Zweimal Bochum und zurück

Ich kann es einfach nicht lassen, meine freien Montage mit irgendwelchen Terminen, die mit meiner Gesundheit zu tun haben, zu blockieren. Der erste Termin führt mich zu einem Orthopäden nach Bochum. Der Mann ist wohl eine Art Kniepapst. Nach einer Anreisezeit von etwa 45 Minuten, darf ich eine Stunde im Wartezimmer sitzen. Es ist ein großes Wartezimmer mit vielen Menschen und ich hasse es mit vielen Leuten in einem Raum zu sitzen. Zum Glück reden die meisten dieser Menschen nicht, sondern starren auf Ihre Smartphones und sind beschäftigt. Dennoch ist das alles mit zunehmender Dauer immer unangenehmer. Ich sollte mir echt ein sinnvolleres Hobby zulegen.

Dann bin ich endlich an der Reihe. Der Arzt biegt mein Knie hin und her und stellt irgendwelche Anspannungen/Verspannungen an den Bändern oder Sehnen fest. Zuhören war echt noch nie meine Stärke. Er zeigt mir die Aufnahmen, die vor ein paar Wochen gemacht worden, und erklärt mir dazu, was alles in Ordnung ist. Fast alles ist in einem einwandfreien Zustand.  Bleibt also dieses lästige und äußerst schmerzhafte Problem, genannt Läuferknie, was lange gebraucht hat, um sich so zu entwickeln, und lange brauchen wird, um zu verschwinden. Physiotherapie soll da helfen. Sechs Termine darf man mir aufschreiben, eventuell nochmal sechs und dann muss ich wiederkommen, wenn es noch nicht besser ist. Wichtig ist, dass ich die Übungen, die man bei der Physiotherapie mit mir macht, auch zu Hause mache. Zuhause bin ich sogar zu faul in der Nase zu bohren, wie soll ich mich da zusammenreißen und Übungen machen? Klingt unrealistisch. Es gibt auch die Möglichkeit eines operativen Eingriffs, wenn gar nichts mehr geht, aber es ist mehr als unwahrscheinlich, dass ich dazu irgendwann bereit sein werde. Dann gehe ich eben nie mehr joggen und werde immer unsportlicher und unsportlicher und unsportlicher. Wiederkommen möchte ich auch nicht, weil ich keine Lust auf Wartezimmer habe. Letztlich habe ich den kompletten Vormittag und kann meine Physiotermine sicher so legen, dass ich montags immer was zu tun habe. Schön bescheuert.

Nachdem ich die meiste Zeit des Tages irgendwo in der Wohnung lag, bin ich gegen 18.30 Uhr erneut in Bochum, wo ich wieder rumliege. Doch irgendwie will es mir nicht gelingen bei der Massage zu entspannen. So lange auf dem Bauch zu liegen ist einfach nichts für mich. Ständig muss ich meinen Kopf irgendwie anders positionieren und bin daher fast permanent in Bewegung. Dazu begleitet mich der ständige Gedanke daran, wie unpassend eine Erektion in so einer Situation wäre. So bin ich immer froh, wenn die Masseurin einen Punkt an meinem Rücken erwischt, der Schmerzen verursacht, denn Schmerzen erregen mich in der Regel eher nicht. Würde sie mit ihren weichen Händen nur sanft an mir rummassieren, könnte ich leicht in Verzückung geraten. Das möchte ich nicht. Wie soll man so entspannen?

Nach der Behandlung gibt es ein paar Procain-Injektionen in den Nacken. Dann muss ich mich auf den Rücken legen, um Injektionen in mein altes Knie zu bekommen. Kaum liege ich auf dem Rücken, lege ich die Decke über mich, damit möglichst wenig von mir zu sehen ist. Meine Figur mit diesem komischen Bauch wird mir immer peinlicher. Nach der Behandlung setzt sich die Heilpraktikerin entspannt auf die Liege, während ich mich ganz schnell anziehe. Ich schäme mich und bin alles andere als entspannt. Wieso fehlt mir nur der Ehrgeiz meinen alten Körper zu trainieren, damit der Bauch nicht weiter wächst? Nur gut, dass dieser Anblick nur bei der Massage oder Arztbesuchen zu einem echten Problem wird. Zu Hause unter der Dusche und beim Umziehen ist das zwar auch ein abstoßender Anblick, aber das sieht dann außer mir zum Glück niemand. Nie hätte ich es für möglich, dass ich mich mal so gehen lassen und mich dermaßen abstoßend finden würde. In zehn Jahren wird mir bestimmt schlecht bei meinem Anblick und ich muss mich dann immerzu übergeben. Gruselige Vorstellung. Mit dieser Vorstellung verabschiede ich mich und fahre nach Hause. Möglicherweise kann ich mich nicht mehr in Bochum massieren lassen.

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