Oberwesel

15.05.21 – 20.05.21

Tag 1
Traditionell putze ich am Abreisetag meine kleine Wohnung. Dabei fällt mir auf, dass die Blumen, die ich gestern für den Balkon gekauft habe, noch in der Dusche stehen. Da ich das nicht ertrage, beginne ich mit dem umtopfen und versaue dabei das Bad komplett. Um die Aktion auf dem Balkon durchzuführen ist es nämlich viel zu windig. Zum Glück reicht die Blumenerde nur für drei Pflanzen. Die beiden anderen sind somit erst nach meiner Rückkehr dran. Anschließend bringe ich das Bad in einen akzeptablen Zustand, mache Pommes im Backofen und bin erstaunt, dass das Wetter nicht so furchtbar wie angekündigt ist. Anschließend bringe ich das Coupé in die Garage und nehme den Benz mit. Es ist zwar kein angemessenes Benz Wetter, aber das Coupé ist unbequem und geht immer wieder aus. So reise ich wenig später in meinem 29 Jahre alten Benz auf seinen 8 Jahre alten Allwetterreifen nach Oberwesel. Als der Tacho vom Benz 200.000 Kilometer anzeigt ist klar, dass dies ein historischer Urlaub wird. Die Fahrt verläuft zunächst entspannt und von Regen keine Spur. Meist fahre ich nicht schneller als 100 km/h, weil es zu voll ist und ich in einem Benz sitze. Erst als es anfängt zu regnen bin ich nicht mehr so entzückt, aber im Benz zu Reisen ist einfach göttlich. Um mich herum scheinen einige Autofahrer alles andere als entspannt, sie fahren dicht auf, drängeln, scheren direkt vor mir ein und stören mein Dahingleiten so gut sie können. Manchmal muss ich sogar spontan bremsen, weil vor mir irgendwer Unsinn macht. Doch ich habe Verständnis für die Leute ihn ihren Polos, Corsas, Golfs und anderem Gedöns. Das sind halt keine Fahrzeuge, um entspannt von A nach B zu fahren. Vielleicht sind die Fahrer aber auch nur grundsätzlich unentspannte Menschen oder haben anderweitig einen an der Klatsche.

Meine Ferienwohnung liegt in einer engen Einbahnstraße ohne Parkmöglichkeiten. Da ich nicht noch eine extra Runde drehen will, rufe ich den Hauswart an und frage, wo ich parken kann. Er sagt, ich solle warten und ist wenige Minuten später da. Ich darf zum ausladen kurz vor der Tür parken, was ich sehr anständig finde. Als wir die Wohnung betreten, denke ich, dass der Flur nicht der Flur der Wohnung, sondern der Flur zur Wohnung ist, denn der Flur ist ungefähr so groß wie meine ganze Wohnung. Ich bin ganz aus dem Häuschen und habe sogar eine Badewanne für mich und die vier Enten, die mit mir verreist sind. Nachdem ich alles kurz gesehen habe, parke ich den Benz ein paar Meter weiter, was aber nur bis morgen um 07.00 Uhr erlaubt ist. Ich muss mir diesbezüglich etwas einfallen lassen. Doch bevor ich mich darum kümmere erwärme ich mir die mitgebrachte Gulaschsuppe. Ich werde scheinbar immer besser, was meine Vorbereitung angeht. Nachdem ich gestärkt bin, will ich mir einen Parkplatz suchen, doch leider habe ich absolut keinen Empfang mit meinem Smartphone, so dass ich über eine halbe Stunde hin und herfahre. Überall ist parken nur kurz möglich.

Schließlich finde ich am Bahnhof die Möglichkeit mir ein Tagesticket zu holen, werfe einen Euro in den Automaten, will gerade den zweiten Euro nachwerfen, da habe ich schon das Ticket bis 00.30 Uhr ausgedruckt vor mir. Dabei steht an dem Automaten ganz deutlich, erst Tagesticket wählen, dann zwei Euro einwerfen. Ich sollte erst lesen, dann handeln. Es stört mich weniger, dass ich einen Euro vergeudet habe, sondern vielmehr, dass ich nur noch einen Euro habe. Frustriert klettere ich zurück in den Benz und sehe am Ende des Parkplatzes ein älteres Ehepaar, die mir entweder Geld wechseln können oder wissen, wo ich Geld wechseln kann. Die netten Leute wechseln mir zehn Euro und somit habe ich sechs Euro für den Automaten und kann drei Tage überbrücken. Den 5-Euro-Schein werde ich auch noch gewechselt kriegen für den letzten Tag. Wenig später habe ich das Ticket und der Benz einen Parkplatz. Eine Minute später gefällt mir der Parkplatz nicht mehr und ich parke den Benz so, dass keiner mehr neben ihm parken kann. Das müsste bis Donnerstag gehen.

Es folgt der erste Erkundungsgang durch Oberwesel. Sehr schöner Ort, hier kann ich sicher viel wandern, wenn das Wetter mitspielt. Im Moment ist es fast angenehm, abgehen davon, dass ich wieder mal zwei Jacken anhabe. Das scheint ein Klassiker meiner Urlaube zu werden. Zwei Jacken, aber kein Internet, so werde ich nicht geocachen können, obwohl das mittlerweile eine schöne Urlaubstradition ist.

Gegen 21.20 Uhr bin ich zurück in der riesigen Wohnung, in der ich mehrfach ins falsche Zimmer abbiege, weil die Wohnung einfach zu groß für mich ist. Aber auch irgendwie geil, dass ich mal so wohne, wenn auch nur für ein paar Tage. Zu meiner Freude stelle ich fest, dass ich sowohl Prime als auch Netflix nutzen kann. Ich schaue mir The Woman in the Window an, bin aber zu müde, um ihn zu Ende zu schauen.

Umhergeirrt bin ich heute lediglich 5,1 Kilometer. Fast wenig für einen ersten Urlaubstag.

Tag 2
Das Bett ist bequem, es gibt keine Nachbarn, die die Nacht durchquatschen und so schlafe ich gut und wache auf, weil die Vögel singen und die Sonne scheint. Bis ich gefrühstückt und geduscht habe, ist es aber vorbei mit der Sonne und es regnet. Glücklicherweise aber nicht zu lange, so dass ich später raus kann. Zunächst kaufe ich mir bei Aldi ein paar Kleinigkeiten zum Essen. Ich muss sagen, dass die Aldi-Filiale äußerst aufgeräumt daherkommt und mir besser gefällt als in Brambauer. Anschließend wandere ich kreuz und quer durch Oberwesel und muss mich ab und zu unterstellen, weil es regnet. Zum Glück sind es nur kurze Phasen und ich kann mich ansonsten dem orientierungslosen Wandern hingeben. Geocaching funktioniert auch weiter nicht, da ich einfach keinen Empfang habe.

Nach dem Mittagessen geht es hinauf zur Burg Schönburg. Das ist anstrengend und meine Knie signalisieren gelegentlich ihre Unzufriedenheit. Es ist anstrengend hoch zu kommen, aber die Aussicht ist genau nach meinem Geschmack. Das Wetter allerdings nicht, denn mal ist es warm und die Sonne scheint, dann wird es dunkel und frisch. Wegen meines möglicherweise unpassenden Schuhwerks habe ich den Weg nach oben an der Straße entlang gemacht, doch weil mich Wanderwege mehr reizen, entscheide ich mich für den direkten Weg nach unten auf einem der vielen Rundwege. Der Weg ist nicht so eng und gefährlich wie befürchtet und so rutsche ich nur ab und zu ein wenig und komme gut voran. Bevor ich unten ankomme beginnt es allerdings dummerweise zu regnen und so kommt der Schirm zum Einsatz. Mit dem Schirm in der einen und der Wasserflasche in der anderen komme ich überraschenderweise doch unfallfrei an unten an.

Nach kurzer Pause geht es wieder los. Dieses Mal wandere ich auf der Stadtmauer entlang. Mein rechtes Knie hasst mich mittlerweile und irgendwann klettere ich von der Mauer runter und setze ich mich auf eine Bank. Dort bleibe ich über eine halbe Stunde einfach sitzen, weil ich völlig erledigt bin und zu meinem Glück die Sonne scheint. So sollte es eigentlich immer sein, aber das möchte das Wetter einfach nicht.

Zurück in der Wohnung mache ich mir später zwei Brötchen und ruhe mich etwas aus. Da es dunkel ist, beschließe ich, dass ich ein Vollbad nehme, doch zu meinem Bedauern muss ich feststellen, dass nur kaltes Wasser in die Wanne läuft. Vielleicht hängt das mit der Küche zusammen, da gibt es auch nur kaltes Wasser. Immerhin kann man heiß duschen, aber das möchte ich jetzt nicht. Daher beschließe ich einen weiteren Spaziergang zu machen, doch schon nach wenigen Minuten sind die Schmerzen im rechten Knie kaum auszuhalten. Humpelnd schleppe ich mich zum Bahnhof, um ein weiteres 24 Stunden Ticket für den Benz zu kaufen. Jetzt rächt es sich, dass ich den Benz nicht irgendwo parken wollte, sondern auf einem besonderen Parkplatz, der unendlich weit weg erscheint. Schmerzleidend schleppe ich mich zum Benz und kann wirklich kaum noch aufrecht gehen. Oft muss ich stehen bleiben, weil ich es einfach nicht mehr aushalte. Ich rede ironisch auf mich ein und finde mein ganzes auftreten ziemlich lächerlich. Seit mehr als zehn Jahren halten mich diese Schmerzen vom Joggen ab und nun auch von kleinen Urlaubswandrungen.

Am Ende des Tages habe ich 16,9 Kilometer zurückgelegt und es erscheint mir mehr als fraglich, ob ich in dem Zustand morgen noch viel unternehmen kann. Das ist irgendwie frustrierend, aber vermutlich auch nicht wirklich überraschend. Später schaue ich mir The Woman in the Window zu Ende an. Wirklich begeistern kann mich der Film leider nicht, aber ich bin zu entspannt, dass mich das stören könnte. Wenn ich nur etwas von der Entspannung mit in meinem Leben außerhalb der Reisen nehmen könnte, dann wäre sicher alles nur halb so frustrierend. Leider weiß ich nicht, wie das geht.

Tag 3
Ein vollkommen unnötiger Schmerz reißt mich gegen 06.00 Uhr aus dem Schlaf. Ich bin irgendwie unglücklich gegen meine rechten Ellenbogen gestoßen und das mag er gar nicht. Das halte ich auch nicht aus bis ich am 14.06. einen Termin beim Chirurgen habe. Auch wird mir die Bandage nicht helfen, da ich sie niemals über den geschwollenen Ellenbogen bekommen werde. Die Beule ist mittlerweile groß wir ein Tischtennisball und scheint ständig zu wachsen, Weil der Schmerz nach einer Weile nachlässt, bleibe ich bis etwa 08.00 Uhr im Bett. Später beim Frühstück schaue ich online nach anderen Chirurgen und werde fündig. Zwei kommen in die engere Auswahl, ich entscheide mich für den bei dem man den Termin direkt online vereinbaren kann, was ich natürlich unverzüglich mache. Somit habe ich am Freitag schon den Termin. Vielleicht kann er die Flüssigkeit direkt ablassen und ich danach etwas entspannter vor mich hinvegetieren.

Nach dem Frühstück starte ich zu einem Spaziergang. Mir tut alles weh, was aber für einen untrainierten Mann meines Alters vermutlich normal ist. Und Muskelkater geht ja bekanntlich irgendwie weg, wenn man sich einfach weiter bewegt. Wieder einmal lande ich auf einem Weg, der mich immer höher führt. Ab und zu rutsche ich in meinen Wanderschuhen weg, was mir etwas Sorgen macht, da der Weg bergab immer schwieriger ist. Ich komme an einer Stelle mit einem Kreuz vorbei. An dieser Stelle, so steht auf einem Schild, starb ein Mann im Jahr 2004. Ich weiß nicht, ob das ein guter Ort zum Sterben ist, aber wenn es ein schneller Tod war, dann ist es vielleicht gar nicht so schlecht. Immerhin an der frischen Luft und mit guter Aussicht. Möglicherweise hatte der Mann nicht die richtigen Schuhe an und kam zu Fall. Kann mir zum Glück nicht passieren, denn meine Schuhe sind mir Bedacht ausgewählt worden. Irgendwann erreiche ich den höchsten Punkt und frage mich, ob ich tatsächlich die ganze Runde gehen will. Diese erscheint mir arg lang, es scheint gleich zu regnen und irgendwie ist das alles zu rutschig. Spontan mache ich etwas, was eigentlich nicht meine Art ist, breche die Runde ab, gehe zurück und wähle dann den einfachen Weg über eine befestigte Straße, weil es mir nicht nur zu glatt ist, sondern mein rechtes Knie absolut nicht abwärts gehen mag und die Schmerzen doch immens sind. Der Regen wird stärker und ich habe leider keine Ahnung in welche Richtung ich gehen muss. Eine junge Frau mit Hund kommt mir entgegen und schaut bewusst weg, was ihr aber nicht hilft, denn ich frage sie nach dem Weg. Sie erklärt mir, dass es einen schmalen Weg direkt nach unten gibt. Ich bedanke mich und befinde mich wenig später auf dem schmalen Weg, der mich direkt zum Startpunkt meiner Reise führen wird. Eigentlich wollte ich das vermeiden und auf der Straße bleiben, aber der Regen missfällt mir dermaßen, dass ich den schmalen Wanderweg nehmen musste. Wie ein wehleidiger Hampelmann humple ich unter Schmerzen den Weg hinab. Für meinen Nachmittagsspaziergang brauche ich Strecken ohne Anstiege, denn sonst komme ich nicht weit. Mal schauen, wie sich das Wetter entwickelt und was mir noch einfällt. Im Kindergarten, der wenige Meter entfernt von meiner Ferienwohnung ist, spielen Jungen und Mädchen draußen gemeinsam Fußball. Alle tragen dabei ordnungsgemäß eine Maske und ich finde das einfach nur krank.

Später teste ich, ob das Wasser für ein Bad heute funktioniert und es funktioniert. Neuer Tagesplan: Jetzt baden, später essen. Die Wanne ist groß und das Wasser heiß, irgendwann ist mir das zu viel, also Dusche ich mich kalt ab und mache mir etwas zu essen. Allerdings mit freiem Oberkörper, weil mir noch immer total warm ist. Gut, dass mich keiner so sehen kann. Ich muss echt trainieren sonst wird es schlimm enden mit mir und meinem Körper.

Weil zu einem perfekten Urlaub gehört, dass ich wenigstens einen Cache finde, mache ich mich auf den Weg, obwohl ich draußen keine Apps nutzen kann, weil ich auch weiterhin keinen Empfang habe. Die Strecke und die Hinweise habe ich mir einfach gemerkt. Bei strahlendem Sonnenschein marschiere ich durch die Gegend und stelle fest, dass ich bin eindeutig zu warm angezogen bin. Derart zu schwitzen ist irgendwie unsexy. Den Cache finde ich tatsächlich und überlege, ob ich noch höher hinaus will, kehre dann aber um, weil mein Schuhwerk mir zu denken gibt und es aussieht als würde es gleich regnen. Wenige Minuten später ist es dunkel, frisch und der Regen wird vom Wind über mir verteilt. Der Schirm ist zwar zu bändigen, die Hose aber sehr schnell Regennass. Als ich meine Unterkunft erreiche hört der Regen auf. Ich wechsele Hose und Schuhe und gehe wenig später zum Bäcker, um mir etwas Leckeres zu gönnen. Ich glaube, viele Menschen finden meine Art des Urlaubs Todlangweilig, aber zu mir passt es perfekt. Wenn ich es mir leisten könnte, würde ich so den Rest meines Lebens verbringen. Nur diese ständigen Wetterwechsel würde ich abschaffen.

Gegen 18.00 Uhr mache ich einen längeren Bummel durch Oberwesel. Es gibt einige leerstehende Ladenlokale und man trifft nur selten auf andere Menschen. Es ist noch immer befremdlich, dass man nirgends essen gehen kann, weil fast alle Lokale geschlossen sind. Ich glaube nicht, dass es je wieder so ein wird wie vor dem Corona-Irrsinn, ich glaube auch nicht, dass wir aus der Situation nochmal rauskommen, wenn ich lese, dass der Impfschutz nach sechs Monaten aufgefrischt werden muss. Was soll dann der Corona-Impfpass, der dann ja auch nicht unbegrenzt gültig sein kann? Und ich glaube nicht, dass die Impfbereitschaft so bleibt, wenn man sich alles sechs Monate impfen lassen muss. Wir richten uns vermutlich nach und nach in dieser neuen Corona-Welt ein und leben damit. Die vielen Pleiten, die deshalb unser Land überschwemmen sind halt nicht zu ändern, denn die Welt kann nicht immer bleiben, wie sie war. Da haben die Menschen schon für gesorgt und wenn erst der Klimawandel, den es vermutlich eh gar nicht gibt, richtig zuschlägt, dann entsteht eine neue Unbehaglichkeit von der wir jetzt noch nicht einmal zu träumen wagen. Bis es soweit ist üben wir weiter, wie man sich mit dem Coronavirus arrangiert und wie lange man sich noch in Horrormeldungen zu dem Thema suhlen kann. Nein, diese Welt vermag mir so gar nicht zu gefallen. Aber ich will mich jetzt nicht beklagen, denn ich habe Urlaub, durfte ungeimpft und ohne zusätzlichen Test verreisen und habe einen Benz, der am Bahnhof auf mich wartet.

Um meinen Körper zu schonen, habe ich am Ende des Tages nur 11,2 Kilometer zurückgelegt, bevor ich am Abend bei Netflix The Do Over schaue. Harmlose Unterhaltung zum Nulltarif.

Tag 4
Fast perfektes Wetter begrüßt mich am Mittwochmorgen. Ich bin zwar skeptisch, aber der Himmel ist fast Wolkenfrei und es scheint noch eine Weile so zu bleiben. Direkt nach dem Frühstück breche ich daher auf. Das Wetter ist wirklich wunderbar und es ist der erste Urlaubstag, der sich wie Urlaub anfühlt und auch so aussieht. Als ich am Kackstuhl ankomme, der 175 Meter über NN legt, habe ich plötzlich wieder Empfang und kann tatsächlich einen Cache suchen und finde ihn auch. Auf dem Rückweg sitze ich auf einer Bank in der Nähe vom Kackstuhl und schaue runter auf den Rhein. Wunderbare Aussicht, der Urlaub hat begonnen. Er wird allerdings kurz dadurch gestört, dass ich erfahre, dass mein Kollege einen Bericht, den ich fürs Jobcenter geschrieben habe, neu schreiben muss, weil der Bricht keinen Sinn ergibt. Der Bericht, dazu die ganzen Verträge, die ich in den letzten zwei Wochen komplett falsch abgeschlossen habe, lassen mich zweifeln, dass ich den Job noch lange in der Form machen will. Ich bin zu schlecht und es fällt auch auf. Vielleicht ist es an der Zeit nach einem Job Ausschau zu halten, den ich hinbekomme, ohne ständig Mist zu bauen. Ab einer Inzidenz von 50 haben wir wieder Teilnehmer vor Ort. Derzeit liegt der Wert bei 65. Ich denke, ich kann direkt nach meinem Urlaub an dem anderen Standort eingesetzt werden und mir anhören, wie Scheiße meine Berichte sind. Das wird toll. Bis es soweit ist, genieße ich die Sonne und nutze die Zeit nach meiner Rückkehr, um mir Gedanken über meine berufliche Zukunft zu machen. Obwohl es total schön in der Sonne ist, muss ich irgendwann zurück, weil ich nichts zu trinken dabei habe und auch bald was essen muss.

Nach dem Mittagessen, natürlich wieder Nudeln mit Paprika-Sauce, breche ich zu einem weiteren Spaziergang auf, doch dann ändert sich das Wetter, es wird kühler, der Wind frischt auf und ein paar Regentropfen fallen auf meinen Kopf. Hatte ich auf dem Weg nach oben noch die Jacke ausgezogen und war der Meinung, dass ich eindeutig zu warm angezogen bin, freue ich mich jetzt, dass ich warm angezogen bin. Später stehe ich nutzlos auf einer Brücke herum als eine junge, attraktive Frau vorbei kommt, lächelt und freundlich grüßt. Mehr kann ich wirklich nicht von so einem Tag verlangen.

Auch am Nachmittag scheint nochmal die Sonne, aber es ist ungemütlich frisch und einfach irgendwo zu verweilen und in die Gegend zu starren macht so einfach keinen Spaß. Daher wandere ich ziellos umher, doch Freude kommt keine auf. Ich bin so genervt, dass ich mir aus meiner Unterkunft die zweite Jacke hole, denn irgendwie bin ich längst durchgefroren. Das Wetter passt wirklich hervorragend zu dem ganzen Corona-Irrsinn. Eine Kombination zum Wegwerfen. Vielleicht kann ich am Abend wenigstens nochmal ein Bad nehmen. In der Wanne ist sogar genug Platz für zwei. Das könnte romantisch und spritzig werden, wird es aber nicht, weil nur ich in der Badewanne liegen werde.

Später schickt mir der Kollege eine Mail, die er von der Chefin bekommen hat. Mein Bericht ist eine Katastrophe und hat betriebsschädigende Folgen, da ich, obwohl man mir alles erst kürzlich erklärt hat, fast alles falsch gemacht habe. Damit dürfte ich unten durch sein und sollte da eigentlich auch nicht mehr hingehen, weil ich mich endgültig als Vollpfosten geoutet habe. Immerhin habe ich es fast fünf Jahre verstecken können, dass ich eine Gurke bin. Vom Maßnahmeleiter zur Vollkatastrophe mit nur einem Bericht. Immerhin werde ich nie wieder irgendetwas dort leiten müssen, denn so ein Depp ist als Maßnahmeleiter meiner Meinung nach völlig ungeeigent. Ich sollte dringend nach einem anderen Job Ausschau halten. Oder mich zur Ruhe setzen. Wieder einmal bin ich meinen Ansprüchen an mich nicht gerecht geworden. Einmal Versager, immer Versager.

Eigentlich sollte der Urlaub auch dazu dienen, dass ich zwei Wochen nichts mit dem Job zu tun habe. Das kann ich nun vergessen, denn die Mail habe ich nun Mal gelesen und kriege das Thema vermutlich auch nicht mehr aus dem Kopf. Weil die Sonne spontan wieder scheint und der Wind nachgelassen hat, setze ich mich an den Rhein und denke nach. Vielleicht ist das fünfte Jahr das Jahr in dem sich beruflich alles ändert. Ich beschließe, dass ich am Wochenende drei Bewerbungen schreibe und mal schaue, was passiert. Ein aktuelles Zeugnis werde ich zwar nicht bekommen, aber versuchen kann ich es dennoch. Dort wo ich jetzt bin, wird es kaum besser und ich werde leider auch nicht mehr besser. Ich kann zwar Veränderungen nur schwer ertragen, aber diesen Job habe ihn ja auch quasi aus einer Laune heraus bekommen. Zwei Bewerbungen geschrieben, eine Einladung und fertig war der Job. Und mit den Bewerbungen kann ich testen, ob ich überhaupt eine Chance habe oder ob ich mir die Mühe hätte sparen können.

Weil ich meinen Kopf nicht frei bekomme, gehe ich später gedankenversunken über die Stadtmauer, dann wieder am Rhein entlang und lande schließlich in der Badewanne. Morgen geht es ab nach Hause, zurück in die traditionelle Einöde meines Daseins.

Tag 5
Liegt es an Oberwesel, dem Wetter oder dem Corona-Irrsinn, dass so wenige Leute unterwegs waren? Ich finde es ja gut, wenn ich überall Platz habe, glaube aber nicht, dass das gut für die Wirtschaft ist. Oberwesel mit den Wegen und Gassen finde ich sehr schön, was mich etwas erschreckt hat ist die Tatsache, dass von den wenigen Leuten, die ich getroffen habe, viele sehr gut auch in Brambauer leben könnten. Kleidungstechnisch und von der Art zu reden wären sie in Brambauer gut aufgehoben. Die Verblödung und die Verwahrlosung machen auch vor den schönsten Orten nicht halt.

Der Corona-Irrsinn hat allerdings einen echten Vorteil, denn meine Ausgaben in Oberwesel, abgesehen von der Wohnung und Benzin, waren überschaubare 15 Euro. Also fast 15 Euro für zwei Besuche in einer Bäckerei und einen bei Aldi. Das hätte mir zu Hause allerdings auch passieren können. Dazu habe ich noch neun Euro fürs Parken bezahlt und fertig war der Urlaub. So kann es weitergehen. Zumindest so lange bis nur noch mehrfach Geimpfte so etwas tun dürfen.

Vor der Rückfahrt tanke ich den Benz auf. Keine acht Liter hat er verbraucht, was ich großartig finde. Als ich auf dem Rückweg einmal anhalten muss, glaube ich, dass der Benz ausgegangen ist, weil ich nichts höre und merke. Doch den Benz läuft still und leise und ist keineswegs ausgegangen. Wäre ich nur halb so gut wie der Benz, wäre ich ein wirkich toller Mann. Die Rückfahrt ist sehr entspannt, ich höre Koletzki und fahre sogar manchmal 150 km/h. Dann komme ich zu Hause an und alles ist so, wie es immer war.

Oberwesel in Bildern

Am Ende eines Urlaubs folgen die traditionellen und natürlich kommentierten Fotos, um zu zeigen, wie schön so ein Urlaub tatsächlich sein kann, denn Fotos sagen mehr als nur Worte.

Auf dem Hinweg knackt der Benz die 200.000 Kilometer Marke. Bis zu meinem Ableben sollte er noch locker durchhalten und mich am Ende auch überleben.

 

Die Ferienwohnung übertrifft direkt nach dem Betreten meine Erwartungen. Schon alleine die Küche ist fast so groß wie meine gesamte Wohnung.

 

Eine Badewanne für die Entspannung und für einen Hauch von Romantik gibt es dieses Mal auch.

 

Ein Bett für zwei auch dieses Mal für mich alleine.

 

Ein Klavier in der Wohnung kann nie schaden und verleiht dem Aufenthalt eine besondere Note.

 

Burg Schönburg von weiter unten betrachtet. Eine wirklich schöne Gegend für einen Urlaub.

 

Hier verstarb am Wegesrand ein Fabelwesen. Dies ist eine Art Mahnmal, welches darauf hinweisen soll, dass alles vergänglich ist und es schneller vorbei sein kann als man glaubt.

 

Mein Frühstück war stets von gleichbleibender Qualität.

 

Nudeln gab es täglich zum Mittag, die veganen Sticks nur an zwei Tagen. Das Ganze würde auch nicht appetitlicher Aussehen, wenn das Foto von besserer Qualität wäre.

 

Eine Ort des Gedenkens und möglicherweise auch ein Mahnmal, welches darauf hinweisen soll, dass Wandern gefährlicher sein kann als man glaubt. Vielleicht starb Willy aber auch eines natürlichen Todes, weil seine Zeit einfach um war. Menschen haben nämlich nur eine begrenzte Haltbarkeit.

 

Ein Blick von oben auf Oberwesel. Herrlich. Oder?

 

Hier klettere ich mit meinen Wanderschuhen von einem Turm herunter. Ich liebe es, überall hochzugehen, den Weg herunter mag ich meist nicht so gern.

 

Bei einem Spaziergang auf der Stadtmauer entstand dieses prächtige Foto.

 

Das erste Vollbad des Urlaubs wurde vorbereitet. Natürlich bade ich im Urlaub nie ohne meine Enten. Eine davon blieb am Ende in Oberwesel zurück. Eine Tradition, die einfach Freude macht, weil sie unsinnig ist und einfach dazugehört.

 

Ein weiteres Paar Wanderschuhe, welches mich schon bei meinem letzten Urlaub begleitet hat. Bequem sind die Schuhe aber wirklich nicht besonders.

 

So sehe ich aus, wenn ich zu einer Wanderung aufbreche.

 

Aufgenommen beim geocachen. Auch dieses Foto ist von schlechter Qualität, was leider an der Kamera des Smartphones liegt. Aber soll man deshalb gleich ein neues Smartphone kaufen?

 

Ein weiteres paar Wanderschuhe, weil man nie genug Schuhe haben kann.

 

Das Pferd lernte ich am sonnigen Mittwoch kennen. Es hörte mir aufmerksam zu, fand mich aber vermutlich ziemlich seltsam.

 

Eine derart schöne Aussicht darf in keinem Rückblick fehlen.

 

Eine Weile saß ich sogar auf dem Kackstuhl und machte Selfies. Die zeige ich aber keinem, weil das einfach zu privat wäre zum jetzigen Zeitpunkt.

 

Vermutlich die Folgen des Corona-Irrsinns.

 

Ein derartiges Foto von mir gehört zu jedem guten Rückblick. Unschwer zu erkennen, dass ich zu warm angezogen war und dennoch gute Laune hatte. Wenig später erfuhr ich, dass ich nicht Mitarbeiter des Monats werde und mich betriebsschädigend verhalten habe.

 

So schaut es aus, wenn ich am Rhein sitze und über meine Zukunft nachdenke.

 

So schaut es aus, wenn Arschlöcher am Rhein sitzen und ihre Kippen direkt vor Ort entsorgen.

 

Fast wären wir Freunde geworden, doch dann fing es an zu regnen.

 

Eine Ente bleibt immer zurück. Hoffentlich geht es ihr dort auch in Zukunft gut.

 

Kurz vor meiner Abreise entdeckte ich diesen netten Kerl an einer Hauswand. So etwas hätte ich auch gerne. Und vielleicht könnte ich nach meinem Tod auch so auf meinem Balkon installiert werden.

 

Noch bevor die Parkzeit abgelaufen war, war ich längst wieder zu Hause und setzte mein bescheidenes Leben voller Elan fort.

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: