Mai 2006

Tanken
Anfang Mai bin ich so frei und fülle den Tank des Coupés bis zum Rand. Nur 70€ kostet mich der Spaß. Es ist fast erstaunlich, wie wenig Benzin man für so viel Geld bekommt. Da ich mir solchen Luxus nur selten leisten kann, wird mein Coupé auch in diesem Monat mehr Zeit in der Garage verbringen als auf der Straße. Da macht der Begriff Garagenwagen wirklich Sinn. Ich kann mich glücklicherweise hin und wieder zu meinem Coupé in die Garage setzen, das Autoradio anmachen und ein Glas billigen Wein dazu trinken. Vielleicht zünde ich in der Dunkelheit sogar eine Kerze dabei an. Ist das Leben etwa doch schön?


Joggen
Nach etwas mehr als sieben Monaten Pause, gehe ich heute mal wieder joggen. Tagesziel: 30 Minuten joggen ohne Pause.

Nach sechs Minuten habe ich bereits keine Lust mehr.
Nach neun Minuten tun mir die Beine weh.
Nach elf Minuten tut mir alles weh.
Nach zwölf Minuten verspüre ich Lust etwas zu singen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass mein Gehirn nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt wird. Ich reiße mich zusammen und singe nicht.
Nach vierzehn Minuten habe ich leichte Seitenstiche. Doch so etwas interessiert mich nicht, da ich weiß, dass Seitenstiche weggehen, wenn man einfach weiter läuft.
Nach sechzehn Minuten ist der Puls zum ersten Mal über 140.
Nach zwanzig Minuten ist der Puls erneut über 140 und bleibt es auch.
Nach zweiundzwanzig Minuten verspüre ich das Bedürfnis mich kurz hinzulegen, laufe aber weiter.
Nach dreiundzwanzig Minuten melden sich die Seitenstiche erneut. Interessiert mich nicht.
Nach fünfundzwanzig Minuten ist der Puls über 150.
Nach dreißig Minuten kommt mir mein Mittagessen hoch, bleibt aber drinnen und der Puls bleibt über 150.
Nach 32 Minuten und 23 Sekunden beende ich das joggen. Ich bin zufrieden und nach knapp fünf Minuten scheinbar wieder erholt. Gar nicht mal so schlecht. Jetzt könnte ich eigentlich ein Nickerchen machen.


Joggen. Tag 2
Um 9.30 Uhr entscheide ich mich ganz spontan, dass es heute ein guter Tag zum Joggen ist. Tagesziel: 35 Minuten joggen ohne Pause. Ich nehme mir ein kleines Radio mit, um mich nicht zu langweilen.

Nach nur drei Minuten ist der Puls angeblich über 160.
Nach vier Minuten schon über 170. Das Scheißgerät will mich scheinbar verarschen, denn noch langsamer, als ich zu diesem Zeitpunkt laufe, kann niemand laufen. Eine Minute später sind auch schon die Batterien von dem Radio leer. Das läuft ja super.
Weil es mir im Wald etwas schattig ist, verlasse ich diesen nach etwa sechs Minuten, um in der Sonne zu laufen. Kaum zwei Minuten später frage ich mich, wie ich auf die bekloppte Idee kam in der Sonne zu joggen. Umkehren kommt aber nicht in Frage. Das ziehe ich jetzt durch. Der Puls pendelt sich ein bei knapp unter 140. Geht doch.
Nach fünfzehn Minuten sticht mir irgendwas ins Bein, der Puls ist weiterhin bei 140 und irgendetwas fliegt in meinen Mund. Widerlich.
Nach siebzehn Minuten bin ich zurück im Wald. Meine Knie tun mir weh und der Puls klopft an der 150er Marke. Ich habe keine Lust mehr, aber noch ist nicht einmal die Hälfte der Zeit um.
Nach zweiundzwanzig Minuten erhöhe ich das Tempo. Jetzt sieht es fast aus wie joggen. Der Puls bleibt bei 150.
Nach etwa dreißig Minuten klettert der Puls über 150. Ich weigere mich aber langsamer zu laufen.
Nach etwa dreiunddreißig Minuten erhöhe ich abermals die Geschwindigkeit. Jetzt ist es erstmals richtiges Joggen. Der Puls klettert auf 160.
Endspurt. Nur noch wenige Meter bis zum Ziel. Der Puls erreicht fast 170. Alles im grünen Bereich.
Nach 35 Minuten und 54 Sekunden ist das Ziel erreicht. Nicht schlecht für den zweiten Tag.
Kaum drei Minuten später ist der Puls schon wieder runter auf 110 und ich fühle mich wie immer.
Nächstes Tagesziel: 40 Minuten.


Hauptverhandlung gegen den Volksverhetzer schon bald
Am 19. Juni 2006 wird dem Volksverhetzer(das bin ich) der Prozess gemacht, denn dummerweise habe ich bei meinem Einspruch gegen die Höhe der Tagessätze nicht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich auf eine Verhandlung verzichte. Nun kommen zu den ohnehin schon unnötigen Ausgaben auch noch die für die Verhandlung hinzu. Vielleicht plädiere ich auf Unzurechnungsfähigkeit und begebe mich direkt nach der Verhandlung in Behandlung.


Joggen. Tag 3
Direkt nach dem Aufstehen weiß ich schon, dass ich keine Lust habe zu laufen. Trotzdem mache ich mich nach einem leichten Snack auf den Weg. Tagesziel: 40 Minuten joggen ohne Pause.

Die ersten Minuten sind schon eine Qual, die Beine schmerzen und ich will zurück ins Bett.
Nach nur neun Minuten ist der Puls bereits über 140. Bei dem Schneckentempo eigentlich unmöglich. Den Wald verlasse ich diesmal nicht, denn in der Sonne würde ich vermutlich direkt sterben.
Nach fünfzehn Minuten tun mir die Beine noch immer weh und ich bin ziemlich platt. Was für ein doofer Tag zum Joggen.
Nach zweiundzwanzig Minuten kann ich mich weder an meinen Namen noch an sonst was erinnern. Zum Glück spielt das Radio.
Nach fünfundzwanzig Minuten erhöhe ich das Tempo. Nun kann man es fast als joggen durchgehen lassen. Der Puls klettert auf 150. Blöder Puls.
Nach fünfunddreißig Minuten erhöhe ich abermals das Tempo. Der Puls klettert auf 160.
Kaum fünf Minuten später muss ich das Tempo drosseln. Wie deprimierend.
Weitere zwei Minuten später starte ich völlig unmotiviert einen 30-Sekunden-Spurt. Total beknackte Aktion. Ich bin jetzt völlig im Arsch.
Nach exakt 45 Minuten und 1 Sekunde beende ich die Tortur.
Nächstes Ziel: Nächste Woche noch mal zum Joggen aufraffen.


In der Kirche
Heute bin ich zum zweiten Mal in diesem Jahr bei einer Beerdigung. Und auch dieses Mal habe ich Schwierigkeiten den Pfarrer zu verstehen. Gleich zu Beginn singt er ein Lied bei dem ich bis kurz vor Schluss nicht weiß, in welcher Sprache er es vorträgt. Ich schiebe es auf die schlechte Akustik in der Kirche. Dann beginnt er zu beten und mir wird klar, warum ich diese Schwierigkeiten habe ihn zu verstehen. Er spricht nämlich mit einem osteuropäischen Akzent. Allerdings kann man ihn, wenn man sich gut konzentriert doch irgendwie verstehen. Der Pfarrer auf der letzten Beerdigung blieb auch bei größter Konzentration unverständlich und wusste teilweise sogar nicht, wie es denn nun weiter ging. Und so musste er regelmäßig nachlesen, was er da überhaupt tat. Was mich heute verwundert ist, dass der Pfarrer zwischendurch immer wieder trinkt und isst. Er sagt etwas von einem Lamm, aber was er da verspeist sieht nicht aus wie Lamm. Was er trinkt kann ich auch nicht erkennen.
Plötzlich und unerwartet fängt die Frau, die auch hin und wieder sang und predigte, an zu betteln. Sie lässt einen Korb durch die Reihen gehen und mit Geld befüllen. Das habe ich so nicht erwartet. Scheinbar ist außer mir niemand überrascht, denn die meisten legen einige Münzen in den Korb. Ich glaube, ich bin sehr ungebildet. Die größte Überraschung jedoch folgt kurz vor Schluss. Es gibt kleine Snacks für alle. Man muss nur nach vorne gehen und wird gefüttert. Fasziniert schaue ich der Fütterung zu, verzichte aber darauf gefüttert zu werden, weil mir das unangenehm wäre und unangemessen erscheint. Kurze Zeit später ist es vorbei und wir dürfen gehen.


Das Finanzdienstleistungsunternehmen schreibt einen Bettelbrief und setzt Fristen
Erneut schreibt mir das Finanzdienstleistungsunternehmen. Sie haben ihre Forderung über 590,64€ für ein halbes Jahr gestundet. Gleichzeitig bitten sie mich darum beiliegende Erklärung zu unterschreiben. Ich finde die Erklärung irgendwie unpassend und habe deshalb heute mal wieder einen Anwaltstermin. Dieser rät mir die Erklärung zu unterschreiben. Vorher soll ich allerdings die Hälfte der dort aufgeführten Punkte durchstreichen. Genau das wollte ich hören. Nun bin ich gespannt, was als nächstes passiert.

Die Antwort von dem Finanzdienstleistungsunternehmen lässt nicht lange auf sich warten. Sie sind nicht einverstanden mit meinen Streichungen. Sie wollen am Passus hinsichtlich der Frage der Verjährung festhalten. Ich will das aber nicht. Keine Ahnung, was ich jetzt mache. Vermutlich werde ich die Frist, die mir gesetzt wurde, einfach verstreichen lassen. Ich sitze eh bald im Knast, da interessiert mich so etwas wie Fristen nicht mehr.

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