September 2006

Probleme eines arbeitslosen Singles
Das Singleleben ist doch teurer als befürchtet und ich kann mir das auf Dauer eigentlich nicht leisten. Daher sollte ich aufhören so oft wegzugehen. Einmal in der Woche ist absolut genug, denn dieses weggehen hat noch einen weiteren Nachteil. Wer weggeht sollte nämlich nicht im Trainings- oder Schlafanzug los marschieren. Ist zwar bequem, doch man wird nicht überall rein gelassen. Und ehrlich gesagt ist es auch irgendwie peinlich so rum zu laufen. Also muss ich mir regelmäßig was Neues zum Anziehen kaufen. Das kostet natürlich. Dazu kommen diese unverschämten Benzinpreise. Und weil ich nicht fliegen kann, also so wie Peter Pan, bin ich auf mein Auto angewiesen. Zwar verbraucht mein Auto nur zwischen 8 und 9 Liter auf 100 Kilometer, was daran liegt, dass ich fahre wie ein Opa mit Hut, allerdings passt der Hut nicht, weil mein Auto nicht zu diesen merkwürdigen Hochbauten der modernen Automobilkunst gehört, sondern ein richtiges Auto ist, aber eine Tankfüllung ist trotzdem purer Luxus für mich. Und wer weggeht, der muss sich auch waschen und die Zähne putzen, das sind weitere Kosten, die da auf einen zukommen. Und weil mein Auto es nicht erträgt, wenn nur immer ich mir etwas Neues kaufe, hat es sich heute dringend neue Bremsklötze gewünscht. Eigentlich sogar vehement gefordert. Ich hab das dann auch gleich eingesehen und so bin ich schon recht früh in diesem Monat ziemlich pleite.
Wie also kann ich diesen Monat überstehen? Als erstes muss ich aufhören permanent irgendwelche Sachen zu bestellen und ich sollte nur noch jede zweite Woche einmal ausgehen. Allerdings befürchte ich, dass mich das langweilen wird. Zumal ich auch keine Lust habe Sex mit mir zu machen. Damit könnte ich zwar sicherlich einige Zeit überbrücken, aber ich bin einfach nicht mein Typ. Einer Frau kann ich das auch nicht zumuten, also muss ich mich anders beschäftigen. So habe ich bereits für den Bruchteil einer Sekunde darüber nachgedacht, mir einen Job zu suchen. Doch das ist uncool, zumal ich in diesem Jahr schon mal eine kurze Zeit gearbeitet habe und kläglich gescheitert bin. Vielleicht nehme ich demnächst mal ganz spontan an einer Seniorenbusfahrt teil. Die sind meist recht gündtig und es könnte durchaus spannend werden in einem Bus mit altem Leuten durch die Gegend transportiert zu werden.


Ein paar Tage aus dem Leben eines Arbeitslosen mit neuer, positiver Einstellung
Schon als ich am Mittwoch um kurz nach 07.00 Uhr die Augen öffne und mich die Sonne anblinzelt, weiß ich, dass mir ein wunderbarer Tag bevorsteht. Direkt nach meinem üblichen Frühstück, bestehend aus zwei Schokoladenbrötchen und vier Magnesiumtabletten, begebe ich mich ins Fitnessstudio. Dort ist es schön leer und ich kann fast ungestört mit meinen Kindergewichten trainieren. Danach geht es ab nach Hause zum duschen. Es folgt ein feiner Spaziergang vor dem Mittagessen. Am Nachmittag verliere ich für einige Augenblicke das Bewusstsein, was mir allerdings sehr gut tut. Gegen 17.30 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Fußball. Da meine Erkältung mich etwas schwächt, trete ich heute als Torwart auf und bin gar nicht mal so schlecht. Nach dem Fußball geht es ab nach Hause, kurz duschen, eine Kleinigkeit essen und direkt im Anschluss an die kleine Mahlzeit geht es mit Sam und Loerz zur FZW-Party. Die beiden sind echt witzig, vor allem, wenn sie was getrunken haben und ich habe meinen Spaß. Später gesellen sich noch zwei nette Frauen zu uns. Die Andrea und die Petra sind recht unterhaltsam. Mit den beiden im Gepäck geht es weiter ins Barrock, wo wir bis etwa 01.00 Uhr verweilen. Nächste Woche wird Petra übrigens für uns singen. Ich kann es kaum erwarten und es war heute ein wirklich schöner Tag. Ich glaube meine neue, positive Einstellung, die ich mir spontan angeeignet habe, wird mir noch viel Freude bereiten.

Am Donnerstag und auch am Freitag sitze ich, nachdem ich tagsüber wenig aktiv war, fast den ganzen Abend am PC und surfe ziellos durchs Netz. Dennoch vergeht der Abend recht schnell. Aber so ganz perfekt ist das noch nicht.

Am Samstag scheint die Sonne, es ist angenehm warm und es kann den ganzen Tag das Fenster geöffnet bleiben. Ich bekomme sogar Post von der ARGE. Am 18.09.06 darf ich um 08.00 Uhr dort erscheinen. Vermutlich haben die einen 1€-Job oder einen andere tolle Maßnahme für mich. Ich freu mich schon total auf den Termin, denn so gehöre ich bald nicht mehr zu den Arbeitslosen und kann mir eine eigene Wohnung nehmen und alles wird noch besser als es jetzt schon ist. Den Tag verbringe ich zunächst am PC, zwischendurch liege ich auf dem Sofa und starre die Decke an. Am Abend gucke ich erst die Sportschau und dann zwei feine Filme. Das Haus verlasse ich nicht für eine Sekunde. Der Samstag ist somit optimal verlaufen.

Am Sonntag bin ich bei meinem Onkel zum essen. Danach gucke ich Formel 1. Später sitze ich am PC und esse eine Kleinigkeit. Am späten Nachmittag schalte ich den Fernseher ein, gucke zwei feine Filme und lege mich danach glücklich und zufrieden ins Bettchen. So endet ein weiteree fast perfekter Tag, welcher sicher nur dank meiner neuen, positiven Einstellung so gut verlaufen ist. Lediglich meine Erkältung trübt die großartige Stimmung, aber das ist sicher auch nur eine Frage der Einstellung.

Dienstagnachmittag sitze ich mit meiner positiven Eintellung etwa eine Stunde in Lünen an der Lippe auf einer Parkbank und beobachte Wasservögel. Irgendwann fangen einige dieser Wasservögel zu vögeln an. Keine Ahnung wieso, aber irgendwie deprimiert mich das.

Am Mittwoch gewinne ich zwei Eintrittskarten für die Ü30-Party in der Westfallenhalle. Das finde ich so geil, dass ich direkt am Donnerstag erst zum Arzt und anschließend zur Apotheke gehe, um mir neues Penicillin und Bronchipret für meine unendliche Erkältung zu holen. So große Penicillintabletten habe ich noch nie gesehen und bin schon total gespannt, ob ich es schaffe die runter zu kriegen. Und morgen früh darf ich meine Lunge röntgen lassen. Das ist alles so aufregend. Wer weiß, vielleicht ist das bald meine letzte Party vor meiner Einäscherung. Ich dreh noch durch vor Glück, wenn es weiter so läuft.


Röntgendiagnostik
“Rauchen Sie?” – “Nein.” – “Komisch. Ihre Lunge sieht aus als würden Sie täglich mindestens eine Schachtel Zigaretten rauchen.” Wenn der Arzt dazu noch etwas von einem beginnenden Lungenemphysem erzählt, ist es erst einmal schwierig etwas Positives daran zu entdecken. Nun darf ich am 29.06.06 zu einem Lungenfacharzt. Danach weiß ich, ob der Arzt und das Röntgengerät heute nur einen schlechten Tag hatten und ich doch kerngesund bin oder ob ich eingeschläfert werden muss. Ist mein Leben nicht aufregend? Und wenn ja, wie lange noch?


Ü30-Party
Schnell stellt sich heraus, dass die Eintrittskarten ein doppelter Gewinn sind. Denn wenn ich für diese Parade der dicken und hässlichen Frauen 13,50€ bezahlt hätte, dann wäre das äußerst deprimierend gewesen. Glücklicherweise sind hier neben all dem Leid auch einige nette Freunde/Bekannte, ansonsten müsste ich vermutlich sterben beim Anblick all der wundervollen Menschen, die heute hier sind. Die sind teilweise tatsächlich noch hässlicher als ich es bin. Bis zum jetzigen Zeitpunkt habe ich ehrlich gesagt noch nie so viele hässliche Menschen auf einem Haufen gesehen. Je später es wird, desto schlimmer wird es. Die meisten könnten locker einen Arbeitsplatz in einer Geisterbahn finden. Fast muss ich weinen bei so viel Anmut und Grazie. Die nächste Ü30-Party sollte unter dem Titel „Monsterball“ stattfinden. Ich werde vermutlich Tage brauchen, mich von diesem Schock zu erholen. Es ist 03.00 Uhr als ich die Monsterparty verlasse. Da frage ich mich natürlich, wieso ich so lange geblieben bin, wenn angeblich nur hässliche Menschen dagewesen sind. Irgendwas stimmt wohl nicht mit mir. Aber was?


Groupie
Ich schreibe in einer Internetcommunity mit einer Frau. Zufällig kennt sie meine Internetseite und ist davon so angetan, dass sie mich gerne persönlich kennen lernen will. Sie ist 32 Jahre, verheiratet, hat zwei Kinder und bietet sich mir als Groupie an. Ich finde das höchst interessant und stelle ihr ein Treffen in Aussicht, weise sie aber auch darauf hin, dass ich, wenn ich mich mit einem Groupie treffe, etwas mehr als nur reden will. Wie es sich für ein Groupie gehört, erklärt sie sich einverstanden. Verrückte Internetwelt. Selbstredend verlange ich als nächstes ein Foto von ihr, weil man schließlich wissen muss, wen man an seinen Körper lässt. Wie es sich für ein Groupie gehört, lassen die Fotos nicht lange auf sich warten. Zu sehen gibt es eine ziemlich gewichtige Frau, die nicht so wirklich meinem Beuteschema, sofern ich überhaupt eins habe, entspricht. Hochheben kann ich sie mit Sicherheit nicht. Doch da Groupies nicht unbedingt zum Hochheben sein sollen, ich noch nie ein eigenes Groupie hatte und neugierig bin, ob ein Groupie wirklich beim ersten Treffen zu sexuellen Handlungen bereit ist, verabrede ich mich selbstverständlich mit ihr. Alles andere wäre auch albern.

Bei unserem geplanten Treffen wartet sie allerdings vergeblich in einem Café auf mich, da ich spontan einen anderen Termin habe. Dummerweise habe ich nicht nach Ihrer Telefonnummer gefragt, weshalb ich ihr nicht absagen konnte. So habe ich womöglich meine Chance auf mein erstes echtes Groupie schon versaut noch bevor wir testen können, ob ein Groupie wirklich was für mich ist.
Als ich ihr am nächsten Tag online die Situation erkläre ist sie nicht wirklich sauer und gibt mir, damit sie nicht noch einmal alleine irgendwo rumsitzen muss, ihre Telefonnummer und kündigt obendrein an, mir bei unserem ersten Treffen, welches nur verschoben ist, selbstgebackene Muffins mitzubringen. Der Vorschlag gefällt mir so gut, dass wir uns rasch auf einen neuen Termin einigen. Geht da doch noch was? Und wenn ja, was?


Weitere aufregende Tage
Auch wenn ich seit Tagen große Lust habe zu vergammeln, tu ich es nicht. Stattdessen gehe ich auch in dieser Woche dreimal ins Fitnessstudio und zweimal joggen. Nicht schlecht für einen Lungenkranken. Ansonsten höre ich viel Musik, gucke Filme, leide unter üblem Sodbrennen, gehe zur FZW-Party und versuche in einer ‚Community’, die eine oder andere Frau anzubaggern. Was sich in dieser Community zuträgt ist teilweise sehr unterhaltsam und ich schaffe es tatsächlich, das eine oder andere nette Gespräch zu führen. Was mich allerdings völlig überrascht, ja fast sogar vom Stuhl wirft, ist folgender Satz, den ich zu hören bekomme, nachdem ich ein Foto von mir verschickt habe. „Du bist doch Superhübsch.“ Bitte, was? Jeder, der mich jemals gesehen hat wird bestätigen können, dass nichts an mir hübsch ist. Nicht mal ansatzweise. Ich frage mich ernsthaft, was mit der Frau nicht in Ordnung ist, die mir einen solchen Satz vor den Kopf knallt. Hat sie ein dermaßen übles Augenproblem, dass für sie alles hübsch ist, was sie ansieht? Wollte sie mich verarschen? Oder will sie mich rumkriegen und versucht es auf diese Tour? Okay, letzteres wünsche ich mir nur, diese Möglichkeit kommt nicht wirklich in Frage. Also warum sagt sie derartiges zu mir? Was steckt dahinter und werde ich es jemals erfahren? Während des Chats erfahre ich es natürlich nicht und irgendwann endet die Kommunikation ebenso spotan, wie sie begonnen hat. Eine andere Frau chattet über fünf Stunden mit mir, findet mich spießig und ist der Meinung, dass man Sex nur in einer festen Beziehung haben kann. Ich werde versuchen sie vom Gegenteil zu überzeugen. Es bleibt abzuwarten welches Debakel sich daraus letztlich ergeben wird. Vor lauter Ungeduld kann ich kaum noch schlafen. Mein Leben ist mittlerweile fast zu aufregend für mich. Wo soll das alles noch enden? Wozu sind Groupies tatsächlich gut? Ob ich es je erfahre?


Neue Woche, neue Erlebnisse
Die ersten vier Tage dieser Woche sind so berauschend, dass mich sicher viele darum beneiden. Ich chatte mit Anja, der Frau die nicht auf Sex steht, zumindest nicht auf Sex mit mir, und ich chatte mit Groupie. Ich freue mich darüber, was für ein schönes Auto ich doch habe und träume davon reich zu sein. Passend dazu läuft immer schöne Musik im Hintergrund. Fast drehe ich durch vor lauter Glück. Doch es wird alles noch viel aufregender. Denn ein ereignisreicher Freitag soll die Woche perfekt abrunden.


Termin beim Lungenarzt
Am Freitag um 09.00 Uhr habe ich meinen Termin beim Lungenarzt. Beim Vorgespräch bin ich noch recht zuversichtlich doch kein Lungenkranker zu sein. Bei den Lungentests fühle ich mich allerdings nicht mehr so wohl. Als ich dreimal in einer dieser Glaskammern denselben Test machen muss und mir zwischendurch irgendwas in die Lungen gepustet wird, bin ich sicher krank zu sein. Warum sonst sollte man mir Asthmaspray einflössen, warum muss ich den Test dreimal machen und wieso fange ich plötzlich dermaßen an zu schwitzen? Ich sehe mich schon mit Sauerstoffgerät durch die Stadt laufen und spüre direkt, wie meine Lunge immer schwächer wird. Im Wartezimmer neben all den alten Menschen wird dieses Gefühl noch verstärkt. Ich bereue, nie geraucht zu haben, bereite mich in Gedanken schon auf meine Trauerfeier vor und will gerade beginnen mein Testament zu machen als ich erneut ins Sprechzimmer gerufen werde. Der Weg vom Wartezimmer ins Arztzimmer erscheint mir unendlich lang und ich will schon nach einem Lungenspray verlangen, bleibe jedoch tapfer und halte durch. Die Ärztin teilt mir dann mit, dass meine Werte ziemlich genau den Optimalwerten entsprechen, die der Computer für mich errechnet hat. Ich bin demnach nie Lungenkrank gewesen. Man bin ich erleichtert. Fröhlich hüpfe ich nach Hause und frage mich, was der Arzt, der mir sagte, ich hätte die Lunge eines Rauchers wohl gesehen hat und ob er vielleicht von Lungen einfach keine Ahnung hat.


Eine Art Date mit zwei Frauen
Am Nachmittag chatte ich nicht nur erneut mit Anja, ich verabrede mich direkt mit ihr und ihrer angeblich ganz toll aussehenden Freundin. Wenige Augenblicke später wird mir klar, dass ich vermutlich ein wenig zu euphorisch war. Ein Date mit zwei fremden Frauen. So weit bin ich doch noch nicht. Da es mir allerdings zu peinlich ist nur wenige Minuten nach der Zusage gleich wieder abzusagen bleibt mir nichts anderes übrig als es durchzuziehen.
Um 15.00 Uhr treffen wir uns in Lünen in einer Eisdiele. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten bin ich recht charmant und unterhaltsam. Ich mache vermutlich die ganze Zeit den Eindruck möglicherweise normal zu sein. Dummerweise neige ich in solche Situationen dazu übermütig zu werden und so verabreden wir uns für den Abend gleich noch mal. Bedauerlicherweise bin ich bei diesem Treffen wieder ganz der Alte, also völlig daneben, langweilig und unerträglich. Ich bin absolut nicht gut drauf und meine pessimistische Grundeinstellung ist einfach nicht zu übersehen. Die arme Anja ist sicherlich völlig geschockt, was für ein Idiot ihr nun gegenüber sitzt. Trotzdem fragt sich mich, als ich sie nach Hause bringe, ob ich nicht noch auf ein Wässerchen mit zu ihr rauf kommen will. Ich sage ihr, dass ich nur mitkomme, wenn wir Sex haben werden. Sie will natürlich keinen Sex mit mir, aber das ist völlig okay. Daraufhin lehne ich ihr großzügiges Angebot, mit in ihre Wohnung zu kommen, ab. Ob das eine gute Entscheidung ist, werde ich wohl nie erfahren. Und so fahre ich völlig schwachsinniger Vollidiot zurück nach Hause. Vor dem schlafen gehen klopfe ich mir noch anerkennend auf die Schulter.

Am Samstagmorgen bin ich komischerweise nicht gut drauf und gegen Mittag teilt mir Anja mit, dass das mit uns nichts wird, weil sie eher auf selbstbewusste und weniger gestörte Männer steht. Vermutlich ist sie nur beleidigt, weil ich nicht mit in ihre Wohnung wollte. Später fahre ich zum ersten Mal mit meinem Hyunda Coupe 200 km/h. Das sollte ich öfter machen.

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