Auf dem Weg zur Arbeit stelle ich fest, dass ich mir die Zähne nicht geputzt habe. Das ist, wenn ich mich richtig erinnere, bisher erst einmal vorgekommen. Ich schiebe es auf die heutige Online-Verhandlung, die mich stresst, obwohl ich dachte, ich wäre cool.
Erwartungsgemäß wird mir von Anfang an klargemacht, dass ich nicht nachweisen kann, dass die Wasserpumpe schon beim Einbau fehlerhaft war. Ein Gutachten würde über 1.000 € kosten und da ich mittlerweile sicher bin, dass ich nur verlieren kann, bin ich natürlich mit einem Vergleich einverstanden. Der Anwalt der Gegenseite weist direkt darauf hin, dass sein Auftraggeber nicht auf den Anwaltskosten sitzen bleiben wollen wird, und dann einigen sich alle darauf, dass ich zwar 85 €, statt der geforderten 400 € bekomme, aber etwa 221 € Anwaltskosten zu tragen habe. Ich weiß, wie gewinnen geht.
Ich hätte besser nicht beim Hersteller reklamieren sollen, und vor allem nicht Zahnriemen und Wasserpumpe wechseln sollen, weil ich dachte, es handelt sich um einen Garantiefall. Somit habe ich etwa 500 € einfach so vergeudet für Werkstatt-, Gerichts- und Anwaltskosten. Und vermutlich bin ich damit noch günstig davon gekommen. Hätte ich einfach nur die Wasserpumpe wechseln lassen und den Händler nicht gefragt, ob es sich um einen Garantiefall handelt, hätte ich mir diese teure Peinlichkeit erspart. Dummheit und mein Gerechtigkeitssinn haben mich wieder einmal ganz nach vorne gebracht. Darauf sollte ich keinesfalls aufbauen.
Eine Woche später habe ich Post vom Amtsgericht. Darin steht, dass wir auf dringendes Anraten des Gerichts einen Vergleich geschlossen haben. Das ist lustig, weil ich den Vergleich schon vorab schriftlich vorgeschlagen habe. Und so bekomme ich etwa 20 % der von mir geforderten Summe und muss gleichzeitig 80 % der Kosten des Rechtsstreits tragen. Die genaue Summe wird mir noch in einem separaten Schreiben mitgeteilt.
Damit endet ein völlig sinnloses Kapitel meines Lebens, bei dem ich wenig gelernt, aber viel bezahlt habe.
Die Sache mit der Gerechtigkeit.
Vergleiche dienen inzwischen nicht mehr dazu die Parteien zufriedenzustellen sondern die Anwälte zu bereichern.
Nach einigen Erlebnissen mit deutscher „Rechtsprechung „ favorisiere ich inzwischen die bulgarisch-rumänische Variante der Problemlösung: preiswert, schnell und effizient.
Ja, der Anwalt hätte eine andere Regelung auch nicht akzeptiert.
In Zukunft ohne mich.
Ja, ein solches Resultat stelle ich mir ärgerlich vor, wenn man etwas anderes angepeilt hat.