Heute führt uns die traditionelle Frühstücksrunde zu Hohoffs nach Waltrop. Das ist eine ganz andere Liga als Kanne oder Geiping. Nicht nur optisch. Eine völlig andere Welt.
Alleine die Auswahl überfordert uns. Wir entscheiden uns beide für eine Limonade und ein belegtes Brötchen. Während wir essen und plaudern, beobachten wir die Umgebung. Alleine die Anzahl des Personals ist enorm. Es kommen permanent neue Gäste, alles wirkt etwas gehobener. So schlecht kann es den Deutschen nicht gehen und hier sieht man auch das übliche Elend nicht. Einheimische Ausländer scheint es hier nicht zu geben. Hier scheint die Welt noch in Ordnung. Man ist unter sich. Wir fallen vermutlich nicht auf, sind aber nicht wirklich die Zielgruppe, die sich das hier öfter leisten kann. Hier ist eine der Oasen, in der der wahre Zustand des Landes verborgen scheint. Ein Zufluchtsort. Möglicherweise eine Illusion. Oder eine letzte Bastion, die noch nicht vereinnahmt wurde vom offensichtlichen Verfall und Zerfall der Gesellschaft.
Ein jüngeres, attraktives Pärchen kommt herein, schaut sich um und nimmt dann draußen Platz. Sie wirken, als hätten sie Geld, bestellen aber nur etwas zu trinken. Vielleicht haben sie zu Hause gefrühstückt, weil es ihnen zu teuer ist, hier zu frühstücken. Sie sitzen eine ganze Weile draußen, dann steigen sie in ihren Cupra-SUV und sind vergessen.
Unsere Brötchen waren groß und wir sind absolut satt geworden. Qualitativ wirklich empfehlenswert. Neben einer bunten Themenvielfalt sind es immer wieder die Beobachtungen der Gäste und des Ambientes, mit denen wir uns beschäftigen. Es ist schon ein Erlebnis hier, eine andere Welt.
Vier Porsche fahren auf den Parkplatz. Das passt einfach zusammen. Für diese Leute wurde diese Bäckerei geschaffen. Hier ist man unter sich, der ganz normale Durchschnitts-Pöbel, zu dem wir wohl auch zählen, ist meist woanders, bleibt draußen. Zumindest wirkt es so.
Wer sich das regelmäßig gönnt, den hat der Niedergang des Landes noch nicht erreicht. Hier sitzt man, selbst bei bewölktem Himmel, auf der Sonnenseite des Lebens. Und das ist hier sicher noch ziemlich einfacher Luxus.
Als wir bezahlen, zählt der Mann vom Personal auf, was wir alles hatten. Zwei Limonaden, zwei Brötchen und irgendein Cremetörtchen. Wir weisen ihn darauf hin, dass wir keine Süßigkeiten hatten. Man muss echt auf alles aufpassen, sonst zahlt man für Dinge, die einem nicht serviert wurden. Da ich heute mit dem Bezahlen dran bin, zahle ich 28,40 €. Kann man machen, ist aber Luxus pur. Die Große nimmt noch vier Pralinen, für die sie fast fünf Euro zahlt. Und dann steckt sie mir zehn Euro zu, weil sie nicht akzeptieren will, dass ich so viel für ein gemeinsames Frühstück bezahlt habe, obwohl ich an der Reihe war.
Ob wir nochmal wiederkommen, wissen wir nicht. Vielleicht in einem Jahr, wenn wir das Bedürfnis haben. Ansonsten werden wir wieder in die günstigen Bäckereien gehen, weil das Leben zu teuer geworden ist, um sich regelmäßig diesen Luxus zu gönnen.
Wer auf den Euro nicht achten muss, der kann sich ruhig mal bei Hohoffs in Waltrop etwas gönnen. Alle anderen haben zum Glück genügend andere Optionen. Noch.
Mich hat der Ausflug in die Welt der Reichen und Schönen eine Weile von den, meiner Meinung nach, immer mehr zunehmenden gesundheitlichen Problemen ablenken können. Das ist aktuell echt wichtig, weil ich tatsächlich kurz davor bin, ziemlich am Rad zu drehen. Es sind einfach zu viele Baustellen und kein Ende in Sicht

Das ist schon happig für ein bisschen Nahrung.
Ich ertappe mich immer wieder mal beim Umrechnen in D Mark.
Und bin entsetzt vom Wertverlust der Dinge.
Wann hätte man in nicht allzu weit entfernter Vergangenheit 1,50 DM für ein trockenes Brötchen?
Oder 5 DM für ne Tasse lala Kaffee?
Schöne neue Welt.
Ja, sehr happig.
Aber viele scheinen da kein Problem zu haben, so gut wie es besucht war.
Da ist sicher noch Luft nach oben. 😳
Das fürchte ich auch.
Ich bin aber auch ein Geizkragen.😵💫
Man muss aber auch gar kein Geizkragen sein, um das alles bedenklich zu finden. 😉
Ich finde es ja auch bedenklich, obwohl ich mein Geld immer gerne ausgebe.
… ich stelle mir das so vor:
der immer gestresste Immobilienerbe (immer gestresst, weil indifferente Angst vor Verarmung) hat vergangene Woche beim Porsche 4 neue Reifen bekommen — 2.600 Eu. Die verzogene Brut brauchte ein neues IPhone (nicht die 17er Prollversion sondern das ProMax) — 1.200 Euro. Die Gattin war beim Friseur (in Düsseldorf, weil „hier haben die keine Ahnung“) — 250 Euro. Bei manufactum ne neue Cordhose gekauft (die alte Hose glänzte an den Oberschenkeln etwas) — 279 Euro. Daraufhin gönnt man sich denne nen Doppio plus Croissant mit Käse und zur Verdauung noch ein Conjäckchen. Das ist nicht nicht die gleiche Klasse, nicht die gleiche Liga, das ist ein anderes Universum … Das Bewusstsein eines Menschen ist teilweise bestimmt erst einmal von dem Elternhaus geprägt, richtig entwickelt, ausentwickelt wird es später durch die Gesellschaft. Durch uns alle und dem Platz der Person darin.
Und es gibt sehr viele dieser Paralleluniversen.
Vermutlich haben wir sogar alle unser eigenes Universum.