaube, ich bin auf einem guten Weg. Wenn es weiter so läuft werde ich noch in diesem Jahr meinen nächsten Sex haben. Wunderbar.
Ach ja, ich habe mich dennoch entschieden auch in Zukunft nicht an Horoskope zu glauben.


Weiberfastnacht
Bisher hatte ich mich immer geweigert an Weiberfastnacht irgendwo hin zu gehen. Karneval und auf Knopfdruck fröhliche Menschen waren noch nie mein Ding. Da aber ständig alle erzählen wie toll es an Weiberfastnacht ist, wie leicht die Frauen da zu kriegen sind und dass an Karneval immer wild rumgeknutscht wird, will ich mir die Sache mal persönlich anschauen, denn knutschen ist durchaus etwas für mich. Und so fahren Petra, David, Loerz, Sören und ich ins Dieckmanns. Dort ist es natürlich rappelvoll, was mir direkt nicht gefällt. Sören kann mit den Eckdaten der Frauen rein gar nichts anfangen und ist der erste unserer kleinen Gruppe, der das Dieckmanns verlässt. Gut nachvollziehbar, hat man doch den Eindruck auf einer Ü30-Party zu sein bei der alle nur etwas fröhlicher oder gar ausgelassener sind als bei den üblichen Ü30-Partys. Petra lacht zwar sehr viel und hat irgendwie auch ihren Spaß, jedoch will sie, dass ihr erster Weiberfastnachtsausflug auch ihr letzter bleibt. Bei David verhält es sich ebenso, obwohl ihm eine der lustigen, älteren Frauen auf der Toilette einen Blasen will, was er allerdings dankend ablehnt, weil die Frau ihm nicht nur zu alt, sondern auch noch zu schräg und unattraktiv ist. So ist es wieder der Loerz, der am glücklichsten von uns allen ist. Er quatscht mit unglaublich vielen Frauen, grinst glücklich in die Weltgeschichte und hat seinen Spaß. Ein echter Sonnenschein, unser Loerz. Trotzdem muss auch er zugeben, dass die Party bei Weitem nicht so gut wie im letzten Jahr ist. Möglicherweise liegt es daran, dass ich dabei bin, denn wenn ich mit zu einer der Veranstaltungen gehe, die eigentlich immer richtig gut sind bzw. waren, ist plötzlich alles anders. Eventuell lastet ein Fluch auf mir. Mal schauen, welche Veranstaltung ich am Rosenmontag mit meinem Fluch versauen kann. Wird bestimmt lustig. Gegen 00.30 Uhr will der Loerz unbedingt ins Stade, weil es da immer abgeht. Ich habe da so meine Zweifel, entscheide mich aber ihn zu begleiten. Auch im Stade ist es verdammt voll und überhaupt nicht toll. Zumindest finden wir es nicht toll und ich habe nichts anderes erwartet. Daher halten wir uns selbstverständlich nicht lange dort auf und können nun ein Jahr lang darüber nachdenken, wo wir im nächsten Jahr Weiberfastnacht feiern. Ich freu mich schon.


Loerz zieht um
Am Wochenende nach dem Weiberfastnachtsausflug darf ich dem Loerz bei seinem Umzug helfen. Am Samstag habe ich die Aufsicht über die Beleuchtungsarbeiten, weil ich Energieelektroniker bin, und am Sonntag die Aufsicht über den ordnungsgemäßen Möbeltransport, weil ich zu schwach bin, schwere Möbel zu tragen. Sören, David, Loerz und der Schlüpferstürmer (seinen richtigen Namen vergesse ich immer) packen kräftig an. Ich kann aufgrund meiner schwachen körperlichen Verfassung nur kleine Teile tragen. Die vier arbeiten wie die Tiere und bereits nach anderthalb Stunden sind alle Möbel in der neuen Wohnung. Ich bin sehr zufrieden mit den Jungs. Später kommen noch die Putzfrauen Petra und Selma vorbei, um zu putzen. Und die beiden putzen wirklich gut. Note 1 für die zwei. Ich gucke gerne Frauen beim Putzen zu. Während die beiden putzen ist es meine Aufgabe das Wasserbett zu befüllen. Diese Aufgabe meistere ich mit Bravour. Nachdem alles einigermaßen ordentlich hergerichtet ist, schauen wir am Abend noch einen Film zusammen, um die Wohnung auf diese Art einzuweihen.
Am Tag danach deutet bei mir alles darauf hin, dass ich mir beim Umzug eine Erkältung zugezogen habe. Entweder hat der übel verschnupfte Sören mich angesteckt oder das Auffüllen des Wasserbetts war zu anstrengend für mich. Ich glaube, Umzüge sind nichts für mich.


Telefonnummer
Die letzten Tage waren echt hart für mich. Auf der einen Seite die Kritik, weil ich mir die Telefonnummer nicht habe geben lassen, auf der anderen Seite meine Erkältung, die mich zwingt ständig irgendwelche Tabletten einzuwerfen und dazu mindestens einmal pro Stunde einen kräftigen Sprühstoß Nasenspray verlangt. Natürlich weiß ich, dass so etwas nicht gesund ist, aber ich atme halt gerne. Auch wenn ich noch immer nicht weiß, warum eine Telefonnummer so immens wichtig ist, beschließe ich, mir eine Telefonnummer von einer Frau zu besorgen. Da ich mit meiner Erkältung mein Zimmer nicht verlassen will, suche ich im Internet nach einer Frau, die sich nichts Schöneres vorstellen kann als mir ihre Telefonnummer zu geben. Für mich völlig überraschend finde ich recht bald ein solches Exemplar. Dieses Exemplar ist 26 Jahre, wohnhaft in Essen und scheinbar ohne fetten Arsch. Manchmal bin ich echt gut, weiß aber nicht wieso. Nun habe ich ihre Telefonnummer und hoffe, dass die Kritik von Sam diesbezüglich nun endlich aufhört.


Loerz hat Geburtstag
Gegen 23.00 Uhr fahre ich mit dem höchst vergnügten Geburtstagskind Loerz nach Dortmund. Zu diesem Zeitpunkt grinst Loerz bereits ununterbrochen, ist völlig begeistert und findet alles geil. Unser Ausflug führt uns ins Las Salinas, wo Loerz von vielen Menschen herzlich empfangen wird, denn sie alle lieben den Loerz. Später gesellen sich noch Bastian und Petra zu dem illustren Kreis. Loerz ist in Höchstform und begeistert wie immer alle anderen. Und das mit 37. Respekt. Ich trinke zum ersten Mal in meinem Leben einen Jägermeister. Bittere Medizin und doch fühle ich mich sichtlich wohl während der ganzen Zeit. Merkwürdig. Ob das am Jägermeister liegt?
Gegen 02.00 Uhr machen sich Loerz, Bastian, Selma, Petra und ich auf in die Liquid Lounge, meinen absoluten Lieblingsladen, der Ort zu dem ich nie mehr wollte. Zunächst ist es dort sogar zu voll, um sich zu bewegen. Später geht es einigermaßen. Loerz ist zu diesem Zeitpunkt betrunkener als je zuvor, aber auch weiterhin total glücklich. Nach einiger Zeit geht es weiter in den blauen Raum. Dort verweilen wir nur kurz und ich gehe davon aus, dass der Abend nun zu Ende ist, was er aber nicht ist, denn Loerz hat noch eine Überraschung parat. Er will unbedingt mit uns in die Löwengrube. Das ist eine winzige Lesbenkneipe in die sich vermutlich nur selten Männer verirren. Er ist scharf auf eine der Bedienungen dort. Der gute alte Loerz, immer auf der Jagd. In der Löwengrube sind kaum noch Menschen. Jene, welche sich dort noch aufhalten passen bestens dahin. Ich finde es sehr amüsant und trinke sogar eine Flasche Bier halb leer. Dabei mag ich gar kein Bier. Loerz amüsiert sich köstlich, denn die Bedienung ist genau nach seinem Geschmack. Die Musik veranlasst meine vier Begleiter dazu zu tanzen. Ich halte mich dezent zurück und schaue den Tanzenden zu. Vor allem Selma, die mir heute ausgesprochen gut gefällt, schaue ich mir intensiv an. So attraktiv fand ich sie bisher noch nie, komisch. Wenn ich nicht wäre, wer ich bin, dann würde ich versuchen mit ihr zu flirten, aber zum Glück bin ich der, der ich bin, denn sonst würde ich mich sicher nur blamieren. Gegen 04.30 Uhr wollen der Loerz, die Petra und das Löwenpersonal noch weiter ziehen. Bastian, Selma und ich ziehen es vor den Ausflug zu beenden. Ich bringe Selma noch weg und tatsächlich muss ich mich voll beherrschen, dass ich nicht irgendwas Peinliches mache oder sage. Warum fühle ich mich heute nur so zu ihr hingezogen und wieso sieht sie so gut aus? Alles ziemlich merkwürdig. Nur gut, dass ich mich so gut kontrollieren kann, den Verstand über spontan aufkommende Gefühle oder Gelüste stellen kann, und mich nicht Momenten der Schwäche hingeben muss. So sind mir schon viele Peinlichkeiten erspart geblieben, vermutlich aber auch sehr viel Spaß. Gegen 05.00 Uhr bin ich wieder zu Hause. Es war ein sehr netter Abend. Dabei wollte ich erst gar nicht raus.


Nicky
Nicky schreibt mich bei Bildkonatkte.de an. Nachdem wir uns virtuell gut verstehen einigen wir uns auf ein Treffen. Dieses Treffen verläuft exakt so, wie ich es mir vorgestellt habe. Es sind dreißig wundervolle Minuten in meinem Auto, die ich so schnell nicht vergessen werde. Die Musik ist toll, ich rieche gut und die Scheiben sind recht schnell beschlagen, so dass niemand mehr hinein sehen kann. Eine derart romantische Situation sollte jeder Mal erleben. Wäre Nicky dabei, hätte es ihr sicherlich auch gefallen. Warum Nicky doch nicht dabei ist, liegt an ihrer 14jährigen Tochter, die angeblich spontan 40° Fieber bekommen hat und zum Notarzt musste. Gut, dass Nicky mir nicht rechtzeitig mitgeteilt hat, dass sie deshalb nicht zu unserem Treffen kommen kann, sonst hätte ich womöglich diesen romantischen Abend mit mir verpasst. Noch am selben Abend teile ich Nicky mit, dass ich die spontane Krankheit ihrer Tochter als Zeichen dafür sehe, dass es mit uns nicht sein soll und es daher kein (erneutes) Treffen geben wird.


Nanette
Nachdem ich herausgefunden habe wozu eine Handynummer gut ist, rufe ich am Samstag bei Nanette, so heißt die Besitzerin der Handynummer, die ich neulich im Chat abgestaubt habe, an. Über zwanzig Minuten dauert das Gespräch und wir einigen uns darauf uns am Dienstag zu treffen.
Am Montag schreibe ich sie per MSN an, um mir den Termin bestätigen zu lassen. Knapp zweieinhalb Stunden später habe ich die Bestätigung und am Dienstag um 14.00 Uhr treffen wir uns tatsächlich in Essen. Nanette ist etwa 1,70 bis 1,75, schlank, hat blondes Haar, gepflegte Zähne und mindestens drei Tattoos, wie unschwer auf den verführerischen Fotos, die sie mir geschickt hat zu erkennen ist. Dazu hat sie schöne, schlanke Finger, was ich sehr mag. Wie es aussieht verstehen wir uns ganz gut, denn sie lacht viel, da ich unglaublich witzig sein kann, wenn der Psycho in mir sich vorübergehend zurückzieht. Als mir irgendwann nichts mehr einfällt, um sie zu unterhalten, sage ich zu ihr „Ich bin jetzt geil, lass uns zu Dir fahren.“, worauf sie auf ihre Uhr schaut und meint, dass ich das hätte eher sagen sollen. Echt jetzt? Ich hätte Sex haben können und habe stattdessen meine Unterhaltungsshow abgezogen? Warum habe ich nur so lange mit der Frage nach Sex gewartet? Sollte ich je wieder ein Date haben, werde ich die Frage gleich zu Beginn stellen, um keine Zeit unnötig zu vergeuden. Ich muss echt noch viel lernen. Als wir uns wenig später auf den Weg zurück ins Parkhaus machen, überlege ich die ganze Zeit, was ich jetzt noch cooles sagen kann, aber mir fällt nichts ein. Irgendwie einigen wir uns darauf, dass es nett war und wir uns wieder sehen. Ich suche noch immer nach einem coolen Spruch als sie “Den Sex holen wir aber noch nach.” sagt. Mehr als ein blödes Grinsen bringe ich daraufhin nicht zustande. Immer noch kein cooler Spruch parat. Bevor ich weiter denken kann bekomme ich auch schon einen Abschiedskuss und weg ist sie. Ich schaffe es gerade noch ihr kurz an den Arsch zu fassen. Wenigstens meine Reflexe funktionieren einwandfrei.

Um wieder auf den Boden zurück zu kommen, fahre ich am frühen Abend mit Loerz zum Billard. Dort bin ich ähnlich erfolgreich, wie bei meinem Date, denn ich habe schon lange nicht mehr so deftig beim Billard verloren. Jetzt bin ich komplett zurück in der realen Welt. Später bekomme ich noch eine SMS von Nanette, die fragt, ob ich am Samstag mit ihr tanzen gehen will. Da ich nie tanze, lehne ich das Angebot ab. Ich will nicht tanzen. Trotzdem glaube ich, dass ich noch in diesem Jahr Sex haben werde. Ich bin auf einem guten Weg. Zumindest rede ich mir das ein.


Birte
Am Mittwochabend bin ich mit Loerz und Sam im FZW. Zunächst kippt mir eine Frau ihren Wein über den Rücken, weil sie einen Gehfehler hat und kurzzeitig die Kontrolle über ihren Körper verliert. Zum Glück ist es Weißwein. Später zeigt mir Sam die kleine Frau, deren Telefonnummer ich nicht wollte. Sie sieht immer noch lecker aus mit ihrem dunklen Haar, ihrer schönen Figur und dem hübschen Gesicht. Normalerweise unterhalte ich mich nicht in irgendwelchen Diskotheken mit derart attraktiven Frauen. Und erst recht spreche ich keine Frau, die mir so gefällt, an. Doch sie nicht anzusprechen wäre vermutlich selbst für mich zu blöd. Also denke ich, was soll´s, sag ich halt “Hallo”. Und dann komme ich den Rest des Abends nicht mehr von der Frau, die Birte heißt, weg. Das ist doch nicht normal und doch liebe ich es. Wir wechseln sogar den Standort, um uns besser unterhalten zu können. Jetzt könnte ich vermutlich ihre Marionette werden und nichts dagegen tun, selbst wenn ich es merken würde. Und es wird sogar noch besser, denn irgendwann fragt sie mich, ob ich am Samstag mit ihr ins Sixx.PM gehen möchte. Natürlich nicht, denn am Samstag gehe ich mit Loerz aus. In Momenten wie diesen neige ich dummerweise manchmal dazu übermütig zu werden und verliere leider kurzzeitig den Verstand, was in diesem Fall dazu führt, dass ich unverzüglich vorschlage, dass wir an einem anderen Tag zusammen einen Kaffee trinken gehen. Dabei mag ich gar keinen Kaffee. Sie ist natürlich sofort einverstanden, was logisch war, denn ich frage so etwas nur, wenn ich zu hundert Prozent sicher bin, dass ich eine positive Antwort bekomme. Was folgt ist die Sache mit der Telefonnummer. Ich will ihre Nummer nicht haben, also gebe ich ihr meine. Ich verstehe das alles nicht und bin durchaus überfordert, denn ich finde sie nicht nur verdammt attraktiv mit ihren dunklen Haaren und dem entzückenden Gesicht, sondern fühle mich, ohne sie zu kennen, total zu ihr hingezogen. Das sind Dinge, die mir schon etwas Angst machen, da ich das alles nicht wirklich kontrollieren kann, was für mich als Kontrollfreak durchaus schwierig ist. Anderseits ist es aber so, dass ich uns ja auch irgendwie dahin gesteuert habe, wo wir jetzt sind. Faszinierend, dass ich manchmal derart über mich hinauswachsen kann und es schaffe, Frauen glaubhaft vorzugaukeln ich könnte ein möglicherweise normaler und nicht vollkommen verhaltensgestörter Mann sein. Als sie mich beim Abschied umarmt bin ich dennoch vollends verwirrt, obwohl ich mir auch das irgendwie gewünscht habe. Wo soll das nur enden? So wie es aussieht gibt es bereits am Sonntag eine Fortsetzung unserer netten, kleinen Unterhaltung.

In ein paar Tagen, wenn die Frauen merken, dass der charmante, witzige und scheinbar so selbstbewusste Typ, den sie unbedingt näher kennen lernen wollen, in Wirklichkeit nichts weiter ist als ein depressiver Pessimist, der mit seinem Leben nicht klar kommt und bei seinen Eltern wohnt, spätestens dann ist es vorbei mit dem Interesse und alles ist wieder so, wie es sein muss. Ist vermutlich auch besser so, denn sonst steigt mir der Erfolg am Ende noch zu Kopf und ich werde vollkommen überheblich. Das kann ja niemand wollen. An all dem, was gerade passiert, ist sicher nur die verdammte Umweltverschmutzung Schuld.

1 Kommentar on "Februar 2007"


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