Ameisen

Ich habe sechs Blumenkübel auf dem Balkon. Darin befinden sich etwa 20 Pflanzen und Ameisen. Viele Ameisen. Aktive Ameisen. Ich habe nichts gegen Ameisen, will sie aber nicht auf meinem Balkon in der vierten Etage haben. Töten will ich sie eigentlich auch nicht, weshalb ich mich schlau gemacht habe, wie ich sie mit natürlichen Mitteln loswerden kann. Natron, Teebaumöl, Essigessenz, Zimtpulver. Habe ich alles ausprobiert, es hat die Ameisen sehr amüsiert. Natron mit Zucker habe ich sogar spendiert, weil sie sich immer weiter vermehrt haben. Sie sind nicht gestorben. Lavendelpflanzen habe ich gepflanzt, Pfefferminzöl verteilt, sie haben nur milde gelächelt. Alles was ich versucht habe, hat nur kurz für Aufregung gesorgt, die Ameisen rannten wild gestikulierend hin und her und beruhigten sich bald. Ich machte heißes Wasser, um sie damit zu übergießen und ihre Gänge zu fluten, sie quasi zu kochen. Sie tauchten munter durchs Wasser und manche von ihnen surften gar durch die Fluten. Ich griff zu Gift, sie lachten mich aus. Giftköder kann man prima zum Klettern und Spielen benutzen und noch mehr Ameisen einladen, was sie auch taten. Puste ich sie vom Balkon, klettern sie halt wieder rauf. Vermutlich macht es ihnen sogar Spaß aus der vierten Etage zu Boden zu segeln. Puste ich an einer Stelle, damit sie vom Balkon fallen, kommen immer neue Ameisen zu der Stelle, um auch vom Geländer gepustet zu werden. Was für Kinder das Bälleparadies oder ein Freizeitpark ist, ist für die Ameisen mein Balkon. Bei mir kann man was erleben, das spricht sich rum. Sitze ich in meinem Stuhl, kann ich sie beobachten, wie sie auf dem Geländer joggen, fangen spielen oder einfach nur gucken, welchen Spaß ich mir als nächstes für sie einfallen lasse. Vermutlich sind sie immer ganz aufgeregt, sobald ich den Balkon betrete und hoffen auf eine neue Bespaßung.
Nachdem ich gelesen hatte, dass Bienen Kaffeepulver mögen, Ameisen hingegen nicht, versuchte ich es damit. Und wie reagierten die Ameisen? Sie spazierten über das Kaffeepulver, hofften auf Wasser, um einen anständigen Kaffee zu trinken und freuen sich scheinbar, dass sie nun Kaffee konsumieren dürfen. Vermutlich kochen sie mittlerweile längst ihren eigenen Kaffee und haben schon Kaffeeplantagen angelegt. Während sie den frisch gebrühten Kaffee einnehmen, erzählen sie sich bestimmt Geschichten über mich und schauen mir dabei zu, wie ich Seifenblasen für sie produziere. Vielleicht ist es unser Schicksal gemeinsam hier über den Dächern von Brambauer alt zu werden und irgendwann zu sterben. Vielleicht ist das auch alles Blödsinn und ich verliere den Verstand. Vorher muss ich aber noch ganz viele Seifenblasen machen. Für mich und meine kleinen Freunde, denn sie haben sich schon wieder auf dem Geländer versammelt und schauen mir erwartungsfroh zu, dass ich endlich beginne sie zu unterhalten.

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