Juni 2009

Garage
Als ich im März in meine Wohnung einzog, wurde eine Garage auf dem Hof frei. Dummerweise erfuhr ich es etwas zu spät und so wurde die Garage an einen Typen aus dem Nachbarhaus vermietet. Das alleine ist schon ärgerlich genug, doch noch viel ärgerlicher ist es mit anzusehen, wie er die Garage nutzt. Er lagert dort fünf Kästen Mineralwasser, zwei Kästen Bier, zwei Fahrräder und Regenschirme. In einem kleinen Regal hat er noch andere Sachen untergebracht. Und obwohl noch genug Platz für sein Fahrzeug bleibt, lässt er dieses auf dem viel zu kleinen Hof stehen und nimmt anderen den Platz weg. Wie bescheuert ist denn das?
Immer wenn ich den Typen sehe, würde ich ihn am liebsten umwerfen, würgen oder wenigstens beschimpfen. Doch bin ich aus dem Alter raus und weiß, dass mich das auch nicht weiter bringen würde. Dennoch kann ich den Typen nicht leiden und verachte ihn. Ich hoffe inständig, dass er beim nächsten Unwetter für immer weggespült wird, damit ich seine Garage bekomme, um meinen Benz darin zu parken. Denn dazu wurden Garagen ursprünglich hergestellt.


Geburtstag
Der alte Mann, der ich nun fast bin, liebt Geschenke. Und deshalb lade ich zu meinen Geburtstagen gerne Leute ein, denn die bringen Geschenke mit. Gleichzeitig kann ich dieses Jahr noch eine außergewöhnliche Premiere feiern. Den ersten Geburtstag in der eigenen Wohnung. Die Nachteile dürfen dabei aber nicht unerwähnt bleiben, denn ich muss dafür sorgen, dass genug zu essen und zu trinken da ist. Ich muss hinterher sauber machen und spülen. Und ich muss dafür sorgen, dass die Gäste ihre Schuhe ausziehen, denn Straßenschuhe müssen draußen bleiben. Doch all diese Mühen lohnen sich, denn ich werde gut beschenkt und der Abend ist so witzig, wie meine Geburtstage schon lange Zeit nicht mehr waren. Man kann fast glauben, es handele sich um den Geburtstag eines Lebenden. Nur der kalte Hauch des Todes, lässt hin und wieder Zweifel daran aufkommen.
Die Geschenke sind großartig. Von Ursula bekomme ich einen selbstgebackenen Kuchen, eine Rose und Begrüßungssex. Außerdem bekomme ich Bücher, Parfum, eine DVD, eine Flasche Metaxa, Geschenkgutscheine und Süßigkeiten. Da trifft es sich gut, dass ich am Montag meine mündliche Abschlussprüfung habe und ab Dienstag arbeitslos bin. So kann ich in aller Ruhe die Bücher lesen. Nachdem alle Gäste betrunken sind, schicke ich sie nach Hause. Bis auf Ursula. Die behalte ich hier, um ihr erneut die Gelegenheit zu geben mit mir Sex zu haben. Man weiß ja nie, wann sich ihr wieder eine so großartige Gelegenheit bietet. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Geburtstag. Trotzdem möchte ich meinen nächsten Geburtstag um einige Jahre verschieben, da mir die Zahl, die mein nächster Geburtstag für mich bereit hält, einfach nicht gefällt. Und was mir nicht gefällt, das will ich nicht.


Mündliche Abschlussprüfung
Obwohl die mündliche Abschlussprüfung erst um 13.00 Uhr beginnt und wir uns um 12.00 Uhr treffen wollen, bin ich schon um 06.00 Uhr wach. Vermutlich bin ich etwas nervös und kann deshalb nicht schlafen. Um 08.30 Uhr sauge ich die Wohnung, um mich abzulenken. Ich putze Staub, gucke aus dem Fenster, doch entspannen kann mich das alles nicht. Ich hasse mündliche Prüfungen. Ich bin so verwirrt, dass ich ein Glas Milch trinke. Als es langsam Zeit wird zu gehen, bin ich weiterhin konfus. Ich vergesse zunächst das Hemd anzuziehen und will im T-Shirt los. Dann ziehe ich beinah die vergammelten Schuhe an. Und als ich gerade los will, ruft DG mich an, um zu fragen, ob ich an das Berichtsheft gedacht habe. Habe ich natürlich nicht und so bin ich für den Anruf so dankbar, dass ich mein Mobiltelefon direkt auf der Toilette vergesse als ich mich auf den Weg mache.

Als ich meine zwei Prüfungsaufgaben vorgelegt bekomme, kann ich mich nicht entscheiden, welche ich nehmen will. Ich entscheide mich für Aufgabe B und wundere mich, dass ich die Fragen so schnell beantworten kann. Ich überlege, ob Aufgabe A nicht vielleicht doch besser wäre. Doch bevor ich mich entscheiden kann, werde ich aus dem Vorbereitungsraum abgeholt. Sieht so aus als würde ich Aufgabe B vortragen müssen. Vor dem Prüfungsausschuss komme ich mir vor wie ein Kandidat von Der große Preis. Ich glaube, in einer Glaskuppel zu sitzen und die Fragen möglichst schnell beantworten zu müssen, um den großen Preis zu gewinnen. Ich lese die Fragen vor, beantworte sie unverzüglich mit wenigen Worten und schon bin ich fertig. Zur Belohnung bekomme ich drei Zusatzfragen gestellt. Diese werden nicht wirklich ausformuliert, sondern passend zu meinem Vortrag werden mir einfach Begriffe zugeworfen, die ich dann so knapp wie möglich erläutere. Einmal werde ich darauf hingewiesen, dass meine Antwort zwar richtig ist, aber nicht zu der Frage passt, die mir gestellt wurde. Mist, ich habe es versaut. Doch zu meiner Verwunderung erzählt mir ein Prüfer jetzt, was ich hätte antworten sollen und dass ich das wohl auch gemeint hätte, was ich sofort bestätige und dabei ganz souverän bleibe, fast so als wäre das doch klar und ich hätte das andere nur aus Versehen erzählt. Wenn er mir nicht alles so genau erzählt hätte, was die richtige Antwort gewesen wäre und was ich vermutlich auch sagen wollte, dann wäre mein Auftritt zum Ende hin doch noch peinlich geworden. So aber ist der Spuk vorbei, ohne dass ich mich blamieren konnte und ich darf den Raum verlassen, um draußen auf mein Ergebnis zu warten. Kaum bin ich draußen, werde ich auch schon wieder reingerufen und darauf hingewiesen, dass es besser gewesen wäre, wenn ich die Fragen nicht ganz so trocken und schnell beantwortet hätte, aber ansonsten gibt es nichts zu bemängeln, was mich überrascht. Wie meine beiden Kollegen, habe auch ich die mündliche Prüfung bestanden. Was mich allerdings überrascht ist die Tatsache, dass wir drei mit der Note 1 die Prüfung bestanden haben. Nein, das ist nicht ganz richtig, denn es überrascht mich bei den beiden eigentlich nicht, bei mir hingegen schon. Weil ich weiß, wem ich zu verdanken habe, dass ich die Prüfung überhaupt geschafft habe, bedanke ich mich bei Werner Lorant für seine perfekte Vorbereitung auf die Prüfung. Ohne ihn hätte ich es nicht gechafft und das sage ich ihm auch, bevor wir uns endgültig verabschieden. Mit der Abschlussnote kann ich jetzt alles werden. Präsident, Schauspieler, Arbeitsloser oder etwas ganz anderes. Ich bin entzückt und erleichtert. Die Umschulung ist vorbei und ich mache mich auf in mein neues Leben als … Arbeitsloser.


Anruf bei Samantha
Als mich Samantha an meinem Geburtstag, während ich gerade einen Spaziergang mit Ursula machte, anrief, konnte ich natürlich nicht ans Telefon gehen. Heute rufe ich sie endlich zurück. Wir plaudern ein wenig und ich stelle fest, dass sie immer offener und lockerer wird. Das verwirrt mich ein wenig, da noch nicht geklärt ist, was wir mit uns anfangen wollen. Ich bin mir weiterhin nicht sicher, ob ich mit ihr ins Bett will. Alles was darüber hinausgeht ist auf jeden Fall nicht in meinem Sinn. Ich könnte sie mir ganz gut als weitere platonische Freundin vorstellen. So würde man Komplikationen vermeiden. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sie mehr von mir will als eine platonische Freundschaft. und gehe davon aus, dass sie mit mir ins Bett will. Schließlich bin ich ein Mann und muss davon ausgehen, dass alle Frauen mit mir ins Bett wollen. Und wenn sie erst einmal mit mir im Bett war, dann will sie es vermutlich immer wieder. Ist doch immer dasselbe mit den Frauen. Einmal gepoppt, nie mehr gestoppt. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob ich ihr das Vergnügen bereiten darf, mit mir ins Bett zu gehen, um ihr dann klarzumachen, dass mehr nicht geht oder ob ich, was ich sehr gut kann, jegliche Annäherungsversuche von ihr im Keim ersticke. Man hat es echt nicht leicht, wenn man so begehrt ist. Aber ich muss gestehen, dass ich sie irgendwie geil finde und ihren Arsch gerne mal sehen würde, wenn er nicht in einer Jeans verpackt ist.


Willkommen in der Arbeitslosigkeit
Was macht man, wenn man seine Umschulung beendet hat? Man geht zur Agentur für Arbeit, um seine Zukunft zu regeln. Deshalb sitze ich um 09.00 Uhr bei meinem Arbeitsberater, um zu tun, was zu tun ist. In meinem Fall heißt das, dass meine neuen Kenntnisse von ihm in die Datenbank eingegeben werden und mir gesagt wird, dass ich vier bis sechs Wochen Bewerbungen schreiben soll und wenn das nicht zum Erfolg führt, wird geschaut, was man noch schauen kann. Sehr schön. Dass mein Prüfungsergebnis von meinem Fallmanager als selten bezeichnet wird, weil es in seinen Augen wohl ziemlich gut ist, bringt mich jetzt auch nicht weiter. Und so verschwinde ich nach wenigen Minuten zurück in die Masse der Arbeitslosen.
Da ich schon lange nicht mehr richtig arbeitslos war, genau 18 Monate, brauche ich ein paar Minuten, um zu entscheiden, wie der Tag weiter geht. Kaum zu Hause angekommen weiß ich es. Ab ins Bett. Schlafen. Denn wer schläft, der sündigt nicht. Und da niemand da ist, um mit mir zu sündigen, ist Schlaf eine großartige Idee.
Nach dem Schlaf besuche ich meine Eltern, um mich verköstigen zu lassen. Da mein altes Sofa immer noch gemütlich ist, schlafe ich darauf nach dem Essen ein Stündchen, um mich zu sammeln. Nach dem kurzen Päuschen fahre ich nach Hause, um weiter zu schlafen, doch entscheide mich spontan gegen weitere Schlafaktionen. Stattdessen putze ich die Wohnung, schaffe Ordnung, wo keine Unordnung war und höre Howard Carpendale. Nachdem ich aus der Ordnung eine andere Art von Ordnung geschaffen habe, schreibe ich Bewerbungen. Ich bewerbe mich bei einer Zeitarbeitsfirma und irgendwo als Bürohilfskraft. Da mir das Schreiben von Bewerbungen so viel Spaß macht und ich mich gut bei der ARGE auskenne, bewerbe ich mich auch dort. Howard singt immer noch für mich und ich frage mich, wo ich mich noch bewerben kann. Nach insgesamt sechs Bewerbungen beschließe ich, dass ich für meinen ersten Tag als Arbeitsloser genug getan habe. Man soll es schließlich nicht übertreiben. Also setze ich mich vor den Fernseher, um den Tag langsam ausklingen zu lassen. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag. Und übermorgen, und überübermorgen, und danach ist noch ein Tag, und danach noch einer, und danach noch einer und …


Anwältin sagt “Nein”
Eigentlich wollten Ursula und ich die Sache, die man Beziehung nennt, nochmal probieren. Doch ihre Anwältin hat entschieden, dass das auf gar keinen Fall geht, weil Ursula sonst Unterhaltsprobleme bekommt, wenn sie eine Beziehung führt. Es gibt wirklich interessante Gesetze in Deutschland. Aber davon verstehe ich nichts und das würde jetzt zu weit führen. Deshalb haben wir uns entschieden, dass wir auf eine Beziehung verzichten und uns stattdessen nur ab und zu mal treffen, um Sex zu haben. Also machen wir nun etwas, was wir, wenn man es wohlwollend betrachtet, sowieso schon machen. Nur darf es, zumindest offiziell, nicht mehr als nur Sex sein. Verrückte Welt. So haben wir in Zukunft nur noch Spaß beim gelegentlichen vögeln und alles andere überlassen wir den Leuten, denen es gesetzlich erlaubt ist. Vielleicht hat die Anwältin auch keine Ahnung, ich weiß es nicht.


Drag me to Hell
Vor vielen Jahren bin ich recht häufig ins Kino gegangen. Dann habe ich irgendwann beschlossen, dass Kino doof ist und bin nur noch einmal im Jahr ins Kino gegangen. Mittlerweile gehe ich ins Kino, wenn es sich ergibt oder wenn ich eingeladen werde. So steht am Freitagabend mein zweiter Kinobesuch des Jahres an.
Wir nehmen uns einen der teuren Plätze. Weit oben, angeblich einigermaßen mittig. Kostet fast neun Euro pro Person. Wir sitzen natürlich nicht wirklich mittig. Meine Begleitung sitzt links neben mir und hat das Pech neben einer fremden Frau sitzen zu müssen. Rechts von mir sind zwei Plätze frei und ich hoffe, dass sich das nicht ändert, da ich für fast neun Euro nicht irgendeinen Vollidioten, der möglicherweise noch komisch riecht, neben mir sitzen haben will. Manchmal werden Wünsche allerdings nicht wahr und so dauert es nicht lange bis sich ein Pärchen neben mich setzt. Direkt neben mir nimmt der Typ mit den Nachos und der stinkenden Soße Platz. Ich bin entzückt als der Geruch meine Nase erobert. Als ich meinem neuen Sitznachbarn dann auch noch dabei zuhören darf, wie er genussvoll diese Nachos isst, bin ich irgendwie deprimiert. Ich will das nicht hören und nicht riechen. Was will der hier neben mir? Meine Begleitung hat fast neun Euro für mich bezahlt, damit ich einen schönen Abend habe und nun sitzt so ein Nacho fressendes Individuum neben mir und nervt. Ich glaube, jetzt weiß ich wieder, warum ich aufgehört habe mehr als einmal pro Jahr ins Kino zu gehen. Wegen Typen wie dem Nachofresser! Als auf der Leinwand das komische Tier von Ice Age darauf hinweist, dass man sein Telefon ausschalten muss, sagt die Freundin von dem Nachofresser “Da gehen wir auch rein.” Nachofresser antwortet “Ja.” Sind die blöd? Eine Filmfigur weist sie darauf hin, dass sie ihre Telefone ausmachen sollen und sie glauben, sie würden Filmwerbung gucken. Die sind blöder als die Nachos, die der neben mir sitzende Nachofresser geräuschvoll frisst. Ich kann nicht mehr. So kann ich den Film nicht genießen. Meine Begleitung erkennt glücklicherweise sofort, dass ich sterbe, wenn ich weiter neben dem Nachofresser sitzen muss und schlägt vor, dass wir uns umsetzen. Das machen wir dann auch und ich bin zufrieden. Kinoabend gerettet.


Rückenlage
Es gibt Gerüchte, dass die Frauen, in dem Ort, in dem ich lebe, sich sehr schnell auf den Rücken werfen. Das soll quasi ihre Paarungswilligkeit signalisieren. Ich mag den Gedanken, dass sich Frauen vor mir und für mich auf den Rücken werfen bzw. auf den Rücken fallen lassen, um mir so ihre Sexbereitschaft zu signalisieren.
Um von diesem Verhalten zu profitieren bzw. möglichst viele dieser Frauen in möglichst kurzer Zeit abzugreifen, gehe ich seit einigen Tagen durch den Ort. Ich sehe hässliche Frauen, akzeptable Frauen, dicke Frauen, dünne Frauen, attraktive Frauen, junge Frauen, alte Frauen und andere Frauen. Was ich nicht sehe sind Frauen, die sich vor mir auf den Rücken fallen lassen. Sie deuten nicht einmal an, dass sie sich für mich auf den Rücken fallen lassen wollen. Sie deuten eigentlich gar nichts an. Abgesehen von wenigen gewichtigen Ausnahmen, bemerken sie mich nicht einmal. Da frage ich mich natürlich, was mit denen nicht stimmt. Solche Gerüchte kommen ja nicht von ungefähr, sondern vom Loerz, und steckt nicht in jedem Gerücht ein Quäntchen Wahrheit? Mache ich vielleicht etwas falsch? Gehe ich falsch? Trage ich die falschen Schuhe? Sehe ich zu schlecht oder zu gut für die Frauen in diesem Ort aus? Bin ich zu alt? Zu dünn? Liegt es an meiner Frisur? Mögen sie keine Benz-Fahrer? Und wenn es so ist, woher wissen sie, dass ich ein solcher Fahrer bin? Ich weiß jedenfalls nicht mehr weiter und werde deshalb meine Wanderungen durch den Ort beenden. Wer nicht will, der hat schon. Und da sie vermutlich schon hatten, wollen sie mich wohl nicht. Sollen sie doch verrotten, diese unwilligen und nicht paarungsbereiten Frauen.


Nina
Ich muss ziemlich gelangweilt, untervögelt oder verzweifelt sein. Wie ließe es sich sonst erklären, dass ich schon wieder in einem Chat bin? Und heute bin ich besonders kreativ und gebe mich als Paar aus, dass eine Frau für einen Dreier sucht. Wie albern das ist muss ich recht bald feststellen. Es texten zwar sehr viele Frauen mit mir, aber sobald ich sage, dass ich alleine am PC sitze, beenden sie das Gespräch. Also ändere ich meine Taktik und gebe mich als Frau aus. Das funktioniert genau so lange, bis meine Chatpartnerin Fotos tauschen will. Da muss ich passen. Passen muss ich auch, wenn meine Chatpartnerinnen vorschlagen mit mir zu telefonieren. Das bringt mich weder weiter, noch macht es irgendwie Spaß.
Während ich überlege, ob es nicht besser wäre die Küche zu putzen, anstatt im Chat weiter als Lügenmaul zu agieren, werde ich von Nina, 25 Jahre, aus Dortmund angesprochen. Sie möchte erste Erfahrungen mit einem Pärchen machen. Selbst als ich ihr schreibe, dass ich schon 39 Jahre bin, bleibt sie interessiert. Auch die Tatsache, dass ich alleine am PC sitze, scheint sie nicht zu abzuschrecken. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie das überhaupt wahrnimmt. Vermutlich sitzen hier zwei Lügenmäuler und schreiben sich Lügengeschichten. Nach einer Weile möchte sie uns anrufen. Also hat sie doch nicht verstanden, dass hier gerade keine Frau ist. Ich sage ihr, dass sie nächste Woche anrufen soll, da meine Partnerin gerade keine Zeit hat, weil sie sich die Füße eincremen muss. Sie ist einverstanden und ich gebe ihr meine Nummer. Ich kann ihr ja nächste Woche erzählen, dass meine Freundin mich verlassen hat, weil sie einen anderen gefunden hat. Vielleicht glaubt sie mir das ja. Andererseits spielt es auch keine Rolle, da hier zwei Lügenmäuler miteinander chatten. Spontan möchte sie Fotos tauschen. Das ist echt lästig. Ich schreibe ihr, dass meine Partnerin das nicht will und ich nur ein Foto von mir schicken kann. “Angezogen?” – “Natürlich.” – “Dann ist es ja kein Risiko.” – “Wieso?” – “Weil ich euch Fotos schicke auf denen ich nackt bin.” – “Na, und?” – “Ich weiß ja nicht, was ihr damit macht.” – “Was soll ich damit machen? Angucken, um zu wissen, wie Du aussiehst. Aus dem Alter, Schabernack mit Fotos zu treiben, bin ich raus.” Sie ziert sich noch ein wenig, dann bekomme ich zwei Fotos. Auf den Fotos ist eine kurzhaarige Frau mit ziemlich geilem Körper. Wen will die oder der denn hier verarschen? Ich schreibe, dass mir die Frau auf den Fotos gefällt. Ich gefalle ihr angeblich auch. Zeit sich zu verabschieden. Sie will nächste Woche anrufen. Jetzt muss sie duschen, startet aber noch einen weiteren Dialog. “Kommst Du mit duschen?” – Klar. Ich dusche gerne mit schönen Frauen.” – “Oh Danke. Du bist süß.” – “Bitte.” Weil es gerade so gut läuft, frage ich sie, was sie morgen Abend macht. “Nichts. Wieso?” Ich bin morgen mit einem Kollegen im Maximilian und wenn Du nichts vor hast, kannst Du ja vorbei kommen.” – “Was hast Du denn vor mit mir?” – “Wir können uns ja schon mal beschnuppern.” – “Was soll das heißen?” – “Was soll das schon heißen.” – “Ficken?” – “Nun, wenn es sich ergibt.” – “Aha. Willst wohl nur Fremdgehen. Und sie weiß von nichts.” – “Stimmt. Aber das ist okay für mich.” – “Dann ist es okay.” – “Richtig. Und Du gefällst mir, da wäre es dumm keinen Sex zu haben” – “So direkt hat mir das noch keiner gesagt.” – “So bin ich halt.” So kann man seinen Tag auch rumkriegen. Aber egal, besser als Küche putzen. Nach einigen Augenblicken erklärt sie sich bereit, morgen ins Maximilian zu kommen. “Aber nicht mit Dir und Deinem Freund!” – “Natürlich nicht. Ich teile nicht. Den schicken wir dann weg.” Damit ist das Gespräch fast zu Ende. Sie schreibt mir noch, dass ich morgen um halb zehn vor dem Maximilian stehen und dann mit ihr ins Auto kommen soll, um eine kleine Autonummer mit ihr zu haben. Ich bin entzückt, schreibe ihr, dass wir das genauso machen werden, verabschiede mich und beende den Chat. Wenn sie tatsächlich kein Fake ist, wird sie sich spätestens morgen früh eine Verletzung zuziehen, die ein Treffen verhindert. Hoffentlich unterrichtet sie mich darüber. Für meine Statistik. Allerdings glaube ich immer noch nicht, dass ich mit der Frau von den Fotos gechattet habe.

Während ich über Nina und Sex im Auto nachdenke, fällt mir ein, dass ich heute Abend eigentlich mit Samantha verabredet bin. Zumindest wollte sie sich bei mir melden, um entweder zu- oder abzusagen. Nun ist es fast 21.00 Uhr und sie hat weder das eine, noch das andere getan. Ich glaube, die kann ich auch zu den Akten legen. Als weitere Karteileiche. Ich habe bei Frauen scheinbar zur Zeit kein Glück und werde mir besser einen Film angucken. Ohne Frauen, aber mit viel Gewalt. Morgen Abend habe ich mit Sicherheit mehr Spaß, denn morgen gehe ich mit Manni nach dicken Ärschen Ausschau halten. Bin gespannt, ob wir diesmal mehr Glück haben werden.

Nachdem Manni am Nachmittag spontan absagt, beschließe ich einen DVD Marathon zu starten. Kurz nach 17.00 Uhr lege ich die erste DVD ein. Babylon AD. Anspruchsloser Actionfilm. Um etwa 19.00 Uhr mache ich mir etwas zu essen, als mich Loerz und später auch Manni telefonisch darauf hinweisen, dass ich unbedingt zu dem Treffen mit Nina gehen muss. Meine Versuche, den beiden zu erklären, dass Nina eine Internetleiche ist, wollen beide nicht glauben. Die einzige Möglichkeit es ihnen zu beweisen ist, um 21.30 Uhr am Maximilian zu sein. Und so verwerfe ich meinen DVD Plan und weise beide darauf hin, dass ich um 21.45 Uhr eine SMS schreiben werde, in der ich ihnen mitteile, dass es keine Nina gibt. Manni gibt mir folgendes mit auf den Weg. “Um viertel vor zehn wirst Du keine SMS schreiben, weil Du schon Deine Zunge in ihrem Hals hast. Oder etwas anderes.” Ja. Genau.
Pünktlich um 21.30 Uhr bin ich im Maximilian. Um 21.45 Uhr schreibe ich Manni folgende SMS. “Du hattest Recht. Ich werde meine Zunge irgendwo reinstecken. Sobald ich zuhause bin. In ein Glas Senf oder ins Spülbecken.” Und so sitze ich alleine an der Bar, schaue mir schöne Frauen und später Boxen an. Zwischendurch werde ich zweimal von einer etwas übergewichtigen, jungen Frau angelächelt. Ich lächle zurück. Sonst passiert nichts. Es ist fast 00.00 Uhr als ich das Maximilian verlasse und mich auf den Heimweg mache. Da der Loerz mein persönlicher Barmann war, brauche ich heute nichts bezahlen. Alles in allem war es doch noch ein schöner Abend und ich ziehe es ernsthaft in Erwägung, mich einmal im Monat mit einer Frau aus dem Internet zu verabreden, um einen Grund zu haben alleine im Maximilian zu sitzen.


Dienstleister
Am Montag sehe ich auf der Internetseite von Zurbrüggen, dass mein Schuhschrank am Mittwoch abgeholt werden kann. Ich soll auswählen zu welcher Uhrzeit ich den Schrank abholen möchte, damit keine Wartezeit entsteht. Ich nehme gleich die erste Möglichkeit. Zwischen 09.00 und 10.00 Uhr. Um den Tag vollends sinnvoll zu nutzen, rufe ich nach der Terminvereinbarung bei Bosch an und mache für Mittwoch um 08.00 Uhr einen Termin zur Achsvermessung aus, weil ich das Gefühl habe, dass der Benz es nötig hat.
Am Mittwoch um 08.00 Uhr gebe ich den Benz bei Bosch ab. Als Abholtermin vereinbaren wir 10.30 Uhr. Mit meinem Vater als Chauffeur geht es im Anschluss daran nach Zurbrüggen. Pünktlich um 09.00 Uhr erreichen wir die Warenausgabe. Doch irgendwas scheint hier nicht zu stimmen. Wir stehen vor verschlossenen Türen. Kein Wunder, denn die Warenausgabe ist erst ab 10.00 Uhr geöffnet. Schön, dass ich etwas früher bestellt wurde. Glücklicherweise scheint die Sonne und so darf ich nun eine Stunde mit meinem Vater wandern. Das ist sehr gesund und deshalb darf ich wegen der falschen Informationen, die ich wegen der Abholung bekam, gar nicht böse sein. Ich sollte vielmehr dankbar sein an der frischen Luft sein zu dürfen. Pünktlich um 10.00 Uhr betrete ich die Warenausgabe, gebe meinen Auftrag ab und bekomme folgendes zu hören. “Ihre Ware ist nicht hier.” – “Was?” – “Ihre Ware ist in Bönen.” – “Was macht meine Ware in Bönen?” – “Die wurde dahin geliefert.” – “Warum? Ich habe hier bei Ihnen gekauft.” – “Wir haben keinen Einfluss darauf an welches Lager die Lieferanten liefern.” Ganz ruhig bleiben. Die dicke Frau kann nichts dafür, dass die Welt voller Vollidioten ist. “Möchten sie die Ware in Bönen abholen?” – “Nein!” – “Ich kann Ihnen die Ware hierhin liefern lassen.” – “Tun sie das. Die Ware hätte sowieso hier sein müssen.” – “Das dauert dann aber ein paar Tage.” Nur nicht aufregen. Die Dicke hat das nicht zu verantworten. “Okay.” Die Frau guckt auf den Kalender, überlegt und sagt dann “Nächste Woche Montag. Aber rufen Sie vorher besser an, da ich nicht weiß, wann die liefern.” Vermutlich liefern die, wann die wollen. Scheinbar kann jeder machen was er will. Solche Leute sollten arbeitslos sein. Ich habe Lust irgendwen zu beleidigen, doch da ich hier der Arbeitslose bin, verabschiede ich mich und gehe.
Um 10.36 Uhr bin ich bei Bosch, um den Benz abzuholen. Auf dem Parkplatz kann ich ihn nicht entdecken. Geht auch nicht, da er noch auf der Bühne steht. Also gehe ich zum Kundendienst. “Was kann ich für Sie tun?” – “Ich möchte mein Auto abholen.” – “Ach ja. Moment.” Ist ja auch zwei Stunden her, da muss man einen Kunden nicht unbedingt wiedererkennen. “Es gibt Probleme mit ihrem Auto.” – “Ach!?” – “Ja. Gehen Sie mal in die Werkstatt. Der Kollege sagt, die Teile sitzen so fest.” Na Bravo. Wollen mich heute alle verarschen? Der Mann in der Werkstatt sagt, dass alles in Ordnung ist, aber er Probleme hat alles auseinander zu bauen. Ich habe keine Ahnung, was es hier auseinander zu bauen gibt, bleibe aber freundlich. “Die Hinterachse habe ich schon eingestellt, damit der Wagen geradeaus läuft.” – “Der lief geradeaus. Und wo ist das Problem hier vorne?” – “Der Wagen ist alt, da geht einiges halt schwer ab. Aber bisher ist alles in Ordnung. Und der Wagen sieht auch noch richtig gut aus.” Natürlich sieht der Wagen gut aus. Ist ja auch meiner. Was soll das Gesülze? “Und wie lange dauert das noch?” – “Eine Stunde brauche ich noch.” – “Okay. Ich komme dann nach dem Mittag wieder.” Wollen die den Preis so in die Höhe treiben? Wollen die mich verarschen? Und wieso habe ich denen meine Telefonnummer gegeben, um mich anzurufen, wenn es etwas zu sagen gibt? Ist es nicht wichtig, dass ich vollkommen umsonst vorbei komme, um mein Auto abzuholen und nun wieder abhauen darf? Auch hier nur Dienstleister, die nichts leisten. Kranke Welt. Mal gucken, was für eine Scheiße die mir nachher beim präsentieren der Rechnung erzählen.
Um 12.47 Uhr komme ich bei Bosch an. Der Benz steht auf dem Parkplatz. Ich sage, dass ich ihn wiederhaben möchte und werde darauf hingewiesen, dass der Mitarbeiter, der die Achsvermessung durchgeführt hat, gerade Pause hat. Das ist mir doch egal. Ich frage nach dem Rechnungsbetrag und bin erstaunt. Nur 19% teurer als erwartet. Beim Überprüfen der Rechnung stelle ich fest, dass man mir am Telefon den Nettorechnungsbetrag genannt hat. Ich dachte zwar, dass man so etwas nicht macht, bin aber froh, dass mein Benz wieder in meinem Besitz ist und fahre glücklich und zufrieden zurück zur Garage, um ihn dort abzustellen. Dann gehe ich nach Hause, um zu vergessen, dass die beiden Termine mit den Dienstleistern nicht wirklich gut gelaufen sind. Scheiß Dienstleister.

Ein paar Tage nachdem ich meine fragwürdigen Erlebnisse mit den sogenannten Dienstleistern hatte, bekomme ich Post von der IHK. Mein Abschlusszeugnis. Es wurde mir in einem DIN A4 Umschlag zugeschickt. Auf dem Umschlag steht in roter Schrift und gut lesbar “Bitte nicht knicken”. Dummerweise ist der Postbote Analphabet, dumm oder einfach nur ein Arschloch. Und so knickt er den Umschlag sauber in der Mitte und steckt bzw. quetscht ihn halb in den Briefkasten. Und so habe ich nun ein IHK Abschlusszeugnis mit einem wunderschönen Knick in der Mitte. Sieht wirklich entzückend aus. Da der hohle Briefzusteller nicht aufzufinden ist, stapfe ich wütend in die Postfiliale, um mich zu beschweren. Beschweren in Postfilialen wurde allerdings abgeschafft, weshalb ich eine Telefonnummer bekomme, der Anruf kostet 6 ct pro Minute, um mich telefonisch zu beschweren. Ich stecke die Nummer ein, gehe nach Hause, rufe dort an und klage mein Leid. Die geschulte Frau am Ende tut verständnisvoll und will meine Beschwerde weiterreichen. Da sie die Post nicht gebracht hat, wäre es albern, sie nun zu beschimpfen und so bleibe auch ich verständnisvoll als ich ihr meine Daten durchgebe. Briefzustellerdeppen, die meine Post verknickt haben, gab es schon öfter. Und lediglich in der Zeit kurz nach meinen Beschwerden, rissen diese Arschkrampen sich zusammen und verzichteten darauf, meine Post zu verknicken. Nach einiger Zeit machten sie wieder was sie am besten konnten. Sie ignorierten Hinweise und knickten fröhlich weiter. Auch sie sind fragwürdige Dienstleister.

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