September 1999

Romina
Mein letztes erfolgloses Treffen mit einer Frau liegt bereits drei Jahre zurück und ich bin noch immer ungeküsst. Daher intensiviere ich meine Bemühungen, im Chat eine Frau für mich zu finden. Und so vergeht ein Tag nach dem anderen. Mein Erfolg ist gewohnt bescheiden. Besser gesagt, er ist nicht vorhanden. Alles ist wie immer. Auch im Chat kriege ich nicht wirklich etwas auf die Reihe.

An einem sonnigen Tag entdecke ich Romina in meinem derzeitigen Stammchat. Sie schaut nur kurz rein und will sich schon wieder verabschieden, als ich sie frage, ob sie nicht noch etwas bleiben will. Mir gefällt ihr Name. Mittlerweile reicht schon ein Name, um mein Interesse zu wecken. Romina bleibt tatsächlich und wir chatten ein wenig. Wir verstehen uns gut und ich bin ausgesprochen unterhaltsam und witzig. Sie denkt bestimmt, dass ich ein cooler Typ bin und ich lasse sie in dem Glauben. Alles andere wäre kontraproduktiv.
Romina ist 34 Jahre und gerade dabei sich von ihrem Mann zu trennen. Außerdem hat sie zwei Kinder und möchte meine Telefonnummer, um mich später anzurufen. Normalerweise fragen mich Frauen nie nach meiner Telefonnummer. Ich bin gespannt, ob sie mich wirklich anruft.

Der Schultag endet und ich fahre nach Hause. Kaum bin ich dort angekommen, klingelt das Telefon. Es ist Romina. Ich bin entzückt und nervös zugleich. Die Konversation klappt auch am Telefon sehr gut, was mich überrascht. Andererseits konnte ich als Pubertierender auch schon immer prima telefonieren, warum sollte sich das zwischenzeitlich geändert haben? Ich erinnere mich daran, dass ich früher immer die Telefonnummern von irgendwelchen Mitschülerinnen rausgefunden habe, diese dann angerufen und stundenlang mit ihnen telefoniert habe. Ich war immer sehr nett und habe meinen Namen nie verraten. Wenn ich glaubte anonym zu sein, war ich einfach besser. Blöd wurde es immer dann, wenn die Frauen rausgefunden haben, wer ich bin. Denn dann sprachen sie mich auch in der realen Welt an. Und in der Realität, von Angesicht zu Angesicht, war der Unterhaltungswert gleich viel geringer, weil ich viel zu verklemmt war mit den hübschen Mädchen zu kommunizieren. Und so zeichnete sich schon früh ab, dass ich es schwer haben würde bei den Frauen. Und da ich es schwer nicht mag, hielt ich mich lange Zeit von den Frauen fern. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist das schon ziemlich krank.
Nach dem durchaus unterhaltsamen Gespräch mit Romina bin ich für den Bruchteil einer Sekunde zuversichtlich, dass ich bei ihr mehr schaffe als bisher. Meine Zuversicht hält exakt den Bruchteil einer Sekunde, dann ist sie auch schon wieder verflogen.

In den nächsten Tagen chatten wir fast täglich und telefonieren hin und wieder. Wenn wir telefonieren, dann meist recht lange. Irgendwann schickt sie mir sogar einen echten Brief und legt zwei Fotos von sich dazu. Sie ist etwa 1,78m, hat dunkle, lange Haare und ein gute Figur. Ob sie mein Typ ist, dass weiß ich nicht. Vermutlich ist sie es. Nach einer Weile reden wir darüber, dass wir uns mal persönlich kennenlernen sollten. Alles andere wäre vermutlich auch albern. Romina wohnt in Bielefeld und weiß mittlerweile, dass ich noch nie etwas mit einer Frau hatte. Alles was ich von Frauen weiß, weiß ich aus dem Fernsehen oder vom Hörensagen. Ich komme mir etwas blöd vor. Dennoch beschließe ich, dass wir uns treffen. Und zwar in einem Wald. Im Teutoburger Wald.


Erstes Treffen mit Romina
Wenige Tage später treffen wir uns und fahren gemeinsam in den Teutoburger Wald. Meine Nervosität ist fast unerträglich und ich weiß absolut gar nicht, wie ich mich verhalten soll. Romina ist sexy und findet mich bestimmt irgendwie lustig. Ich rede lauter Müll und als wir uns auf einen Baumstamm setzen, um uns näherzukommen, bin ich einer Ohnmacht nah. Und so rede ich während der ganzen Zeit, nur um meine Nervosität in den Griff zu bekommen. Ich bin so blöd, dass ich es tatsächlich schaffe, dass wir uns nicht küssen. Spätestens jetzt sollte ich einen Antrag auf vollkommene Unfähigkeit stellen und mich beizeiten einschläfern lassen. Und so endet das Treffen, ohne das etwas passiert. Ich bin so blöd, dass ich den ganzen Tag schreien müsste. Ich fahre über hundert Kilometer, um mich zu unterhalten, obwohl ich eigentlich etwas ganz anderes vorhatte. Verklemmt ist da noch harmlos ausgedrückt.
Wir machen uns auf den Weg zurück zu unseren Autos und verabschieden uns. Bloß schnell weg hier. Das ist ja nicht auszuhalten. Ich werde mit zunehmendem Alter tatsächlich immer bekloppter. Vermutlich werde ich in diesem Leben keinen Sex mehr haben.

Überraschenderweise bleiben wir nach dem Treffen weiter in Kontakt und reden am Telefon auch hin und wieder über Sex. So kommt es, dass wir spontan beschließen, dass sie mich mal besuchen kommt und wir dann nicht nur reden. Klingt utopisch und alleine der Gedanke daran überfördert mich jetzt schon.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: