Lübeck

01.07.18 – 05.07.18

Tag 1
Urlaub ist toll. Zumindest wenn man alles richtig macht. Trotzdem bedeutet so eine Urlaubsreise für mich erstmal Stress. Lediglich die Frage, welches Auto mich fährt, muss ich nicht beantworten, weil das Coupé rechtzeitig kaputt gegangen ist und so als Reisemobil nicht in Frage kommt.

Kaum sitze ich im Benz setzt Entspannung ein. Kein Vergleich zum Coupé, obwohl der Benz ja auch ein Coupé ist. Lange bin ich nicht mehr so entspannt gereist und es stellt sich die Frage, warum ich zuletzt das Coupé statt dem Benz genommen habe, wenn ich in den Urlaub gefahren bin. Die Antwort ist recht schnell gefunden, ich mag es einfach nicht, wenn der Benz nachts draußen auf einem unbekannten Parkplatz steht. Dazu ist er nämlich zu geil. Dementsprechend müsste ich nachts immer draußen stehen, weil ich noch nie geil war. Störend ist bisher lediglich der viele Verkehr. Verkehr ist einfach nix für mich. Nicht einmal fahre ich schneller als 140 km/h. Meist tuckern wir mit 80 bis 120 durch die Gegend. Dann kündigt der Verkehrsfunk einen Stau an und etwa zur selben Zeit will meine Blase entleert werden. Beim Autofahren muss ich meist schnell entwässern. Komische Angewohnheit. Wegen der Staugefahr fahre ich den nächsten einfachen Parkplatz mit WC an. Von WCs auf Rastplätzen halte ich wenig, weil die meist ekelig sind. Doch da ich keine Wahl habe, habe ich keine Wahl. Ich parke vor dem WC-Häuschen und beobachte wer rein und raus geht, esse eine Banane und erst als ich sicher bin, dass keiner mehr drin ist, betrete ich das gruselige Häuschen. Es riecht fürchterlich und ich gehe direkt an den beiden Pissoirs vorbei in die Kabine. Wenn man hier wirklich mal ein Geschäft zu erledigen hat bei dem man sich setzen muss, sollte man lieber auf eine Wiese gehen. Derartige WCs sind einfach nur widerlich. Nachdem ich erleichtert bin, geht die die Fahrt weiter. Doch kaum bin ich zurück auf der Autobahn befinde ich mich tatsächlich im Stau. Die Frau im Radio sagt, es wird eine Stunde dauern, doch weil wir immer wieder etwas fahren, glaube ich ihr nicht. Während wir so vor uns hin tuckern kündigt das Navigationsgerät an, dass wir zwei Stunden in diesem Stau verbringen werden. Langsam bekomme ich Zweifel, ob ich nicht besser an der letzten Ausfahrt die Bahn verlassen hätte. Und dann stehen wir tatsächlich. Mitten auf der Autobahn. Ich schalte den Motor ab, esse eine Banane und beschließe, nie wieder so weit in den Urlaub zu fahren. Als ich überlege einen Spaziergang über die Autobahn zu machen und dabei ein paar Selfies zu schießen geht es ohne Ankündigung weiter. Aber nur eine Weile, dann heißt es wieder Stopp and Go. Im Coupé hätte ich vom vielen schalten und kuppeln sicher zu viel gekriegt, im Benz genieße ich das Automatikgetriebe und die bequemen Sitze. Obwohl ich schon fast drei Stunden unterwegs bin, tut mir nix weh.

Weil das Navigationsgerät es vorschlägt, entscheide ich mich für eine Alternativroute, verlasse die Autobahn, entdecke McDonalds und fahre hin. Hunger hab ich und obwohl ich erst vor einer Stunde auf der Toilette war, muss ich schon wieder. Bei McDonalds ist es voll, nur auf der Toilette zum Glück nicht. Nachdem ich mich erleichtert habe, schaue ich mich um und erkenne, dass man hier nicht am Schalter bestellt, sondern an so Bestelltafeln. Das erscheint mir zu kompliziert. Ich probiere neue Dinge nicht, wenn andere Leute mich dabei beobachten können. Weil ich komplett überfordert bin, gibt es nix zu essen und ich gehe zurück zum Benz.

Das Navigationsgerät ist nun der Meinung, die übliche Route über die A1 ist doch wieder die beste, also fahre ich zurück auf die A1 und genieße den zähfließenden Verkehr. Wenn ich doch nur was zu essen hätte. Nach einer Weile wird es besser, wir können wieder normal fahren, da entdecke ich, dass eine Burger King Filiale an der nächsten Ausfahrt auf mich wartet. Sofort verlasse ich die Autobahn und stelle fest, dass es vor Menschen an diesem Rastplatz und bei Burger King nur so wimmelt. Ich bin genervt, stelle mich aber dennoch brav für eine Mahlzeit an und werde plötzlich von einer Frau angesprochen. Ich verstehe nicht, was genau sie will, irgendwas mit Schlange. Ich sage ja, weil ich davon ausgehe, dass sie gefragt hat, ob ich in der Schlange stehe, was ziemlich offensichtlich ist und die Frage somit überflüssig war. Plötzlich sagt sie laut und auf ihre ganze unsympathische Art: “Das war mein Ernst!” Ich verstehe nicht, drehe mich um, gucke sie kurz an und dann ihre Begleiter, die auf ihren Telefonen schon die ganze Zeit Burger King Rabatt Coupons betrachten und überlegen, was sie schönes essen wollen. Miss Ernst will mir nun klarmachen, dass sie vor mir dran war und ich mich vorgedrängelt habe. Während ich weiter ihre Begleiter anschaue, sage ich, dass ich eher hier war und drehe mich um. Sie sagt noch irgendwas, was ich nicht verstehe, weil ich nicht zuhöre, und meckert hinter mir stehend auch nochmal was vor sich hin. Ich beachte sie nicht weiter und bin froh, dass ihre Begleiter sich komplett raushalten, denn die sind offensichtlich stärker als ich, aber zum Glück zu sehr mit ihren Coupons beschäftigt. Als ich an der Reihe bin bekomme ich Pommes mit Ketchup und eine Cola, setze mich an einen freien Platz und betrachte die vielen Menschen. Ziemlich hässlich sind die irgendwie und so falle ich nicht weiter auf. Die Pommes bei McDonalds schmecken mir besser.

Ich hätte zur Toilette gehen sollen als ich bei Burger King essen war. Hab ich aber nicht, weshalb ich etwa zwanzig Minuten vor dem Ziel erneut einen Rastplatz ansteuere. Mein Benz muss mich für einen Idioten mit schwacher Blase halten. Die Benutzung der Toiletten bei Serways kostet zwar 70 Cent, dafür sind sie in einem guten Zustand.

Nach fünfeinhalb Stunden bin ich endlich am Ziel und nicht einmal völlig K.O. Es kommt eben doch darauf an, dass man im richtigen Fahrzeug reist. Da ich zu blöd bin ein Hotel direkt dort zu buchen, wo ich einen Großteil meines Urlaubs verbringen will, wohne ich etwa zehn Autominuten vom Stadtzentrum Lübecks entfernt. So kann ich wieder täglich pendeln. Ich sollte demnächst jemand anderes für mich ein Zimmer buchen lassen. Da ich zu allem Überfluss im Nebengebäude untergebracht bin, hat mein Zimmer kein W-Lan. War mir beim buchen zwar anders mitgeteilt worden, aber scheiß drauf, ich bin zu alt und hungrig, um mich darüber aufzuregen. Die angeblich vorhandenen Parkplätze für 3,50 Euro am Tag gibt es auch nicht. In der Regel findet man aber einen Parkplatz an der Straße vor dem Hotel. Nur vielleicht nicht immer direkt vor dem Hotel. Dumm finde ich nur, dass der nicht vorhandene Parkplatz ebenso zu den wenigen Dingen, die mir bei der Suche nach einer Unterkunft wichtig waren, gehörte. W-LAN, Parkplatz, Dusche und WC auf meinem Zimmer statt einem Gemeinschaftsklo und die Nähe zum Stadtzentrum. Bekommen habe ich nur mein eigenes Bad mit Dusche und WC. Statt der 800m zum Zentrum sind es etwa 6 Kilometer. Da muss ich zufrieden sein, dass das Zimmer keine Abstellkammer ist und um Längen besser als das Zimmer, welches ich in Bremerhaven hatte.

Nachdem ich meine Sachen im Zimmer untergebracht habe, fahre ich ins Zentrum, parke unter Bäumen und beginne die Suche nach einem Lokal, welches meinen kulinarischen Ansprüchen genügt, was bedeutet, dass ich rat- und ziellos umherirre und nach einer Weile durchaus genervt bin, denn entweder gibt es nichts, was ich essen will oder es sind alle Plätze, die mir zusagen, belegt. Der erste Urlaubstag ist nie was für mich. Irgendwann, kurz bevor ich verhungert am Straßenrand verende, finde ich einen freien Platz und setze mich. Kaum sitze ich, stelle ich fest, dass der Platz mir nicht gefällt, denn ich sitze direkt in der Sonne und zwei Tische weiter sitzen drei Frauen von denen zwei direkt in meine Richtung schauen können. Eine tut es auch und so schaue ich oft zu ihr und sie zu mir. Ob sie wirklich zu mir oder nur in meine Richtung schaut, weiß ich natürlich nicht, aber ich will das nicht. Es hilft auch nicht, dass die Frau jung und attraktiv ist. Im Gegenteil, es stört und verunsichert mich nur. Als mir Orangensaft und Bruschetta serviert werden, bitte ich die Bedienung, mir alles am Nebentisch zu servieren und zwar so, dass ich mich mit dem Rücken zu der jungen Frau setzen kann, die in meinem Blickfeld sitzt. Kaum habe ich mich umgesetzt, geht es mir besser. Nach dem Essen sitze ich noch mit meinem Orangensaft einfach so dar und höre wie die sechs Frauen am Tisch links vor mir einen Tisch reservieren wollen, weil sie noch jemanden erwarten. Tische werden hier nicht reserviert und als die Freunde der Damen auftauchen ahne ich bereits, was passieren wird. Der Kellner fragt, ob ich etwas dagegen hätte, wenn meiner und der nächste Tisch zusammengestellt werden und als ich sage, dass ich eh fertig bin, schiebt er schon die Tische zusammen und fragt, ob die Frauen ein Problem hätten mit mir am Tisch zu sitzen. Haben sie scheinbar nicht. Zum Glück habe ich ein Problem damit, trinke schnell meinen Orangensaft aus und will zahlen. Der Kellner erzählt noch was von neuen Kontakten oder so, aber ich will hier keine Kontakte knüpfen sondern nur noch weg. Wenn ich Interesse an Kontakten hätte, wüsste ich davon. Und hätte ich Interesse in meinem Urlaub mit Fremden zu sprechen, wäre mir das auch längst aufgefallen. Was stimmt nur mit den Menschen nicht?

Wenig später irre ich ziellos durch Lübeck und stelle irgendwann fest, dass ich keine Ahnung habe, wo ich überhaupt hin will und wo ich den Benz geparkt habe. So renne ich hin und her und kann mich erst, als ich mit Hilfe von Google rausfinde, dass ich in der Nähe vom Burgtor parke, auf den Weg in die richtige Richtung machen. Als ich fast da bin, erkenne ich, dass ich zu Beginn meiner Suche nur wenige Meter vom Benz entfernt war. Was für eine Tragödie. Dadurch, dass ich unter Bäumen parkte ist der Benz komplett verklebt und ich kann kaum durch die Scheiben gucken. Jetzt wird mir wieder klar, warum der Benz nicht die erste Wahl für Urlaubsreisen war. Weil er Besseres verdient hat.

Tag 2
Nachdem ich am Ankunftstag über 10km durch Lübeck umhergeirrt bin, müsste ich eigentlich prima schlafen, doch es kommt alles anders. Mein Körper ist kurz vor der Bewusstlosigkeit als merkwürdige Geräusche meine Aufmerksamkeit erregen und die Einschlafphase beenden. Mit Schnarchgeräuschen hatte ich absolut nicht gerechnet zumal ich mein Zimmer auch mit niemandem teile. Vermutlich teilt auch niemand mit dem Schnarcher aus dem Zimmer nebenan das Bett, denn das würde niemand aushalten, selbst ich im Nebenzimmer ertrage es kaum und überlege, was ich tun kann. Kissen über den Kopf bringt nix und Taschentücher in die Ohren zu stecken ebenso wenig. Es ist nach Mitternacht und ich bin wach und ratlos. Weil mir nichts besseres einfällt, nehme ich das Tablet, um Musik zu hören. Dummerweise ist nur ein Lied darauf vorhanden und da hier kein W-LAN verfügbar ist, darf ich mir “Over the Horizon”, immer wieder und wieder anhören, um das Schnarchen nicht ertragen zu müssen und in der Hoffnung mit Musik einschlafen zu können. Obwohl ich die In-Ear Kopfhörer nutze, höre ich bei den leisen Passagen des Liedes das Schnarchen. Lauter mag ich das Lied aber nicht hören, weil es dann zu laut ist, um einzuschlafen. Verdammter Teufelskreis. Es ist bereits nach 02.00 Uhr als der Mann das Schnarchen einstellt. Vielleicht ist er gestorben. Schnarchen ist ja nicht unbedingt gesund. Mir ist das egal, ich mache die Musik aus und schlafe direkt ein. Erst gegen 06.00 Uhr werde ich wieder wach, weil vor meinem Zimmer Menschen aktiv werden und mich stören. Bis kurz nach 07.00 Uhr versuche ich immer wieder einzuschlafen, was aber nur kurzzeitig gelingt und durch immer neuen Lärm dazu führt, dass ich immer wieder wach werde. Bisher läuft es für mich in Lübeck noch nicht rund.

Um kurz nach 08.00 Uhr breche ich auf, um einen Ort zum Frühstücken zu finden. Das Auto parke ich etwas weiter vom Stadtzentrum entfernt als gestern, weil ich nicht wieder unter einem Baum parken will. Ich gehe los, stelle nach über zehn Minuten fest, dass ich die Sonnenbrille im Auto vergessen habe und gehe tatsächlich zurück, um sie zu holen. In der Stadt finde ich keinen geeigneten Bäcker, denn ich will nicht in der Sonne sitzen, nicht lange anstehen und nicht neben komischen Leuten sitzen. Kurz bevor ich verzweifelt umfalle, gehe ich in eine kleine Bäckerei, die nicht voll ist. Der Laden heißt BrotRock und ich möchte nur ein ganz normales Brötchen mit Salami, doch scheinbar ist keins mehr da. Woanders macht man eben schnell eins, wenn der Kunde das möchte, hier ist es anders und der maximal mittelmäßig brauchbare Angestellte bietet mir immerhin ein Laugenbrötchen mit Salami an, weil es da noch rumliegt. Da ich fast umfalle und sonst hier nichts zu essen bekomme, was meinen Vorstellungen entspricht, nehme ich eben das. Dass es fast drei Euro kostet, finde ich absurd, zumal es mir in einer Tüte zum Mitnehmen gereicht wird, wo ich eigentlich draußen sitzen wollte und vorhatte zum Brötchen etwas zu trinken. Ich hatte allerdings zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass dies hier eine Option für mich war, weil die männliche Bedienung das von vornerein ausgeschlossen hatte. Dass ich nicht wiederkommen werde, erscheint da nur logisch. Blöd nur, dass morgen die Suche nach einem angemessenem Frühstück von neuem losgeht.

Im Haerder-Center lasse ich mir später einen leckeren Smoothie bereiten, dann telefoniere ich mit Agnes bevor die Suche nach einem geeigneten Lokal fürs Mittagessen meine Aufmerksamkeit fordert. Wieder irre ich völlig ratlos durch Lübeck, finde nix und bin ratlos. Lübeck ist zu groß für mich, denn ich bleibe auch weiter komplett orientierungslos. Nachdem ich schon fast vor Schwäche verendet bin, lande ich im L’Osteria. Eine Pizza Tonno kostet dort 11,50 Euro, was ich recht happig finde, doch da ich völlig entkräftet bin, kann ich darauf jetzt keine Rücksicht nehmen. Als mir eine Papierunterlage auf den Tisch gelegt wird, ahne ich böses. Die Pizza muss riesig sein. Als die Pizzabestellungen der Nebentisch gebracht werden, ist mir klar, dass die Pizza zu groß für mich sein wird, denn alle bekommen nur eine halbe Pizza. Wieso sagt einem keiner so etwas? Und schon bekomme ich meine Riesenpizza, die natürlich nicht auf den Teller passt und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen jemals eine so große Pizza aufessen zu können. Das ist echt krank. Darauf muss man doch hingewiesen werden. So wird natürlich am Ende die Hälfte der Pizza weggeworfen. Ich achte im Urlaub ja echt nicht aufs Geld, aber so große Pizzen sind völliger Schwachsinn.

Weil ich überhaupt keinen Plan habe, was ich noch sehen und machen will, renne ich hin und her, sitze oder stehe mal hier und mal dort und kaufe mir dann ein Zitroneneis. Es ist, das merkte schon Agnes an, sehr erstaunlich, wie ich meinen Urlaub so verbringe. Muss sonst alles in meinem Leben geplant und durchdacht sein, so regiert im Urlaub das Chaos. Meine Hotels buche ich zu weit vom Ort weg, Sehenswürdigkeiten sind da und entweder ich sehe sie oder eben nicht. Es reicht vollkommen, dass ich nicht zu Hause bin und lediglich meine Probleme mit dem richtigen Essen sind wirklich störend. Urlaub ist fast das genaue Gegenteil von dem, wie ich sonst lebe. Und obwohl alles durcheinander scheint, stört es mich nicht wirklich und ich wundere mich, dass andere Menschen ihren Urlaub durchplanen und ich genau dies nicht tue, weil es mich scheinbar nicht interessiert. Hauptsache für mich ist, dass ich an einem anderen Ort bin und man mich in Ruhe lässt. Und das klappt auch in Lübeck bisher gut.

Da ich irgendwann genug hin und her gerannt bin, beschließe ich zurück zum Hotel zu fahren und brauche mehr als dreißig Minuten, um mein Auto zu erreichen. Optimal ist das nicht gerade. Im Hotel mache ich mich frisch, ziehe mich um und fahre dann spontan nach Travemünde, um dort zu Abend zu essen. Erwartungsgemäß parke ich zu weit vom Geschehen weg, irre konsequenterweise auch dort ziemlich gestört hin und her, suche das geeignete Restaurant und lande schließlich im Landungsbrücken-Restaurant, obwohl ich eigentlich woanders hin wollte. Ich nehme Platz und werde nicht beachtet. Andere Gäste kommen nach mir und bekommen rasch die Speisekarte, ich hingegen bekomme nix. Nach neun Minuten fragt mich tatsächlich ein Kellner, ob ich bestellen möchte, also bestelle die Speisekarte, weil mir das sinnvoll erscheint, doch trotz zusage, bekomme ich keine Speisekarte und werde konsequent nicht beachtet. Vielleicht stört es, dass ich einen Tisch besetze an dem locker vier Personen sitzen könnten. Nach sechzehn Minuten frage ich einen anderen Kellner nach der Karte. Tatsächlich wird sie mir wenig später gebracht und ich bestelle einen Salat und einen Orangensaft. Kurze Zeit später kann ich loslegen und kaum habe ich aufgegessen wird mir kalt. Anstatt wie geplant nach dem Essen nochmal nah zum Wasser zu gehen, mache ich mich auf den Weg zurück zum Benz. Wie kann man nur so frieren, wenn es eigentlich keinen Grund zum Frieren gibt?
Auf dem Weg zurück zum Hotel scheine ich eine Landesgrenze überqueren zu müssen und bin irritiert. Ich fahre auf Etwas zu, was wie ein Grenzübergang aussieht. Weil ich so gar nicht weiß, was das soll und wie ich mich Verhalten muss, fahre ich einfach vor irgendeine Schranke. Diese bleibt verschlossen. Also drücke ich auf den Hilfeknopf und frage, was das soll. Ich bekomme die Anweisung zurückzufahren und die nächste Schranke zu nutzen. Ich fahre zurück und schaue mir die Anlage genauer an. Ohne Geld keine Durchfahrt und keine Wendemöglichkeit zu erkennen. So stehe ich dumm rum und versuche zu verstehen. Es dauert ein wenig bis ich endlich verstehe, dass hier ist keine Landesgrenze, sondern eine Mautstation ist. Ich dachte, so etwas ist für Lkws und nicht für PKWs. Irgendwas läuft hier gerade völlig verkehrt. Ich lese, dass man 1,70 Euro zahlen muss, um weiterfahren zu können. Der Automat wechselt nicht und ich frage mich, was wohl passiert, wenn ich gar kein Geld bei mir habe. Tatsächlich zweifle ich daran, dass ich 1,70 Euro passend habe, weil ich mich meist schnell von meinem Kleingeld trenne, um es nicht mit mir herumschleppen zu müssen. Ich greife ich meine Tasche und mir wird etwas mulmig. Das könnte eine peinliche Nummer werden. In meinen Taschen finde ich zum Glück ganze 1,78 Euro. Ich werfe das Geld in einen Trichter und frage mich, was genau mit diesem Land nicht stimmt und wieso mich niemand rechtzeitig gewarnt hat. Warum muss man dafür bezahlen, wenn man nur ganz normal durch Deutschland fährt? Das erscheint mir äußerst seltsam, möglicherwiese auch krank.

Später lese ich im Internet, was es mit der Maut auf sich hat und beschließe, dass das einfach nur krank ist, weil die meisten, die davon wissen, einfach woanders herfahren. Gut so.

Mein Schrittzähler sagt, dass ich 17,5 Kilometer gewandert bin. Das ist möglicherweise auch krank, aber darüber mag ich mir nach so einem Tag keine Gedanken machen.

Tag 3
Zunächst geht es mir nicht so gut, ich verbringe viel Zeit auf der Toilette und der Psycho in mir rebelliert gegen irgendetwas. Daher gehe ich davon aus, dass der Tag heute verloren ist. Doch irgendwann ist der Psycho scheinbar müde und es geht mir besser, weshalb ich den ursprünglichen Plan eine Hafenrundfahrt zu machen verwerfe und stattdessen zum Timmendorfer Strand fahre. Im Urlaub bin ich so spontan, desorientiert und unstrukturiert, dass ich mich selbst kaum wiedererkenne. Den Benz parke auf einem kostenlosen Parkplatz und stürme Richtung Meer, obwohl ich eigentlich frühstücken wollte. Aber das Meer geht vor. Erst als ich das Meer gesehen habe, suche ich nach einer Bäckerei, die meinen Ansprüchen gerecht wird. Das bedeutet, wenige Gäste und ein Schattenplatz müssen es schon sein. Ich entscheide mich für die Bäckerei Seßelberg. Es gibt ein leckeres Salami Brötchen und einen Orangensaft. Fast wie damals in Bremerhaven. Sollte ich jemals am Timmendorfer Strand Urlaub machen, werde ich immer hier Frühstücken. Gegenüber putzt eine Frau die Markise des Modegeschäfts. Sie hat eine prima Figur und tolle Beine. Der Tag entwickelt sich eindeutig in die richtige Richtung. Nach dem Frühstück gehe ich spazieren, den Strand betrete ich natürlich dabei nicht, denn am Strand ist es sandig und der Sand würde in die Schuhe gelangen. Das möchte ich nicht. Außerdem möchte ich nicht in voller Montur zwischen Leuten in Badeklamotten umherirren. Das hatte ich zuletzt im Schwimmunterricht. Damals war ich der einzige im Freibad, der komplett angezogen war und sogar eine Jacke trug, das möchte ich nie mehr erleben. Ich bin kein Mann für den Strand. Trotzdem bin ich von alldem hier so begeistert, dass ich beschließe, sobald ich endlich reich geworden bin, meinen Wohnsitz zum Timmendorfer Strand zu verlegen. Als ich genug gewandert bin, setze ich mich in einen Strandkorb. Natürlich nicht am Strand, sondern im Zentrum. Ich bin so begeistert und auch müde, dass ich eine Stunde sitzen bleibe und Menschen beobachte, wobei ich eigentlich nur die attraktiven Frauen genauer beobachte. Glücklicherweise verspüre ich nicht mehr den Wunsch auch nur irgendeine der attraktiven Frauen zu beglücken. So kann ich entspannt gucken und vergessen. Toll.

Mittagessen gibt es im China Restaurant Hay-Cheng. Das Essen schmeckt weniger intensiv als erwartet. Entweder die können das nicht oder verzichten auf dämliche Geschmacksverstärker. Sollte ich in den nächsten Stunden kein Aufstoßen bekommen, haben die alles richtig gemacht. In den Stunden nach dem Mittagessen wandere ich umher oder sitze irgendwo rum und bin meist entspannt dabei. Überhaupt ist es erstaunlich, wie ich es im Urlaub immer wieder schaffe relativ entspannt zu sein. Und das über einen längeren Zeitraum. Wichtig ist dabei lediglich, dass der Psycho in meinem Kopf nicht wütet und alles versaut oder in Frage stellt. Vielleicht sollte ich permanent Urlaub machen, um meine Gestörtheit etwas zu mildern. Mit etwas Glück bleibt der Psycho vielleicht beim nächsten Urlaub auch wieder zu Hause.
Die einzige Möglichkeit nah ans Wasser zu kommen, ohne den Strand zu betreten, sind die Stege. Da ich nichts essen will ist der Steg mit dem Mikado-Teehaus nicht so meins. Ich stehe zwar eine Weile dort herum, aber fühle mich nicht wirklich wohl. Auf einem anderen Steg gefällt es mir schon deutlich besser, allerdings stören mich zwei Angler. Einer von denen hat gerade einen recht platten Fisch gefangen und schlägt ihn vor meinen Augen tot. Ich kann mir nicht helfen, aber für mich haben Angler einen an der Waffel. Angler und Jäger sind meiner Meinung nach ziemlich gestörte Kreaturen, aber was weiß ich schon von der Notwendigkeit dieser Lebewesen? Man sagt ja, dass jeder seine Daseinsberechtigung hat. Ich weiß ja nicht. Hoffentlich isst er den Fisch später wenigstens.

Die letzte Mahlzeit des Tages nehme ich im Ristorante da Paolo zu mir. Es gibt einen gemischten Salat und Orangensaft. Guter Salat. Ich bin zufrieden. Wie üblich bin ich der einzige Gast ohne Begleitung. Manchmal komme ich mir schon wie ein Außerirdischer vor, aber wenn ich einen guten Sitzplatz habe, macht mir das letztlich doch nix aus. Bald nach der Mahlzeit ist es Zeit für die Rückkehr nach Lübeck.

Zum Ende des Tages mache ich einen etwa zwanzigminütigen Spaziergang, um mir die Gegend ums Hotel in dem ich untergebracht wurde, anzuschauen. Sieht fast aus wie zu Hause. Bis auf einen Oldtimer und meinem Benz gibt es nichts Sehenswertes zu sehen. Zurück in meinem Zimmer zeigt der Schrittzähler an, dass ich wohl 12,7 km gewandert bin. Erstaunlich, dass ich überhaupt noch gehen kann. In Folge einer kurzfristigen Verwirrtheit schalte ich die Klimaanlage in meinem Zimmer an. Rasch wird es zu kühl und ich schalte sie wieder aus. Alternativ hätte ich mir natürlich auch was anziehen können, aber das wäre albern, weil ich schon den ganzen Tag über genug anhatte. Da ich vom asiatischen Essen den ganzen Tag kein Aufstoßen hatte, war das Essen vermutlich genau richtig. Es ist erstaunlich, dass nach einem so psychohaften Beginn der Tag so angenehm geworden ist. Verstehen werde ich mich und meinen Psycho wohl nie.

Tag 4
Es ist die erste Nacht in Lübeck in der ich tief und fest durchschlafe und erst gegen 06.00 Uhr von Menschen, die irgendwie aktiv sind, geweckt werde. Bis fast 08.00 Uhr bleibe ich aber noch im Bettchen und bin anschließend bereit für ein letztes Abenteuer in Lübeck.

Kaum bin ich im Stadtzentrum angekommen, finde ich tatsächlich eine Bäckerei, die meinen Ansprüchen genügt. Die Bäckerei Junge. Es ist nicht zu voll, das Brötchen schmeckt und ich sitze an einem für mich optimalen Platz. Schade, dass ich morgen Abreise, denn dies ist meine Frühstücksbäckerei.

Die traditionelle Hafenrundfahrt beginnt um 11.30 Uhr. Das Schiff ist komplett ohne Dach unterwegs und viele Menschen fahren mit. Ich sitze ordnungsgemäß in der letzten Reihe, weil ich es nicht besonders mag, wenn jemand hinter mir sitzt. Außerdem habe ich so einen besseren Überblick. Überblick ist wichtig für mich. Wie immer interessiert es mich nicht so sehr, dass erzählt wird, was es zu sehen gibt. Ich will nur auf einem Schiff transportiert werden. Glücklicherweise beschränkt sich der Erzähler aufs Wesentliche. Das mag ich. Was ich bei so Hafenrundfahrten immer wieder erstaunlich finde ist die Tatsache, dass der an sich grimmige, nörgelnde und verkrampfte Deutsche sich für so Rundfahrten immer seinen Winkarm anschnallt und dann winkt was das Zeug hält. Kaum sieht man ein anderes Schiff, kommt der Winkarm zum Einsatz. Stehen Leute am Wasser oder an der Brücke wir der Winkarm wieder eingesetzt. Als würden Winkarme die Leute zu erträglicheren und umgänglicheren Menschen machen. Diese Winkerei irritiert mich immer wieder aufs Neue. Dass ich auch heute beim Winken nicht mitmache, ist wenig verwunderlich, da ich meinen Winkarm schon vor Jahren gegen irgendeinen anderen Knall ausgetauscht habe. Gegen Ende der Rundfahrt setzt sich ein Vater mit seinem Sohn nach hinten. Sie haben einen kleinen Hund dabei, der immer zusammenzuckt, wenn der Junge sich bewegt. Schnell ist klar, warum er das tut, denn der fünf bis sechsjährige Scheißer ist offenbar nicht richtig im Kopf, denn er zieht den Hund, der sich verängstigt auf den Bodengelegt hat, hin und her. Dann versucht er ihn an der Leine hochzuziehen und ist unzufrieden, weil der Hund das nicht will. Eine Weile schaue ich mir das an und überlege eine angemessene Aktion, denn der offensichtlich ebenfalls bekloppte Vater tut nichts. Gerade als ich mich mit bösem Blick aufrichte, um den Sohn ins Wasser zu werfen und/oder beide zu beschimpfen, nimmt der Vater dem unerzogenen Sohn den Hund weg. Immerhin. Die nächsten Minuten schreit der Rotzlöffel daraufhin das Boot zusammen. Ich glaube, dem fehlt es einfach an Erziehung und Regeln. Man sollte dem Kind statt des Hundes ein Stofftier schenken. Da kann er dann zerren bis es kaputt ist. Deppen.

Den möglicherweise besten, aber mit Sicherheit teuersten Salat meines Aufenthaltes nehme ich später im Ristorante San Remo zu mir. Eigentlich wollte ich eine Pizza bestellen, hatte aber Angst sie könnte zu groß sein, weshalb es einen Salat gab. So gestärkt folgt ein Besuch bei Niederegger. Dort kaufe ich wenig Marzipan für nicht wenig Geld und stelle erneut fest, dass ich im Urlaub nicht so darauf achte, günstig einzukaufen, sondern mir durchaus etwas gönne, was es sonst nicht gäbe. Finde ich wirklich gut. Daher ist es nur konsequent, dass ich mir direkt im Anschluss im Lübecker Tee Kontor noch 200g Tee schenke. Dumm ist nur, dass es zu heiß ist, um mit den Sachen noch in der Stadt zu bleiben. So mache ich mich auf den Weg zum Benz, der natürlich wieder weit weg geparkt auf mich wartet. Erst als die Köstlichkeiten im Hotel sind bin ich zufrieden. Da ich mich natürlich zusammen mit den Köstlichkeiten auch im Hotel befinde, nutze ich die Gelegenheit, um mich frisch zu machen und die Kleidung zu wechseln. Nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht habe, Ruhe ich mich aus, lasse den Tag Revue passieren, erinnere mich an die vielen jungen Frauen, die bauchfrei unterwegs waren und stelle für mich fest, dass Bauchfrei wohl nie aus der Mode kommt. Da mein Bauch derzeit ausnahmsweise nicht aufgebläht ist, sollte ich auch Bauchfrei tragen. Allerdings nicht öffentlich, nur mal so, wegen der alten Zeiten. Ich lupfe also zum Spaß mein Shirt, ziehe den Bauch ein und mache schnell ein Selfie, weil in meinen Alter und meinem Zustand der Bauch in der Regel kein leckerer Anblick ist und auch nicht besser wird. So wird mich das Bauchfoto an einen entspannten, chaotischen Urlaub erinnern, der fast ohne Blähbauch vorüber ging. Ja, ich bin wirklich ein komischer Mann.
Nachdem ich genug ausgeruht habe, bin ich zurück in der Stadt und gönne mir im Haerder-Center einen Saft Cocktail mit dem Namen Vendura. Kann ich jedem, der da mal vorbeikommt nur empfehlen. Wenig später ist es Zeit für die nächste Mahlzeit. Ich entscheide mich mit Hilfe des Internets für das vietnamesische Restaurant Thana Asia, renne aber mehrfach vorbei, weil ich eben ich bin. Nachdem ich endlich oft genug dran vorbei gerannt bin, gehe ich rein und bin der einzige Gast dort. Hat etwas von VIP Behandlung. Das Essen ist wirklich gut und die Portion so groß, dass ich viel übrig lasse. Würde ich länger in Lübeck bleiben, würde ich sicher nochmal wiederkommen.
Frisch gestärkt schlendere ich wieder ziellos umher und entdeckte zufällig eine Aussichtsplattform, die sich in einer Kirche befindet. Vorgestern saß ich schon mit einem Eis vor der Kirche und wunderte mich, dass da immer Leute reingingen. Selbst als draußen welche von einer Aussichtsplattform sprachen, ergab das keinen Sinn für mich, weil Kirchen in meiner Vorstellung keine Aussichtsplattformen sind bw. haben. Ich bin echt verpeilt. Natürlich muss ich da jetzt rauf und zahle gerne vier Euro fürs das Erlebnis. Hafenrundfahrten und Aussichtsplattformen sind für mich im Urlaub von großer Bedeutung wie es scheint. Zum Abschluss des Tages gibt es anschließend noch ein Zitroneneis, welches ich vor der Kirche zu mir nehme. Genauso wie vorgestern, nur heute mit dem Wissen von der Aussichtsplattform. Weil mir vom Eis essen kalt wird und ich auch nicht mehr weiß, was ich noch tun soll, begebe ich mich langsam auf den Weg zurück zum Benz. Ein letztes Mal geht es durchs Burgtor, dann ist der Urlaub fast vorbei.

Am Ende des letzten Tages bin ich laut Schrittzähler 14 km gewandert. Es scheint mir jeden Tag weniger auszumachen so viel zu wandern. Wichtig sind nur regelmäßige Pausen und eine ausreichende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr. Erwartungsgemäß bin ich wieder vor 21.00 Uhr auf meinem Zimmer und liege den Rest des Abends auf meinem Bett herum.

Tag 5
Nachdem ich gut geschlafen habe, wache ich zeitig auf, um pünktlich den Urlaub beenden zu können. Ein letztes Mal die morgendliche Urlaubsroutine ablaufen lassen. Rollo öffnen, Banane essen, ins Bad gehen, rasieren, Zähne putzen, duschen, eincremen, Parfum auftragen, anziehen. Dann erst weiche ich von der Routine ab und packe meine Sachen. Wozu länger ein Hotelzimmer nutzen als nötig? Gegen 09.00 Uhr ist alles im Benz verstaut, Zimmerschlüssel und Stromkarte sind abgegeben. Beim Bäcker in der Nähe hole ich mir ein Salamibrötchen, gehe zurück zum Benz und klettere rein. Das Navigationsgerät zeigt an, dass ich in etwa dreieinhalb Stunden zu Hause sein dürfte. Ich bin erstaunlich entspannt. Kaum auf der Autobahn benutze ich die rechte Spur, obwohl es noch recht gemächlich vorangeht. Kaum eine dreiviertel Stunde später setzt die Müdigkeit ein. Vielleicht sollte ich eine Pause machen, doch ich mag nicht jetzt schon anhalten, weil es gerade so gut voran geht. Also mache ich das, was gelegentlich kurzzeitig hilft und singe alle Lieder, die es zu hören gibt, mit. Natürlich vollkommen falsch und wenn mal gar nicht gesungen wird, singe ich trotzdem und erfinde Texte, die sich reimen. Die Bahn ist fei, die Geschwindigkeit pendelt sich zwischen 160 und 170 ein und ich bleibe meist links. Nach einer Weile singe ich nicht nur, der Kopf wackelt hin und her und die Flasche wird zum Mikrofon umgewandelt. Ich bin völlig außer Kontrolle und scheine mich in einer Art Rausch zu befinden. Selbst wenn irgendwer spontan auf die linke Spur fährt, um mit etwa 110 Stundenkilometern einen Zwischenspurt einzulegen, bleibe ich völlig entspannt. Möglicherweise sollte ich mein Leben zum Großteil im Benz verbringen. Auf einer nicht zu vollen Autobahn, bei schönem Wetter und mit guter Musik. Alternativ könnte ich mich auch auf meinen Geisteszustand untersuchen lassen. Ich bin mir noch nicht sicher, was angebrachter ist. Erst in Werne, also kurz vor dem Ziel, verlasse ich die Autobahn, um bei McDonalds die Toilette aufzusuchen und anschließend etwas Nahrung aufzunehmen. Ich sollte ein Foto von mir machen, denn so entspannt gibt es mich sicher so schnell nicht wieder. Da ich auf Fotos meist blöder aussehe als nötig, verzichte ich aber darauf, weil die gute Laune noch etwas anhalten soll. Die letzten Meter der entspannten Fahrt vergehen sehr schnell und wenig später stehe ich wieder in meiner winzigen Wohnung, wo ich unverzüglich alle Sachen verstaue, dann in den Keller gehe und die Waschmaschine befülle, damit sie meine Wäsche reinigt. Wenig später deutet nichts mehr darauf hin, dass ich für ein paar Tage weg war. Der Ursprungszustand ist wieder hergestellt. Bis zum Verlust der Entspannung kann es nicht mehr lange dauern.

Später liege ich verwirrt im Wohnzimmer herum, ziehe Bilanz und befinde, dass Lübeck zu groß für nur vier Übernachtungen ist. Sechs Nächte wären bei dieser Reise angebracht gewesen. Wichtig ist auch, dass ich bei meinem nächsten Urlaub ein Zimmer direkt im Stadtzentrum nehme damit ich nicht zum Urlaubstagespendler werde. Außerdem bin ich für meine Verhältnisse ziemlich oft entspannt im Urlaub, zumindest wenn ich nicht mit Menschen reden muss und der Psycho in mir nicht zum Vorschein kommt. Des Weiteren scheint es Tradition zu sein, dass ich einen Sonnenbrand bekomme, was zumeist bei Hafen- oder Stadtrundfahrten passiert. Alles andere habe ich vergessen, weil die Urlaubsreise nun schon seit einigen Stunden vorbei ist.

Abschließend habe ich noch ein paar Fragen an mich, die ich unverzüglich beantworte, um das Thema Urlaub als erledigt abhaken zu können.
Werde ich nächstes Jahr abermals verreisen? Ja.
Werde ich nächstes Jahr wieder zweimal verreisen? Vermutlich.
Werde ich dabei gut aussehen? Nein.
Werde ich mit dem Benz fahren? Unbedingt.
Werde ich wieder Richtung Norden fahren? Möglicherweise.

Lübeck in Bildern

Weil es Tradition ist, gibt es abschließend die besten Fotos des Urlaubs.
Damit ist das Thema dann aber auch durch.

 

Ob es wirklich Zufall war, dass ich in einer Klinik untergebracht wurde?

 

Ein für meine Verhältnisse verdammt großes Zimmer.

 

Mein täglicher Zugang zur Stadt führte durch das berühmte Burgtor.

 

Erstes Selfie auf dem ich eine durchaus gute Figur mache.

 

Zufällige Spiegelung und somit auch eine Art Selfie.

 

Viel zu große Pizza für einen Mann meines Formats.

 

Ein Beweis, dass ich ganz schön viel durch die Gegend laufen kann.

 

Zitroneneis. Gab es gleich an zwei Tagen.

 

Cooles Auto.

 

Da hat irgendwas gebrannt und für eine Menge Aufmerksamkeit gesorgt.
Ich war auch kurzzeitig ganz aus dem Häuschen.

 

Selfie auf dem Steg. Diesmal im Sitzen und mit durcheinander geratener Frisur.

 

Leckeres Eis, weil man sich auch mal was gönnen muss.

 

Mit diesem Boot wurde ich transportiert.

 

Folgen eines Kaufrauschs.

 

Essen bei Thana Asia. Lecker.

 

Lübecker Friedenstaube. Fast wären wir Freunde geworden.

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