Magdeburg

30.06.2019 – 04.07.19

Tag 1
Kaum auf der Autobahn, frage ich mich, warum ich nicht im Benz sitze, sondern im Coupé. Die Antwort ist schnell gefunden. Weil in meinem Kopf nicht alles sauber tickt, fahre ich nicht Benz. So einfach wie dämlich ist das. Bei Lehrte ist die erste Pinkelpause nötig und mir wird bewusst, wie heiß sich 38,5 Grad anfühlen. Der Parkplatz ist voller LKWs deren Motoren laufen, vermutlich um mit der Klimaanlage für angenehme Temperaturen im Inneren zu sorgen. Für mich ergibt das alles keinen Sinn, aber eines Tages bauen wir in Deutschland das Schienennetz aus, dann wird alles anders. Ach ne, versuchen wir ja schon seit Jahren, geht aus irgendwelchen Gründen, von denen ich keine Ahnung habe, nicht. Schade, denn es würde möglicherweise Sinn ergeben. Ich kaufe etwas Kaltes zu trinken, verzichte aber darauf etwas zu essen, da ich kein Freund der Serways Restaurants bin. Also gibt es ein paar Tuc Kekse, die ich zur Sicherheit mitgenommen habe. Anschließend fahre ich mit maximal 130 km/h meinem Ziel entgegen, weil das schnell genug ist, wie ich finde.

Der Mann am Empfang des Hotels sagt, dass man maximal drei Tage braucht, um alles zu sehen, was Magdeburg zu bieten hat und scheint sich zu wundern, dass jemand so lange freiwillig Urlaub in Magdeburg macht. Mir geht es allerdings nicht darum, alles zu sehen, sondern vielmehr an einem unbekannten Ort, der mich interessiert, Zeit zu verbringen und meine Zwänge in diesen Tagen etwas in den Hintergrund zu stellen. Das gelingt zwar nicht immer, aber zu Hause gelingt es mir noch viel weniger. Manchmal glaube ich, dass ich mittlerweile so Kurzurlaube brauche, um zu überleben und um wenigstens ein bisschen aus meiner Verkrampfung zu entkommen. Mir ist durchaus bewusst, dass das nicht normal ist, aber so bin ich wohl und werde es immer bleiben.
Mein Coupé steht in der dritten Ebene des Parkhauses, weil es dort angeblich nur fünf Euro pro Tag kostet. Bin gespannt, was ich am Freitag tatsächlich zahlen muss. Ich wurde tatsächlich vorab einmal gefragt, ob eine Urlaubsaffäre vielleicht etwas für mich wäre. Nein, und ich will hier nicht einmal mit irgendeiner fremden Frau während meines Urlaubs kommunizieren. Das Thema Frauen ist durch, wobei es im Urlaub eh noch nie Thema war. Ich schaue mir die entzückenden Lebewesen gerne an, dann ist aber auch gut.

Nachdem die Sachen im Zimmer verstaut sind, geht die traditionelle Suche nach einem geeigneten Restaurant los. Die Auswahl ist groß und ich entscheide mich für das Restaurant La Piazza. Da ich meine Laktase Tabletten vergessen habe, ist die Auswahl an Gerichten für mich allerdings begrenzt. So gibt es Penne alla Puttanesca. Sehr lecker. Anschließend mache ich mich auf meinem Zimmer nochmal frisch, putze mir die Zähne und wandere danach orientierungslos durch Magdeburg. Schon bald bin ich völlig K.O., weil ich vergessen habe etwas zu trinken mitzunehmen. So muss ich rasch einen Kiosk finden, was mir glücklicherweise gelingt, bevor ich umfalle. Mit 1,5 Liter stillem Wasser geht es zurück zur Elbe. Dort überquere ich die alte Hubbrücke, weil ich Brücken mag. Auf der Brücke sind viele junge Menschen. Ich war auch mal jung, ist aber lange her. Später sitze ich in der Nähe dieser Brücke und trinke mein Wasser, bevor ich weiter wandere. Ich genieße die Dämmerung und die Ruhe sehr, höre der Elbe beim Fließen zu und freue mich, nur selten Menschen zu begegnen. Obwohl ich noch nicht mag, muss ich irgendwann weg vom Wasser, weil die ganzen Insekten mich wahnsinnig machen. Mein Wanderausflug ist gegen 22.30 Uhr beendet und kaum bin ich zurück auf meinem Zimmer, ziehe ich Schuhe, Socken und Hose aus, öffne ein Fenster, spüre die etwas abgekühlte Luft von draußen, lasse mich aufs Bett fallen und schlafe ein. Etwa eine Stunde später setze ich mich auf, um aufzustehen. Doch kaum haben die Füße den Fußboden berührt, falle ich wieder nach hinten und schlafe mit den Füßen auf dem Boden nochmal ein. Wann konnte ich zuletzt einfach so loslassen und das Bewusstsein verlieren? Ich weiß es nicht.

Tag 2
Tränensäcke am Morgen, bleiben keinem verborgen. Altert man im Osten schneller, war es die Hitze oder liegt es am Neonlicht über dem Badezimmerspiegel? Jedenfalls präsentiert der morgendliche Blick in den Spiegel Tränensäcke, die mein früherer Augenarzt mir schon vor Jahren attestiert hat. Überhaupt sehe ich nach nur einem Tag Urlaub völlig eingefallen und um Jahre gealtert aus. Wenn die Entwicklung so weiter geht, werde ich am Ende der Woche vermutlich eingeäschert.

Mein erstes Frühstück in Magdeburg besteht aus einem Salamibrötchen, welches ich mir im Backhaus Deims kaufe und auf einer Bank verzehre. Das findet ein Vogel so gut, dass er direkt neben mir Platz nimmt und mich anbettelt. Ich finde zwar nicht, dass Brötchen das Richtige für Vögel sind, gebe ihm aber ein paar Krümel, weil er so süß aussieht und so lieb guckt. Anschließend wandere ich ziellos umher, kaufe mir einen Mangold-Smoothie, lande an der alten Elbe und später am Stadtpark, den ich ein anderes Mal ausführlich besuchen will, wenn ich etwas zu trinken mithabe. Nachdem das mit mir geklärt ist, fange ich an über das Mittagessen nachzudenken. Dieses furchtbare Denken immer. Vermutlich werde ich es nie abstellen können, aber ich versuche es, weil das viele Denken anstrengend ist und mich wahnsinnig macht.

Mittag gegessen wird im Restaurant Orchidee, welches ich empfehlen kann. Vermutlich werde ich hier noch das eine oder andere Mal zu Mittag essen. Nach dem Essen verlaufe ich mich kurz, weil das zu einem anständigen Urlaub einfach dazu gehört. Anschließend gehe ich zurück ins Hotel, um mich etwas auszuruhen, frisch zu machen und vor meinem Spiegelbild zu erschrecken, weil ich zu meinen Tränensäcken nun auch einen Sonnenbrand bekommen habe. Besonders der Nacken ist betroffen, aber auch das gehört zu einem anständigen Urlaub einfach dazu. Frisch mit Sonnencreme eingeschmiert breche ich etwas später auf, um eine Hafenrundfahrt zu machen. Zumindest ist das der Plan, doch die einstündige Rundfahrt findet montags nur einmal statt und dieses eine Mal war bereits vor Stunden, weshalb ich verwirrt und planlos umherirre, bis ich nassgeschwitzt und erschöpft bin. Weil das auch keine Lösung ist, spendiere ich mir ein Eis, da es sonst keiner macht. Dann muss ich zurück zum Hotel, gönne mir ein paar Kekse, mache mich frisch, ziehe mich adrett an und breche auf zum Stadtpark. Als ich dort ankomme bin ich natürlich völlig K.O. vom vielen wandern, so dass ich mich nur noch von Parkbank zu Parkbank schleppe. so richtig habe ich das wohl noch nicht raus mit der Entspannung. Nach einer Weile bekomme ich Hunger, weshalb ich den Park wieder verlassen muss. Auf dem Weg aus dem Park, kommt mir eine sehr junge Mutter mit Kinderwagen entgegen. Weil sie hübsch ist, schaue ich sie an und dann passiert etwas, womit keiner rechnen konnte, denn dieses hübsche Wesen lächelt mich an. Einfach so. Und was mache ich? Ich lächle irgendwie für den Bruchteil einer Sekunde zurück, bzw. versuche es, und schaue dann ganz schnell weg. Wie ein Pubertierender, der völlig perplex und überfordert ist. Es gibt Dinge, die ändern sich nie. Aber wer kann auch damit rechnen, dass so ein junges Lebewesen einen wie mich anlächelt? Möglicherweise war sie ja auch nur von meiner Frisur belustigt, die vom Winde verweht, einen ziemlich verwehten Eindruck gemacht haben muss.

Glücklicherweise hatte ich mich schon sehr früh entschieden, das Abendmahl bei Subway einzunehmen, so dass die für mich typische Suche nach einem geeigneten Ort für eine Mahlzeit nicht nötig wird. Gestärkt geht es wenig später zurück zum Schleunufer. Weitere Pläne gibt es nicht, so dass ich auch dort von Bank zu Bank wandere und daher die meiste Zeit sitze. Fürs Auge gibt es reichlich und als Höhepunkt des Tages kommen vier angehende Frauen zu meiner Bank. Als Frauen gehen sie noch nicht durch, weil sie entweder erst sechzehn sind, oder schon bald, vielleicht aber auch erst später, werden. Eine fragt: „Entschuldigung, dürfen wir Sie was Fragen?” Normalerweis wäre die Antwort, dass sie das ja schon getan hat, aber darauf verzichte ich und antworte, ohne die vier jungen Lebewesen anzusehen, dass sie das natürlich dürfen. Feuer hätten sie, bzw. eine von ihnen gerne und weil ich ja im Urlaub immer eines meiner Werbefeuerzeuge dabei habe, kann ich helfen. Mehr noch, ich schenke dem jungen Wesen direkt eines meiner Feuerzeuge, was sie zunächst nicht glauben mag. Erst als ich versichere, dass ich genug von den Dingern habe, bedankt sie sich und wünscht mir einen schönen Abend. Endlich konnte ich jemandem mit meinen Werbeartikeln eine Freude machen, obwohl ich es ja nicht gut finde, wenn jemand raucht. Vielleicht hätte ich ihr noch einen Kugelschreiber dazu schenken sollen, aber das hätte irgendwie keinen Sinn ergeben.

Bereits um 21,30 Uhr bin ich zurück in meinem Zimmer, reiße mir die Kleidung vom Leib und beschließe, dass ich den Abend ausklingen lasse und nicht mehr, wie geplant, ausgehe, da ich schon 19,8 Kilometer verwirrt durch die Gegend gewandert bin. Schließlich bin ich hier zum Entspannen und habe heute genug aufregende Sachen erlebt.

Tag 3
Obwohl in der Nähe des Bahnhofs gelegentlich Züge ein- und ausfahren, schlafe ich besser als bei dem Lärm des Café Bistro zu Hause. Zum Frühstück gibt es wieder ein Salamibrötchen vom Backshop Beims. Dieses Mal nehme ich sogar drinnen Platz, weshalb es einen Orangennektar dazu gibt. Mein traditionelles Urlaubsfrühstück ist somit komplett. Da ein ziemlicher Wind bläst, gehe ich anschließend ins Allee-Center, weil Wind mich nervt. Im Allee Center ist ein herrlicher Brunnen an den ich mich setze und ihn betrachte. Ich bin ganz begeistert und kann mich nicht erinnern, je einen Brunnen gesehen zu haben, der derart viele Licht- und Wasserspiele geboten hat. Morgen um 13.00 Uhr gibt es eine Brunnen-Show, die ich auf keinen Fall verpassen darf. Nachdem ich den Brunnen genug bewundert habe, nehme ich an der kleinen Schiffsrundfahrt über die Elbe teil. Auf dem Oberdeck ist es erwartungsgemäß zu kalt für mich, weshalb ich unten Platz nehme. Während der Fahrt läuft schöne Musik aus den Achtzigern, ich betrachte die Wellen, die mich einfach immer wieder faszinieren, werde dabei immer müder und nicke tatsächlich mehrmals kurz ein. Wie ein Opa, der bei jeder Gelegenheit sein Schläfchen macht. Aber die Wellen und dazu die Musik aus den achtziger Jahren sind auch wirklich zum Entspannen. Und entspannen gehört bekanntlich nicht zu meinen Stärken. Anschließend besuche ich kurz die Schiffsmühle bevor ich im Allee-Center essen will. Leider klappt das nicht, weil es einfach keine freuen Plätze gibt. Auch die Alternative, das Restaurant Qilin, in unmittelbarer Nähe ist mir zu voll. Daher gehe ich ins Hotel, esse ein paar Kekse, mache mich frisch und begebe mich anschließend ins Restaurant Orchidee, um dort zu Speisen. Wegen des starken Windes habe ich meine Mütze aufgesetzt, weil ich zu den Menschen gehöre, deren Haare nie zurück in den Ursprungszustand fallen, wenn der Wind nachlässt. Ich bräuchte echt eine coole Mütze oder einen sexy Hut, um mich damit optisch aufzuwerten und damit ich nicht immer die gleiche Mütze tragen muss.

Gegen 16.30 Uhr bin ich zurück im Hotel, denn ich scheine einen Plan für den Rest des Tages zu haben. Ich esse ein paar Kekse, liege auf dem Bett und, wer hätte das gedacht, schlafe ein. Dabei bin ich doch erst 11,9 Kilometer gewandert. Gegen 17.30 Uhr komme ich langsam wieder zu mir. Einerseits finde ich dieses einschlafen, sobald ich liege, bedenklich, andererseits ist es schön, dass ich so entspannt schlafen kann. Zumindest wenn es im Bett und nicht unterwegs passiert. Zeit den Rest des Tages mit Erlebnissen zu füllen. Schließlich bin ich ja deshalb hier. Zunächst gibt es einen Wrap bei Subway im City Carré, anschließend putze ich mir im Hotel die Zähne, ziehe ein Hemd übers T-Shirt, weil der Wind auf Dauer etwas zu frisch ist, und mache mich auf den Weg zur Elbe. Unterwegs kaufe ich mir ein Eis, obwohl ich keinen Hunger habe. Das Eis gibt es im Hörnchen und schon wenig später weiß ich wieder, warum Hörnchen nichts für mich sind, da mir Eis auf die Hose tropft. Dazu kommt, dass das Eis gestern besser geschmeckt hat. Wie üblich stehe ich später am Domfelsen und starre einfach nur das Wasser an, weil ich das gut kann und mag. Tagein, tagaus das Wasser anstarren. Beruhigend und einfach schön.

Wie es aussieht komme ich jeden Tag etwas früher auf mein Hotelzimmer zurück. Heute bereits um 21.15 Uhr. Ich bin wahrlich kein Nachtmensch. Wenn für andere noch lange nicht Schluss ist, bin ich längst zu Hause. Das ist wohl so und sollte nicht weiter hinterfragt werden. Was mich an diesem Zimmer und auch dem Flur richtig stört ist der Geruch, denn alles riecht nach frisch verlegten Teppich. Dieser strömt seine sicher alles andere als gesunden Ausdünstungen unentwegt durchs Hotel und ich glaube nicht, dass das gut für mein Wohlbefinden ist. Hatte ich mich am Morgen noch gefreut, dass ich so toll einschlafen konnte in den letzten beiden Tagen, so wälze ich mich heute eine Weile nutzlos hin und her und durch meinen Kopf wandern blöde Gedanken. Ist der Urlaubseffekt etwa schon vorbei?

Tag 4
Die Nacht war genauso unentspannt, wie es das Einschlafen befürchten ließ. Meine Entspanntheit, die vielleicht auch nur eine große Erschöpfung war, ist irgendwie weg und ich glaube, dass ich irgendwie genervt bin. Frieren scheint auch eine Urlaubstradition zu sein. Oder die falsche Kleidung dabei zu haben bzw. nicht für Wetterkapriolen gewappnet zu sein. Seit meiner Ankunft ist die Temperatur um 25° Grad gesunken und aktuell 13° Grad sind nicht unbedingt, was ich eingeplant hätte. 13° Grad sind zwar jetzt kein Grund durchzudrehen und zu frieren, aber kühl ist es schon. Irgendwie lähmt mich das Wetter, aber da mich immer irgendwas lähmt, ist es vermutlich auch egal.

Nach dem üblichen Frühstück bin ich etwas planlos und wandere zum Dom. Kaum bin ich drin, werde ich von einem Mann angesprochen. “Hallo!?” Ich drehe mich zu ihm um. “Wenn man den Dom betritt, nimmt man die Kopfbedeckung ab.” Ich nehme meine alberne Kopfbedeckung ab und der Mann ist zufrieden. Wenn nur alles so einfach wäre. Der Dom ist ein erstaunliches Gebäude und als ich wieder draußen bin, spricht der nächste Mann mich an. In mehreren Sprachen. Ich verstehe zunächst nicht wirklich, was er von mir will, obwohl ich mich sehr konzentriere seinen Ausführungen zu folgen. Als er nur noch deutsch redet, fragt er, ob ich wegen des Doms in der Stadt bin. Ich verneine und sage, dass der Dom nur zufällig auf meinem Weg steht. Nun erzählt er was von der Kirche und der AfD. Keine Ahnung, was er mir sagen will. Freundlich, aber verwirrt kommt er mir vor. Irgendwie schade, denn er ist sympathisch und recht attraktiv. Aber in seinem Oberstübchen scheint irgendwas arg durcheinander geraten zu sein. So verabschieden wir uns schon sehr bald freundlich und jeder geht seines Weges.

Um 11.45 Uhr will ich im Allee-Center essen, doch auch heute sind fast alle Plätze belegt. Da ich mich zu niemandem setzen möchte, muss ich meinen Plan ändern und gehe zum Restaurant Qilin, wo ich tatsächlich einen Platz bekomme. Kaum sitze ich, stürmen immer mehr Leute das Lokal. Bestimmt ist es das In-Restaurant des Ortes und ich habe einen Platz bekommen, weil ich gerade noch rechtzeitig erschienen bin. Weitere Leute stürmen hinein, immer voller wird es und einige dieser Menschen müssen wieder gehen, weil kein Platz mehr ist. So wirklich begeistern kann mich das allerdings nicht, weil ich inmitten vieler Fremder mein Essen zu mir nehmen muss. Besagtes Essen ist gut und ich muss mich etwas beeilen, weil um 13.00 Uhr die Brunnen-Show im Allee-Center beginnt und ich vorher nochmal ins Hotel muss, da ich in so einem überfüllten Restaurant nur ungern die Toilette benutzen möchte. Hinterher begegnet man noch fremden Menschen dort. Das möchte ich nicht. Auf die Sekunde pünktlich erreiche ich das Allee-Center, bekomme einen Sitzplatz am Brunnen und die Brunnen-Show beginnt. Diese gefällt mir gut, dauert aber keine zehn Minuten, weshalb ich noch eine Weile verwirrt am Brunnen sitzen bleibe, um zu überlegen, was heute noch so zu erleben ist.

Nachdem ich mich im Hotel frisch gemacht habe, mache ich einen Spaziergang nach Stadtfeld Ost. Dort fotografiere ich ein Haus, kaufe in einem urigen Lebensmittelladen eine Fanta und gehe wieder zurück. Als ich nach fast zwei Stunden wieder im Hotelzimmer bin, entferne ich, wie es fast schon ein Ritual ist, die Kleider von meinem Körper, denn mein Körper will atmen und sich ausruhen.

Gegen 18.00 Uhr mache ich mich auf den Weg zur traditionellen Abendmahlzeit bei Subway im Carré Center. Anschließend lasse ich meinen Rücken für zwei Euro auf einem der Massagesessel im Allee-Center massieren, beobachte dabei die vorbeikommenden Frauen und stelle fest, dass mein unterer Rücken arg verspannt ist und die attraktiven Frauen mich nicht beachten. Würde auch nichts bringen, weil ich nicht zu gebrauchen bin. Nach der Rückenmassage geht es weiter zur Elbe, wo ich eine Weile auf einer Bank Platz nehme. Weil es frisch ist und ich friere, gehe ich weiter und mache einen Schaufensterbummel. Normale Menschen würden sich irgendwo in ein Lokal setzen, um etwas zu trinken, aber ich kann das nicht, weil ich unter irgendeinem irreparablen Schaden leide. Obwohl ich noch Lust auf ein Eis habe, verzichte ich darauf, weil mir das einfach zu frisch ist. So ist es wenig verwunderlich, dass ich mich schon um 21.05 Uhr im Hotel meiner Sachen entledige.
Vielleicht sollte ich zukünftig nur noch in Gegenden reisen, wo ich jemanden kenne, der vielleicht mal abends ein bis zwei Stunden mit mir irgendwo etwas trinken geht. Da kämen dann Orte wie Bochum oder Bielefeld in Frage. Bochum ergibt keinen Sinn, also bleibt nur Urlaub in Bielefeld. Vielleicht ist das mein nächstes Urlaubsziel. Ich muss mal schauen, was für Unterkünfte es dafür mich gibt.

Es ist fast 21.30 Uhr und ich überlege, was man als Mann von Welt, ein cooler Typ, oder jemand, der nicht ich ist, jetzt machen kann. Vielleicht wäre es ziemlich lässig eine Dame vom Escort-Service zu bestellen, um mit der etwas zu erleben. Das könnte für die Frau einer der merkwürdigsten Abende ihres Lebens werden. Dafür ist mir mein Geld dann doch zu schade, weshalb ich einfach nichts mehr mache.

Tag 5
Der Morgen beginnt mit einer Enttäuschung, denn im Backshop Beims gibt es keine Salamibrötchen mehr, weshalb die Verkäuferin mir ein Käsebrötchen empfiehlt. Seit wann ist Käse ähnlich wie Salami? Das ist ein für mich vollkommen unlogischer Vorschlag. Wenn irgendwas nicht da ist einfach Käse vorschlagen, weil Käse immer geht? Nicht mit mir, weshalb ich ein Brötchen mit gekochtem Schinken verlange. Hoffentlich wird das Morgen, wenn ich Abreise, besser, falls ich überhaupt wiederkomme. Falls ich nicht wiederkomme, endet die ganze Frühstückerei heute mit einer Enttäuschung. Hätte nicht gedacht, dass so etwas passieren kann.

Bei Thalia kaufe ich ein Buch mit dem Titel Die Liebe unter Aliens, weil es interessant klingt und die Erzählungen mir theoretisch gefallen könnten. Ich suche mir eine Bank in der Nähe des Allee-Centers und lese die erste Geschichte. Durchaus nach meinem Geschmack. Ich wandere weiter zu einer Bank an der Elbe und lese die Geschichte zu Ende. Auf der nächsten Bank beginne ich die zweite Geschichte, die mir auch gefällt. Bevor ich sie zu Ende lesen kann, ist es auch schon Zeit übers Mittagessen nachzudenken. Letztlich geht es erneut ins Restaurant Orchidee, weil es da schmeckt und ich dort in einer Ecke sitzen kann. So gestärkt wandere ich einfach drauf los und lande im Stadtpark, was mich durchaus überrascht. Ich lese die zweite Geschichte zu Ende, betrachte die Menschen und lese die dritte Geschichte, die mich irgendwie nicht ganz so anspricht. Da ich mir vorgenommen hatte, heute eine vegane Waffel bei Waffle Chrush zu essen, breche ich bald auf. Eine blonde Frau auf einem Fahrrad kommt mir entgegen und lächelt mich an. Ich lächle zurück, weil es zu bekloppt wäre, es nicht zu tun. Dabei kann ich gar nicht mit blonden Frauen.

Bei Waffle Crush bekomme ich eine vegane Waffel mit Ananas, Oreo-Keks und Kokosraspeln serviert. Die ist lecker und macht satt. Derart gestärkt geht es weiter zur Elbe, wo ich die Biografie von Dieter Hallervorden lese und zufrieden bin. Lediglich die Bänke könnten bequemer sein, denn irgendwie finde ich nie eine richtige und angenehme Sitzposition für mich. Gegen 18.45 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Hotel, um das Buch abzulegen, die Toilette aufzusuchen und anschließend bei Subway etwas zu essen. Heute will ich über mich hinauswachsen und statt eines Wraps tatsächlich ein Sandwich bestellen. Es soll das Veggie Sandwich sein, doch obwohl ich mich vorbereitet habe, bin ich durcheinander und so kommt es, dass ich die freundliche Bedienung duze. Das ist gruselig und irgendwie respektlos, aber aus der Nummer komme ich nicht mehr raus. Ich schäme mich ordnungsgemäß für meine Duzerei, aber letztlich hilft das keinem von uns weiter. Ich habe versagt und in meinem nächsten Urlaub bestelle ich einfach wieder die fertigen Wraps. Später kaufe ich mir noch ein letztes Eis im nicht umweltfreundlichen Becher, weil die Gefahr, mich zu bekleckern, so einfach geringer ist. Ich setze mich, wie schon beim letzten Mal, weit von den Menschen weg, weil ich mich inmitten von Menschen alleine meist nicht wohlfühle. Während ich anschließend ein letztes Mal durch die Straßen von Magdeburg wandere und überall Leute sitzen sehe, die sich angeregt unterhalten und Spaß haben, komme ich mir einen Moment wie Ronald Miller aus Can´t buy me love vor. Das ist irgendwie immer noch einer meiner Lieblingsfilme, obwohl ich längst zu alt dafür bin. Wie erwartet bin ich noch eher als gestern zurück im Hotelzimmer, nämlich bereits um 20.30 Uhr. Aber gut, man soll ja bekanntlich früh zurück sein, wenn man am nächsten Tag abreisen muss. 13,8 Kilometer habe ich zurückgelegt, mehr geht heute einfach nicht.

Tag 6
Bereits um 09.00 Uhr verlasse ich das Hotel für immer und bringe das Gepäck zum Coupé. Anschließend gehe zum letzten Mal in den Backshop Beims, um mir ein Salamibrötchen zu gönnen und heute bekomme ich es auch. Was mich allerdings stört, ist die Tatsache, dass man keine Serviette bekommt, wenn man dort isst. Ist ja schließlich nicht so, dass die Remoulade grundsätzlich keine Sauerei anrichtet, da wäre eine Serviette schon angesagt. Nachdem das Brötchen verspeist ist, geht es zur Tiefgarage, wo ich 25 Euro fürs Parken bezahle. Damit kann ich leben. Bevor es auf die Autobahn geht, wird das Coupé betankt. Der Verbrauch war unter 7 Liter, was ich absolut okay finde. Die Autobahn ist recht frei und ich komme gut durch. Kurz nach Hannover muss ich mal, fahre zu einer Raststätte, habe aber kein Kleingeld für die Toilette. Also esse ich Pommes bei Bürger King, weil ich so das Geld gewechselt bekomme. Kurz bevor ich aufgegessen habe, kommt ein Bus mit Rentnern vorgefahren und mir ist sofort klar, dass ich meinen Toilettenbesuch verschieben muss, weil Rentner, die in Bussen transportiert werden, an Gaststätten zuerst die Toiletten stürmen. So sitze ich noch eine ganze Weile einfach nur da, bevor ich die Toilette aufsuche. Vor der Damentoilette ist noch immer ein Stau, bei den Herren sieht es etwas besser aus. Nur ein Rentner wartet auf die nächste freie Kabine und ich stelle mich zu ihm, weil ich an diesen Pissoirs einfach nicht pinkeln kann. Als endlich eine Kabine für mich frei ist, muss ich das Atmen reduzieren, weil ich mich sonst übergeben müsste. Vielleicht sollte ich lernen wie ein Mann neben anderen Männern zu pinkeln. Gestank oder Gemeinschaftspinkeln, zwei wahrlich wenig überzeugende Optionen.

Magdeburg in Bildern
Traditionell gibt es zum Abschluss eines Urlaubs immer ein paar faszinierende Fotos, die beweisen sollen, dass ich tatsächlich in Magdeburg war und mir das nicht alles nur ausgedacht habe.

 

In diesem Hotel wurde ich untergebracht. Eine neue Erfahrung für mich.

 

Größer als mein Schlafzimmer, fast so groß wie meine ganze Wohnung.
So viel Platz bin ich gar nicht gewohnt.

 

Ein vom Zimmer abgetrenntes Bad. Feine Sache.

 

Die Aussicht aus meinem Zimmer. Ungewohnt, da ich zuletzt immer direkt auf eine Wand schauen durfte. Ich habe trotzdem nur selten aus dem Fenster geschaut.

 

Freundlicher Vogel mit dem ich ein Brötchen geteilt habe.

 

Domfelsen in Magdeburg. Dort habe ich viel Zeit verbracht.
Natürlich nicht da unten, sondern da, wo das Foto aufgenommen wurde.

 

Der Dom zum Domfelsen.
Der ist nicht wirklich schief, das liegt nur am Fotografen, dass es so aussieht.

 

Meine Lieblingsstelle an der Elbe in Magdeburg.

 

So sehe ich aus, wenn ich in Magdeburg an der Elbe sitze und aufs Wasser gucke.

 

Ein Brunnen ganz nach meinem Geschmack.

 

Eis im Becher.Umwelttechnisch nicht überzeugend. Für mich aber eine sichere Sache.
Das Eis fand ich übrigens lecker.

 

Eis in der Waffel. Für mich nicht optimal, weil Eis auf meine Hose getropft ist.
Meine Finger müssten auch mal zur Maniküre. Schrecklich.

 

Ein Schaufenster ganz nach meinem Geschmack.

 

Spontankauf. Titel perfekt. Inhalt leider nicht.

 

Lektüre an der Elbe. Ein Buch nach meinem Geschmack.

 

Leckere Waffel von Waffle Crush.

 

 

Vollgetankt und Abfahrtbereit. Wie üblich ging die Kontrolleuchte für die Motorelektronik nach der Hinfahrt an. Passiert nach jeder längeren Autobahnfahrt und hat vielleicht nichts zu bedeuten. Lasse ich demnächst wieder aussschalten.

 

Freie Fahrt zu Beginn der Rückreise. So mag ich es.

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